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Plaudereien Club der Nightwriter und Nightreader

Majorie
Majorie
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Majorie
als Antwort auf johanna vom 18.06.2018, 01:54:37

Hatte Dir auf diesen Artikel geantwortet mit einer laengeren Mail Johanna.
Und nachdem ich noch ein Bildchen einsetzen wollte, war alles futsch.  Sorry !
Schreibe morgen nochmal. Bin jetzt zu muede.
Der Tenor des Ganzen war, dass ich Dir sagen moechte dass Du fuer mich eine
Inspiration bist. Hatte das detailliert erklaert - aber jetzt ist mir der Geist ausgegangen.
Hoffe, er ist bis morgen zurueck.?

Jedenfalls wieder ein wunderbarer Beitrag von Dir und ich bedanke mich schonmal dafuer ,
dass Du das mit uns teilst.

"So long" und bis morgen oder uebermorgen (der Zeitunterschied ist eine Herausforderung).

LG  aus der Ferne,
Ruth

 

johanna
johanna
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna
Mohnblüte in Germerode oder.....
 
Jeder will beschissen werden – Dekoration für den TÜV… oder es fing alles so harmlos an
 
Sonntag früh – der Himmel ist strahlend blau – so packen wir alles für ein Picknick zusammen. Am künstlich angelegten See im Nachbarort gibt es einen Platz direkt am Wasser. Lauschig, eine Bank steht dort, verdeckt von herunterhängen Baumzweigen – alles ist sehr ruhig, auch den Verkehr der weiter weg vorbeifführenden Strasse hört man kaum. Die Karpfen – grosse Fische springen aus dem Wasser – Nilgänse fallen ein – Enten ziehen ihre Kreise im Wasser – es ist alles ein Bild des Friedens. Und hier packt Uwe den Gasgrill aus – der Campingtisch wird aufgestellt, zwei bequeme Gartenstühle – und aus der Kühltasche wird Fleisch, Bratwurst, gemischter Salat und auch Obst mit Joghurt und Kirschsosse dazu gestellt. Teller, Besteck, Getränke und Becher vervollständigen das Ganze. Uwe grillt – das Fleisch ist lecker und wir lassen es uns gut gehen. Durch vorbeigehende Spaziergänger werden wir auch nicht gestört – es ist Johannisfest und obendrein ein Fussballtag im Fernsehen.
 
Nachdem wir gesättigt sind sitzen wir noch etwas und geniessen die Stille – die Natur. Dann packen wir zusammen, räumen alles auf und fahren weiter – immer rings herum um den Meissner – es gibt so schöne Flecken auf dieser Streckenkarte. Die Landschaft abwechslungsreich und immer wieder schön. Die sonnenbeschienenen Wiesen und Lichtungen zwischen den Wäldern und Bäumen – man bekommt Lust sich dort nieder zu lassen, auf einer Decke zu liegen zu träumen oder ein Buch zu lesen - einfach nur Natur und Ruhe zu geniessen.

Wir kommen nach Germerode, ein Ort im Geo-Naturpark Frau Holle-Land. Die Mohnblüte hat gerade angefangen und es werden Fahrten durch die Mohnfelder angeboten. Alle möglichen Farben sind bei diesem Mohn zu sehen, nicht nur rot – auch zartlila ist z.B. dabei. Am Ausgangspunkt der Wanderwege rund um die ausgedehnten Mohnfelder ist eine ehemalige Scheune zu einem urigen Kaffe umgebaut worden. Mit den Möglichkeiten und den Einrichtungsgegenständen, die man in Scheunen findet. Ein alter gusseiserner Ofen mit Wasserschiffchen, Holzräder, Tonkrüge – alles sehr gemütlich und passend. Vor der Scheune sind Bänke und Tische aufgestellt, die gut von den Besuchern frequentiert werden.

