Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.

Internationale Politik Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.

aixois
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RE: Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.
geschrieben von aixois
als Antwort auf olga64 vom 25.11.2019, 17:03:32

@ Olga
@Marina

Wieviel US Soldaten in DE stationiert sind ist - wie Olga schon sagt - schwer zu sagen. Zusammen mit Japan sind es die größten Kontingente außerhalb der US (für DE variieren die Zahlen zwischen  35.000 - über 80.000, je nachdem, ob Zivile und Familien usw mitgerechnet werden).
Weithin unbekannt sind auch die Funktionen die die verschiedenen Dienststellen/Garnisonen erfüllen (wie z.B. Europa Hauptquartier EUCOM/ Afrika HQ/ Marine Kommando für Europa u Afrika, HQ Luftwaffe, größtes Militärlazarett, größter Air force Flughafen, größter Truppenübungsplatz in Europa,  Drohneneinsatzsteuerung für middle east usw. usw.).

Diese Einrichtungen dienen der Sicherheit und der Verteidigung der USA, es sind keine NATO Einrichtungen, auch nicht Grafenwöhr.

Für den riesigen (Europa größten !) Truppenübungsplatz  Grafenwöhr/Vilseck/Hohenfels z.B. (wo mein Vater noch im März/April 1945 anfangen musste, das Schiessen zu lernen)  bestimmen ausschließlich US Stellen, welche Soldaten aus welchen Ländern dort im 'joint multinational command training center'  ausgebildet werden dürfen. Das waren in 2018 über 350.000 Soldaten(!) aus aller Herren Länder, im Schnitt 1000 Soldaten pro Tag. Gegen Bezahlung darf dort auch die Bundeswehr üben. Es gehen sogar Gerüchte, wonach dort auch Ukrainer geübt haben sollen.

Andere Stimmen sagen, dass dort Soldaten an US Geschützen ausgebildet würden bzw.sie in ihrer Funktion kennenlernen könnten, was den Rüstungsherstellern eigene Übungsplätze ersparen würde ...
Ausserdem ist in Grafenwöhr eine Eingreifbrigade (jederzeit kampfbereites Stryker Regiment) stationiert,die sich zugute hält; weltweit in 96 h mit ihren speziellen Radpanzern einsatzbereit sein zu können.

In Netzaberg leben 1/3 der dort stationierten Offiziere/Soldaten in Häusern, die nach US Standards gebaut und eingerichtet wurden (110V etc.).new town Netzaberg Seit 2017 gibt es auch eine fast 20 Millionen $ teure Garnisonskirche (thread hat mit Kirche zu tun 😉!), neben Schulen, Gemeindehaus usw.

Wie Olga richtig schrieb, arbeiten auch etliche Deutsche (ca.10- 12.000) in diesen Einrichtungen. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass sich Deutschland mit mindestens 720 Millionen EUR an den Betriebs-/Baukosten in den letzten 7 jahren beteiligt hat und nochmal bis 2030 mit ca. 650 Millionen EUR dabei sein dürfte.
Direkt ausbezahlt wären das pro deutschem Arbeiter  das so um die 60.000 EUR/Jahr oder 5.000 EUR im Monat (Achtung Milchbubenrechnung !).

Dabei fallen mir Diskussionen ein,  die damals zu Zeiten des kalten Krieges in vielen  von den (US Raketenbasis) Kasernen profitierenden Regionen geführt wurden.  Etliche Gegner argumentierten, dass diese Standorte als erste in die Steuerung der (russischen) Raketen des Feindes einprogrammiert worden seien .... und somit der Vorteil für die Bevölkerung nur ein vermeintlicher
sei.

Marina, ich finde Informationen auch auf diesem Gebiet können nützlich sein , gerade in einer Zeit, wo es knirscht in den Beziehungen DE - US,  wie es scheint allerdings eher einseitig .Eine jüngste Umfrage zeigt: für 3/4 der US Bürger sind die Beziehungen zu DE sehr /gut, während umgekehrt nur ca 1/3 der Deutschen dieser Meinung sind. Da liegt noch viel Meinungsbildung vor uns !

RE: Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.
geschrieben von marina
als Antwort auf aixois vom 26.11.2019, 16:05:31

@Aixois,
vielen Dank für deine Mühe. Ich hätte nie mit einem solchen Ausmaß amerikanischen Militärs in D‘land gerechnet, und ich wette, da bin ich nicht die Einzige. Wie ich schon schrieb - ich bin ziemlich schockiert über dieses Ausmaß; da bin ich jetzt sicher auch nicht die Einzige, aber die Einzige, die es zugibt.

