Musik Opernwelt

olga64
olga64
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Re: Opernwelt
geschrieben von olga64
als Antwort auf pippa vom 20.07.2016, 15:29:01
Ich bewundere und beneide Menschen, die sich mit Wagner konfrontieren. Bei mir ist dies endgültig vorbei, seitdem mich mein Wagner-besessener Vater im Alter von ca 5 Jahre für viele Stunden dorthin mitnahm und ich diese Qual widerspruchslos ertragen musste.
Als ich mich später mit Wagner und dessen Leben beschäftigte, war dies für mich auch nicht so motivierend, dass ich ihm nochmals eine Chance gebe.
Von Besuchern in Bayreuth erfährt man dann auch immer, dass die Stühle dort extrem unbequem und die schlechte Luft zum Kollaps führen kann (was ja jährlich irgendeinen Politiker oder Promi auf diese Art erwischt). Und das alles für sehr viel GEld und jährlichen Skandalen vor den Festspielen.
So lasse ich es für mich bleiben. Olga
pippa
pippa
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Re: Opernwelt
geschrieben von pippa
als Antwort auf olga64 vom 20.07.2016, 17:35:31
Man muss ja nicht unbedingt auf den grünen Hügel um sich mit Wagner auseinanderzusetzen.
Früher hatte ich mal den Wunsch, aber lange Wartezeiten und eigenartige Inszenierungen haben mir diesen Wunsch ausgetrieben.

Wunderbare Wagneraufführungen erlebte ich in der Semperoper, aber auch nach Bremen bin ich mal wegen einer von der Kritik hochgelobten „Tristan und Isolde“ - Aufführung gefahren.
Da ich diese Oper vorher noch nie sah, nicht einmal ausschnittsweise, war ich etwas bänglich, denn diese Oper gehört zu den „langen“. Ich war jedoch vom ersten Takt an gefangen und konnte am Ende hochbeglückt mein Hotelzimmer aufsuchen.

Wird man allerdings gezwungen, ist es natürlich was anderes.

Meine Eltern mochten übrigens aus ganz genau denselben Gründen wie Ihr Vater, Richard Wagner überhaupt nicht.

Ob ich mich nun gerade deswegen schon so früh gerade mit ihm beschäftigt habe?
Ich weiß es nicht, aber man könnte es vermuten.
Pippa
Roxanna
Roxanna
Mitglied

Re: Opernwelt
geschrieben von Roxanna
als Antwort auf pippa vom 20.07.2016, 15:29:01
Dieser Tage habe ich gesehen, dass im Freiburger Theater in der nächsten Saison "Jerusalem" von Verdi aufgeführt werden soll. Von dieser Oper, die in französisch gesungen wird, habe ich noch nie gehört. Hier eine Arie daraus


Eine kurze Beschreibung findet sich hier.

LG
Roxanna

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Re: Opernwelt
geschrieben von marina
als Antwort auf pippa vom 20.07.2016, 15:29:01

Liebe Sirona,
auch ich habe mich nie als Wagnerianer gesehen, schon allein deswegen, weil diese in meiner Jugend die Musik von anderen Komponisten immer so abschätzig behandelten (was sogar bei Berufsmusikern gang und gäbe war). Damals entdeckte ich gerade Bach, welcher von den Wagner-Besessenen als langweilig und öde bezeichnet wurde. Pippa

Pippa, es macht dich sehr sympathisch, dass du nicht eine von diesen typischen Wagner-Verehrerinnen bist, die dann obendrein auch noch Bach als "langweilig" bezeichnen. Diese Leute haben einfach keine Ahnung von Musik, da können sie noch so gut ihren geliebten Wagner kennen. Eine Fuge von Bach wäre bei ihnen tatsächlich die "Perlen vor die Säue geworfen", die verstehen sie sowieso nicht.

Eine Großtante von mir, die in ihren besten Jahren Sängerin und eine große Wagner-Verehrerin war, hat mich als junges Mädchen mal in eine Wagner-Oper (ich glaube, es war "Tannhäuser") geschleppt, um mich mit ihrem Idol bekannt zu machen und weil sie "das Kind, das musikalisch ist", fördern wollte. Das hat sie zum Teil wohl auch getan, um meinem Vater zu stecken, dass er falsch liegt, wenn er Wagner ablehnt und dass ihre letzte Hoffnung in seiner Tochter liegt, die vielleicht einen besseren Geschmack entwickeln könnte.
Mein Vater erbot sich dann immerhin, uns mit dem Wagen hinzubringen und wieder abzuholen, wenn er nur davon verschont bliebe, mit in die Oper zu gehen. Als er uns abholte, sagte er: (ich habe es noch wörtlich in Erinnerung): "Als ich im Foyer stand und die letzen Klänge hörte, dachte ich wieder: Gott sei Dank, dass mir das erspart geblieben ist".
Dabei war mein Vater hochmusikalisch und konnte wunderbar Klavier spielen. Ich, die von der Wagner-Musik, die mir meistens viel zu laut war, auch überhaupt nicht erreicht wurde und froh war, als alles vorbei war und ich erlöst wurde, mochte meinen Vater in diesem Moment ganz besonders gern und dachte: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Und meine arme Großtante war tief enttäuscht, dass ihre Förderung auf so wenig fruchtbaren Boden fiel!

Das, was du hier eingestellt hast (Dove sono), finde ich aber wirklich wunderbar.
Aber über allem steht für mich immer noch die Arie der Königin der Nacht aus der Zauberflöte. Wenn hier die hohen Töne makellos gesungen sind, schwebe ich in höheren Sphären.