Hier gibt es alles was mit Mohn zusammenhängt – Kuchen vor allen Dingen. Ausserdem stehen kleine „Tynihouseähnliche“ Verkaufswagen – mit Zweiachser als Fahrwerk am Rand des Platzes. Ein anderer kleiner Verkaufswagen ist als Kasse umfunktioniert. Hier steht auch ein Schild, dass man mit einem Traktor ganz gemütlich die Wege zwischen den Feldern abfahren kann. Dazu erfährt man dann auch einiges über die Umgebung. Barfußpfad zu Fuß erreichbar über den Trinkwasser Wanderweg oder Besucherbergwerk Grube Gustav in Meißner Abterode – der Frau Holle-Brunnen in Vockerode ist auch sehenswert. Es gibt in Germerode ein Mohnlädchen mit Tourist-Information und einem Verkauf von Mohnprodukten. Ein Mohnkino und im Kloster eine Bilderausstellung. Es gibt noch ein zweites Mohndorf: Grandenborn. Beide Dörfer liegen ca. 25 km auseinander. Der Mohn erfordert jedes Jahr einen Felderwechsel, so sieht alles jedes Jahr verändert aus.

Uwe schaut sich die Verkaufswagen an und erscheint am Tisch an welchem ich sitze und meint: hab mir das angeschaut, das Ganze ist als Ladung gemacht – so hab ich das mit meinem Trailer auch gedacht. Mich interessiert das, ich stehe auf und folge Uwe, schaue mir die Spanngurte an – die Dachumrandung – den Rand der sich um die Bodenplatte zieht und in welchem das Verkaufs-Tynihouse steht. Der Besitzer kommt heraus und nicht nur Uwe stellt Fragen, sondern auch ich. Dieser Mann legt seine Zigarette die er gerade rauchte auf den Boden und dann haben wir eine ganz besonders gut fundierte Informationsstunde über den Aufbau – die Anfänge. Dieser Anfang des Tynihouses begann auch mit einem Achsenbruch – er fand einen Zweiachser und als er seinem Vater erklärte dass er ein billiges Fahrgestell hat fragte sein Vater nach dem Haken dabei. Der Haken wäre, dass da noch ein Wohnwagen drauf wäre, war die Antwort. Ein paar Freunde halfen dann mit, den Wohnwagen abzubauen und den neuen Verkaufsstand aufzubauen – als Ladung versteht sich! Der Dachabschluss wurde von einem Dachdecker angefertigt. Und innerhalb von zwei Wochen stand das „Ding“ - auf meine Frage wie das mit dem Ofen beim TÜV gelöst wurde kam die Antwort: Erst zum TÜV fahren und dann den Ofen hinterher einbauen – auch der TÜV will beschissen werden. Und die Spanngurte sind nur Dekoration. Denn der Wagen ist auch verschraubt – er zählte in Gedanken die Schrauben und es kamen eine Menge zusammen. Also ist das Ganze doch einfacher für Uwe geworden. Bodenplatte fest verschrauben…..Am Haus dann die Haken für die Spanngurte anbringen und zusätzlich auch die Spanngurte für die Augenwischerei anbringen.

Nach dieser Informations- und Aufklärungsstunde fuhren wir weiter, denn Uwe wollte dann noch seinen Onkel in einem der nahe gelegenen Orte besuchen. Ausserdem fuhren wir nach Witzenhausen in ein Cafe – ein schönes Cafe. Mir fielen gleich beim Eintritt Preisangaben auf den Bildern auf, die an der Wand hingen. Wir bestellten Kuchen, Schokoladentorte und Marzipantorte, beides sehr locker, luftig und wirklich gut!! – ausgezeichnete Ware – Kaffee und Schokolade und ich schaute mich um, las die umfangreiche Karte und dann sah ich eine Mitteilung auf den Tischen. Das Cafe war heute den letzten Tag geöffnet – man könne Teppiche, Geschirr, Lampen usw. bei Interesse kaufen welches wegen Renteneintritt der Besitzerin und Betreiberin genau am heutigen Tag das letzte Mal geöffnet hat. Wahrscheinlich wurde kein Nachfolger gefunden.

Das Highlight des heutigen Tages waren die wirklich ausführlichen Informationen des „Budenbesitzers“ über den Aufbau und die verwendeten Materialien des Verkaufswagens.

