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Neues von der Technologiefront Selbstorganisation von Materie, Selbstorganisation von Maschinen

karl
karl
Administrator

Selbstorganisation von Materie, Selbstorganisation von Maschinen
geschrieben von karl

Während meiner aktiven Berufszeit war ich immer fasziniert von der Selbstorganisation der Materie, so wie sie z. B. ein sich entwickelnder Embryo darstellt. Den Studenten meiner Entwicklungsgenetikvorlesung sagte ich immer, wer sich darüber nicht wundern kann, der stellt keine Fragen und wird nie ein guter Wissenschaftler werden. Eines meiner gezeigten Beispiele war immer die Entwicklung des Nematoden C. elegans, weil dessen Entwicklung so schön unter dem Mikroskop zu beobachten ist.
 



Als Selbstorganisation der Materie kann man aber auch die Evolution als Ganzes betrachten. Die Naturgesetze treiben sie voran und ein Zwischenstand ist immer Voraussetzung für den nächsten Schritt.

Sehr spannend für mich ist, dass nun der Begriff der Selbstorganisation auch bei der Entwicklung künstlicher Intelligenzen und in Bezug auf die Kommunikation zwischen ihnen verwendet wird.

Die Telekom Tochter T-Labs und das englische Start-Up Fetch.AI basteln an einer "Machine-to-Machine" (M2M) Wirtschaft. M2M steht für den automatisierten Informationsaustausch zwischen Endgeräten und/oder mit einer zentralen Leitstelle. Es geht um die installation autonomer Softwareagenten in Geräte. Diese Agenten sollen autonom und kompetent sein und die Geräte sollen sich untereinander "frei von menschlichen Eingriffen organisieren". In einer gemeinsamen Presseerklärung heißt es:  "Wir integrieren Agenten und sehen, wie kollektives Wissen und selbstorganisierende Systeme Werte schaffen können - und zwar da, wo vorher kein Wert vorhanden war". Quelle.

Ich muss sagen, dass ich kurz durchgepustet habe, als ich das las. Würde der Mensch tatsächlich Maschinen sich autonom und selbständig entwickeln lassen, muss die Frage nach der Kontrolle gestellt werden. Wer ahnt schon bei der Betrachtung einer befruchteten Eizelle, was daraus entstehen könnte, ein kleiner Wurm oder ein Tyrannosaurus?

Das wird Vielen als eine überzogene Furcht vorkommen, das ist mir bewusst, aber dies wäre anders, falls jene meine Überzeugung teilen würden, dass es keine theoretischen Grenzen für die Entwicklung künstlicher Intelligenz gibt, die nicht auch für menschliche Intelligenz Gültigkeit haben - für den Menschen aber schon wegen seiner geringen Rechengeschwindigkeit praktisch niemals erreicht werden können.

Karl
pschroed
pschroed
Mitglied

RE: Selbstorganisation von Materie, Selbstorganisation von Maschinen
geschrieben von pschroed
als Antwort auf karl vom 18.05.2019, 10:01:04

Lieber Karl.
Ein sehr interessantes Thema, wo meine Wenigkeit noch sehr weit im Verständnis entfernt ist, aber es sehr gerne lese, besonders das Video ist interessant, wenn man sieht wie die Wissenschaft sich weiterentwickelt hat, ich verstehe immer mehr daß viele Angst bekommen, ich kann mir vorstellen daß das ganze Bildungssystem neu ausgerichtet werden müsste EU weit.  Daumen hoch
Phil.

Elko
Elko
Mitglied

RE: Selbstorganisation von Materie, Selbstorganisation von Maschinen
geschrieben von Elko
als Antwort auf karl vom 18.05.2019, 10:01:04

Lieber Karl,
danke für diesen sehr informativen Beitrag zum Denkmodell der Evolution als Ganzes!
Alleine aber dein Beispiel zur Entwicklung der Nematoden verhilft mir als einen Laien zu
ganz neuen Sichtweisen.

Ich möchte jetzt noch zur möglichen M2M Evolution der Maschinen zwei Links einstellen.
Damit wird es vielleicht für den einen oder anderen Leser weniger abstrakt, ein probates
Mittel gegen unbegründete Ängste.

https://www.telekom.com/de/medien/details/alleskoenner-m2m-343082

https://www.telekom.com/de/medien/mediencenter/medienmappen/
medienmappen-aktuell/m2m-kommunikation


Peter

karl
karl
Administrator

RE: Selbstorganisation von Materie, Selbstorganisation von Maschinen
geschrieben von karl
als Antwort auf Elko vom 18.05.2019, 13:29:17

@Elko

Lieber Peter,

ich danke Dir meinerseits für die informativen Links, die M2M mit praktischen Beispielen füllen. Das klingt dann in der Tat zunächst nicht mehr sehr furchteinflößend. Die Diskussion der Frage, wenn diese M2M Evolution weitergedacht wird, was dann letztlich aus dem Menschen wird, halte ich trotzdem für spannend. Es könnte nämlich sehr langfristig nicht nur auf eine Verdrängung des Menschen aus den Produktionsprozessen hinauslaufen, sondern auch sukzessive und allmählich die Bedeutung des Menschen als Konsument verringern. Das würde bedeuten, dass der Mensch für die Aufrechterhaltung wirtschaftlicher Entwicklung entbehrlich werden könnte.

