Forum Kunst und Literatur Literatur Mark Twain: Letters from Earth - Die Schöpfungsgeschichte

Literatur Mark Twain: Letters from Earth - Die Schöpfungsgeschichte

angelottchen
angelottchen
Mitglied

Mark Twain: Letters from Earth - Die Schöpfungsgeschichte
geschrieben von angelottchen
An anderer Stelle habe ich aus dem im Titel genanntem Buch einige Passagen zitiert und da ich weiss, dass nicht jeder alle Themen im Forum liest, möchte ich hier noch einmal auf dieses lesenswerte Buch hinweisen. Bisher konnte ich immr nur auf das amerikanische Original verweisen, nun habe ich im netz eine zwar etwas gekürzte, aber nicht üble Übersetzung gefunden.

Auf der angelinkten webseite findet sich so manch interessanter Text für Querdenker - Seitentitel: "Kreudensteins Atheistenseite" - viel Spass beim Stöbern und Lesen


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angelottchen
Re: Mark Twain: Letters from Earth - Die Schöpfungsgeschichte
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf angelottchen vom 02.05.2007, 18:13:49
Diese schönen, frechen Traktate kannte ich noch nicht.
Ein prima Hinweis!

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Da fand ich vor kurzem - und hatte es mir gemerkt:

Mark Twain über den Kachelofen (aus: "Europa und Anderswo")

Nehmen Sie zum Beispiel den deutschen Kachelofen - wo ist er außer in deutschen Landen anzutreffen? Ich bin sicher, daß ich ihn in Gegenden, wo Deutsch nicht die Landessprache ist, noch nicht gesehen habe. Dennoch ist er bei weitem der beste, der praktischste und sparsamste Ofen, der bis heute erfunden worden ist. Dem unwissenden Fremden erscheint er nicht gerade vielversprechend; doch man kommt bald dahinter, daß er Meisterhaftes leistet.

Der Ofen hat ein Türchen, durch das man nicht einmal den Kopf stecken könnte - ein Türchen, das zum restlichen Bauwerk in einem krassen Mißverhältnis steht; dennoch ist die Tür genau richtig, denn man benötigt kein sperriges Brennmaterial. Man benutzt Brennstoff von geringer Größe und davon traumhaft wenig. Hinter der Tür liegt eine winzige Brennkammer, die nicht mehr Brennstoff aufnimmt, als ein Kleinkind im Arm herbeitragen kann.

An einem kalten Morgen um halb acht bringt der Knecht ein Körbchen mit schlankem Kieferstreichholz an und macht die Tür zu. Nach zehn, zwölf Minuten sind sie heruntergebrannt. Dann steckt er den Rest hinein, schließt die Tür ab und geht mit dem Schlüssel davon. Die Arbeit ist getan. Erst am nächsten Morgen kommt er wieder.

Den ganzen Tag lang und bis tief in die Nacht ist es in jedem Winkel des Zimmers herrlich warm und gemütlich, man bekommt kein Kopfweh und leidet weder unter stickiger Luft noch unter Beklemmungen. In einem Zimmer in Amerika, sei es mit Dampf, heißem Wasser oder offenem Feuer beheizt, ist es in der Nähe des Heizkörpers oder der Feuerstelle am wärmsten - die Hitze verteilt sich nicht gleichmäßig im Raum; in einem deutschen Zimmer ist es hingegen in der einen Ecke so angenehm wie in der anderen.

Nichts ist gewonnen oder verloren, wenn man neben dem Ofen sitzt. Seine Oberfläche ist nicht heiß; man kann ihn überall anfassen, ohne sich zu verbrennen. Überlegen Sie sich das einmal. Einmal einschüren hält den ganzen Tag; das Heizen kostet fast nichts; den ganzen Tag über herrscht gleichmäßige Wärme, statt daß es abwechselnd zu heiß oder zu kalt ist; man kann sich in aller Ruhe seinen Geschäften widmen; jede Angst und Sorge um das Feuer erübrigt sich; der Traum, den ganzen Tag lang körperliches Behagen zu empfinden, ist wahr geworden.

Amerika könnte diesen Ofen adoptieren, aber kommen die Amerikaner auf die Idee? Der amerikanische Holzofen, gleich welcher Sorte, ist ein Alptraum. Wie soll man seine Seelenruhe finden, wenn der Ofen mehr Aufmerksamkeit braucht als ein Baby? Alle Augenblicke muß man nachschüren, die ganze Zeit muß man ihn im Auge behalten; und als Lohn für all die Mühe wird man die halbe Zeit gegrillt und die halbe Zeit erfriert man.

Er erwärmt keinen Winkel des Zimmers außer dem, in dem er steht; er erzeugt Kopfweh und Erstickungsangst; die Haut fühlt sich trocken und fiebrig an; und wenn die Holzrechnung kommt, meint man, einen Vulkan gespeist zu haben.

In Amerika haben wir auch vielerlei Kohleöfen - Teufelswerk allesamt. Die üblichen Brenner sind gewitzt und fordern wenig Aufmerksamkeit; aber keiner von ihnen gleich welcher Sorte, verteilt die Wärme gleichmäßig im Raum oder kann die Temperatur halten, und alle sorgen dafür, daß das Leben aus der Atmosphäre weicht und einem die stickige, verqualmte Luft den Kopf umnebelt...

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elfenbein
schorsch
schorsch
Mitglied

Re: Mark Twain: Letters from Earth - Die Schöpfungsgeschichte
geschrieben von schorsch
als Antwort auf vom 03.05.2007, 12:00:53

Auch in jenem Haus, wo ich aufgewachsen bin, stand noch ein solcher Kachelofen. Nur war er leider vom Feuerschauer abgeschrieben worden, durfte also nicht mehr verwendet werden. Auf diesen Ofen legte man sich, wenn man krank war und auf seine warme Bank setzte man sich, wenn man gesprächelte, Kaffee trank oder die Zeitung las. IN diesem Ofen buk man Brot und in der Restwärme dörrte man Apfelschnitze und Bohnen.
Später kamen die "Kanonenöfen", in denen man mit Kohle so strakt heizte, dass die Ofentür glühend wurde. Man führte das Ofenrohr durch den ganzen Raum, ja sogar durch angrenzende Zimmer, auf dass möglichst viel Wärme in der Wohnung bleibe und nicht ungenutzt den direkten Weg in den Schornstein finde.

schorsch

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