Plaudereien Aufbruch Ost....

hugo
hugo
Mitglied

Re: Aufbruch Ost....
geschrieben von hugo
als Antwort auf eko † vom 23.06.2010, 03:22:07
@ hugo:
Ich habe Dir schon x-mal geschrieben, dass ich mit Dir nicht diskutiere, weil es sinn- und zwecklos ist. Aber leider begreifst Du es nicht. (eko)

Donnerwetter mein lieber eko, zu so nachtschlafender Zeit eine solche Ode an den Hugo, womit hat er das verdient?

Aber da Du -wie so oft- schon mal dabei bist mir direkte Fragen zu stellen und ich bekanntermaßen ja ein so pervers friedfertiger umgänglicher Mitdiskutant bin, der so gut wie keinen Wunsch ausschlagen kann, bringste mich direkt in Gewissensnöte,, soll ich nun, oder soll ich nun nicht ?

Machst fast eine gespaltene Persönlichkeit aus mir,,ob da was abfärbt ??

Also zu Deiner Frage: "Soll ich Dir denn im selben Stil antworten,," (eko)

oh ja das hätte ich gerne, aber ich will Dich nicht drängen das kannste also so halten wie ein Dachdecker, nur nicht ganz so hoch. Aber pass gut auf Deine Zeit auf damit Du Deine produktive Zeitverschwendung nicht versäumst.

Und jetzt lass weiterhin Deine Phantasie sprechen ich hab mich so daran gewöhnt, mir würde direkt etwas fehlen.
Ist das klar?

ein begeisterter hugo in Aufbruchstimmung *g*
carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Aufbruch Ost....
geschrieben von carlos1
als Antwort auf lupus vom 22.06.2010, 18:48:10
"...bedenke, nicht der Einzelne, nicht eine Masse sondern die Situation bestimmt oft den Weitergang.
Erinnere dich ,was und zu welche Bedingungen die DDR liefern mußte um an die notwendigen Materialien, Bauteile usw. zu kommen. Das wäre doch nicht anders geworden, nur weil ein anderer Sozialismus angestrebt wurde." lupus



Das ist ein Hinweis, der bedacht werden muss. Deeshalb will ich an die Ausgangsbedingungen der DDR erinnern (s. auch DDR-Gruppe).

Die Leistungen der DDR-Wirtschaft sollten auf Grundlage der Ausgangsbasis bewertet werden. Diese war alles andere als gut im Vergleich zu der westdeutschen Situation. Bedenkt man die Entnahmen aus der Produktion bis in die fünfziger durch die Sojetische Besatzungsmacht, höhere Reaparationen, die Demontagen an Verkehrsanlagen und in Unternehmen, die empfindlichen Störungen durch die Verstaatlichung von Unternehmen und die darauffolgende Abwanderung von fähigen Unternhmern, die Facharbeiter mit in den Westen zogen, die geographische Ausgangslage, fehlende Verbindung zum Weltmarkt und alleinige Ausrichtung auf den Bereich des Ostblocks (Comecon), was die Ausrichtung auf den sowjetischen Bedarf bedeutete, darf man sagen, dass eine gerechte Versorgung in den 50er Jahren sehr gut gelang (bei allen Mängelerscheinungen, ich weiß!). Die DDR war im Vergleich zu anderen Ostblockstaaten in der Versorgumg am besten organisiert. Orientiert haben sich die DDR-Bürger jedoch mehr am Westfernsehen. Autos wie der Trabant wurden im Westen nur belächelt. Der Wartburg war da eher gehobene Klasse. Nichts im Vergleich zu den westlichen Autos. Als ich das erste Mal eine Fahrt im Trabant erlebte, schepperte sehr viel. Es rüttelte und schüttelte mich, die Fahrt auf dem Kopfsteinpflaster war beängstigend. Aber das Ding fuhr, wir kamen an am Ziel. Die Technik war einfach, unter den gegebenen Voraussetzungen - Nachrangigkeit der privaten Mobilität, Rohstoffversorgung - genial. Emissionenwerte? Schwamm drüber, bitte nicht nachfragen. Das Ding fuhr auch, wenn ein Damenstrumpf den gerissenen Keiriemen ersetzte, habe ich mir sagen lassen.

Ich betrachte es nicht als Provokation: Die DDR hat auch ein Wirtschaftswunder erlebt. Nicht so glitzernd. Aber immerhin. Das Improvisationstalent der vielen Werktätigen war beachtlich. Das war ihre Stärke. Respekt. Es wurde und wird zu wenig gewürdigt. Eisige Kalkualation ging darüber hinweg nach der Wende. Ich will daran erinnern. Es gehört zu unserer gemeinsamen Geschichte.

c.

