Forum Kunst und Literatur Literatur F o n t a ne feiern!

Literatur F o n t a ne feiern!

olga64
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RE: F o n t a ne feiern!
geschrieben von olga64
als Antwort auf werderanerin vom 22.04.2019, 14:40:34
Manchmal kann man sich schon die Frage stellen, ob Fontane selbst solch ein Hokospokus um seine Person gewollt hätte, schließlich war er ja anfangs "nur" ein bescheidener Apotheker, erst später bereiste er u.a.  Brandenburgische Wiesen, Wälder und Städtchen...fragen kann man ihn ja nicht mehr...

Kristine

 
Das ist eine tolle Frage unter all den Lobpreisungen, die hier zu finden sind.
Ich denke aber, dass jeder, der sich in Schrift und/oder Bild (oder als Schauspieler usw.) an die Öffentlichkeit wendet, auch erfreut über Applaus ist. Sonst ginge er oder sie diesen Weg ja nicht. DA hat sich nie was geändert, nur heutzutage übertreiben es völlig talentfreie Menschen, die eigentlich gar nichts zu sagen haben, mit ihren Selbstinszenierungen im Netz. Olga
Clematis
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RE: F o n t a ne feiern!
geschrieben von Clematis
fontane-sprueche-realismus-ist-die-kuenstlerische-wiedergabe.jpg
Clematis
 
longtime
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RE: F o n t a ne feiern!
geschrieben von longtime
als Antwort auf olga64 vom 15.05.2019, 18:00:44


Ich denke aber, dass jeder, der sich in Schrift und/oder Bild (oder als Schauspieler usw.) an die Öffentlichkeit wendet, auch erfreut über Applaus ist. Sonst ginge er oder sie diesen Weg ja nicht. DA hat sich nie was geändert, nur heutzutage übertreiben es völlig talentfreie Menschen, die eigentlich gar nichts zu sagen haben, mit ihren Selbstinszenierungen im Netz. Olga

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longtime
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RE: F o n t a ne feiern!
geschrieben von longtime
als Antwort auf longtime vom 16.05.2019, 11:54:17

Fontane war nicht nur einfach ein Apotheker (den Beruf hat er ohne Not aufgegeben - er hat Menschen (besonders die Hoch-zu-Gelobt-werden-Wollenden) und politische Omnipotenzen (Bismarck, kaiserliche Wilhelms-Vertreter) einzuordnen besucht ...

"Jedes Tierchen sein Manierchen- wenn nur die Manier nicht einfach als Unnmanier auftritt." - Th. Fontane an seinen Freund Georg Friedlaender 19.9.1886.

 
longtime
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RE: F o n t a ne feiern!
geschrieben von longtime
als Antwort auf longtime vom 16.05.2019, 11:59:40
Simplicissimus_Fontane.jpgF o n t a ne  am 100. Geburtstag - von "Simplicissmus" als Titelbild -

*

Über das Poetische in zwei Stufen, dem Treibelschen oder dem Schmidtschen:

So "herzlich" gedacht von Jenny Treibel:

"Das Poetische hat immer recht, es wächst weit über das Historische hinaus." - Frau Jenny Treibel. Aus: Romane und Erzählungen. hg. von Peter Goldammer, Gotthard Erler, Anita Golz und Jürgen Jahn, 2. Auflage, Berlin und Weimar: Aufbau, 1973. Band 6. 7. Kapitel, Seite 335

Und nochmals: Frau Jenny Teibel: „Aber, Gott sei Dank, ich habe mich an Gedichten herangebildet, und wenn man viele davon auswendig weiß, so weiß man doch manches. Und daß es so ist, das verdanke ich nächst Gott, der es in meine Seele pflanzte, deinem Vater. Der hat das Blümlein großgezogen, das sonst drüben in dem Ladengeschäft unter all den prosaischen Menschen - und du glaubst gar nicht, wie prosaische Menschen es gibt - verkümmert wäre..

