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Nostalgie Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?

nerida
nerida
Mitglied

Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von nerida
als Antwort auf olga64 vom 27.08.2013, 15:50:44
Ein Aki gab es im Münchner Hauptbahnhof auch. Dort verkehrten viele Leute auch mit zweifelhaftem Ruf - oft führte die Polizei Kinogäste in Richtung Knast ab. Ich erinnere mich, dass ich dort wahre Knutsch-Orgien mit dem jeweiligen jungen Mann hatte.Von den Filmen habe ich nie etwas mitbekommen.

für mich war das aki nur in den Schlabbermonaten interessant und meine vielseitigen Interessen als weiblicher Zorro im Stadtviertel wettermäßig eingeschränkt war.

die 50 Pfennige für das Kino hab ich mir durch Einkaufen und allerlei Dienstleistungen für Nachbarn verdient. Da schwankte der Verdienst zwischen 5 - 10 Pfennige, huldvoll überreicht mit der Aufforderung sparsam zu sein.

Neben Walt Disneys Wunderwelten, die herrlichen Dick und Doof Filme, dann Fuzzi den Schrecken der Prärie gab es "Fox die tönende Wochenschau" das konnte ich mir dann bis zu dreimal hintereinander ansehen, wenn man mich nicht vorher rausschmiss.

Kino und später das Fernsehen war aber nie meine Welt.
Meine Welt waren die Bücher und alles geschriebene. Als ich das erstemal unsere Stadtbibliothek betrat, war ich verloren.
Bis heute hat bedrucktes Papier einen unglaublich sinnlichen Reiz und als Kind und Heranwachsende versank ich in diesen Wunderwelten.
Wilhelmsburger
Wilhelmsburger
Mitglied

Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Wilhelmsburger
Heute abend !
NDR 21.00Uhr Unsere Geschichte :
Als Tante Emma Konkurrenz bekam.
Hier meine Erinnerung.
An einige Läden, in denen das Verkaufspersonal, unterstützt von der Ehefrau, aus dem Besitzer bestand, erinnere ich mich noch gut. Das Ehepaar wohnte auch gleich hinterm Laden. Sehr praktisch! Denn wenn man etwas vergessen hatte, konnte man dort nach Ladenschluss „hinten rum“ einkaufen. Das war natürlich nicht erlaubt, eigentlich; man musste schon namentlich bekannt sein.

„Lauf mal rüber zum Krämer!“, hieß es in meiner Kinderzeit. Bei unserem Krämer am Ernst-August Deich in Wilhelmsburg (Hamburg) gab es fast alles, was man so brauchte im täglichen Leben. Vieles davon wurde „lose“ aufbewahrt, das heißt entweder in Schubladen, in Blechdosen oder in Glashäfen. Die vom Kunden gewünschte Menge wurde entnommen. sorgfältig abgewogen und häufig, vor allem bei kleinen Portionen, in Spitztüten abgefüllt, sofern es sich nicht gerade um Gewürzgurken, Sauerkraut oder Ähnliches handelte.

„Kolonialwaren“ stand an dem Laden dran. Drinnen roch es nach Kaffee – und nach Bohnerwachs. An der Tür stand ein Plakat mit diesem Text:

„Ich bin bemüht,

stets freundlich zu bedienen.

Die Flüsterer und Schieber

werf’ ich raus!

Gehörst, verehrter Kunde,

Du zu ihnen,

so rat' ich Dir,

verlasse dieses Haus!“
Das stammte noch aus Zeiten die ich nicht kennengelernt habe(Schieber)

1963 zogen wir nach Berne(Stadtteil von Hamburg), und da gab es ganz in der Nähe auch noch solch einen Einzelhändler. Er, beziehungsweise seine Frau, brachte morgens sogar die Brötchen ins Haus, und jeden Samstag lag ein Tütchen mit Bonbons dabei für uns Kinder.

Kauften wir im Laden ein, gab's auch mal „was zu“ für die Kleine. Und immer wurden ein paar Worte gewechselt: eine Frage nach dem Befinden, ein Scherz übers Wetter... man kannte sich eben. Etwa um 1970 gab die Frau (der Mann war inzwischen verstorben) aus Altersgründen den Laden auf; kurz darauf wurde das ganze alte Haus abgerissen.

Natürlich haben wir damals das meiste längst im Supermarkt gekauft, bei Edeka. Der „Tante-Emma-Laden“ von Daniel Haupt war viel zu teuer. Dann machte der erste Aldi-Markt hier auf – ein Discounter, dem schließlich auch der Edeka-Laden zum Opfer fiel. Seither kaufen wir weitgehend „anonym“ ein, jedenfalls selten noch bei jemand, der uns persönlich kennt. Nur in wenigen Geschäften ist das anders: z. B. bei meinem Bäcker, und an der Tankstelle, wenn der Chef gerade da ist.

Doch ich vermisse meinen „Tante Emma-Laden“.
Medea
Medea
Mitglied

Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Medea
als Antwort auf Wilhelmsburger vom 28.08.2013, 12:56:58
So einen "Tante-Emma-Laden" kenne ich auch noch.
Es gab noch keine Rabattmarken, aber eben in eine
jener kleinen Spitztüten abgefüllte Bonbons zum Einkauf dazu.
Und wir Kinder drängelten uns bei "Tante Burhoop" und nicht
bei ihrer Schwiegertochter "Frau Burhoop", denn letztere
knauserte mit den Bonbons.