Anmerkung: Mein erstes Auto sollte eigentlich ein Renault R4 sein. Viel Ladefläche, schnell rostend und in den Kurven mit starkem Seegang. Den Schalthebel sollte ich mit Vorsicht anfassen meinte jemand aus Spaß, damit er nicht abbricht. Es wurde aber dann doch ein Auto eine Etage höher, weil die Verwandtschaft etwas Geld spendete.
lupus
lupus
Mitglied

Re: Aufbruch Ost....
geschrieben von lupus
als Antwort auf carlos1 vom 23.06.2010, 09:10:15
Hallo Carlos
Mit dem Wirtschaftswunder auf niedrigerem Niveau gehe ich ganz mit dir konform. Das ist aber Historie und dafür hätte doch keiner was gegeben, so daß eine kürzere oder längere Agonie gefolgt wäre.
Das mit dem Damenstrumpf ist nur eine Legende. Den Keilriemen für den Kühlungslüfter mußte ich jedoch in 20 Jahren 2mal auf der Autobahn wechseln.
Wenn der Trabant ,in dem du mutig mitgefahren bist,rüttelte und schüttelte war es (nur dieser!) eben ein "Scheißding".
Aber man konnte eben vieles selbst machen und verbessern. Wie ich zu einem Austauschmotor kam, den ich selbst einbaute, wäre eine Kurzerzählung mit Einsichten in die damaligen Lebensverhältnisse.

Anzeige

carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Aufbruch Ost....
geschrieben von carlos1
als Antwort auf lupus vom 23.06.2010, 14:38:17
"Wie ich zu einem Austauschmotor kam, den ich selbst einbaute, wäre eine Kurzerzählung mit Einsichten in die damaligen Lebensverhältnisse." lupus


Hallo lupus,
diese Erzählung solltest du uns nicht vorenthalten. Es geht nicht darum, die DDR in Grund und Boden zu verdammen, sondern um das Leben der Menschen in diesem Staat, ihre Lebensverhältnisse.

Ich erinnere mich gut an die 60er Jahre mit ihren Autos. Da konnte man auch im Westen noch viel daran basteln. Heute ist alles in Modulen verpackt und plombiert. Geht was kaputt, wird das ganze Teil ausgetauscht. In den 50ern fuhr mein Schwiegervater im Ford 15m mit großem Ersatzteillager in Urlaub. Sogar eine Blattfeder war als Ersatz dabei. ggg


eko †
eko †
Mitglied

Re: Aufbruch Ost....
geschrieben von eko †
als Antwort auf carlos1 vom 23.06.2010, 19:07:39
Zitat carlos:

"Es geht nicht darum, die DDR in Grund und Boden zu verdammen, sondern um das Leben der Menschen in diesem Staat, ihre Lebensverhältnisse
."


Derselben Meinung, carlos, bin ich auch. Aber es ist schwierig, das Vertrauen derjenigen aus dem Osten zu finden, die in uns aus dem Westen nur hochnäsige Besserwisser sehen und entsprechend reagieren.
Ich war schon immer neugierig darauf, was in diesem anderen Teil Deutschlands so vor sich geht und ich hätte mir gewünscht, auf meinen Berlin-Fahrten auch mal von der Transit-Autobahn runterzufahren, nur um zu gucken, wie es jene in der Nacht des Mauerfalls von der Ostseite aus gemacht haben. Nur gucken! Aber das wäre mir übel bekommen.

Ansonsten:

Die Deutschen Ost sind keine andere Rasse als die Deutschen West, was uns verändert und auseinandergebracht hat, sind die uns auf beiden Seiten mehr oder weniger aufoktroierten unterschiedlichen Gesellschaftssysteme. Es bringt uns, die Deutschen, alle Deutschen, nicht weiter, ewig und noch drei Tage länger diese Unterschiede vornean zu stellen und damit prahlen zu wollen, welches System denn nun das bessere wäre.

Es geht darum, Gemeinsamkeiten wieder zu erkennen, sie herauszuarbeiten und zu vertiefen. Das, was uns trennte, sollte alsbald und ohne großes Aufhebens auf dem Müllplatz der Geschichte verschwinden.


e k o
circe
circe
Mitglied

Re: Aufbruch Ost....
geschrieben von circe
als Antwort auf gerry vom 17.06.2010, 17:59:15

ich habe deinen Beitrag gelesen und denke mir das er eigentlich traurig ist!Wenn du es so empfindest wie du es schreibst finde ich es nach 20 Jahren deutscher Einheit einfach nur traurig. Auch ich hatte in den ersten Jahren Schwierigkeiten zurecht zu kommen-aber wenn man sich nicht berappelt und nach vorne schaut, vermiest man sein eigenes Leben.Man hat aber nur dieses eine Leben. Und sachlich gesehen möchte ich mal darauf hinweisen, das Hermann Kant mit Konsalik nicht zu vergleichen ist! Oder hast du sein Buch "Der Aufenthalt" nicht gelesen.