Und Olga bitte ich, einfach zu akzeptieren, dass es Leute gibt, die eine andere Haltung zu diesem Tatbestand einnehmen als sie. Ich brauche hier keine Belehrungen.

aixois
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RE: Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.
geschrieben von aixois
als Antwort auf marina vom 26.11.2019, 16:21:32

DA NICH FÜR ...

ich war mal mit der Frage befasst, welches Recht in diesem Zusammenhang eigentlich gilt (deutsches/amerikanisches/ oder je nach Fall beide ?). Da gibt es eine extra Stelle dafür für Rechtsfragen (z.B. Geltung des deutschen Arbeitnehmervertretungsrecht/Betriebsräte usw.).

Ist bisschen kompliziert, zeigt aber eine gewisse Extra-Territorialität solcher Einrichtungen, d.h. DE hat da nicht viel bis nichts zu sagen.

All diese Besorgnisse gehören meines Erachtens in die seit 1990 überfällige Debatte über die von den Bürgern erwünschte Sicherheit in Europa.

 


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RE: Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.
geschrieben von marina
als Antwort auf aixois vom 26.11.2019, 16:43:26

Was die "von den Bürgern erwünschte Sicherheit in Europa" betrifft, da bin ich nicht gefragt worden, und ich bin auch eine Bürgerin. Und ich als Bürgerin bin nicht davon überzeugt, dass durch mehr Militär, noch dazu mit Atomsprengköpfen, mehr Sicherheit gewährleistet ist. Die Waffen sind schließlich dazu da, auch mal angewendet zu werden und nicht nur rumzuliegen.
Es gab mal die Parole "Frieden schaffen mit weniger Waffen", irgendwie ist die in Vergessenheit geraten.

Und siehe da, sogar in der "Welt" von Springer finde ich dazu einen Aufsatz vom alten Franz Alt: Weniger Waffen bedeuten mehr Sicherheit für alle.

olga64
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RE: Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.
geschrieben von olga64
als Antwort auf marina vom 26.11.2019, 16:57:00
Was die "von den Bürgern erwünschte Sicherheit in Europa" betrifft, da bin ich nicht gefragt worden, und ich bin auch eine Bürgerin. Und ich als Bürgerin bin nicht davon überzeugt, dass durch mehr Militär, noch dazu mit Atomsprengköpfen, mehr Sicherheit gewährleistet ist. Die Waffen sind schließlich dazu da, auch mal angewendet zu werden und nicht nur rumzuliegen.
Es gab mal die Parole "Frieden schaffen mit weniger Waffen", irgendwie ist die in Vergessenheit geraten.

Und siehe da, sogar in der "Welt" von Springer finde ich dazu einen Aufsatz vom alten Franz Alt: Weniger Waffen bedeuten mehr Sicherheit für alle.
Ich möchte vorausschicken, dass ich Sie, liebe Marina, nicht belehren möchte, sondern lediglich eine ander Meinung zu diesem Komplex habe, die Sie mir - so wie ich Ihnen - bitte ebenfalls vergönnen mögen.
Wer hätte Sie vor 70 Jahren als Bürgerin befragen sollen? Wären Siedamals schon in der Lage gewesen, eine Antwort zu geben, bzw. die Komplexität eines besetzten Landes, das Deutschland nach dem verlorenen 2. Weltkrieg war, überhaupt zu verstehen?
Es gab auch mal von dem verstorbenen Herrn Struck die Losung ,dass die Sicherheit Deutschlands auch am Hindukusch verteidigt würde.
Bis jetzt haben wir es meist gut geschafft, bei militärisch nötigen Beteiligungen uns rauszuhalten, in dem wir auf unsere Geschichte verwiesen und unsere Politiker die Probleme darlegten, die eine Parlamentsarmee wie die Bundeswehr mit den Abstimmungsprozedere usw. nun mal hat.
Das wurde von unseren Partnern bisher auch immer so akzeptiert, was dann natürlich auch den Nachteil hatte, dass die Bundeswehr sukzessive verrottete.
Schon vor einigen Jahren erklärten Herr Gauck, Herr Steinmeier, Frau Merkel und Frau von der Leyen, dass grösseres Engagement auch von Deutschland erwartet würde und wir nicht so ohne weiteres bei komplizierten Weltlagen den Blutzoll der anderen abrufen können, uns selbst aber raushalten wollten.
Wie wollen wir das eigentlich machen, wenn es jemals zu einem EU-Militärprojekt kommt? Wieder raushalten?
Und wenn wir aufgrund unserer geografisch "günstigen" Lage dann wirklich angegriffen werden (von wem auch immer und wann auch immer) - aber selbstverständlich die solidarische Hilfe der anderen abrufen würden?
Auch Herr Alt hat recht - nur diesen Spruch gibt es schon lange und hat er jemals irgendwo dafür gesorgt, dass er Frieden weltweit grösser wurde? Olga
RE: Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.
geschrieben von marina
als Antwort auf olga64 vom 26.11.2019, 17:12:26