Bei "Tante Burhoop" gab es die großen roten Himbeerbonbons,
die wir so gerne lutschten.

M.

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val
val
Mitglied

Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von val
als Antwort auf Medea vom 28.08.2013, 13:09:00
Ja, Medea, diese

Val
Shenaya
Shenaya
Mitglied

Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Shenaya
als Antwort auf val vom 28.08.2013, 14:18:46
Neben den Bonbongläsern lagen in unserem Tante-Emma-Laden die kleinen Dosen oder Päckchen mit Salmiakpastillen.
Für den kindlichen Gaumen hatten die im Grunde einen schauderhaften Geschmack, aber wir Mädels haben mit den rautenförmigen Pastillen immer wieder begeistert Blumen und Sterne auf den (angefeuchteten) Handrücken geklebt und die Pastillen anschließend mit entsprechenden Grimassen doch noch aufgegessen...
Medea
Medea
Mitglied

Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Medea
als Antwort auf val vom 28.08.2013, 14:18:46
Exakt diese, liebe Val,
meine ich. Ich habe den Gechmack noch auf der
Zunge.

Wenn zu viele davon gelutscht wurden, konnte
der Gaumen wund werden.

M.

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olga64
olga64
Mitglied

Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von olga64
als Antwort auf Medea vom 28.08.2013, 13:09:00
Bonbons musste ich als Kind recht heimlich essen, weil meine Mutter (vernünftigerweise) schon damals an den Zustand der Zähne dachte, der damit schlechter wurde. Sie hatte auch den umliegenden Geschäften verboten, mir solche zu schenken.
Ich bin gerne zum Metzger gegangen - dort bekam man als Kind ein Rädchen sog. Hirnwurst (das ist Gelbwurst). Die war heiss begehrt- wenn es die Metzgerin noch besser meinte und ich mit meinem blondgelockten Bruder kam, bekamen wir sogar zwei halbe Wiener.
Bei der "Hirnwurst" hatte sie es mal vergessen und da mir Betteln streng verboten war, blieb ich ziemlich lange stehen,bis sie fragte, ob ich was vergessen hätte. Ich schüttelte stumm meinen Kopf, bis ihr die Hirnwurst einfiel - das hat sich bis heute in mein Hirn eingegraben. Olga
Medea
Medea
Mitglied

Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von Medea
als Antwort auf olga64 vom 28.08.2013, 16:28:45
Liebe Olga,
das erinnert mich daran, daß meine Mutter mir geboten hatte,
nicht immer die Leute anzusprechen, sondern warten sollte, bis
sie das Wort an mich richten.

Einmal schickte sie mich zum Bäcker in der Nähe, einige
Kuchenstückchen zu holen. Die Nachbarin unter uns fegte gerade
das Treppenhaus und ich blieb neben ihr stehen. Leider
richtete sie das Wort nicht an mich, und ich wollte doch so
gerne etwas sagen. Als ich es nicht mehr aushielt, sagte ich:
Frau Kleinert, fragen Sie mich doch bitte mal, wohin ich gehe.
Ich gehe nämlich zum Jung-Bäcker, Quarkstückchen holen, weil
meine Mami darauf solchen Appetit hat.

Diese Story fiel mir gerade wieder ein, als ich mir vorstellte,
wie Sie als kleines Mädchen auf die Wurstscheibe warteten.



Medea.
loretta †
loretta †
Mitglied

Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von loretta †
als Antwort auf Medea vom 28.08.2013, 17:17:55
Ich gestehe hier und heute: ich bin eine Diebin!

Es gab früher doch in den Tante-Emma-Läden, aber auch bei dem Bäcker, der morgens knüppeldicke voll von Schulkindern war, die Schnecken, Bonbons oder Wundertüten kauften, diese Glasscheiben, die am Verkaufstresen immer zum Saubermachen senkrecht rein- und rausgeschoben werden konnten. Dahinter wurde die Ware, also Schrippen oder ähnliches gelagert und angeboten. In diesem meinem Fall waren es, säuberlich abgeteilt zu anderen Naschereien, die kleinen Schaummäuse. Ich denke, jeder weiß, was ich meine und glaube, es gibt sie noch heute. Sie kosteten damals 1 Pfennig und während ich geduldig in der Schlange der Schüler wartete, sah ich doch tatsächlich, dass eins der Mäuse sein Schwänzchen unten durch den Spalt zwischen Scheibe und Schiene vorwitzig rausstreckte.

Also lange Rede, ja keen Sinn. Ich fummelt jedenfalls so unauffällig wie möglich an dem Mäuschen herum, bis ich es in meiner Hand hatte.

Noch Tage danach machte ich mir jede Menge Selbstvorwürfe, dass ich geklaut hatte. Habe es aber niemandem erzählt - schon gar nicht meiner Mutter.

In memory versunken
loretta
olga64
olga64
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Re: Wer möchte nicht ab und zu in Erinnerungen schwelgen können?
geschrieben von olga64
als Antwort auf Medea vom 28.08.2013, 17:17:55
Je grösser ich wurde, desto vorwitziger wurde ich aber auch (wie man weiss, bis heute). Als ca 4-jährige wollte ich mal meinen Vater suchen, der in der Nachbarschaft beim Friseur war, wie meine Mutter sagte. Ich ging also, bekleidet mit Spielhöschen und Sandeimerchen dorthin und entschuldigte mich schon beim Eintreten damit, dass "ich in Arbeitskleidung" käme - darüber lachten die noch als ich schon längst erwachsen war. Olga

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