Anzeige

circe
circe
Mitglied

Re: Aufbruch Ost....
geschrieben von circe
als Antwort auf gerry vom 17.06.2010, 17:59:15

ich habe deinen Beitrag gelesen und denke mir das er eigentlich traurig ist!Wenn du es so empfindest wie du es schreibst finde ich es nach 20 Jahren deutscher Einheit einfach nur traurig. Auch ich hatte in den ersten Jahren Schwierigkeiten zurecht zu kommen-aber wenn man sich nicht berappelt und nach vorne schaut, vermiest man sein eigenes Leben.Man hat aber nur dieses eine Leben. Und sachlich gesehen möchte ich mal darauf hinweisen, das Hermann Kant mit Konsalik nicht zu vergleichen ist! Oder hast du sein Buch "Der Aufenthalt" nicht gelesen.
barbarakary
barbarakary
Mitglied

Re: Aufbruch Ost....
geschrieben von barbarakary
als Antwort auf lupus vom 23.06.2010, 14:38:17
Damenstrumpf als Keilriemenersatz war in der 50er Jahren West ganz normal! Die Strümpfe meiner Mutter mussten da mehrmals herhalten...

Einige Unterschiede, die man Ost/West in die Schuhe schiebt, sind wie schon von Leuten aus BW erwähnt, regionale sprachliche Besonderheiten, z.B. Uhrzeit. Gerade sprachlich sind die Unterschiede eher ein Nord/Südgefälle. Abgesehen natürlich von DDR-typischen Begriffen wie Kombinat und Brigade.

Ich lebe seit 6 Jahren im Osten und fühle mich sehr wohl hier. Die Kindheit bis Anfang der 50er Jahre verlief in Ost und West ähnlich - allgemeiner Aufbau. Habe viele Gespräche geführt, wobei jeder Mensch seine eigenen Erfahrungen gemacht hat, je nachdem, ob der politische Druck spürbar war oder weniger.
Genauso wenig wie jeder 'Wessi' ein neureicher Angeber ist, so wenig sind die Leute aus dem Osten leichtgläubiger als die aus dem Westen. Sie wurden nur während der Wendezeit überrumpelt von gierigen Geschäftemachern.

Über 'Ost' und 'West' wird erst dann nicht mehr gesprochen werden, wenn unsere Enkelkinder selbst Familien haben werden. Regionale Unterschiede wird es in ganz Deutschland jedoch immer geben.

LG nach Gesamtdeutschland von Roswitha
lupus
lupus
Mitglied

Re: Aufbruch Ost....
geschrieben von lupus
als Antwort auf carlos1 vom 23.06.2010, 19:07:39
Weil es carlos scheinbar interessiert
Ein Stück Vergangenheit:
Mein Trabantmotor hatte 120Tkm weg (für einen kleinen Motor ein ganzes Stück) und ich wollte Urlaub in Ungarn machen.
Ein ,wie viele Ersatzteile kaum zu beschaffender, Austauschmotor sollte her.
Über einen guten Kollegen wurde die Regenerierungsfirma ermittelt. Telefonate mit dem Betriebsleiter ergab -„ Lieferung unmöglich“, jedoch verriet er mir wann er demnächst an welche Handelsgeschäfte lieferte.
Telefon mit dem Geschäftsstellenchef:
- Sie bekommen am 14.9. drei Austauschmotoren, wann werden die verkauft?
- Woher wollen sie das wissen?
- Das tut nichts zur Sache , wann wird verkauft?
- Am 15.9.
- Gut, ich stehe am 15.9. als Erster vor ihrer Ladentür, sollte da kein Motor mehr verkäuflich sein bekommen sie Ärger
- Sie müssen aber den alten Motor gereinigt innerhalb von 5 Tagen hier abgeben und er darf keinen Gehäuseriss haben

Ausbau des Motors am 13. oder 14.
Urlaub und 40 km Eisenbahnfahrt am 15.9. 5Uhr früh ( an meinem Geburtstag!) , zweiter Platz vor dem Laden
Der erste Kunde wollte andere Teile, ich konnte den 2.(!) Motor kaufen d.h. einer war schon weg
Um den Motor zu transportieren nahm mein Schwager ½ Tag Urlaub und wir holten das begehrte Stück ab
2 Tage Motorreinigung und Lieferung , wieder Schwager mit ½ Tag Urlaub
Motor mit Hilfe des Sohns eingebaut und wieder 100Tkm gefahren.

Zeitebene etwa 1980
kurz gefasst, da mit einem Finger geschrieben

Anzeige