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Plaudereien biologische mütter/väter

sissismam
sissismam
Mitglied

biologische mütter/väter
geschrieben von sissismam
es gibt ja immer wieder sendungen im tv, in denen kinder ihre biologischen eltern suchen. sei es, dass sie adoptiert wurden, unehelich ohne vater aufgewachsen oder der vater ist nicht der erzeuger.
auch promis, z.b. "mutter beimer" hat nach ihren vorfahren gesucht und tatsächlich einen bruder gefunden.
was mich interessiert, würdet ihr das auch unbedingt wissen wollen? es ist ja immer die rede von "wo sind meine wurzeln"..etc.

ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich heute erfahren würde, mein vater ist nicht mein erzeuger oder ich adoptiert wäre, dass mich das nicht sonderlich berühren würde und ich keine nachforschungen anstellen würde.
natürlich eine andere sache, wenns dann wirklich passiert, das ist mir schon klar.

wie seht ihr das? würdet ihr nachforschen?
lg
ps.an jene, denen diese sendungen zu simpel und niveaulos sind, niemand zwingt euch zu antworten.

--
sissismam
hanna1950
hanna1950
Mitglied

Re: biologische mütter/väter
geschrieben von hanna1950
als Antwort auf sissismam vom 18.08.2009, 19:05:05
Hallo Sissismam,

1. Finde ich das Thema ganz und gar nicht niveaulos und

2. Würde ich es auf jeden Fall wissen wollen.


Meine Tochter (31) ist adoptiert. Sie wollte nie wissen, wer ihre Herkunftseltern sind. Sie hat immer ihre Augen verschlossen und wollte natürlich am liebsten, dass Ich ihre Mutter bin. Es gab immer wieder Fragen wie z.B., gibt es in Ihrer Familie? Sie hat ständig nein gesagt, um nichts erklären zu müssen. Jetzt in letzter Zeit kommen die Fragen von ihr und ich würde alles tun, um ihr zu helfen, die leiblichen Eltern zu finden. Was dabei herauskommt, wissen wir nicht. Sie hat natürlich auch Angst davor.

Nur was uns in den Fernsehsendungen manchmal vorgegaukelt wird, kann ich nicht richtig glauben. Niemals würde ich einem Menschen, auch wenn er mein Erzeuger oder sie meine leibliche Mutter ist, so bedenkenlos in die Arme sinken. Im Endeffekt ist es doch wichtig, welche Menschen mich von Anfang an begleitet haben auf meinem Lebensweg. Und trotzdem möchte ich doch wissen, wo meine Wurzeln sind. Und wenn es „gut geht“, kann es mich doch nur bereichern und ich habe dann noch mehr Menschen, mit denen ich mein Leben teilen kann.

LG

hanna1950
fenna
fenna
Mitglied

Re: biologische mütter/väter
geschrieben von fenna
als Antwort auf sissismam vom 18.08.2009, 19:05:05
mein vater starb als ich noch ein baby war. mein "stief"vater war ein wirklich guter mensch. ich habe es nie gesagt um ihn nicht zu verletzen, aber ich ich habe mir oft gewünscht auch meinen biologischen vater zu kennen. ich habe nur berichte derer die ihn gekannt haben, und ein paar bilder.
--
fenna

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melanie
melanie
Mitglied

Re: biologische mütter/väter
geschrieben von melanie
als Antwort auf sissismam vom 18.08.2009, 19:05:05

-Hallo, liebe sissismam,
ein sehr schwieriges, hochinteressantes Thema. Emotionale Beziehungen zwischen Verwandten sind ja nicht genetisch disponiert, sondern entwickeln sich im Laufe der Zeit, so dass ich mir ziemlich sicher bin, dass es mich nicht interessierte, wer meine biologischen Erzeuger waren. Und dass mit den "Wurzeln", von denen ja gerne geredet wird, ehrlich gesagt, rangiert das für mich mehr unter "sentimentalen Auswüchsen". Wurzeln entstehen für mich da, wo ich gehegt und gepflegt werde, geliebt werde. Ich glaube, eine genetische Liebe gibt es wohl nicht.
Zu diesem Thema kann ich noch beisteuern, dass meine Tochter mich einmal fragte, wie es denn wäre, wenn man mein Kind nach der Geburt vertauscht hätte, und sie nicht meine biologische Tochter wäre. Auf keinen Fall hätte ich wissen wollen, wer dieses "biologische Kind" denn wäre, wie es wäre, wie es ihm ginge. Lieben gelernt habe ich meine Tochter, diesen kleinen Menschen, den ich da großgezogen habe, mit diesem "biologischen Kind" verbände mich emotional rein gar nichts.
Liebe Grüße-
melanie
myrja
myrja
Mitglied

Re: biologische mütter/väter
geschrieben von myrja
als Antwort auf sissismam vom 18.08.2009, 19:05:05
Ich habe meinen Vater nie kennengelernt. Für mich war immer mein Stiefvater, ein sehr liebevoller Mensch, mein Vater.

Aber ehrlich gesagt, wüsste ich schon gerne wie mein richtiger Vater aussah, wie er charakterlich war. Habe ich Geschwister? Wenn ja, wo und wieviele? Wie sind sie? Ich habe tausend Fragen, die mir niemand mehr beantworten kann.
Es gab Zeiten, da habe ich sehr darunter gelitten, und auch heute bin ich noch manches mal traurig, weil ich nie die Chance hatte ihn oder eventuelle Geschwister kennen zu lernen.

