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Nostalgie Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?

Haoua
Haoua
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Haoua
als Antwort auf qilin vom 06.07.2013, 19:17:29
Keine Ahnung ob ich damit richtig liege,aber Österreich dürfte sich nach dem Krieg schneller erholt haben, als viele Gebiete in Deutschland.
Da kam es ja auch noch auf die Zone an. Wir landeten in der von den Engländern besetzten Zone.
Meine Erinnerungen an die Grundschule sind gruselig,aber wie schon gesagt, alle was mit Essen zu tun hatte spielte in der damaligen Zeit für mich eine große Rolle.
Unsere Schulspeisung,die von den Engländern organisiert wurde, war das Größte.
Von den Speisen hat sich die Schokoladensuppe in meiner Erinnerung fest verankert.
Mein Grundschullehrer hatte die tolle Angewohnheit vor unseren Augen sein Frühstück aus zu breiten. In dieser Zeit gab er uns die Aufgabe, etwas von der Tafel ab zu schreiben.
Konnte ich natürlich nicht,weil ich ihm nur beim Frühstück zu sah.
An einem Tag aß er tatsächlich eine Apfelsine,es war die erste Apfelsine die ich in meinem Leben sah.
Wenn man so ein Vorbild als Lehrer hat,dann kann man sich traurig verkriechen oder trifft die Entscheidung ordentlich Trabbel zu machen.
Ich war für Trabbel! Habe mir damit eine Menge Schläge eingehandelt, aber diese Gemeinschaft zu der wir Kinder uns zusammen schlossen, war es mir Wert.
Die Erinnerungen meiner Schulzeit,hängen alle mit einer sehr engen Gemeinschaft innerhalb der Klasse zusammen. Haoua
Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von claude
als Antwort auf nerida vom 06.07.2013, 16:08:44
Für uns Kinder waren diese Ruinen allerdings (verbotene) Abenteuerspielplätze. Wir benötigten keine designten Spielplätze, denn die Straßen gehörten uns.

An kulinarische Besonderheiten ist mir der Kunsthonig noch in Erinnerung und der schmeckte mir besser als der echte Honig. Echten Honig kannte ich gut, denn mein Großvater war Hobbyimker.[/quote]

Die Ruinenwaren nicht nur ein Abenteuerspielplatz sondern man konnte sich durch sie auch ein Taschengeld beschaffen.
Wir zogen die Kupferdrähte aus den Wänden und brannten die Isolation ab so dass nur das Kupfer überblieb. Das verkauften wir dann als sogenanntes Buntmetall an einen Schrotthändler, für 1,80DM pro Kilo. Das war viel Geld, denn ein normaler Arbeiter verdiente so zwischen 60- 80 DM die Woche.

Ja an den Kunsthonig erinnere ich mich auch noch, ich mochte ihn nicht!)
Aber Rübenkraut esse ich auch heute noch gerne, meine Frau auch, wir haben meistens ein Becherchen zu Hause.
Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von claude
als Antwort auf Haoua vom 07.07.2013, 08:31:54
Unsere Schulspeisung,die von den Engländern organisiert wurde, war das Größte.
Von den Speisen hat sich die Schokoladensuppe in meiner Erinnerung fest verankert.

Wir waren amerikanische Besatzungszone und über dem Rhein beginnend mit Ludwigshafen waren die Franzosen. Die Schulspeisung wurde von den Quäkern (amerikanische Sekte) organisiert. Es gab meistens Dinge die satt machten, Nudeln mit Soße, dicke Suppen und auch diese Schokoladensuppe mit Haferflocken. Brrrrrr.
Einmal im Monat wurde man aufgefordert eine Tasche in die Schule mitzubringen da gab es ein sogenanntes Quäkerpaket, meistens Nährmittel, Mehl, Reis, Nudeln, Trockenmilch usw.

Als dann aber in Deutschland besser wurde hörten die Quäker auf weiter Schulspeisung zu organisieren. Die Stadt Mannheim sorgte dann aber dafür dass man für 75 Pfennig jeden Tag einen Liter Milch oder Kakao mit einem Brötchen bekam und samstags oder vor Feiertagen gab es noch einen Riegel Schokolade!!

