Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen

Internationale Politik USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen

luchs35 †
luchs35 †
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Re: USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf vom 17.10.2014, 11:57:00
Ein Missverständnis, Magarit, ich meinte mit "Jammerkasten" nicht die diversen Threads im St, da war dies immer wieder trauriges und bedrückendes Thema. Ich meinte damit die Medien, die dieses Elend nur noch am Rande beleuchten oder mit einer Zwischenbemerkung abtun. (intern als "Jammerkasten" bezeichnet)

Oder liest oder hört man irgendwo darüber, dass es die PKK-Kurden waren, die einen grossen Teil der in die Berge geflohenen Menschen befreiten und in Sicherheit brachten? Den noch dort Verbliebenen ist jetzt der Weg abgeschnitten, weil die Türkei abriegelt und die PKK bombardiert.

Den Weg freibombardiert haben die USA und ihre Partner nur dort, wo die irakischen Flüchtlinge eingeschlossen waren, die dann im autonomen Gebiet Erbil/Kurdistan aufgenommen wurden und bis heute versorgt werden, egal,welchem Glauben sie angehören.

Und Erdogan will sich die Kurden und vor allem Assad vom Hals schaffen.

Kobane ist zu einem Prestigekampf USA/Verbündete mit dem IS geworden, der den Menschen dort zum Verhängnis wird. Dass dort offenbar Bodentruppen aus dem Iran als Partner Assads die USA und ihre Verbündeten unterstützen, wird auch nur "laut gedacht", denn die Interessen der beiden Länder sind verschieden. Iran will dadurch in der Atomfrage Konzessionen erzwingen, Obama dagegen muss Rücksicht auf die Republikaner und Israel nehmen.

Luchs
adam
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Mitglied

Re: USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen
geschrieben von adam
als Antwort auf luchs35 † vom 17.10.2014, 11:46:03
Aber in meinen Augen ist es nicht nur die Türkei, die hier ein undurchschaubares Spiel treibt. Es gibt auch keine klaren Vorstellungen seitens der USA und ihrer Koalitionspartner, was politisch nötig wäre, um die Kampfmaschine IS und ihre menschenverachtende Ideologie zu besiegen.


Hi luchs,

bei mir bestärkt sich der Eindruck, daß die USA samt Nato-Staaten den IS nur von der türkischen Grenze fern halten wollen, um den Verteidigungsfall für die Türkei zu vermeiden, der dann nötigenfalls auch mit Bodentruppen der Natostaaten geführt werden müßte.

Es gibt auch gemeinsame Interessen des Westens mit dem IS. Wenn der IS Assad in Syrien stürzt, verlöre der schiitische Iran, aber auch Russland einen Verbündeten am Mittelmeer und der Nachschub an die Hisbollah im Libanon wäre empfindlich gestört.

Welches Spiel spielt Saudi Arabien? Dort laufen die Fäden der Entstehung und der Finanzierung des IS zusammen. Das Königstum der Saud hat nur Bestand in Verbindung mit dem Wahabitentum (Salafisten). Die Wahabiten sind im restlichen Arabien eher unbeliebt und durch die zunehmende Liberalisierung Arabiens wird der erzkonservative Islam der Wahabiten zusehens zurück gedrängt. Arabien unter der Knute des IS wäre den Sauds sicher willkommen, solange diese heuchlerischen Verbrecher die Systeme der arabischen Halbinsel nicht bedrohen. Würden allerdings die Sauds selber bedroht, bräuchten sie den Schutz des Westens und der könnte seinen geostratgischen Einfluß erhalten, ja ausbauen und versuchen, den IS zu isolieren, nachdem der für die Interessen des Westens ausgedient hat.

--

adam
luchs35 †
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Re: USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf adam vom 17.10.2014, 15:17:33
Hallo Adam,
aber das wäre ja ein recht riskantes Spielchen, das da die USA plus Nato und Türkei vor den Augen der Welt aufführen würden. Ausserdem mag ich da nicht einmal mehr in den verschiedensten religiösen Kategorien denken, denn der IS ist ein absolute Bedrohung weltweit, auch wenn es sich jetzt noch in den arabischen Ländern abspielt. Mit einer solchen fanatischen Mörderbande wird sich keiner alleine anlegen wollen. Sogar die Saudis und Qatar sind letztendlich zurückgeschreckt, denn sie wissen, dass der IS alle vom Thron stürzen würden, bekämen sie da die Macht.