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johanna
johanna
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RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna

Zwei Gegensätze

die Grimmwelt – eine Enttäuschung

ein klotziges Gebäude – so der erste Eindruck. Glas – Beton – futuristisch – eine Aussentreppe die auf eine Aussichtsplattform führt. Der Eingang – die Eingangshalle, man meint in einem Flughafengebäude in der Wartehalle zu sein. Kalt und unpersönlich. Wir erstehen eine Eintrittskarte und erhalten einen Flyer mit Hinweisen für einen Museumsrundgang.
Der Beginn bei dem Buchstaben Z wie Zettelwirtschaft. An der Wand neben dem Museumseingang Zettel aufgespiesst – dicht an dicht. Eine Sammlung von Ideen, Notizen, Gedankensplitter, alles fein säuberlich auf Zetteln festgehalten.
Als nächstes der Raum mit dem Buchstaben F
Grund: dieser Buchstabe war der letzte, den Jacob Grimm vor seinem Tod für das Wörterbuch bearbeitete. Auch die weiteren Abteilungen sind jeweils mit Buchstaben ausgewiesen.
Im Allgemeinen sind die Gebrüder Grimm für die Sammlung von Märchen – Hausmärchen – bekannt. Deswegen stellt man sich die Grimmwelt auch als kleine Puppenstube vor – so auch ich. Doch weit gefehlt. In diesem Museum haben die Wörterbücher und Wortsammlungen der Gebrüder Grimm ein weit wesentlich grösseres Gewicht.
Die diversen Druckausführungen sind ausgestellt – nicht nur von den Hausmärchen, auch von den Wörterbüchern.
Eine Abteilung zeigt Alltagsgegenstände aus dem Hause Grimm. Schrank, Bett, Kinderbettchen und kleinere Haushaltsgegenstände oder Gebrauchsgegenstände.
Die Märchenabteilung zeigt u.a. einen Dornenwald. Dieser Dornenwald besteht aus senkrecht stehenden Rollen, die mit grünem borstenähnlichem Material ummantelt sind. Gleich den Waschbürsten in einer Autowaschanlage. Hier sind runde rote Lautsprecher in unterschiedlichen Höhen angebracht. Tritt man näher und lauscht, hört man die verschiedenen Märchen, wie Rapunzel, Dornröschen, Schneewittchen und andere.

Jacob und Wilhelm Grimm liessen sich öfters porträtieren, so dass sie gewiss sein konnten, der Nachwelt erhalten zu bleiben.

Oben auf dem Gebäude ist über die ganze Länge und Breite eine Dachterrasse angelegt. Man hat von dort oben eine sehr schöne Sicht auf die Stadt Kassel. Aber im Sommer möchte ich gar nicht auf diese Terrasse steigen. Keine einzige Pflanze im Kübel, kein Baum – keine Vorrichtung als Halterung für Sonnenschirme. Hier knallt die Sonne an schönen Sommertagen unbarmherzig auf die Besucher nieder. Die Mauern – die Steinplatten speichern die Hitze und geben sie auch wieder ab.
Alles in allem war dieses Museum für mich eine Enttäuschung und ich überlege wie viel dieser Bau wohl gekostet haben mag. Groß pompös und kalt – sehr modern …. zu modern.


Die Gemäldegalerie - ein Augenschmaus

Dafür war die Gemäldegalerie Alte Meister auf Schloss Wilhelmshöhe ganz nach meinem Geschmack.

Wir fingen mit der Besichtigung im dritten Stock an – flämische und holländische Meister wie Rubens, van Dyck oder aber Brueghel und als bekanntesten Rembrand van Rijn.
Rubens mit seinen voluminösen Frauenfiguren – das Porträt der Saskia von Rembrandt mit Licht und Schattenspiel – sein unnachahmlicher Malstil und fast so bekannt wie der goldene Helm.
Brueghel mit Landschaftsbildern – wunderschön und kostbar. Welche Werte werden hier gezeigt – und so wenig Besucher!

In der zweiten Etage altniederländische, flämische und holländische Meister.
Jan Steens Bild „das Fest des Bohnenkönigs“ lässt sich bis 1736 zurück verfolgen. Der Privatsammler Röver hinterliess seiner Witwe beachtliches. 64 Gemälde fanden so den Weg in die Kassler Sammlung. Darunter waren 8 Rembrandts, drei von Paulus Potter und sechs von Wouwermann. Von dieser Sammlung sind heute nur noch 37 Gemälde vorhanden.

In der ersten Etage sind Altdeutsche, italienische französische und spanische Meister ausgestellt.
Eine Sonderausstellung in der ersten Etage zeigte Bilder von Tischbein. Sein bekanntestes Gemälde ist Goethe in der Campagna, welches hier aber leider nicht ausgestellt werden konnte. Das Porträt seiner Tochter Wilhelmine welches über den Sammler Fiorino den Weg in die Gemäldegalerie fand.