Das ist bei dieser Aufnahme mit Lucia Popp der Fall:
Roxanna
Roxanna
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Re: Opernwelt
geschrieben von Roxanna
Hier wieder einmal etwas von Händel. Aus Orpheus und Eyridike gesungen von Hermann Prey "Ach ich habe sie verloren"


Marina, ich gebe dir recht, die Arie der Königin der Nacht ist wirklich etwas besonders. Wenn sie gut gesungen ist, kann man eine Gänsehaut bekommen .

LG
Roxanna
pippa
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Re: Opernwelt
geschrieben von pippa
als Antwort auf Roxanna vom 21.07.2016, 08:22:33
Ja, Marina w e n n die hohen Töne makellos gesungen werden……

Das war in meiner Jugend leider oft nicht der Fall, weswegen mir die Zauberflöte auch lange Zeit verleidet war, wenn sie in kleineren Theatern aufgeführt wurde.

Heute gibt es zum Glück sehr viele perfekte Sängerinnen und die letzte herrliche sah und hörte ich in der Semperoper.

Obwohl es nicht hier her passt, will ich Dir aber noch schnell erzählen, dass mein erstes großes Bach-Erlebnis die Generalprobe der Matthäus-Passion war. Ich kauerte auf der Orgel-Empore und war hin und weg. Von nun an begann meine Liebe zur alten Musik, die ich bis dahin ja gar nicht kannte.

Zurück zur Oper. Von „Jerusalem“ hörte ich auch noch nie etwas, aber wenn man die ersten Takte hört, weiß man sofort, das ist Verdi.

Ich bin kein besonderer Verdi oder gar Puccini - Fan. Lieber höre ich Rossini, der hat so einen wunderbaren Humor, und natürlich Donizetti und Bellini, wegen der besonders schönen Melodien.

Hier die herrliche Arie der Rosina aus dem Barbier, UNA VOCE POCO FA.
Lange Zeit hielt ich die Callas für die beste Interpretin aller Zeiten, aber das hat sich natürlich geändert.
Drum habe ich hier mal die wunderbare Bartoli ausgesucht (obwohl die Tonqualität nicht so besonders doll ist).

Viel Vergnügen!
Pippa


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Re: Opernwelt
geschrieben von marina
als Antwort auf Roxanna vom 21.07.2016, 08:22:33
Ganz genau. Das mit der Gänsehaut wollte ich eigentlich zuerst schreiben, aber dann dachte ich, das versteht vielleicht nicht jeder. Wie ich sehe, kennen andere das auch.
Der Händel hier ist aber auch ganz besonders schön.
Ganz besonders mag ich das "Er weidet seine Herde", ist zwar nicht aus einer Oper, sondern aus dem "Messias", aber wunderbar:
Re: Opernwelt
geschrieben von marina
als Antwort auf pippa vom 21.07.2016, 11:48:42
Pippa, ich sehe jetzt erst deinen Beitrrag.
Jetzt hindert ihr mich wieder am Rausgehen, muss das noch schnell beantworten:
Du hast völlig recht, es gibt heute viel mehr Sängerinnen, die die hohen Töne sicher treffen als früher, das ist mir auch aufgefallen. Vielleicht werden sie einfach besser ausgebildet.
Die Matthäuspassion habe ich auch schon einige Male mitgesungen, und wenn man selber so etwas singt, kriegt man nochmal einen ganz anderen Zugang dazu. Es ist immer wieder ein großes Erlebnis, und man kann direkt fromm dabei werden, auch wenn man es sonst gar nicht mehr ist.
Von der Oper "Jerusalem" habe ich auch noch nie etwas gehört, ich höre später mal rein.

Früher habe ich Rossini und Puccini ein bisschen abgelehnt, weil ich sie für kitschig hielt. Inzwischen hat sich das sehr geändert, eben weil ich jetzt selber Werke von ihnen mitgesungen und dadurch eine Beziehung dazu gekriegt habe. Kitschig finde ich sie eigentlich gar nicht mehr, sie sind gar nicht einfach zu singen, sondern im Gegenteil für Laien sehr anspruchsvoll.
Von Puccini habe ich die Messa di Gloria mitgesungen, von Rossini das Stabat Mater und die Petite Messe Solenelle.
Hier mal der Anfang von dem Puccini, ich finde ihn wirklich wunderbar
Das von dir Eingestellte höre ich später, muss unbedingt raus, die Bartoli finde ich jedenfalls super.
pippa
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Re: Opernwelt
geschrieben von pippa
als Antwort auf marina vom 21.07.2016, 12:09:43
Hier wieder einmal etwas von Händel. Aus Orpheus und Eyridike gesungen von Hermann Prey "Ach ich habe sie verloren"
geschrieben von Roxana

Nur ein ganz leiser Zwischenruf: C. W. Gluck hat Orpheus und Eurydike geschrieben.
Trotzdem danke, H. Prey höre ich immer wieder gern.

@ marina
Du hast ja so Recht. Auch ich habe bei dieser Musik immer das Gefühl fromm zu werden, was sicher auch die Absicht vom sehr frommen Bach war.

Händel jedoch macht mich glücklich - ich könnte ihn den ganzen Tag hören.
Pippa
Roxanna
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Re: Opernwelt
geschrieben von Roxanna
als Antwort auf pippa vom 21.07.2016, 15:40:22
Ups Pippa, ich danke dir. Falscher Komponist und noch falsch geschrieben. Geht gar nicht, aber man kann schon mal den Überblick verlieren, bei all diesen Musik-Threads .

LG
Roxanna

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