Und wie Willibald Schmidt (als Erzählfigur, die Th. Fontane sich nach seinem Bild geformt hat) das P o e t i s c h e denkt:

Das Poetische – vorausgesetzt, daß man etwas anderes darunter versteht als meine Freundin Jenny Treibel -, das Poetische hat immer recht; es wächst weiter über das Historische hinaus...“ Es war dies ein Schmidt'sches Lieblingsthema, drin der alte Romantiker, der er eigentlich mehr als alles andere war, jedesmal so recht zur Geltung kam (...) (Die Romanfigur Willibald Schmidt in „Frau JennyTreibel“)

Zum Treibel'schen Missverständnis in Sachen des Poetischen, weil sie sich es zu einfach macht in ihrem bürgerlichen Verständnis:

https://epub.ub.uni-muenchen.de/5343/1/5343.pdf

Darin:
Rolf Selbmann, München: „Das Poetische hat immer recht" - Zur Bedeutung der Poesie in Fontanes Roman Frau Jenny Treibet Zu Jenny Treibels 100. Geburtstag -
 
werderanerin
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RE: F o n t a ne feiern!
geschrieben von werderanerin
als Antwort auf olga64 vom 15.05.2019, 18:00:44
Ja, so sehe ich das auch, Olga...Fontane würde heute wohl aber vielleicht auch die Medienwelt für sich nutzen..., nur "damals" wollte er ja nur erkunden , wandern und so manches in dichterischer Form "von sich geben".

Wir hatten vor ca. 2 Jahren mal eine erlebnsireiche Radtour nach Ribbeck unternommen und es war wirklich schön und zum Glück auch leer.
Da wird wirklich alles vermarktet, selbst der nicht mehr existente , berühmte Birnenbaum wurde durch eine Attrappe des Baumstumpfes ersetzt, um den Menschen damaliges Bäumchen vorzugaukeln.

Das dies heute so einen Hype auslöst, würde er sicherlich belächeln...denke ich...wer weiß das schon...

Kristine

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Allegra
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RE: F o n t a ne feiern!
geschrieben von Allegra
als Antwort auf werderanerin vom 22.04.2019, 14:40:34
Manchmal kann man sich schon die Frage stellen, ob Fontane selbst solch ein Hokospokus um seine Person gewollt hätte, schließlich war er ja anfangs "nur" ein bescheidener Apotheker, erst später bereiste er u.a.  Brandenburgische Wiesen, Wälder und Städtchen...fragen kann man ihn ja nicht mehr...

Kristine
geschrieben von werderanerin
Liebe Kristine,
zu dieser Frage wäre  Fontanes Biographie aufschlussreich.
Nur seine frühen Jahre verbrachte er (ein Nachkomme von Hugenotten)
in Neuruppin. Was dort die "Fontane-Gesellschaft" veranstaltet
ist m.E. seine Vermarktung.

Allegra
 
Clematis
Clematis
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RE: F o n t a ne feiern!
geschrieben von Clematis


Die Menschen lassen vieles gelten:
vor allem lieben sie dich stumm,
doch willst du klagen, willst du schelten, -
auch das, man kümmert sich nicht drum.

Nur, willst du rasch die Gunst verscherzen,
so zeig ein  Fünkchen Seligkeit, -
man wünscht dir Glück "von ganzem Herzen"
und birst vor rückgestautem Neid.

Theodor Fontane



Clematis


 
longtime
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RE: F o n t a ne feiern!
geschrieben von longtime
als Antwort auf longtime vom 16.05.2019, 12:19:25

Die Zeilen unter dem Titelbild von Wilhelm Schulz, im 'Simplicissmus“ # 1. Januar 1920 lauten:
Theodor Fontane:

Die Menschen kümmerten mich nicht viel,
Eigen war mein Weg und Ziel.

Ich mied den Markt, ich mied den Schwarm,
Andre sind reich, ich bin arm.

Andre regierten (regieren noch),
Ich stand unten und ging durch’s Joch.

Entsagen und lächeln bei Demüthigungen,
Das ist die Kunst, die mir gelungen.

Und doch, wär’s in die Wahl mir gegeben,
Ich führte noch einmal dasselbe Leben.

Und sollt‘ ich noch einmal die Tage beginnen,
Ich würde denselben Faden spinnen.

(Aus. Gedichte. Große Brandenburger Ausgabe. Gedichte. Bd. I. S. 32; Anm. S. 452: E. 1885 – 1888; Zur guten Stunde. Bd. 2. September 1888)
*

Wer nach eigenem Gusto "Fontane" in seinem Wert und in seinem Werk - ob in seinen Briefen, in den gedruckten Werken -  interpretieren w i ll - ohne ihn zu kennen - prima, prima... - das ist in allerwelt Werk  angelegt!
 

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