Wir unterhielten uns mit zwei Damen des Aufsichtspersonals. Alle ausgestellten Bilder, die bei der Beschreibung daneben Originalität aufweisen, sind geprüft und echte Meisterwerke. Leider können aus Mangel an Platz nicht alle Schätze des Museums gezeigt werden. Die Kosten der Erhaltung sind immens.
Tintoretto als bekanntester Maler, neben Bassano der mit einem Bildnis eines venezianischen Senators ausgestellt ist sind noch andere, unbekanntere Meister in Kassel zu bewundern. Von adligen Herrschaften waren grosse Porträts – die sicher in Schlössern die Wände in früheren Zeiten zierten. Und dann gab es das berühmte Lutherbild zu sehen nebst der Dame, die man früher sehr oft in Händen hatte – auf einem 20,- DM-Schein. (A. v. Droste-Hülshoff)
Zum Abschluss setzten wir uns in die Museumscafeteria und genehmigten uns ein Stück Schokoladentorte nebst Kaffee.

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Tine1948
Tine1948
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Tine1948
als Antwort auf johanna vom 03.07.2018, 06:17:52

Liebe Johanna, danke für deinen Bericht. Ich lebe/erlebe immer mit und deshalb bin ich so froh, dass du uns hier im Nightreader dieses Geschenk machst. In der letzten Zeit war ich nicht so aktiv hier, hab meine Eulen vernachlässigt. Aber der Abschied vom Languedoc hat mich so traurig gemacht und ich sah vor mir ein Zurückkommen in den Alltag nicht so gutgelaunt an. -

Aber heute bin ich im wahrsten Sinne 'geflasht'. Ich stand gerade vor dem Haus im Gewitter-Horror-Regen und schöpfte Wasser, bevor es in den Keller läuft. Und da schlug ein Blitz ein. Nicht in mich, aber als ich ins Haus reinkam, sah ich, dass alle Sicherungen herausgesprungen waren und einige Geräte innerlich verschmort waren. Immerhin hatte ich gerade den Stecker vom Laptop und vom Wlan rausgezogen. Aber zu mehr kam ich nicht, denn Wasser schöpfen, den Hund beruhigen und ihr das Thundershirt anzuziehen, hatten all meine Aufmerksamkeitsreserven eingenommen. 

Inzwischen habe ich mich im Internet schlau genacht. Ich hab ja im Häusle keinen Blitzableiter. Und es hat auch nicht im Dach gebrannt. Aber es ist offenbar so, dass die grosse Spannung, die ein Blitz direkt über dem Haus auslöst, dazu führt, dass eine sogenannte Überspannung im hauseigenen Stromnetz an Geräten Schäden verusacht. 

Jedenfalls: Mein Telefon ist im A... und auch mein sehr teures Sennheisergerät, das mir hilft, besser zu hören, wenn TV läuft, sind beide innerlich geschmolzen. 

Interessanter Nebeneffekt: Ich wollte mir bei einer Elektrofirma im heisigen Ort Hilfe holen, aber die waren nicht abkömmlich, da gerade in der WM die Schweiz am Spielen war. 

Ok, alles hab ich gut überstanden. Aber was ich jetzt gelernt habe: Bei Gewitter sollte ich alle Stecker immer rausziehen. Die etwas sensibleren Geräte halten nicht durch. - Mein alter Fernseher hat es aber unbeschadet überstanden. Drum musste ich, um mich runterzuholen, dann doch mal Fussball kucken. 