Es ist immer leicht zu sagen, mich würde das nicht interessieren wer meine leibliche Eltern wären, wenn man nicht davon betroffen ist.
--
myrja
uki
uki
Mitglied

Re: biologische mütter/väter
geschrieben von uki
als Antwort auf myrja vom 18.08.2009, 20:39:06
Ich bin nicht betroffen, doch fühle ich, dass ich alles wissen wollen würde. Egal, ob es sich um einen Elternteil handelt oder beide oder um ein Kind.

--
uki

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old_go
old_go
Mitglied

Re: biologische mütter/väter
geschrieben von old_go
als Antwort auf uki vom 18.08.2009, 20:43:01
Bin auch nicht betroffen,
wuchs in einer intakten Familie mit 3 Geschwistern auf.
Mein Vater ist auf der Krim gefallen,1944,ich kann mich noch gut an ihn und seine warmherzige Art erinnern!

Ich denke,jeder Mensch sollte so rechtzeitig wie möglich erfahren,wer seine Eltern oder Geschwister sind!

Und sei es nur aus dem Grund,sich nicht -- unwissentlich-- in
Bruder oder Schwester zu verlieben und möglicherweise Kinder zu zeugen!

Gudrun
karl
karl
Administrator

Re: biologische mütter/väter
geschrieben von karl
als Antwort auf melanie vom 18.08.2009, 20:10:53
Ich glaube, eine genetische Liebe gibt es wohl nicht.
Jedenfalls ist es richtig, dass "keine Blutsbande" im wörtlichen Sinne existieren, denn diese "emotionalen Bande" werde im sozialen Eltern-Kind Kontakt geknüpft.

Es spielt eine sehr große Rolle für die sich zwischen Eltern und Kind aufbauenden emotionalen Bande, in welchem Alter ein Kind adoptiert wurde, für beide Seiten. Ich kannte eine Studienkollegin, die als Baby adoptiert wurde, dies wusste und keinerlei Wünsche hatte, ihre leiblichen Eltern kennen zu lernen. Ich hatte mich damals darüber gewundert, aber jeder sollte die Freiheit haben, für sich das Richtige zu tun.
--
karl
hanna1950
hanna1950
Mitglied

Re: biologische mütter/väter
geschrieben von hanna1950
als Antwort auf karl vom 18.08.2009, 22:44:17
Da streiten sich die Gelehrten, denn die Zeit der Schwangerschaft spielt ja auch wohl eine große Rolle für Mutter UND Kind. Meine Tochter war 1 Jahr alt, als sie zu uns kam. Natürlich haben wir sie nie alleine gelassen. Trotzdem geriet sie total in Panik, wenn sie das Gefühl hatte, es ist niemand in ihrer Nähe. Es hat viel länger als bei „normalen“ Kindern gedauert, bis wir sie mal für kurze Zeit alleine lassen konnten. Diese Verlassenheitsängste zeigen doch, dass schon eine emotionale Verbindung entstanden ist und das Kind sehr wohl, wenn auch unbewusst, gemerkt hat, dass ein Band zerrissen wurde. Gleiches Verhalten habe ich auch von adoptierten Babys gehört.

Ich gebe Dir recht, dass jeder die Freiheit haben sollte, seine Entscheidung zu treffen. Habe allerdings die Erfahrung gemacht, da mein Bekanntenkreis fast ausschließlich aus Pflege- und Adoptiveltern besteht, dass fast jedes „Kind“ irgendwann wissen will, warum es abgegeben (abgelehnt) wurde und was das für Menschen sind, die es nicht mehr wollten. Viele zögern es hinaus, weil sie natürlich auch Angst vor der Wahrheit haben, die manchmal sehr brutal sein kann. Oftmals wollen sie auch der „neuen Familie“ nicht weh tun.

Eine große Rolle spielen auch die leiblichen Geschwister, die ja evtl. das gleiche oder ein ähnliches Schicksal hatten.

LG
hanna
melanie
melanie
Mitglied

Re: biologische mütter/väter
geschrieben von melanie
als Antwort auf hanna1950 vom 19.08.2009, 00:24:23

-Liebe Hanna,
ich muss, nachdem ich Deinen Kommentar gelesen habe, meine Aussage dahingehend korrigieren, dass ich gedankenlos davon ausging, dass Kinder immer gleich im Anschluss an die Geburt zur Adoption freigegeben werden, dem ist ja gar nicht so. Natürlich ist nach einem Jahr schon eine emotionale Bindung entstanden. Aus tiefenpsychologischer Sicht stellt das immer eine Traumatisierung dar, Verlassenheitsangst ist eines der daraus resultierenden Symptome, daneben ja eine schwere Kränkung des Selbstwertgefühles. Diese Sehnsucht nach den "biologischen Eltern" interpretiere ich persönlich nicht unbedingt als einen Auswuchs von "Liebe", sondern eher bedingt durch diese enorme Kränkung, nicht gewollt gewesen zu sein, dass man mich einfach "abgegeben" hatte. Auf gar keinen Fall hätte ich zu einem späteren Zeitpunkt wissen wollen, wer diese Menschen waren. Ich meine, und auch das ist nur meine ganz persönliche Meinung, dass es niemals einen Grund geben könne, ein Kind abzugeben; es gibt immer einen Weg.
Liebe Grüße,-
Melanie

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