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Nostalgie Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?

val
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von val
als Antwort auf schorsch vom 08.07.2013, 09:38:36
Wir hatten Schulranzen, die 'Tornister' hiessen, und kleine Pausenbrottaschen zum Umhängen, die auch einen Namen hatten, den ich nicht mehr weiss.
Wir waren über 40 Kinder in einer Klasse in der 'Volksschule'; einmal bin ich einfach nach Hause gegangen, das fiel überhaupt nicht auf.
Val
Haoua
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Haoua
als Antwort auf schorsch vom 08.07.2013, 09:38:36
Die Erinnerungen zeigen doch,dass gerade in den ersten Jahre nach dem Krieg, die Unterschiedlichen Erlebnisse erheblich waren.
Es kam wohl auf die jeweilig besetzte Zone an,in der man lebte.
Die Milchflaschen mit Strohhalm,in den Genuss kam ich erst in der Oberschule.
Das war 1950!
Diese Strohhalme haben für mich auch eine Geschichte. Bei einer künstlerisch sehr begabten Nonne hatten wir Werkunterricht. In der Weihnachtszeit war natürlich die Herstellung von Strohsternen angesagt.
Diese Nonne war nicht nur kunstbegabt,ihre Geschäftstüchtigkeit war auch kaum zu übertreffen.
Wir mussten die Strohhalme in den Flaschen lassen,die wurden nach der Pause von Ihr eingesammelt.
In der Adventszeit,wenn die Strohsterne an der Reihe waren, durften wir nur bei ihr diese Strohhalme kaufen,obwohl sie im Bastelgeschäft preislich günstiger waren.
Vielleicht war es ja für einen guten Zweck Haoua
olga64
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von olga64
als Antwort auf Haoua vom 08.07.2013, 13:44:59
Ich denke viele lieber - als an SChulspeisung - daran zurück als ich 1960 zum ersten Mal das Meer in Italien gesehen habe und meine Liebe zu diesem Land manifestiert wurde, die bis heute besteht. Olga

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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von claude
als Antwort auf olga64 vom 08.07.2013, 16:58:31
Im Moment sind wir halt noch bei der Schulspeisung Olga, zu Reisen werden wir noch kommen! )
Essen spielte in den fünfziger Jahren schon eine Rolle, man hungerte nicht aber man bekam eben nicht immer das was man gerne gehabt hätte!

Der nächste Schritt in den Erinnerungen wäre jetzt die Zeit in der man seine Ausbildung begann!
Haoua
Haoua
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Haoua
als Antwort auf claude vom 08.07.2013, 19:33:09
Ja Du hast Recht,wir sollten Zeiten,die eventuell doch für Einige von uns wichtig waren, nicht überspringen.
Es wurde ja sehr deutlich,wie die Kriegs-und Nachkriegszeit uns geprägt hat.
Von mir kann ich nur sagen,dass Erlebte in dieser Zeit schleicht sich ständig in meine Erinnerungen.
Hunger und Essen, spielt im Leben immer eine Rolle.
So erinnert mich oft ein bestimmter Geruch,oder wie eine Speise schmeckt,an Gewesenes.
Aber wir waren ja schon bei dem Eintritt in die Oberschule.
Für viele von uns etwa im Jahr 1950
Dabei ist wichtig zu erwähnen,dass die Oberschulen noch Schulgeldpflichtig waren.
Also eine Frage des Geldes und nicht des Könnens.
Die Klassenstärke lag auch bei 30 Kindern,es war eine Mädchenschule.
Jährlich wurden es weniger.
Da war nicht nur die schlechte Leistung entscheidend,es ging oft um Bagatellen,und ein Schulverweis war fällig.
Unsere Alte Schule hatte vor Jahren unseren Jahrgang 50 Jahren nach Schulende eingeladen.
Die jungen Mädchen waren geschminkt,trugen Jeans oder kurze Röcke,alles wofür man zu unserer Zeit die Schule verlassen musste.
Die Meisten von uns gingen von der autoritären Schule,in das autoritäre Elternhaus.
Diese, unsere Zeit erklärt Vieles unserer späteren Handlungen! Haoua
Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von claude
als Antwort auf Haoua vom 09.07.2013, 07:42:22
Ja sicher hat uns diese Zeit geprägt möglicherweise macht es einen auch lebenstüchtig. In dem Arbeiterviertel in dem ich groß wurde bekam man Ellenbogen aus Gusseisen, man lernte sich durchzusetzen. In die Oberschule ging kaum jemand, man machte acht Jahre Volksschule eine Lehre und ab dem vierundzwanzigsten Lebensjahr die Meisterschule. Das war die Norm. Ja um dann aber nicht abgehängt zu werden drückte man oft noch abends die Schulbank, einmal privat, auf eigene Kosten, aber auch die Firma förderte einen mit Schulungen während der Arbeitszeit und mit Wochenendseminaren.