Warum scheibe ich euch das? Natürlich möchte ich bedauert werden, wem tut das denn nicht total gut. Aber auch möcht ich euch die Erfahrung weitergeben, was bei Gewittern allles passieren kann. Bisher hab ich immer nur gelacht, als meine Tochter bei mir alle Stecker rauszog, wenn ich in den Ferien war. Heut weiss ich warum. Liebe Grüsse an alle Tag- und Nachteulen von der Tine

johanna
johanna
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna
als Antwort auf Tine1948 vom 04.07.2018, 00:27:52

Liebe Tine, jetzt habe ich eine lange Antwort geschrieben und dann war sie auf einmal weg......*heul*
Als Kind habe ich gerne vom trockenen aus bei Gewitter die Blitze beobachtet. Damals sagte man mir" Kind, schau nicht in die Blitze das zieht sie an" - so ein Schwachsinn!!
Blitze haben für mich etwas faszinierendes.
Man sollte auch von Kindern lernen, liebe Tine. Vielleicht solltest Du Dir doch überlegen, einen Blitzableiter auf Deinem Haus montieren zu lassen.
Es ist nur blöd, dass jetzt durch Reparatur und Neukauf so einige Kosten auf Dich zukommen.

Und es ist nicht nur in der Schweiz so, dass bei Fußball die Handwerker nur sehr schwer vom TV zu lösen sind.....auch in Deutschland ist /war kein Handwerker bereit das nationale Spiel der Deutschen  zu versäumen, wenn sie Fußballfan waren/sind.. Auch wenn sie dann hinterher über die Mannschaft schimpften....

Ich hatte mir schon überlegt aufgrund der TV-Saison-Fussball hier etwas einzusetzen - und das schreibe ich jetzt:

Hat Euch der Fussball so geschockt
dass Euch das Schreiben nicht mehr lockt?
Gesehen hab ich die Spiele nicht
das ist ja schliesslich keine pflicht!
Statt dessen sahen wir uns an
Werke von Rubens, Tischbein, Grimm und Mann.
Wir sassen am See - haben Eis geschleckt
auf das Gegrillte hat uns geschmeckt.
Fehlende Hupkonzerte und fehlendes Gröhlen
zeigte uns, dass die Deutschen ab jetzt beim Fußball fehlen.
Es werden wieder Köpfe rollen
wenn die Deutschen gewinnen sollen......

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Tine1948
Tine1948
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Tine1948
als Antwort auf johanna vom 04.07.2018, 11:00:18

Liebe Johanna, ich bin ein Gewitterfan. Ich steh normalerweise nicht mal nur am Fenster. Gestern war es gut, dass ich aber nicht im Garten war. Mehr demnächst, ich freu mich, dass du dem Eulenhorst so gutes 'Erleben' schenkst. Schneeflocke Herzlich, die Tine


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SamuelVimes
SamuelVimes
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von SamuelVimes
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Ich lasse mal eine Winzeule zu aufpassen hier.

