Literatur Lesen...

schorsch
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Re: Lesen...
geschrieben von schorsch
als Antwort auf chris vom 01.05.2007, 13:30:59

Das erste Buch? Den Titel weiss ich leider nicht mehr. Weiss nur noch, dass ich im Bett (wir waren immer zumindest 2 Kinder in 1 Bett) meinem grossen Bruder über die Schultern mitgelesen habe - und dass ich schneller lesen musste als er - weil er einfach weiterblätterte, wenn er am Ende der Seite angelangt war....

schorsch
libelle
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Re: Lesen...
geschrieben von libelle
als Antwort auf vom 29.04.2007, 22:30:17
Im Gitterbett im Luftschutzkeller...

'Der kleine Häwelmann'
mit dem Bett durchs Zimmer und schließlich bis ans Ende der Welt begleitet vom Mond, von dem ich jeden Abend, jede Nacht aus neue fasziniert bin, bis heute!

Da war 'Hänschen im Blaubeerenwald' und 'Peterchens Mondfahrt'...

'Der Schimmelreiter'
träumen von und mit Hauke, unter der Bettdecke mit einer Dynamo Lampe (nach kurzer Zeit schmerzte die Hand ...)

Kaufen konnten wir keine Bücher, dazu fehlte das Geld. Aber in der Wohnung des Großvaters stand ein riesiger Bücherschrank (...heute steht er in meinem Wohnzimmer)
Wir Kinder mussten, bevor wir eines der Bücher lesen wollten, unsere Hände vorzeigen und wehe sie waren nicht blitzblank und sauber....
kein Wilhelm Busch, keine Brehms Tierleben, nicht einmal ein Kosmosheft ...

Dann kam die Zeit mit GBShaw, Samuel Beckett, James Joyce.
Irving Stones ‘Michelangelo’ war Pflichtlektüre im Deutschunterricht.
Erste Versuche mit Bertrand Russell 'Philosophie des Abendlandes' folgten.

Als die Kinder kamen hatte ich endlich wieder Gelegenheit, vorzulesen.
Natürlich waren es wieder leise Bücher, das 'große Muminbuch' mit den Hatifnatten und dem Hemul.

„...hörbar nur allein, diese Stimme selber schon, ist mein ganzes Sein“
Uyulala in M.Endes 'Unendlicher Geschichte'.

Wenn die Kinder schliefen, waren die Berichte des Don Juans und Don Genaros meine Lektüre.
Ich war, nein, ich bin es immer noch, tief beeindruckt von der unermüdlichen Suche dieser Schamanen nach dem Zustand der Fluidität, wo das persönliche "ich" nicht mehr zählt. Dem Pragmatismus: sich bewusst zu werden, dass wir sterbliche Wesen sind. Wenn wir das tun, sagen sie, bekommt alles eine übergreifende Ordnung und ein Maß.

Ein Buch an den ersten Geliebten?

Eine Sammlung eigener Gedichte .... eine Ewigkeit her, damals war ich großzügiger, heute verschenke ich sie einzeln!

Und lebensrettend war für mich, so paradox es klingen mag, Jean Amerys 'Hand an sich legen'.

Na, es hat mich gefreut...! (Und: danke schön!)

libelle















jolli
jolli
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Re: Lesen...
geschrieben von jolli
als Antwort auf vom 29.04.2007, 22:30:17
Bücher in der frühesten Kindheit? Nein, gab es nicht.... meine Mutter starb als ich vier war.
Vater war zu beschäftigt, sich darum zu kümmern.... aber als ich lesen konnte, gab es nichts, was ich nicht las.

Angefangen mit meinen Lieblingsmärchen von Hauff und Bechstein über Sagen jeglicher Herkunft. Mit ca. 10 Jahren bekam ich vom Hauswirt die Bücher seiner als Kind bereits verstorbenen Schwester: alle "Nesthäkchen"- und "Trotzkopf"-Bände (gedruckt vor dem 1. WK)

Die Ferien bei Opa habe ich genossen, hatte er doch eine ganze Regalwand voller Reiseberichte und Bildbände aus aller Welt, aber auch das Büchlein "Vater und Sohn", das ich heiß und innig liebte, obwohl es wenig zu lesen gab.

Seit ich ca. acht Jahre alt war, hatte ich eine Mitgliedschaft in der Stadtbücherei... ich las eigentlich alles an Kinderbüchern, was frei war: Regal für Regal.

Mit ca. 11 verschlang ich Romanhefte, die ich bei meiner Uroma auslieh, die sie bergeweise zu liegen hatte (wir lebten in einem Haushalt, deswegen hatte ich immer Zugang dazu).

Eine Stunde für ein Herz-Schmerz-Heft, manchmal drei Hefte an einem Tag!

Das hat irgendwann mein Vater mitbekommen und dem ein Ende bereitet: er wurde für mich Mitglied bei Bertelsmann. Und so kam ich in den Genuss von Vorschlagsbänden, denn ausgewählt und bestellt hat er nicht.

Über Fontanes "Effi Briest" und Nabokovs "Lolita" bin ich zu Daphne du Mauriers "Sündenbock" und "Rebecca" und zu H. Millers "Wendekreis des Krebses" gekommen. Also querbeet durch das Angebot.

Nebenher lief natürlich auch noch die schulische Pflichtlektüre.

Die Bücher von Pearl S. Buck und Guy de Maupassant begleiteten mich durch meine Jugend, aber auch Biografien und Autobiografien wichtiger Menschen.

Viele dieser Bücher habe ich heute noch, ich habe sie in späteren Jahren wiederholt gelesen und meist dann erst verstanden.

Unter der Bettdecke musste ich nicht lesen, auch nicht die - für andere vielleicht - verbotene Lektüre.

Später als ich älter war, kam die Phase der historischen und der Kriminal-Romane.

Etliche meiner Bücher sind "abhanden gekommen", ich habe viel verliehen, und einige haben halt nicht "nach Hause gefunden". Anfangs war es schmerzlich, weil ich für mich wichtige Bücher gern oft lese, denn mit jedem Lesen finde ich neue Zusammenhänge und verstehe besser.

Unvorstellbar für mich ist ein Leben ohne Bücher, auch wenn ich heute öter mal zum Hörbuch greife.

--
jolli

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