Literatur Schöne Lyrik

Roxanna
Roxanna
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RE: Schöne Lyrik
geschrieben von Roxanna



Ich stelle ein Gedicht von Johann Peter Hebel ein, einmal auf allemannisch und dann auf hochdeutsch



Trost


Bald denki, 's isch e bösi Zit,
und weger's End isch nümme wit;
bald denki wider: loß es goh,
wenn's gnueg isch, wird's scho anderst cho.
Doch wenni näumen ane gang
und 's tönt mer Lied und Vogelsang,
so meini fast, i hör e Stimm:
»Bis zfriede! 's isch jo nit so schlimm.«

 
Trost


Bald denke ich, welch böse Zeit,
das Ende wahrlich ist nicht weit;
Bald denke ich: Laß es geschehn,
ist es genug, wird's besser gehn.
Doch mach ich einen frohen Gang,
tönt wie ein Lied der Vögel Sang,
vernehm ich in mir eine Stimm':
»Getrost, es ist ja nicht so schlimm!«
 
Milan
Milan
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RE: Schöne Lyrik
geschrieben von Milan

Milan
Milan
Mitglied

RE: Schöne Lyrik
geschrieben von Milan


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Achill
Achill
Mitglied

RE: Schöne Lyrik
geschrieben von Achill
als Antwort auf Milan vom 21.08.2017, 15:29:24

Ein jeder kann 100e von Gedichten aus dem Internet runterladen, Dies sagt nichts aus über den der sich damit die Zeit vertreibt noch über das Gedicht selbst. Sagt mir doch mal auf ganz subjektive Weise, warum Euch das Gedicht gefällt. Keine Gedichtanalyse noch -interpretation, damit hat uns unser Deutschlehrer genug gequält Ganz einfach warum gefällt Euch das Gedicht?

Warum gefällt mir zum Beispiel Christian Morgensterns Gedicht über das Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel

Wisst Ihr weshalb
Das Mondkalb verriets mir im Stillen

Das raffinierte Tier
tats nur um des Reimes willen

Ich mag diese Art von humoristischen Nonsensgedichten, wo so wunderbar mit der deutschen Sprache umgegangen wird. Liebenswürdig, doch ein scharfsinniger Sprachwitz.  Die Gegenüberstellung scheinbar unvereinbarer Begriffe, die so nichts gemein haben. Außer eben dem Reim. Die Schönheit liegt in der Ästhetik, im Rhythmus der Sprache, Inhaltsleer  doch mit Witz und  Scharfsinn. 
Deshalb liebe ich dieses Gedicht. Und ich liebe noch viele mehr, doch alle aus eigenem Grund.

RE: Schöne Lyrik
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Achill vom 21.08.2017, 18:08:40

Also...was du aufzählst gefällt mir auch - scharfsinniger Sprachwitz,Aesthetik und Reim...ist wie Musik in meinen Augen und Ohren.

Mir Inhaltsleere jedoch, habe ich meine Mühe,mag es noch so originell sein .



Morgenstern mag ich aber sehr!



Soll i aus meim Hause raus?
Soll i aus meim Hause nid raus?
Einen Schritt raus?
Lieber nid raus?
Hausenitraus?
Hauseraus?
Hausertiraus?
Hausenaus?
Rauserauserause

RE: Schöne Lyrik
geschrieben von ehemaliges Mitglied
 


  Fisches Nachtgesang

  Christian Morgenstern
  6. 5. 1871 - 31. 3. 1914

  emoji_grinning Clematis
 

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qilin
qilin
Mitglied

RE: Schöne Lyrik
geschrieben von qilin
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 22.08.2017, 11:51:17

Nochmals Morgenstern - mal ernst:

Wir fanden einen Pfad

Ich hatte mich im Hochgebirg verstiegen.
Die Felsenwelt um mich, sie war wohl schön;
doch konnt ich keinen Ausgang mir ersiegen
noch einen Aufgang nach den lichten Höhn.

Da traf ich Dich, in ärgster Not: den Andern!
Mit Dir vereint, gewann ich frischen Mut.
Von neuem hob ich an, mit Dir, zu wandern,
und siehe da: Das Schicksal war uns gut.

Wir fanden einen Pfad, der klar und einsam
empor sich zog, bis, wo ein Tempel stand.
Der Steig war steil, doch wagten wir’s gemeinsam …
Und heut noch helfen wir uns, Hand in Hand.

Mag sein, wir stehn an unsres Lebens Ende
noch unterm Ziel, – genug, der Weg ist klar!
Daß wir uns trafen, war die große Wende,
Aus zwei Verirrten ward ein wissend Paar.
 

RE: Schöne Lyrik
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf qilin vom 23.08.2017, 06:53:35

Nur kein Ehrenamt

Willst du froh und glücklich leben,
lass kein Ehrenamt dir geben.
Willst du nicht zu früh ins Grab,
lehne jedes Amt gleich ab!

Wieviel Müh,Sorgen Plagen
wieviel Aerger musst du tragen
gibst viel Geld aus,opferst Zeit
und der Lohn- Undankbarkeit

Ohne Amt lebst du so friedlich
und so ruhig und so gemütlich.
Du sparst kraft, Geld und Zeit
wirst geachtet weit und breit.

So ein Amt bringt niemals Ehre
denn der Klatschsucht scharfe Schere,
schneidet boshaft dir,schnipp-schnapp
Deine Ehre einfach ab

Willst du froh und glücklich leben,
lass kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab,
lehne jedes Amt gleich ab.

Selbst dein Ruf geht dir verloren,
wirst beschmutzt vor Tür und Toren,
und es macht in oberfaul
jedes ungewaschne Maul!

Darum rat ich dir im Treuen
Willst du Frau (Mann) und Kind erfreuen,
soll dein Kopf dir nicht mehr brummen
Lass das Amt den anderen Dummen.

Verfasser..ungewiss...W. Busch oder Ringelnatz...mit vermutlich  gaaaanz schlechten Erfahrungen





 

RE: Schöne Lyrik
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 24.08.2017, 13:01:14

Ich glaube nicht, Umanitad, dass bei Deinem Gedicht Wilhelm Busch oder Ringelnatz
die Autoren sind.

Diese Beiden konnten korrekt rhythmisch dichten, solche Stolpersteine wie da
gab es bei diesen nicht.

Vielleicht findest Du noch den echten Dichter Deines Gedichtes? emoji_astonished

Gruss
Clematis
 

qilin
qilin
Mitglied

RE: Schöne Lyrik
geschrieben von qilin
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 24.08.2017, 13:01:14

Dazu Eugen Roth emoji_wink

Beherzigung

Ein Mensch, der sich zu gut erschienen,
Als Vorstand im Verein zu dienen,
Und der, bequem, sich ferngehalten,
Die Kasse etwa zu verwalten,
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