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Nostalgie Die gute Stube..................

nasti
nasti
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Re: Die gute Stube..................
geschrieben von nasti
als Antwort auf gitti66 vom 21.09.2014, 11:10:06
Eine Nostalgie nach Vergangenheit verspüre ich nie einmal. Ich bin direkt in Krieg geborene, ich kenne unsere "gute Stube " nur aus Erzählungen. Was ich gesehen hatte war nur ein Riesen schwarzen Loch in Garten in Stadt Lucenec wo ich geboren bin. Angeblich war das einzigste Haus auf der Straße welche ausbomardiert war.
Das Haus hatte 2 Etagen und die obere Etagen waren vermietet.
Auf was ich mich erinnere: Eine Nachbarin sagte mir, ich war nicht mal 6 Jährige damals: " Deine "schmutzige" Oma hatte sich das verdient , das Haus war ausbomardiert und vernichtet, der Gott hatte Sie bestraft!! Sie war "schmutzig."
Das Wort "schmutzig" bedeutet in Slowakei geizig. Sie stamme wirklich von Deutschland, mein Großvater hatte Sie mitgebracht die schöne Blondine von welcher ich die blaue Augen habe. :) Sie war nicht geizig, aber sparsam. In Slowakei galten sparsame Menschen als geizige.
Wir bekamen 2 Zimmer in ehemaligen Puff, die meiste Gebäude waren aus bombardiert. Kurz danach bricht die ewige Manie meiner Mutter raus, Sie MÜSSTE jede 2 Jahre eine neue Wohnung, später gekaufte Häuser haben. Einmal kam ich von Hochschule zum Besuch und ich musste die ganze Nacht auf Bahnhof verbringen, meine Eltern sind wieder umgezogen.
Könnte mich nicht in eine Wohnung Akklimatisieren, wir waren immer an Umzug. Leider das ist in mir auch so geblieben, mache mir sehr schwer eine Wohnung so richtig schon ausrichten. Bin immer an der Flucht noch...:) :)

Statt Nostalgie kenne ich eine ewige und starke Fernweh.....

Nasti
nerida
nerida
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Re: Die gute Stube..................
geschrieben von nerida
bei meinen Großeltern gabs die gute Stube noch.
In Erinnerung blieben mir die Gerüche von damals, nach Bienen-und Bohnerwachs. Omas Puder und Kölnisch und dann der Geruch des Bohnenkaffees - der mir zwar lang nicht schmeckte, aber den Geruch mochte ich sehr.

Das tägliche Leben spielte sich in der Wohnküche ab - da stand auch ein Sofa, das nur der Opa und unser verzauselter Kater benutzte .
Allerdings musste der Opa, wenn er seinen geliebten Backsteinkäse ass vor die Tür "bei Wind und Wetter" nur die Katze hielt es dann bei ihm aus und oft auch ich.
Da war der Kachelofen mit den Bratäpfeln und in meiner Erinnerung eine Sehnsucht und Wärme "innen und außen".

Meine Eltern dagegen hatten viel Besuch und es wurde auch oft gefeiert. Besuch hatten wir sehr viel.
Bei so Feiern wurden wir Kinder und die Besucherkinder ins große Ehebett gesteckt mit der stengen Auflage, uns anständig zu benehmen.
Das hinderte uns aber keinesfalls daran aufregende Wettbewerbe zu veranstalten z.B. "wer pups am längsten und am lautesten" sonst waren wir aber sehr brav, glaub ich......
Haoua
Haoua
Mitglied

Re: Die gute Stube..................
geschrieben von Haoua
als Antwort auf nerida vom 22.09.2014, 08:49:55
Vieles von den nostalgischen Erinnerungen decken sich mit meinen! Ich bin auch im Krieg geboren, gehörte zu denen, die bei einem Bombenangriff alles verloren haben, und somit ging es von einer Notunterkunft in die Andere.
Es war ja nicht gerade so, dass die Leute Freudensprünge machten, wenn bei ihnen Flüchtlinge einquartiert wurden! Keiner war froh darüber und das bekam man natürlich auch deutlich zu spüren. Da konnte von guter Stube gar keine Rede sein. Mein Vater war im Krieg und meine Mutter mit uns zwei Kindern hatte nur das Recht auf ein Zimmer. Später bekamen wir dann zwei Zimmer zugeteilt. Aber mit Plumpsklo eine Etage tiefer und Samstag war die Zink- Badewanne angesagt. Erst sieben Jahre nach dem Krieg bekamen wir eine Sozialwohnung von 67 m². Da war für eine gute Stube auch kein Platz. Ich musste mit meiner Schwester ein Zimmer teilen.
Die gute Stube kenne ich vom Hören sagen meiner Tante. Ich habe meine Großeltern nie kennen gelernt, aber die Geschwister meines Vaters erzählten immer die Geschichten der fast schon geheiligten guten Stube. Einmal hat meine Tante es gewagt Ihre Puppe auf das Sofa in diese gute Stube zu setzen. Als mein Opa die Stube betrat und die Puppe sah, flog die schöne Puppe schneller aus dem Fenster als man gucken konnte. Bei diesem Sturz ging sie kaputt! Meine Tante war sehr traurig, aber mit dieser Aktion hat mein Opa natürlich erreicht, dass nie mehr eine Puppe auf dem Sofa saß.
Wenn man so lange in Notunterkünften untergebracht wurde wie wir, dann kann kam man überhaupt nicht auf die Idee mit einer guten Stube. Alle Räume wurden so benutzt wie es gerade nötig war und sie gebraucht wurden.
Meine Schwester hat unter unserer Situation sehr gelitten, sie schämte sich Freundinnen einzuladen, wovon natürlich viele im Krieg nichts verloren hatten und in ihrem alten Stil weiterleben konnten. Ich war wohl etwas speziell,für mich spielten diese Äußerlichkeiten überhaupt keine Rolle.Es ging in dieser Zeiten ja vielen Menschen so. Meine Umgebung gab mir genug Freiheit zum spielen und toben und somit erinnere ich mich auch gerne an diese Zeit zurück,ohne irgendeinen Moment davon zu bedauern. Haoua

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schorsch
schorsch
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Re: Die gute Stube..................
geschrieben von schorsch
als Antwort auf Haoua vom 22.03.2015, 09:13:38
Die 1. "Gute Stube", an die ich mich erinnere, hatte Tannenriemenboden. Zwischen den einzelnen Brettern waren Zentimeter-breite Spalten, die mit Staub und Weiss-nicht-was-noch gefüllt waren. Etwa 1 mal im Monat wurde der Boden feucht aufgenommen. Richtig nass durfte man den Lappen nicht machen. Sonst tropfte es in der unteren Wohnung auf die Möbel. Und alle paar Monate mussten wir Kinder mit grässlich stüpfigen Stahlspänen die Riemen säubern. Pro 10 mal hin und her mit den Füssen verhedderten sich die Späne mindestens 1 mal an den vorstehenden "Spriessen".
sixty
sixty
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Re: Die gute Stube..................
geschrieben von sixty
als Antwort auf schorsch vom 22.03.2015, 10:26:12
Gute Stube, dem Namen nach habe ich schon davon gehört.
Aber drunter vorstellen konnte ich mir da nichts.
Ich bin auf einem Binnenschiff groß geworden. Da waren die Wohnverhältnisse bei uns nicht so groß. Es wurde immer viel geputzt, da wir Kohle transportierten.
Der Staub ging in alle Ritzen.Heute ist alles moderner und auch technisch ausgereift.In den Schulferien war ich dann wieder an Bord und später auch.

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