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Literatur Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge

karl
karl
Administrator

Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
geschrieben von karl
Richard Dawkins ist ein brillianter Wissenschaftler und ein ebenso brillianter Kommunikator der Biowissenschaften. Dies wird auch bei seinem neuesten Buch deutlich " Die Schöpfungslüge. Warum Darwin recht hat". Auf sehr anschauliche Weise und für Laien gut verständlich, schildert er, warum wir uns gegen den wachsenden Einfluss christlicher und islamischer Fundamentalisten wehren müssen, die wissenschaftliche Fakten leugnen und unter dem falsch verstandenen Mäntelchen der Toleranz und der political correctness ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Schöpfungsglaube und Evolutionswissenschaft in unseren Schulen fordern.

Stellen Sie sich vor, so Dawkins, Sie seien Lateinlehrer und hätten das Ziel, ihren Schülern die Feinheiten der lateinischen Sprache und die Schönheiten der lateinischen Dichtungen nahe zu bringen. Sie werden jedoch durch das permanente Geschrei einer lautstarken Gruppe von Ignoranten auf den hinteren Bänken dazu genötigt, sich mit der Frage zu befassen, ob die Römer überhaupt gelebt haben. Spanisch, Italienisch, Französisch, Portugiesisch, Katalanisch, Rätoromanisch und ihre Dialekte seien alle ganz plötzlich und unabhängig voneinander geschaffen worden, einem Vorgänger wie dem Lateinischen verdankten sie nichts. Als Lateinlehrer wären sie arg frustriert und würden zu recht zornig werden, aber das allein würde natürlich nichts an dem Faktum ändern, dass die Ignoranten eine starke politische und finanzielle Lobby haben.

Oder, so Dawkins weiter, stellen Sie sich vor, Sie seien Lehrer für neuere Geschichte und müssten sich mit Holocaustleugnern herumschlagen. Diese wären lautstark und oberflächlich plausibel, sie würden von mindestens einem Präsidenten eines derzeit mächtigen Staates und mindestens einem Bischof der römisch-katholischen Kirche unterstützt. Sie würden aufgefordert, die Meinungsverschiedenheiten im Unterricht zu behandeln und der Alternativtheorie mindestens so viel Zeit zu widmen: Der Holocaust habe nie stattgefunden, sondern sei von einer Gruppe zionistischer Fälscher erfunden worden.

Biologielehrer an amerikanischen und zunehmend auch an europäischen Schulen, die die Evolution als Grundpfeiler ihrer Wissenschaft lehren wollen, sieht Dawkins in einer vergleichbaren Situation. Mit viel Geld und politischem Einfluss versuchen religiös-fundamentalistische Kreise die "Alternativetheorie" des Kreationismus an Schulen zu etablieren. In Europa ist es vor allem der wachsende Einfluss des Islams, durch den dieser kulturelle Rückfall droht, in den USA sind es die evangelikalen Fundis.

Dawkins hält dagegen und widmet sein Buch einem sehr verständlichen und gut nachvollziehbarem Plädoyer für das Faktum der Evolution. Wer dem Intellekt der Leser vertraut, kann guten Mutes sein, dass er sein Ziel der Aufklärung erreicht. Mit 479 Seiten und vielen Graphiken und Fotos ist dieses Buch m. E. ein Muss für ein naturwissenschaftlich interessiertes Publikum.

Karl
Lilith
Lilith
Mitglied

Re: Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
geschrieben von Lilith
als Antwort auf karl vom 12.11.2010, 10:35:39
Ich habe (für mich persönlich!) nicht das geringste Problem damit, Evolution und Schöpfung in einen Zusammenhang zu bringen.
Schöpfung bedeutet ja nicht, dass ein höheres Wesen in exakt 6 Tagen die Welt erschaffen hat, so, wie sie sich uns darstellt.
Schöpfung geschieht fortwährend und die Evolution ist das Agens.

Aber danke, das Buch werde ich mit besorgen.
Drachenmutter
Drachenmutter
Mitglied

Re: Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
geschrieben von Drachenmutter
als Antwort auf karl vom 12.11.2010, 10:35:39
Ich fürchte, auch dieses Buch wird von den Menschen, die es angeht, nämlich den religiösen Fundis garnicht erst gelesen, bzw. von vornherein als Ketzerei verdammt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Lesen tun es die Menschen, die eh an die Evolutionslehre nach Darwin glauben. Ich werde mir dieses buch wohl auch kaufen.