Es wird also darauf ankommen, den Maschinen einen starken "Instinkt" zur Verteidigung menschlicher Interessen fest einzuprogrammieren, womit wir bei den Asimovschen Gesetzen wären.

Leider sehe ich nicht, dass die Zielsetzungen heutiger Konzerne durch besondere Menschenfreundlichkeit ausgezeichnet wären. Letztlich geht es einer Firma nur um den Vorteil für die Firma.  Sobald künstliche Intelligenzen den Weg eines Konzerns bestimmen, besteht deshalb die Gefahr, dass der Mensch ganz hinten runter fällt.

Karl

Elko
Elko
Mitglied

RE: Selbstorganisation von Materie, Selbstorganisation von Maschinen
geschrieben von Elko
als Antwort auf karl vom 18.05.2019, 14:23:51

 
Lieber Karl,
auch ich bin davon überzeugt,  dass bei Konzernen die Menschenfreundlichkeit kein primäres Ziel ist,
obwohl dieses immer unterschwellig in den  Beschreibungen zur Nachhaltigkeitsstrategie rüberkommt.

Auch glaube ich, genau wie du, dass die Asimovschen Gesetze nichts von ihrer Gültigkeit verloren
haben.Trotzdem, im Grunde bin ich ein unangenehmer „Ja-aber-Mensch“. Ein kleiner Zeitsprung zurück,
in früheren Zeiten haben wir in der Elektronik viel mit Dioden-Gattern, TTL-Logik Bausteine und die
daraus entstehenden Wahrheitstafeln gearbeitet.  Ziel war es natürlich immer, Maschinen zu
perfektionieren und noch besser zu automatisieren. Wir Steuerungstechniker hatten da  seinerzeit so
unsere Vorstellungen.

Mir liegt es jetzt natürlich fern mich mit einem Wissenschaftler und Autor wie Asimov zu vergleichen.
Aber alle Menschen sind immer nur Kinder ihrer Zeit! Deshalb sinniere ich und stelle mir die Frage, wie
sich Asimov seinerzeit eigentlich Roboter und deren Aufgaben zum Wohle der Menschen vorgestellt
hat. Asimov kannte weder unsere weltweite Vernetzung noch die zur Verfügung stehende
Technologie heutiger Werkstoffe. Hat er wirklich unsere heute bereits bestehende KI so vorhergesehen?

Die jetzt bestehende KI hat viele Väter, ihre Vernetzung ist eigentlich nicht mehr kontrollierbar. Was
wäre wenn sich eines Tages solche KI  formiert und sich aufgrund einer Art technologisch
„Überlegener Ethik“ eigene Gesetzte schafft. Gibt es dann ein Geistwesen im / als Netz? Ob seine
Gesetze noch im Sinne Asimovs wären?

Ich möchte jetzt nicht die Vorstellung vom „SkyNet“ und dem Tag des „Jüngsten Gerichts für die
Menschheit“ (Terminator) heraufbeschwören, aber vielleicht gibt es ja für solche Art KI-Technologie
subtilere Kampfmethoden.

Karl, zu deiner Überschrift „Selbstorganisation von..“ Auch die Biotechnologie entwickelt sich rasant
(wem sage ich das?). Bestimmt gibt es  in Zukunft auch „Kybernetisch-Biologische-Einheiten" Wie
die auch immer gestaltet würden, welche Gesetze würden dafür gelten?

Ich erinnere mich, dass es schon in der Vergangenheit vergleichende Versuche mit Logikbausteinen
und dem Netzwerk eines  wachsenden Nervengewebes gab. Wurde beim Logikbaustein die
Leitung durchtrennt entstand eine Fehlinformation. Wurden vergleichbare Stränge des  Nervengewebes
durchtrennt, blieb die ursprüngliche  Information erhalten.

Ein Sprung zum Science-Fiction Autor Philip K. Dick 

Auch ein Werk:
Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Nach Philip K. Dick wurde dann im Film „Bladerunner“ eine beklemmende Vision gezeichnet.
 


Ein düsteres Szenario.
Hoffen wir zusammen, dass die weitere Evolution des Menschen damit Schritt hält!

Peter

 

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