LG
Sam
johanna
johanna
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna

Barfußpfad und seine Folgen

Am Sonnabend fuhren wir mal wieder hier in der nächsten Umgebung durch die Ortschaften, Felder, Wiesen und Wälder. Es ist hier eine schöne Gegend – an jeder Ecke sieht man immer wieder Neues – die Natur verändert sich. In diesem Jahr ist alles sehr viel früher – der Weizen, der früher erst im August gedroschen wurde ist heute zum grössten Teil schon eingebracht – die Strohballen liegen auf den Feldern. In meiner Kindheit waren es noch Strohpuppen die im August/September aufgestellt wurden. Im Oktober gab es zu meiner Schulzeit eine Woche lang Kartoffelferien. Wir Kinder mussten aufs Feld – Kartoffeln „nachlesen“, die Kartoffelfeuer auf den Feldern zeigten, dass es Herbst geworden war. Wann wird das in diesem Jahr wohl sein – und sieht man hier überhaupt noch Kartoffelfeuer?
Bei unserer Fahrt kamen wir an einem Hinweisschild für den Barfußpfad vorbei – Neugierig wie ich bin : „das machen wir“. Als Kind bin ich viel barfuß gelaufen, vom Frühjahr bis zum Herbst, auf Feld Wiese und zu Hause. Barfußlaufen war normal bis man mir Schnürstiefel bis über den Knöchel verpasste, weil ich wegen meiner schwachen Gelenke immer wieder mit den Füßen umknickte. Schön war das nicht, aber die Füße brauchten angeblich Halt – denn in kurzen Abständen Umschläge mit essigsaurer Tonerde machen lassen und Füße/Beine hochlagern war mir als Unruhegeist nicht sehr angenehm.
Als junge Frau lief ich wieder viel im Garten, im Wald und auch im Haus barfuß herum – es war so praktisch! Am Abend Füße waschen, alles war in Ordnung.
Der Pfad fing auch ganz harmlos an – festgestampfter Boden, kleine Kieselsteine, Tannennadeln und Tannenzapfen, Felle auf Brettern, Holzstämme die man überqueren musste. Und auch imemr wieder Hinweise auf Besonderheiten: Tierstimmen, heimische Waldtiere, Ameisenhaufen mit Informationen über Völkergrösse, Staatsgebilde usw. Wir sahen Niemanden, fühlten uns allein auf weiter Flur. Doch dann kurz vor Wegesschluss eine kleine Familie, junge Eltern und ein kleines Mädchen, das zwischen den grossen dicken Steinen herumlief. Wir schauten auf die Kleine und ich sagte zu Uwe, dass diese Steine für Leute meiner Grösse viel zu weit auseinander liegen. Denn hier sollte man mit einem großen Schritt immer den nächsten Stein erreichen – als ob ein Riese hier einen gemütlichen Gang „hinlegt“. Kaum sagte ich das, lag ich schon auf der Nase. Ich hatte mir den rechten großen Zeh so an einem Stein angestoßen dass er stark blutete, der Nagel hatte sich ein wenig abgehoben und ich musste erst auf dem Boden im Sitzen ein paar Minuten verschnaufen. Uwe und die jungen Eltern der Kleinen waren sofort bei mir und fragten ob sie mir helfen sollen. Ich lehnte ab, das muss ich schon alleine machen …...zuerst ging das Laufen ja noch – denn es war nicht mehr sehr weit bis zum Ausgang und dann weiter bis zum Auto. Als ich zum Ende des Barfußweges kam wollte ich mit dem dortigen Wasser das Blut abwaschen, doch Uwe meinte dass das Wasser nicht sauber wäre. Also unterliess ich das. Im Auto merkte ich dann dass alles anschwoll – aber das hielt mich nicht davon ab noch barfuß einzukaufen. Der Fußboden im Lidlladen war angenehm kühl, nur bei den Kühltheken wurde er unangenehm kalt und der Fuß schmerzte immer mehr.
Zu Hause gab mir Uwe dann einen antiseptischen Spray und ich machte ein Fußbad, schmierte eine Salbe auf den Zeh die Blutergüsse abschwellen soll und liess alles erst einmal in Ruhe. Dafür schmeckte uns das Eis hervorragend!

Am Sonntag konnte ich nicht so gut laufen. Ich humpelte. Durch dieses schiefe Laufen machte dann natürlich meine linke Hüfte auch kleinere Sperenzchen – deswegen fuhren wir herum, wollten uns einige Dinge anschauen wie eine Lohgerberei – das dazu gehörigeMuseum. Doch auch das angeschlossene Restaurant war ausser Betrieb wegen einer Betriebsversammlung – Pech für uns, Glück für meinen Fuß. Das Technik Museum welches auch auf dem Weg lag hatte auch nicht geöffnet – trotz Sonnenschein und freiem Tag – wie kann man da solche Einrichtungen schliessen? In einem Lokal nahmen wir unser Mittagessen ein und auch der Wirt konnte es nicht verstehen, dass seine Konkurrenz an einem Sonntag nicht für Gäste geöffnet hat.

Am Montag ging das Laufen schon besser – doch am Dienstag wollte ich, dass der grosse Zeh geröngt wird. Die Röntgenassistentin begrüsste mich mit den Worten: Ich hab Sie schon sitzen sehen. Sie müssen aber nicht jedes mal einen Unfall haben wenn Sie nette Leute treffen wollen…..
als ich ihr dann sagte dass es auf dem Barfußpfad passiert ist, lachte sie. Durch meinen grossen Bluterguss im Frühjahr war ich in dieser Praxis noch in „guter“ Erinnerung. Der Dok kam rein, sagte zu mir: Sie sind ja auch wieder da, schaute sich die Bilder an und meinte dann: Sie in Ihrem Alter sollten auf so etwas verzichten…..Am liebsten hätte ich ihm geantwortet, dass er sich dann mit 74 jahren von einer knackigen jungen Frau im Rollstuhl herumfahren lassen kann……..
Gebrochen war nichts – und mit der Zeit wurde das Laufen auch immer besser.


Danke Sam für diese reizende kleine Eule!

