Forum Soziales und Lebenshilfe Lebenshilfe Fernsehen, ein Segen für Bettlägerige !

Lebenshilfe Fernsehen, ein Segen für Bettlägerige !

Lusches76
Lusches76
Mitglied

Re: Fernsehen, ein Segen für Bettlägerige !
geschrieben von Lusches76
als Antwort auf arno vom 26.10.2007, 22:40:40
Hallo an alle,


Mein Vater erkrankte im Jahre 2003 an PSP im Alter von 66 Jahren
Aufgrund seiner Blicklähmung und spätere Bettlägerigkeit, war ein normaler Tagesablauf fast nicht mehr möglich.
Meine Mutter kümmerte sich ständig um Ihn, sein Blick traf immerwährend an die Zimmerdecke,
Natürlich holten wir Ihn so oft als möglich aus dem Bett heraus in einen Pflegesessel, jedoch veränderte sich dadurch aufgrund von Kontrakturen seine Blickrichtung nur wenig.
Zudem erhöhte sich in dieser Position die Gefahr der Dekubitusbildung.
Dreimal Täglich war das Pflegepersonal vor Ort. Zudem hatten wir eine weitere Pflegekraft auf 400€ Basis angestellt die Ihn beschäftigte. ( Vorlesen, Spaziergänge, Bewegungsübungen etc.)
Dennoch war meine Mutter (fast 70 Jahre) gerade in den Abendstunden allein mit ihm.

Mein Vater konnte sehr schlecht auch nur kurz alleine bleiben, jedes Geräusch förderte seinen Drang zu rufen, seine Blicklähmung kam einer Blindheit gleich, somit rief er ständig nach meiner Mutter.
Dieses Verhalten machte meiner Mutter sehr zu schaffen.
Gewissensbisse ließen Sie kaum noch den Raum verlassen, da mein Vater auch ständig versuchte aufzustehen. Zu diesem Zeitpunkt suchte ich oft Rat in diesem Forum, da irgendwann Kräfte und Ideen ausblieben.
Wir ( Ich, Sohn, 33 Jahre / Tochter, 39 Jahre, Krankenschwester ) versuchten unterstützend alles um meine Mutter zu entlasten, jedoch waren wir zudem noch Berufstätig.
Alle Anstrengungen waren meist vergeblich.
Das Fernsehschauen war mit zunehmendem Krankheitsverlauf das Einzige womit er sich täglich ein paar Stunden "allein" beschäftigen konnte und auch wollte!
Leider musste ich damals feststellen, dass das Fernsehschauen als Möglichkeit der Beschäftigung immer negativ angesehen worden ist. natürlich sollte dies keine Möglichkeit der "Abschiebung" sein oder zu einer 24 Stunden Beschäftigung ausarten.
Jedoch stellte diese Art der Beschäftigung sicher, dass mein Vater mal 2 bis 3 Stunden am Tag alleine beschäftigt war.
Innerhalb dieser Zeit war es für meine Mutter eine kleine Ruhepause, ohne das schlechte Gewissen in sich tragen zu müssen nicht an seiner Seite zu verweilen.

Aber wie, fragten wir uns, ein aufrechtes Sitzen war kaum möglich, die häuslichen Gegebenheiten ließen es nicht zu den Fernseher an die Decke zu hängen, zumal sich sein Blick durch die ständigen Lagerungen änderte.

Stellenweise durchsuchte ich ganze Nächte lang das Internet in der Hoffnung nach Hilfe.
Wir konnten doch nicht die Einzigen sein, die eine Möglichkeit suchen einem Bettlägerigen das Fernsehschauen zu ermöglichen.
Selbst Halterungssysteme wie Sie in einem modernen Krankenzimmer angebracht sind, sind als "Normalverbraucher" gar nicht zu erwerben, bzw. zu bezahlen.

Somit mussten wir selbständig so eine Vorrichtung Basteln

Der Lohn meiner Bemühungen war der zufriedene Gesichtsausdruck meines Vaters, endlich wieder eine Sendung verfolgen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war seine Sprachfähigkeit komplett erloschen. Ich glaube, ich habe mit dieser Idee dazu beigetragen, die ihm noch verbliebene Zeit ein wenig lebenswerter zu gestalten und habe es mir zur Aufgabe gemacht, diese auch an andere, ähnlich Betroffene weiterzugeben. Weitere Verbesserungen und Erfahrungswerte ließen dieses Multiflex-System in der heutigen Ausführung entstehen.
Die Internetseite befindet sich teilweise noch im Aufbau

www.MultiFlex-TV.de


Aus der Not heraus
VAM
VAM
Mitglied

Re: Fernsehen, ein Segen für Bettlägerige !
geschrieben von VAM
als Antwort auf arno vom 26.10.2007, 22:40:40
Oh ja, wie sehr sehe ich an meiner Mama, die ist seit 15 Jahren bettlägrig und sie hat auch nur noch das Fernsehen und Radio! Ich bewundere sie mit jeder Faser meines Seins, denn ich hätte mir schon lange 20 Pillen eingeworfen. Sie ist dabei immer noch gut gelaunt und baut uns Kinder mit ihrer unerschöpflichen Kraft immer noch auf, wenn es uns mal schlecht geht. Ich hoffe so sehr, dass ihre Sehkraft nicht noch mehr nachlässt, denn blind und bettlägrig ist eine Strafe sondergleichen.

lg,
VAM
olga64
olga64
Mitglied

Re: Fernsehen, ein Segen für Bettlägerige !
geschrieben von olga64
als Antwort auf VAM vom 10.01.2013, 23:53:52
Meine Mutter war die letzten Jahre bis zu ihrem Tod mit 92 Jahren auch bettlägerig; aber Fernsehen hatte und wollte sie nicht in ihrem Appartment des Pflegeheims. Da sie immer gerne gelesen hatte, waren Hörbücher für sie eine Segnung - wir versorgten sie ausreichend damit.Auch das RAdio lief den ganzen Tag. Wenn wir sie besuchten, lasen wir ihr auch ihre geliebte Südd. Zeitung vor und unterhielten uns mit ihr. Das war ihr (und auch uns) lieber als Fernsehen, das sie am Ende aufgrund von Augenproblemen nicht mehr hätte sehen können. Olga

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