Um noch einmal auf das Essen zurückzukommen, sonntags war ein besonderer Tag da gab es ein Essen mit Suppe oder Vorspeise, den Hauptgang und natürlich ein Dessert. Dazu Wein und Wasser. Auch die Kinder bekamen einen Schluck Wein. (in einer homöopathischen Menge.)[i][/i]

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qilin
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von qilin
als Antwort auf claude vom 09.07.2013, 09:25:30
Wein gab's bei uns nicht, nur mein Vater trank manchmal Bier - das mir (damals noch ) überhaupt nicht schmeckte.
Das mit den homöopathischen Dosen kenne ich vom Kaffee - da gab's für uns Kinder heiße Milch, mit drei oder vier Tropfen Kaffee... Später kam dann Caro-Malzkaffee für die Kinder, während die Erwachsenen den 'giftigen' Kaffee tranken. Noch Jahre später fragte eine Lehrerin lachend bei meiner Mutter nach, weil mein Bruder in einem Aufsatz über den Muttertag geschrieben hatte
"In der Früh sind wir ganz leise aufgestanden, und mein großer Bruder hat einen giftigen Kaffee gekocht..."

() qilin
Klara39
Klara39
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Klara39
als Antwort auf claude vom 09.07.2013, 09:25:30
Mit Interesse lese ich hier die Erinnerungen derer, die in den westlichen Besatzungszonen aufgewachsen sind. Aus der ehem. DDR hat sich noch niemand gemeldet - schade eigentlich. Unser Schulsystem war staatlich mit allen Konsequenzen. Pioniere, Freie deutsche Jugend, Gesellschaft für Sport und Technik, Jugendweihe usw. Wer sich verweigerte, hatte große Mühe, überhaupt Abi machen zu dürfen - vom späteren Studienplatz ganz zu schweigen.
Wie es mit der Schulspeisung aussah in den Jahren nach 45 - daran fehlt mir die Erinnerung. Aber Schulgeld musste niemand bezahlen und auch Schulbücher wurden kostenlos zur Verfügung gestellt. Mein erster Schulranzen war aus zwei Plastestücken, die mit Igelitband zusammengenäht waren, groß genug für die vorhandenen Utensilien. Von unseren Hauswirten bekamen wir die Hefte der erwachsenen Kinder und haben dann mit einem Radiergummi aus einem Autoreifen die Bleistifttexte ausradiert, um wieder neu schreiben zu können. Irgendwann bekam ich eine ausrangierte Ledermappe, auf die ich lange stolz war. Religionsunterricht fand außerhalb der Schule statt und wir gingen gern hin, obwohl es nicht gern gesehen wurde. Mit der Verfolgung der Jungen Gemeinde ging es Anfang der 50er Jahre los. Aber wir waren eine feste Gemeinschaft. Nix Ellenbogen (zum Glück!) Nun höre ich mal wieder auf in der Hoffnung, dass vielleicht andere auch Erinnerungen von der anderen Seite hatten. Es war ja doch örtlich auch sehr verschieden, anders in den Industriegegenden und wieder anders in der Landwirtschaft oder in durch Tradition religiös geprägten Landstrichen wie dem Eichsfeld z.B.
Klara



Das war ich 1946
Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von claude
als Antwort auf qilin vom 09.07.2013, 11:54:22
"In der Früh sind wir ganz leise aufgestanden, und mein großer Bruder hat einen giftigen Kaffee gekocht..."


Lache mit dir. Mit meinem großen Bruder aß ich die erste Apfelsine meines Lebens und die schmeckte mir nicht einmal, schmunzle. Ich war Äpfel und Birnen aus dem eigenen Garten gewöhnt!!)
olga64
olga64
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von olga64
als Antwort auf Haoua vom 09.07.2013, 07:42:22
Ich kam ca 1954 auf das Gymnasium - vorher war eine strenge Prüfung an der "Volksschule" unter bayerischen Kriterien angesagt, die ja heute noch als sehr streng gelten. Da München auch damals schon viele Gymnasien hatte, waren die Klassen nicht so stark überfüllt, wie z.B. die Volksschulen einige Jahre früher.
Im Gymnasium änderte sich für mich vieles. Das Wirtschaftswunder begann ja bereits und dort hatte ich Mitschülerinnen,deren Eltern schon früh wieder Geld hatten. Dort war ich dann auch eingeladen und auch die "Verköstigung" sah anders aus als bei uns zu Hause, wo es dank des kaputten Nazi-Vaters und der nicht berufstätigen Mutter noch lange sehr dürftig zuging. Nach einigen Jahren kam ich dann aber - als mein Vater verstarb - dank Mithilfe meines Opas in ein Internat, wo sich wiederum alles änderte, mir aber half, die SChule bis zum Abitur gut zu bewältigen.
Daran denke ich viel mehr als an irgendwelche Nahrungsmittel, die ich als Kind bekam - das ist längst aus meinem Kopf, da ich ja später immer das grosse Glück hatte, nie Hunger leiden zu müssen, es sei denn, ich machte eine Diät.Olga

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