Liebe Grüße,
woelfin

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karl
karl
Administrator

Re: Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
geschrieben von karl
als Antwort auf Drachenmutter vom 12.11.2010, 10:58:56
Hallo Wölfin,

vielleicht hilft das Buch aber manchem Biologielehrer, gute, durchschlagende und einfache Argumente gegen die Kreationisten ins Feld zu führen, damit deren falsche, aber manchmal oberflächlich scheinbar schlüssige Argumentation entkräftet werden kann.

Karl
marianne
marianne
Mitglied

Re: Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
geschrieben von marianne
als Antwort auf Lilith vom 12.11.2010, 10:47:39
Lilith,

ich stimme dir vollkommen zu!

Mit liebem Gruß, M
Re: Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
geschrieben von marina
als Antwort auf Lilith vom 12.11.2010, 10:47:39
Liebe Lilith, ich habe das Buch quergelesen, nachdem schon einmal eine Diskussion darüber im ST stattgefunden hat. Mich hat es nicht überzeugt, es war mir stellenweise viel zu platt, das ist der Fundamentalismus der anderen (atheistischen) Seite. Es gibt eben auf beiden Seiten Fundis.

Diskussionen auf der Basis von derart eindimensionalen Sichtweisen finde ich uninteressant, es gibt so viele Facetten daneben und dazwischen, die dabei unberücksichtigt bleiben wie z. B. das, was du schreibst. Deshalb habe ich auch keine Lust mehr darauf, hatte mich seinerzeit ausführlicher eingebracht, tue ich nicht mehr, bringt nichts.

Gruß Marina

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karl
karl
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Re: Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
geschrieben von karl
als Antwort auf marina vom 12.11.2010, 14:53:46
Liebe Marina,

verwechselt Du das neue Buch jetzt nicht mit dem Gotteswahn? Letzteres hat mich auch nicht vom Hocker gerissen, über diesen Stand der Diskussion sind wir in Deutschland eigentlich hinaus. Dawkins arbeitete sich in diesem Buch vor allem an den amerikanischen Fundis ab, führte also eine Diskussion, die intellektuell eigentlich von vorne herein nicht befriedigen konnte.

Ich vermute also, Du hast das Buch " Die Schöpfungslüge" noch nicht diagonal gelesen. Hier würde es sich gerade für eine Nichtbiologin schon lohnen, genauer zu lesen, denn Dawkins ist ohne Frage einer der brilliantesten Köpfe der modernen Biologie und Du wirst ihm mit Deiner Beurteilung nicht gerecht.

Karl
Re: Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
geschrieben von marina
als Antwort auf karl vom 12.11.2010, 15:08:03
Stimmt, Karl, ich meinte den "Gotteswahn", Entschuldigung, da hatte ich zu oberflächlich gelesen! Das neue Buch kenne ich nicht, darüber kann ich mir kein Urteil erlauben.
miriam
miriam
Mitglied

Re: Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
geschrieben von miriam
als Antwort auf marina vom 12.11.2010, 17:11:53
Trotzdem nochmals zurück zu Dawkins Werk "Der Gotteswahn". Da bin ich ganz und gar der Meinung von Marina.

Es fand vor etwa drei Jahren eine Diskussion (im Fernsehen) statt, Rund um dieses Werk, "Der Gotteswahn".

Zwar verstehe ich, dass die fast schon fundamentalistischen Aussagen von Dawkins im Gegenzug zum deutlichen Fundamentalismus der christlichen Kirchen in den USA zu begreifen sind (Kreationismus, Intelligent Design, und auch, in jener Zeit - Dabbl Bush), aber ich kann damit wenig anfangen, weil mir jede Art von radikaler Aussage widerstrebt.

Man konnte sich nicht des Eindrucks erwehren, dass auch Dawkins in seiner Weise missioniert.

Seine Diskussionspartner waren der Bischof von Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, der Ratzinger-Schüler und katholische Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, und Heiner Geißler. Identifizieren konnte ich mich fast nur mit den Aussagen Geislers, wegen seiner liberalen Haltung.

Miriam
karl
karl
Administrator

Re: Richard Dawkins: Die Schöpfungslüge
geschrieben von karl
als Antwort auf miriam vom 12.11.2010, 18:23:45
Man konnte sich nicht des Eindrucks erwehren, dass auch Dawkins in seiner Weise missioniert.
Was soll einer tun, wenn er von seiner Geschichte überzeugt ist? Er wird doch immer versuchen, andere zu überzeugen.

Dadurch allein ist es jedoch m. E. nicht gerechtfertigt, alles über einen Kamm zu scheren, es kommt doch wohl hoffentlich auch noch inhaltlich auf die Argumente an!

Jedenfalls ist mir ein leidenschaftlicher Wissenschaftler, der rational argumentiert, tausendmal lieber als ein religiöser Wirrkopf, dem mit Argumenten nicht beizukommen ist.

Karl

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