Forum Kunst und Literatur Musik Echo Klassik - Preisträger 2010

Musik Echo Klassik - Preisträger 2010

clara
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Echo Klassik - Preisträger 2010
geschrieben von clara
Hallo,

einer der wichtigsten Musikpreise, der Echo Klassik - Preis hat seine diesjährigen Preisträger bekannt gegeben.
Darunter der Pianist Lang Lang und - was mich besonders freut, die Berliner Gruppe für Alte Musik, die Lautten Compgney.

Der Dirigent Kurt Masur - in der Wendezeit auch politisch aktiv - erhielt den Preis für sein Lebenswerk.

Clara

steve
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Re: Echo Klassik - Preisträger 2010
geschrieben von steve
als Antwort auf clara vom 17.10.2010, 15:05:53
Ich bin immer wieder erstaunt, wie hoch Lang Lang immer wieder eingeschätzt wird. So virtuos er spielt, seine Mimik und Gestik - die in Kritiken auch schon mal als Clownerie bezeichnet wurden - empfinde ich bei seinen Konzerte zu übertrieben und fast störend.
Für den chinesischen Zuschauergeschmack ist das natürlich der Gefühlsausdruck in höchstem Maße.

Wenn es aber um gefühlvolles Spielen nach meinem - zugegeben laienhaften -Geschmack - geht, gibt es für mich Künstler, die noch gefühlvoller oder besser - in einer schöneren, besseren Interpretation bestimmte Musikstücke spielen. Hier z.B. zum Vergleich:

1. Lang Lang - Schumann Kinderszenen Op.15 7. Träumerei

Lang Lang

und hier das gleiche Stück:

2. Valentina Lisitsa - Schumann Kinderszenen Op.15 7. Träumerei

Valentina Lisitsa -

Und nun mag sich jeder sein Urteil selber bilden.

Aber schön Clara, dass Du hier auf den Echo Klassik-Preisträger 2010 aufmerksam gemacht hast!

Einen schönen Sonntagabend noch!

Steve
clara
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Re: Echo Klassik - Preisträger 2010
geschrieben von clara
als Antwort auf steve vom 17.10.2010, 18:04:20
Steve,

mir gefällt die zweite Version auch besser. Ich meine, Lang Langs Spielweise ist mehr auf „donnernde“ Tastenvirtuosität angelegt, etwa Rachmaninoff oder z. T. Tschaikowski, was beim Publikum auch beliebt ist. Sicher nicht nur bei den Chinesen.
Virtuosität ist für mich nicht alles! Aber immerhin locken solche Spieler auch der klassischen Musik eher fern stehende Leute ins Konzert, die auch oder vorwiegend sehen wollen!
Künstler sind ja oft nicht ohne Allüren, Friedrich Gulda, ein von mir hoch geschätzter Pianist, saß schon Mal nackt am Flügel. Auch der Geiger Gidon Kremer und Alfred Brendel kommen nicht ohne Gesichtsregungen aus. Sicher dürfen Künstler ihre Emotionen zeigen, aber Manches ist mir auch zu viel!

Hier einige passende Szenen aus dem Bilderbogen „Der Virtuos“ von Wilhelm Busch (hängt bei mir zu Hause). Was man so über ihn weiß, könnte Franz Liszt Vorbild gewesen sein!




Gruß, Clara

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steve
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Re: Echo Klassik - Preisträger 2010
geschrieben von steve
als Antwort auf clara vom 18.10.2010, 12:12:16
Hallo Clara,

ja köstlich die Bilder von Busch. Nun weiß ich auch, warum ich irgendwann als Schüler nicht mehr Klavier spielen wollte.