Wir Jungs besserten den Speiseplan auch mit Wildfrevel auf, lache, wir angelten "SCHWARZ" und fingen Barsche und Karpfen, das war zu Hause hochwillkommen!! Das war natürlich verboten!!

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Haoua
Haoua
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Haoua
als Antwort auf claude vom 07.07.2013, 11:04:32
Obwohl meine besten Kumpels Jungens waren, zum angeln war der Rhein zu weit weg.
Nach dem Krieg kam ich nach Hilden bei Düsseldorf,ein fast vom Krieg verschontes Städtchen, zum Bombardieren wohl uninteressant.
Trotzdem kam es in der Nähe immer wieder zu schlimmen Unfällen,wenn Jungens Blindgänger fanden und Mutproben veranstalteten.
Ein wenig Geld bekamen wir für das Sammeln von Kaninchenfutter.
Wer nur Löwenzahn im Korb hatte, bekam etwas mehr Geld.
Bei der Kartoffelernte fanden wir auch immer Arbeit,bezahlt wurde aber in Naturalien.
Ich glaube ich kenne gar keinen Kunsthonig,wir hatten einige Imker in der Nähe.
Das Drumherum war eben doch sehr ländlich.
Das Scheußlichste für mich als wahrer Alles-(Fr)Esser war Lebertran.
Mein Onkel aus Hamburg belieferte in aller Regelmäßigkeit meine Mutter damit.
Das wir so gut wie nie krank waren,kam nur durch die Einnahme von Lebertran.
Dies war die feste Überzeugung meiner Mutter,sie ahnte nicht wie oft wir es im Mund behielten und einen Moment fanden um es aus zu spucken.
Einige Erinnerungen in den Beiträgen da muss ich nachdenken, um verschüttetes wieder zu finden. So habe ich von den Quäkern gehört,es wurde bei uns erzählt,dass es in der amerikanischen Zone viel mehr Lebensmittel gab. Haoua
--
qilin
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von qilin
als Antwort auf Haoua vom 07.07.2013, 08:31:54
Keine Ahnung ob ich damit richtig liege,aber Österreich dürfte sich nach dem Krieg schneller erholt haben, als viele Gebiete in Deutschland.
Da kam es ja auch noch auf die Zone an. Wir landeten in der von den Engländern besetzten Zone.
Das mag sein - lag vielleicht auch daran, dass es in Österreich keine wirklichen Flächenbombardierungen gab - Linz und Steyr waren zwar primäre Ziele, aber da wurden auch recht genau die Industrieanlagen getroffen und nicht die Wohngebiete. Wir waren gerade noch in der amerikanischen Zone, konnten aber zu Fuß die russische erreichen - der Unterschied, weniger in den konkreten Lebensbedingungen als in der herrschenden Atmosphäre, war auch für mich als Kind deutlich spürbar.

Meine Erinnerungen an die Grundschule sind gruselig,aber wie schon gesagt, alle was mit Essen zu tun hatte spielte in der damaligen Zeit für mich eine große Rolle.
Das war bei mir völlig anders - ich liebte meine LehrerInnen - mein Lehrer in der ersten Klasse erzählte mal lächelnd meiner Mutter: "Ich kann ihn ja nicht mal bestrafen - als ich ihm sagte, er müsse nachsitzen, hat er mir geantwortet 'Das macht mir gar nix, Herr Oberlehrer, ich bin sehr gern bei Ihnen!'"
Schulspeisung gab's bei uns zumindest Anfang der 50er Jahre nicht mehr.

Die Erinnerungen meiner Schulzeit,hängen alle mit einer sehr engen Gemeinschaft innerhalb der Klasse zusammen.
Auch das war bei uns anders - ernsthafte Troubles hat es erst in der Oberstufe der AHS gegeben - und eine wirkliche Klassengemeinschaft eigentlich gar nicht - hängt ja evtl. miteinander zusammen...