Nein, ich meine, dass ganz einfach die Strategie fehlt, denn mit einem solchen mörderischen Gegenüber ohne klare Grenzen ist die ganze Welt bedroht. Jedes System würde sich in Anarchie auflösen, wenn in den Ländern- oder soll man schon Kontinenten sagen?- erst einmal tagtäglich Terroranschläge der schlimmsten Art stattfinden würden. Nichts zerstört Menschen so sehr wie tägliche Bedrohung, die wir uns hier kaum vorstellen können.

Nach Ursprung und Schuld zu suchen ist die eine Sache. Aber wie diese Situation zu lösen wäre, ist wieder eine andere. Das erfordert eine weltweite Strategie. Bis jetzt aber haben wir nun Hickhack der verschiedensten Art.
Es dürfte bei der Türkei auch eine gewisse Rolle spielen, dass die USA und die Nato im Bündnisfall wohl eingreifen müssten, andererseits nicht gerade „geschickt im Gewinnen“ von Kriegen sind, die allesamt nichts Besseres brachten als noch mehr Hass.
Luchs

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puckin
puckin
Mitglied

Re: USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen
geschrieben von puckin
als Antwort auf luchs35 † vom 17.10.2014, 17:08:20
Na die kriegserklärung des IS an die übrige (christliche) welt ist schon da.
Kampf bis zum sieg, auch über mehrere generationen.
Auch die aufforderung an alle muslims kreuzfahrer (alle menschen in ländern, die sich am kampf gegen den IS beteiligen) zu töten ist verkündet.
Dann hätten wir den tödlichen terror in europa und auch in deutschland.
Re: USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen
geschrieben von ehemaliges Mitglied
Ein Interview mit dem Nahost-Experen Michael Lüders,
spekuliert Ankara gegenwärtig auf den NATO-Bündnisfall?

"Im Grunde genommen besorge der IS das Geschäft der Türkei, indem er die kurdischen Autonomiebestrebungen im Norden Syriens zerstört, sagte Nahost-Experte Michael Lüders. "Und gleichzeitig kann man auf diese Art und Weise die PKK schwächen, die in der Türkei als Terrororganisation gilt."

Die türkische Regierung begehe denselben Fehler wie viele andere Akteure in der Region auch, "die geglaubt haben, man könne radikale Islamisten für die eigenen Zwecke benutzen..."

"Was Syrien angehe, wolle die Türkei um jeden Preis das Assad-Regime gestürzt sehen. Die türkische Regierung glaube offenbar, dass die über eine Million syrischen Flüchtlinge dann wieder in ihre Heimat zurückkehrten."
Edita
Edita
Mitglied

Re: USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen
geschrieben von Edita
als Antwort auf adam vom 17.10.2014, 15:17:33

Welches Spiel spielt Saudi Arabien? Dort laufen die Fäden der Entstehung und der Finanzierung des IS zusammen.
adam
geschrieben von adam


Letzterer Satz ist genau der Punkt, nicht das Öl, nicht die Mullahs und nicht der Persische Golf führen die Westliche Allianz und die Saudis zusammen, sondern das Wissen um die IS-Milizen, von hier hat ja erstens die Ausbreitung des Salafismus ihren Anfang genommen, ideologisch und finanziell, und zweitens gibt es ja keinen Unterschied in der Auslegung des Islam, im Köpfe abschneiden stehen die Saudis den IS-Mördern in nichts nach, nur bei den einen ist es Mord und bei den anderen ist es religiöse Rechtssprechung!
Finanziert werden sie vom Königshaus mit Sicherheit nicht mehr, denn das haben sie wohl gar nicht mehr nötig, außerdem ist das Königshaus deren ärgster Feind, erstens weil es der allumfassende Herrscher auch über Mekka und Medina ist, und zweitens König Abdullah letztes Jahr die Frauenrechte a weng gelockert hat, für unsere Verhältnisse
" a weng " für die dortige stramm-rechtskonservative " Opposition " eine ungeheuerliche Auslegung des Islam, so.......und mit diesen
" Mächten " hat der absolutistische Monarch zu kämpfen, und darum ist er gewillt, mit der westlichen Allianz eine Liaison einzugehen, hoffentlich, hoffentlich trägt sie Früchte!

Edita

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Re: USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen
geschrieben von ehemaliges Mitglied
Washingtons handelt eigenmächtig und erreicht eine Korrektur der türkischen Politik.

" USA warfen Waffen über Kobane ab

Nur wenige Stunden später zeigte sich, dass die USA die türkischen Bedenken ignorieren. US-Flugzeuge vom Typ C-130 warfen 27 Pakete mit Waffen, Munition und Verbandsmaterial über Kobane ab. Das Material hatte die Regierung der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak bereitgestellt. Unter anderem soll das US-Militär Kalaschnikows und Panzerfäuste über der umkämpften Stadt abgeworfen haben....

