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Literatur Angelika Schrobsdorff ist tot

olga64
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Angelika Schrobsdorff ist tot
geschrieben von olga64
Von dieser Schriftstellerin las ich mit grosser Begeisterung ihre diversen Bücher. Ich stufte sie immer als sehr starke Frau ein, auch wenn sie ihren Focus doch immer auf ihre Schönheit und ihre Weiblichkeit setzte, um so einigen Stürmen in ihrem Leben aus dem WEge zu gehen (bzw. diese Winde sich dann zu Stürmen entwickelten).
Sie starb nun nach einem sehr bewegten Leben, das sie ebenfalls in ihren Büchern schilderte, mit fast 90 Jahren. Am Ende hörte man nicht mehr so viel von ihr und wenn doch, dann war doch viel Negatives von ihr zu hören. Dies ist wohl der Preis solcher Frauen, die dann doch in einer grossen Bedeutungslosigkeit versinken. Ich hoffe, sie wird nun ihren Frieden finden, wo immer sie auch sein wird. Olga
Re: Angelika Schrobsdorff ist tot
geschrieben von WoSchi
als Antwort auf olga64 vom 02.08.2016, 17:57:47
EIne wirklich sehr beeindruckende Frau, vielen Dank für Deinen kleinen Nachruf. Auch ich habe einige ihrer Bücher mit Begeisterung gelesen, besonders "Jerusalem war immer eine schwere Adresse"hat mich gefesselt, zumal ich es las, als ich selbst in Israel weilte. Eine scheinbar sehr starke Frau, die es sich im Leben nicht leicht gemacht hat und der das Leben es auch nicht leicht machte - aber auch in friedlicheren Zeiten als in ihrer Jugend scheint sie sich lieber für den krummen und nicht den geraden Weg entschieden zu haben. Irgendwie hat mir das immer sehr gefallen. Keine Frau, die sich gerne anpasste - ich muss mal wieder ihr Buch "Die Herren" lesen - das war seinerzeit ein Skandal .
Re: Angelika Schrobsdorff ist tot
geschrieben von marina
Ja, und sie hat neben "Jerusalem war immer eine schwere Adresse" auch "Wenn ich dich je vergesse, oh Jerusalem "geschrieben. Zwei Bücher, die auch ich unteren anderen Büchern von ihr mit großem Interessen gelesen habe. Hier artikuliert sie deutlich ihr Entsetzen über die ungerechte Behandlung der Palästinenser in Israel und die hier gelebte Apartheid.

Vielleicht wisst ihr nicht, dass das einer der Gründe war, warum sie nach Deutschland zurückwollte und nicht in Israel sterben wollte, sondern in Deutschland, wo sie auch begraben sein wollte.

Hier ein Interview mit ihr:
Dieser ganze sogenannte Friedensprozess stimmt hinten und vorne nicht. Ein Frieden muss von unten wachsen, er kann nicht von oben diktiert werden. In den sieben Jahren nach Oslo hat Israel nichts getan, um Vertrauen aufzubauen. Das palästinensische Volk, für das Ehre, Stolz und Würde so ungemein wichtige Begriffe sind, ist weiter schikaniert, gedemütigt und mit Füßen getreten worden. Rein praktisch ist es nicht mehr vorstellbar, die Massen von Siedlungen, die in den vergangenen Jahren noch weiter ausgebaut wurden, verschwinden zu lassen. Und auch das Jerusalem-Problem wird sich nicht mehr lösen lassen, weil die Fronten sich verhärtet haben. Da mögen die politischen Führer weiter Manöver probieren, um zu einem Abkommen zu gelangen - aber das Volk auf beiden Seiten will nicht mehr. Es ist zu spät.

Frage: Wie wirkt sich der Konflikt auf Ihr Verhältnis zur israelischen Gesellschaft aus?

Antwort: Mit meinen palästinensischen Freunden in Jericho, Ramallah, Beit Jalla und Gaza bin ich schon während der ersten Intifada mehrmals pro Woche in den besetzten Gebieten herumgefahren und habe die Zustände dort intim kennen gelernt. Die herabwürdigende Behandlung der Palästinenser, die Kontrollen, die Lage in den Krankenhäusern haben mir schon damals die Tränen in die Augen getrieben. Ich habe mich so geschämt! Ich habe mich damals bereits mit den Palästinensern solidarisiert. Das hat mein Verhältnis zur israelischen Gesellschaft natürlich negativ beeinflusst.
geschrieben von Der Freitag

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Re: Angelika Schrobsdorff ist tot
geschrieben von WoSchi
als Antwort auf marina vom 02.08.2016, 22:20:07
Ja, genau das hat sie ausgemacht und nicht umsonst ist sie nicht in einen ruhigen Teil von West Jerusalem sondern direkt an die Green Line gezogen. Das hatte ich gemeint mit "Eine scheinbar sehr starke Frau, die es sich im Leben nicht leicht gemacht hat und der das Leben es auch nicht leicht machte - aber auch in friedlicheren Zeiten als in ihrer Jugend scheint sie sich lieber für den krummen und nicht den geraden Weg entschieden zu haben" -

Aber sie selbst bezeichnete Jerusalem auch als die Stadt, in der sie am glücklichsten war. Hier ein älteres STERN Interview. Dass sie, wie da behauptet, nie geliebt hat, das habe ich ihr nie geglaubt, eher war es vielleicht zu viel und daran geht man auch kaputt.

Sehr schade, dass die Frauen dieser einzigartigen Generation, die viel mehr erlebt haben, als man eigentlich aushalten kann, immer weniger werden. Die Jüngeren könnten noch so viel von ihnen lernen.
Ladouce46
Ladouce46
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Re: Angelika Schrobsdorff ist tot
geschrieben von Ladouce46
Was für eine Frau! Ich schließe mich in allen Punkten euren Kommentaren an. Danke auch für die links. Ladouce
rehse
rehse
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Re: Angelika Schrobsdorff ist tot
geschrieben von rehse
als Antwort auf WoSchi vom 03.08.2016, 08:16:22
Aber die jungen Frauen lernen doch schon von ihr. Die Grausamkeiten der Kriege sollten sie nicht erleben müssen, aber Liebschaften ab 16 Jahren und darunter sind doch gängig. Nur wird darüber nicht geschrieben.
Hochachtung habe ich vor ihrer Einschätzung zu Israel/Palästina. Da könnten Politikerinnen, ich denke da an Merkel und Clinton, etwas von ihr lernen.
olga64
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Re: Angelika Schrobsdorff ist tot
geschrieben von olga64
als Antwort auf WoSchi vom 02.08.2016, 20:29:23
Ja, genau so war sie, Wolkenschieberin. "Herren" war das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe und wurde dann fast süchtig nach dieser Autorin.
Am Schluss war sie halt sehr, sehr verbittert und lebte anscheinend schon recht einsam in Berlin und vermisste die Aufmerksamkeit, sei es von der Öffentlichkeit als auch von irgendeinem "Herrn".
Weiss jemand, ob sie selbst auch ein Kind hatte?
Sie war auch recht unruhig und musste immer weiter wandern. In einem ihrer letzten Interviews sagte sie auch,dass sie nie richtig geliebt habe. Auch ein typisches Frauenschicksal für die damalige Zeit. Olga

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