() qilin
Haoua
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Haoua
als Antwort auf qilin vom 07.07.2013, 13:25:52
--Jetzt habe ich doch noch einmal schnell in Dein Profil gesehen.
Deine Erinnerungen machen mir deutlich,das die Zeit von der Du sprichst eine Spätere ist.
Aber da es sich nur um fünf Jahre handelt,zeigt sich wie rasend die Entwicklung in der Nachkriegszeit statt fand.
Zwischen diesen fünf Jahren liegen, was das Schulsystem betrifft, wohl Welten.
Vielleicht hatten wir gerade bei diesem Autoritären System die Chance, uns ständig zu verbünden und so zu einer schon traumhaften Gemeinschaft zusammen zu wachsen,die noch bis heute anhält. Haoua

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nerida
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von nerida
als Antwort auf Haoua vom 07.07.2013, 14:33:47
ich bin 1952 eingeschult worden und da gab in meiner Schule für jedes Kind den Viertelliter Milch oder wahlweise Kakao. Ich trank zwar die Milch aber nur widerwillig und Kakao hasste ich, davon wurde mir richtig übel, obwohl ich Schokolade eigentlich mochte.
Kann sich noch jemand an diese Hershey-Schokolade erinnern? Die gab es in schwarzen luxeriösen Papier verpackt und diese oberaffengeile Köstlichkeit brachte manchesmal ein Bekannter meiner Eltern mit - der bei den Amis arbeitete. Mit diesem Typen verbindet mich immer noch der Geruch nach Old Spice und die Coldcream, die für meine Mutter ein Highlight war.

Vor allem die Amis damals, diese tollen Typen, die mit ihren Hintern die Hosen ausfüllten. Deren Musik und die unglaubliche Lässigkeit so toll waren.
Als Kind waren das für mich Wunderwesen aus einer anderen perfekten Welt. Da wollte ich auch unbedingt hin.
Den ersten Knacks bekam meine Zuneigung erst zu Zeiten des Vietnamkrieges.
Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von claude
als Antwort auf nerida vom 07.07.2013, 15:33:13
Ja sicher kannte ich Hershey-Schokolade, die gab es auch als Schokoladensirup das mag ich heute noch!!! )
Ja die Amis waren wirklich sehr, sehr, sehr lässig für uns was ganz"NEUES".
Die Deutschen waren steif dagegen.
Ich erinnere mich auch noch an den Kampf für eine Jeanshose,die verpönten Nietenhosen, die kaufte ich mir von Geld welches ich nebenbei verdiente, meine Eltern machten dafür keine müde Mark locker!!
Und die Musik erst das war der Sound Of freedom, Glenn Miller, Duke“ Ellington, John Goodman und dann erst der Rock and Roll von "BILL HALEY and his COMETS".
Für meine Eltern Negermusik)
Ich wurde 1948 eingeschult und begann meine Lehre 1957.
qilin
qilin
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von qilin
als Antwort auf claude vom 07.07.2013, 23:42:46
Die 'flüssige Schokolade' kenne ich nur aus der Erzählung meiner Mutter - sie bekam einmal eine Dose dieser Köstlichkeit, machte sie auf und fütterte mir jeden Tag nur ein Löffelchen davon, damit es lange vorhalten sollte - bis die Dose halb leer war und der Inhalt verdorben, so dass man sie entsorgen musste...
Jeans kamen bei uns erst zehn Jahre später in Mode und wurden dann von den 'Halbstarken' getragen, die mit ihren Mopeds 'rumknatterten.

() qilin
schorsch
schorsch
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von schorsch
als Antwort auf nerida vom 07.07.2013, 15:33:13
Auch bei uns gabs im Krieg die Pausenmilch; abgefüllt in Glasflaschen zu 5 dl; einen Strohhalm dazu zum Saugen. Da es einige Kinder gab, die die Milch nicht tranken, trank ich sie. Oft ging ich, wenn die Mittagsglocke schellte, mit anderthalb Liter Milch im Magen heim.....

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