Wer hätte Sie vor 70 Jahren als Bürgerin befragen sollen? Wären Siedamals schon in der Lage gewesen, eine Antwort zu geben, bzw. die Komplexität eines besetzten Landes, das Deutschland nach dem verlorenen 2. Weltkrieg war, überhaupt zu verstehen?
 
Stimmt, Olga, aber ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mein Vater sich aufgeregt hat, als in den 50er Jahren von einer neuen Wiederbewaffnung die Rede war und sie geplant wurde. Der hat sich damals aktiv in die Proteste dagegen mit eingebracht, und ich stelle gerade fest, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. 😉

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olga64
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RE: Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.
geschrieben von olga64
als Antwort auf marina vom 26.11.2019, 17:32:40

Glückwunsch, liebe Marina. Wie man sieht, kann man sich sein Elternhaus nicht aussuchen. Mein Vater holte in dieser Zeit alte Hitlerbilder hervor und lud seine Kumpanen ein, wo sie dann fachsimpelten, was Adolf hätte besser machen können aber nicht unter dem Aspekt "weniger Morde".
Als Kind wurde ich dann rausgeschickt, weil die Eltern und Kumpane dann doch Bedenken hatten, ich würde das in der Schule erzählen.
Später erlernte ich dann, dass die BRD mit der Wiederbewaffnung ihre Souveränität erhielt, was aber auch im Zusammenhang mit der DDR zu sehen war, die ebenfalls aufrüstete, aber unter anderen "Schutzmechanismen".
Von der Gründung der Bundeswehr in 1955 bekam mein Vater nicht mehr viel mit, weil er 1959 an einem Herzschlag plötzlich verstarb. Olga

RE: Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.
geschrieben von marina
als Antwort auf olga64 vom 26.11.2019, 17:55:09

Ja, Olga, ich habe ja schon an anderer Stelle mal geschrieben, dass mein Vater von Anfang an gegen Hitler und diese ganze Ideologie war, später dann gegen die Wiederbewaffnung, und dafür bin ich einfach nur dankbar. Ich hatte da einfach Glück, mehr kann ich dazu nicht sagen, denn es ist nicht mein Verdienst. Aber es ist ein gutes Gefühl für mich, dass ich in dieser Beziehung meinen Eltern nichts vorwerfen muss. Dafür gab es andere Probleme, an denen ich als Kind schwer zu tragen hatte, aber die haben hier nichts zu suchen.

olga64
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RE: Wo die katholische Kirche Recht hat, unsere Welt ist geteilt durch eine perverse Zwiespältigkeit.
geschrieben von olga64
als Antwort auf marina vom 26.11.2019, 18:09:23

Das verstehe ich gut, Marina.
Auch wenn mich mein Elternhaus sehr geprägt hat und insbesondere politisch dies oft problematisch für mich war, bin ich längst aus dem Stadium raus, hier Vorwürfe zu machen.
Je erwachsener ich wurde, desto öfters und ehrlicher stellte ich mir auch die Frage, wie ich mich denn verhalten hätte. Wäre ich wirklich so todesmutig gewesen, hätte rebelliert und wäre auch bereits gewesen, dann in ein KZ geworfen und getötet zu werden?
Wir sehen das ja alles durch unser Brille der Demokratie und des jahrzehntelangen Friedens, in dem wir leben können und dürfen. Diese Form von Kind-Arroganz habe ich schon vor Jahren abgelegt. Die Aufarbeitung konnte ich aber nur mit meinem Bruder durchführen, weil die Eltern teilweise nicht mehr lebten, bzw. unzugänglich waren. Olga


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