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johanna
johanna
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna
Ich geb Dir alles…… und was machst Du? Gestern musste Uwe zum Dok – Spritze weil sein Impfpass endlich mal in Ordnung gebracht werden muss und ausserdem war ein grosser Check-up fällig. Zuerst also strampeln, Belastungs-EKG. Nach diesem Check-up fragte Uwe ob wir nach Hause fahren sollen oder ob wir noch irgend wohin fahren. Wir entschieden uns irgendwo eine Kleinigkeit zu essen und kamen letztendlich auf dem Berggasthof Meissner an. Hier setzten wir uns auf die windgeschützte Terrasse und genossen die weite Aussicht. Wir waren wie meistens, mal wieder allein auf weiter Flur. Nur ein Ehepaar kam nach uns in die Wirtschaft und liess sich auch zum Essen nieder. Die Felder und Wälder, schachbrettartig – mal gelb getönt, mal braun oder grün. Man sah den Himmel, der in grosser Entfernung „Wasser zog“ - so erklärte mir meine Oma als Kind die verschieden farbigen senkrechten Streifen, die vom Boden bis in die Wolken führten – zart vom Licht diffus beschienen. In weiter ferne dunklere Wolken, die sich später über dem Werratal zusammenzogen. Wir bestellten und ich entschied mich für Matjes auf gebratenen Apfelscheiben mit Salat und Bratkartoffeln. Auf den etwas dickeren Apfelscheiben waren die Matjesfilet aufgerollt und senkrecht aufgestellt – gefüllt mir Meerrettich und Heidelbeermus – lecker – ein Gedicht und ein Augenschmaus. Salat, Rucola mit einem leckeren Dressing. Und auch die Bratkartoffeln waren wie an der Ostsee – schön knusprig mit Speck. Der Wind frischte auf – wir tranken nach dem Essen den Rest unserer Getränke in der wärmeren Gaststube. Hier unterhielten wir uns über die Reisen, die man machen könnte – aber ohne Wohnwagen einfach zu teuer wären. Und ich erwähnte, dass ich durch meine Tätigkeit immer noch einmal im Jahr Personalprozente für Reisen bekomme, dies aber noch nie in Anspruch genommen habe. Denn für Ehepartner und Kinder bekam ich früher einiges an Rabatt, sonst wären unsere grossen Reisen gar nicht in dem Umfang möglich gewesen. Nach dem Bezahlen gingen wir durch die Vorhalle und bemerkten Öfen – die alten Holzöfen die man früher in jeder Wohnung hatte - mit Wasserschiffchen, Ringen die man aus der platte herausheben kann usw. Wir verliessen den Berggasthof und Uwe fuhr auf mir unbekannten Schleichwegen Richtung Eschwege. Unterwegs kamen wir in Germerode vorbei und sahen hier in diesem Dorf das Mohnkino. Täglich geöffnet bis...und der Eintritt ist kostenlos. Eine ausgebaute Scheune. Bänke mit Kissen, Ein Beamer der den Film auf eine sehr grosse Leinwand warf. Lichtquellen und wieder einige Stücke, die man in alten Scheunen und Bauernhöfen sieht. Holzräder, Wagen und Deichsel usw. An der Wand Bilder von der Mohnblüte. Der Film zeigte den Anbau und wir lernten dass das Saatgut Mohn wesentlich empfindlicher ist, wie Getreide. Es kann so viel schief gehen, dass es manche Jahre gar nicht sicher ist, dass ein herrliches Mohnfeld zu bewundern ist. Auch die Verarbeitung des Mohns – gewonnen wird Mohnöl und aus dem ausgepressten Mohn wird dann Mohnmehl gemacht, mit welchem man Kuchen usw. backen kann. In der Wurst, die hier in der gegend hergestellt wird ist ebenfalls etwas Mohn verarbeitet. Ausserdem wurden in diesem Film auch noch andere Regionen des Frau Holle Landes gezeigt – was man unternehmen kann, Frau Holle Teich, den Barfußpfad und anderes anschauen. Ein sehr informativer Film der im endlos-Verfahren wohl den ganzen Tag während der Öffnungszeiten pausenlos läuft. Auch hier waren zuerst 6 Personen anwesend, aber nach der Hälfte des Films sassen wir wieder allein in dem grossen Raum. Dann entschlossen wir uns nach Hause zu fahren,. Ich hatte mein Auto bei Uwe abgestellt – aber als er kurz vor Eschwege war sagte er auf einmal: „sag einfach „ja“….Ich sagte ja ohne zu fragen und er meinte dann „gut also essen wir noch ein Eis. Dabei war ich vollkommen satt, aber so ein bisschen Eis rutscht immer. Wir fuhren auf den Parkplatz – Uwe nahm mit Schwung den Eltern-Kind-Parkplatz ein, zog den Schlüssel nicht ab und meinte beim Aussteigen: „wenn Jemand fragt, ich bin Dein Kind – und bin eben mal einkaufen. Da siehst Du mal wie ich bin – Ich gebe alles, teile sogar den Mutter-Kind-Parkplatz mit Dir und was machst Du? Nicht mal Prozente für einen Urlaub krieg ich“.