Die türkische Regierung ändert ihre Politik gegenüber den Kurden in Syrien: Die Türkei helfe den Peschmerga aus dem Nordirak dabei, nach Kobane zu gelangen, sagte Außenminister Mevlut Cavusoglu überraschend auf einer Pressekonferenz."
olga64
olga64
Mitglied

Re: USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen
geschrieben von olga64
als Antwort auf Edita vom 16.10.2014, 18:19:07
Ich denke, liebe Edita, Sie und ich (und alle hier Diskutierenden) sind einfach keine Militärexperten (auch wenn viele Diskutanten dies von sich selbst meinen) und haben auch nur die Infos, die zugänglich sind. Aber einigen wirklichen Militärexperten glaube ich schon, wenn die sagen, dass ohne Bodentruppen in diesem unwegsamen Gelände an der langen Grenze zur Türkei nicht beizukommen ist. Aber weder Obama noch die westlichen Regierungen werden dies ihren Völkern "schmackhaft" machen können, dass dann Zinksärge mit den toten Soldaten zurückkommen und dieser Krieg gegen die Terroristen trotzdem noch viele Jahre dauern wird. Die IS gibt es ja auch nicht erst seit einigen Wochen, sondern seit vielen Jahren und konnten unbeobachtet ihr Kalifat aufbauen und ihre Grausamkeiten leben. Olga
luchs35 †
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Re: USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf vom 20.10.2014, 13:27:12
Bodenkämpfe könnte ohne weiteres den irakisch- kurdischen Peschmerga, den syrischen Kurden und auch den PKK-Kämpfern überlassen werden. Vor allem die Peschmerga hat bewiesen, dass sie selbst mit einer veralteten Kalaschnikow-Ausrüstung die IS in Schach halten können.
Luftschläge allein können keine Kriege beenden, das wurde im Irak und Afghanistan deutlich.
Die USA hat nun Nägel mit Köpfen gemacht und wenigstens den aufopfernd kämpfenden Kurden Waffen und Munition abgeworfen, um sie zu unterstützen und nebenbei der herumlavierenden Türkei eine Ohrfeige verpasst, die sie hoffentlich verstanden hat. Erdogan will nun den irakischen Kurden die Einreise nach Kobane erleichtern. Das ist zwar trotzdem kein Politikwechsel, aber wenigstens mal ein Schritt in die richtige Richtung.
Allerdings wird sich erst in den kommenden Tagen und Wochen zeigen, ob Erdogan unter dem Druck der USA den Terrormilizen wirklich den Kampf ansagt und der USA die türkischen Flughäfen zur Benutzung freigibt.
Schliesslich bedrohen die Jihadisten auch ganz Anatolien, da darf es auch keine Absprachen zwischen der Türkei und dem IS geben.
Aber Absprachen zwischen Kurden und der Türkei sind dringend notwendig , denn gerade die Kurden dürften die Einzigen sein, die den IS aufhalten können, das haben sie bereits bei den Kämpfen um Erbil bewiesen.
Dass sie einen eigenen Staat dabei im Kopf haben, darf man voraussetzen, aber ich würde ihnen den auch von Herzen gönnen. Aber das ist ein anderes Kapitel, das so oder so kommen wird.

Luchs
olga64
olga64
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Re: USA. Grünes Licht für gezielte Luftangriffe auf IS-Terroristen
geschrieben von olga64
als Antwort auf luchs35 † vom 22.10.2014, 16:58:50
Anscheinend haben die IS auch einen Teil der von den US abgeworfenen Waffen erbeutet - das ist natürlich die Schattenseite dieser Strategie.
Die Kurden bestehen ja aus vielen unterschiedlichen Strömungen, die auch untereinander zerstritten sind und differierende Ziele verfolgen und in diversen Ländern leben (Syrien, Irak, Türkei usw.) Insgesamt sind sie das grösste Volk auf der Erde, das über keinen eigenen Staat verfügt.
Aber nur um Erdogan als Missetäter zu benennen, erscheint mir zu kurzsichtig. Es gibt viele Türken, die in ERinnerung an das jahrzehntelange Gemetzel der Kurden in der Türkei ihren Präsident auffordern, hier harte Kante zu zeigen und nicht nachzugeben. ES ist also nicht nur die Einzelentscheidung eines Despoten. Olga

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