Gruß
Steve
clara
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Re: Echo Klassik - Preisträger 2010
geschrieben von clara
als Antwort auf steve vom 18.10.2010, 17:52:21
Hallo Steve, und mich wollte man damit motivieren! Clara
Re: Echo Klassik - Preisträger 2010
geschrieben von marina
als Antwort auf clara vom 18.10.2010, 12:12:16
Jetzt muss ich doch einmal widersprechen. Diese Vorurteile hatte ich nämlich auch mal, und zwar, bevor ich Lang Lang live im Konzert hörte mit Kammermusik: Schubert, Mozart, Beethoven. Und da habe ich meine Meinung geändert, er spielt wunderbar sensibel und gefühlvoll, und was mich besonders beeindruckt hat, war wie einfühlsam er sich den anderen Spielern untergeordnet und im Ensemble gespielt hat, ohne Wert darauf zu legen, als großer Virtuose im Vordergrund zu stehen. Also nichts von „donnernder Tastenvirtuosität“, d. h. Virtuosität ja, aber nicht donnernd, sondern im Gegenteil sehr zurückgenommen. Seine Mimik ist vielleicht manchmal ein bisschen übertrieben, aber auch die stört einen nicht mehr, wenn man ihn derart einfühlsam spielen hört. Im Übrigen mag ich es sehr, wenn Klassik nicht nur sensibel und gefühlvoll, sondern auch temperamentvoll und ein bisschen unkonventionell rübergebracht wird, und gerade das hat mich an Lang Lang fasziniert. Er ist nie langweilig, spielt mit einer solchen Begeisterung und so viel Temperament, dass man absolut mit- und hingerissen ist, wenn man ihn live erlebt.
Ihr könnt ja mal in das Forellenquintett reinhören, das war eins der Stücke, die er an dem Abend auch gespielt hat, als ich ihn gehört habe, dann werdet ihr das vielleicht nachempfinden können. Er spielt das wunderbar gefühlvoll und musikalisch. Ich finde deshalb auch den Preis für ihn voll und ganz gerechtfertigt, er ist tatsächlich einer der größten Künstler der Gegenwart, nicht nur, was Virtuosität betrifft, sondern auch hinsichtlich seines musikalischen Einfühlungsvermögens.

Übrigens gefällt mir auch von den hier eingestellten Hörproben die Aufnahme von Lang Lang besser als die von Valentina Lisitsa, er spielt das Stück langsamer und schwergewichtiger, bei ihr kommt es eher rüber wie ein Chopin, eleganter und leichter, meine ich. Seine Interpretation klingt für mich gefühlvoller, auch nachdenklicher, aber das ist natürlich mein sehr subjektives Empfinden.

Im Übrigen kommt sonst bei mir niemand an Alfred Brendel heran, auch Lang Lang nicht. Brendel und Schubert oder Brendel und Beethoven, das ist einsame Spitze.


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steve
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Re: Echo Klassik - Preisträger 2010
geschrieben von steve
als Antwort auf marina vom 18.10.2010, 22:14:25
Nun haben wir ja Pro und Kontra ausgetauscht. Und das macht ja den Reiz eines Forums aus, dass es Diskussionsstoff gibt. Und wie gut, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind - sonst würde es ja langweilig Marina!

LG
Steve


PS: ich finde aber Gulda noch besser als Brendel - ätsche bätsche lächel!!
Re: Echo Klassik - Preisträger 2010
geschrieben von marina
als Antwort auf steve vom 18.10.2010, 22:27:19
Ja Steve, das ist alles Geschmacksache, ich habe ja schon geschrieben, dass das alles meinem subjektiven Empfinden entspricht. Aber man neigt auch zu Vorurteilen, wenn Künstler sich so vermarkten lassen, darf sich nur nicht davon täuschen lassen, denn sie können trotzdem sehr gut sein. Die gleichen Vorurteile hatte ich eigentlich auch gegen David Garrett, aber ich kapituliere vor seinem Können, er ist einfach gut, zumindest technisch. Ansonsten kann ich ihn noch nicht so genau beurteilen, habe ihn noch nie im Konzert erlebt.
Gulda gehörte natürlich auch zu den ganz Großen, außerdem spielte er sehr guten Jazz. Ich habe ihn mal live mit Jazzimprovisationen erlebt, das war ein besonderes Erlebnis. Ich habe noch eine alten Platte von ihm „The air from other planets“, ein ziemlich meditativer Jazz, dem man die Herkunft von der Klassik doch auch irgendwie anhört, aber es war mal was anderes als das Übliche. Und ich liebe Crossover, z. B. Klassik mit Jazzelementen oder umgekehrt. Jacques Loussier mit „Play Bach“ ist da einer meiner Favoriten.
EehemaligesMitglied58
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Re: Echo Klassik - Preisträger 2010
geschrieben von EehemaligesMitglied58
als Antwort auf marina vom 19.10.2010, 08:52:04
Leider war zu DDR zeiten die gelegenheit spitzenkünstler aller richtungen zu erleben minimal.
Nach der wende wurde das glücklicherweise besser.
Ich habe Oscar Peterson noch in Leipzig im Gewandhaus erleben dürfen.
Das war ein einmaliger genuß.
Paßt zwar nicht zum Klavier, aber auch Ronaldo Villazon war in Leipzig und auch sowas habe ich bislang nicht wieder erleben dürfen.
steve
steve
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Re: Echo Klassik - Preisträger 2010
geschrieben von steve
als Antwort auf EehemaligesMitglied58 vom 19.10.2010, 09:43:13
Hallo Gram - gäme Dich nicht über youtube kannst Du ihn hören:

Rolando Villazón singt "Je crois entendre encore"


Je crois entendre encore

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