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Tine1948
Tine1948
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Tine1948
als Antwort auf johanna vom 07.07.2018, 22:38:10

Vierfünfzig

Liebe Eulen, erst mal bin ich froh, dass du, Johanna, dem Eulennest die Treue hältst und du, Justus, dafür ein Herzchen schenkst. Ich komm im Moment nicht so rum in der Welt, aber an meinem kleinen Wohlfühlort, ihr wisst schon: da wo Julchen täglich schwimmt,
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habe ich heut etwas beobachtet, das ich mit euch teilen möcht: Im Moment bin ich nicht so gut zu Fuss, also setzte ich mich auf eine Bank, um Julchens Kopfsprünge zu beobachten. Auf der Bank lagen drei Münzen. Zwei 2-Frankenstücke und ein 50-Rappenstück. Ein ehrlicher Finder, der die hier hat liegenlassen? Oder ein Trick? Versteckte Kamera? Ich entschied mich für das Naheliegendste (in meinen Augen) : Jemand hat das Geld auf dem Weg gefunden, unter/auf der Bank, und möchte, dass der Verlierer zurückkommt und sich freut, dass es noch da ist. - Dann musste ich, als treue Bespasserin von Julchen, aber ein paar Schritte runter zum Bach gehen und das Endlosspiel befolgen: Wirf Stock, gefälligst, Frauchen, und ich hole ihn dir, damit du ihn mir aber subito wieder reinwerfen kannst. In der Zeit gingen, da es ein beliebter Spazierweg in der Abenddämmerung ist, viele Leute vorbei (an der Bank). Zwei plaudernde Frauen, ein alter Mann, zwei Männer, die sich in einer mir unbekannten Sprache unterhielten, zwei Jugendliche, die auf der Bank etwas 'Grasshaltiges' rauchten, zwei Arbeiter, die recht müde ein Bierchen tranken, ein atemloser Jogger, eine Hundefreundin mit ihrem Mops, bankmässig pausebedürftig. Als es langsam dunkel wurde, mochte ich auch nochmal auf die Bank. Julchen liebt es, wenn wir noch einwenig sitzen nach dem anstrengenden Schwimmen. Dieser etwas autistische Tierschutzhund kann das nur auf dieser Bank, sonst schmust sie nie, aber dann schmiegt sie sich an mich (nass wie sie ist), aber sie wird natürlich gelobt dafür. - Dann legt sie mir auch die Fundstücke hin, die sie neben den Stöcken aus dam Bach geangelt hat. Heute waren es zwei Plastikbecher, eine Colaflasche und ein halber Kinderball. Sicher erzählte ich euch schon einmal, dass Julchen und ich auch an jenem Bach immer als Müllsammler unterwegs sind, Ich hebe auf, was am Boden liegt, und sie fischt den Kram aus dem Bach, der da nicht sein soll. - OK, langer Rede, kurzer schöner Sinn: Nach all den Menschen, die auf der Bank sassen oder dran vorbeigingen: Das Geld lag immer noch da. - Wie finde ich das? Ich möchte den Glauben an die Menscheit zurückgewinnen!!!!  Eure Tine mit leisem Flügelschwingen: kommt ihr Eulen und lasst uns unsere guten Erfahrungen im Eulennest teilen. (Ein Weinfass, Justus, kann nicht schaden) aber es gibt ja so Viele, die in der Nacht hier schon dabei waren: fliegt alle wieder herbei. Liebe Grüsse: Die Tine und ihr Julchen


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