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Plaudereien Club der Nightwriter und Nightreader

Majorie
Majorie
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Majorie

Hallo Ihr lieben Eulen,

lang' war ich nicht an diesem Ort
Privates zog mich davon fort.

Eine herrliche Idylle
war dieser Herbst in seiner Fuelle.

Ich hab' ihn nicht allein genossen,
viel' Jahre sind dahin geflossen
seitdem mein lieber Mann verstarb
und nun ein And'rer um mich warb.

So flog die Zeit im Flug vorbei
und liegen blieb viel Mailerei.

Hier und da ein Kommentar
und auch sie wurden dann recht rar.

Ein neuer Zeitplan muss jetzt her
sonst schaff' ich ganz und garnichts mehr.

So bin ich nun im 'hohen' Alter
nicht nur mein eigener Verwalter
und hoffe dass das was uns lenkt
noch viele Jahre zu Zweit schenkt.

Sobald ich alles ueberblicke
mehr Mails ich zu Euch wieder schicke.

Und solltet Ihr mich nicht mehr wollen,
werd' ich sehr traurig von Euch trollen.

Einen wunderschoenen Tag heute wuensche ich allen Eulen
und bis bald !
LG   Ruth

OWL BARRED ( YOUNG ) JUNE 10 2010 (8).jpg












 

Komet
Komet
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Komet
als Antwort auf Majorie vom 31.10.2018, 04:48:56
Meine liebe Ruth,
da mir keine dichterische Ader in die Wiege gelegt wurde.........auf diesem Wege und ich hoffe, dass Du beides gut unter einen Hut bekommst.

Herzliche Grüße Deine Namensschwester Ruth.
johanna
johanna
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna

Rote Schuhe bekommt man auch noch heute….
oder Persil bleibt Persil…...

Sonntag morgen – das Wetter spielt mit – irgend etwas kann man unternehmen, nur was? Im Umkreis von 100 km haben wir schon ziemlich viel abgegrast – aber in Kassel sind wir eigentlich noch nicht in jedem Museum gewesen – also beschliessen wir, das Landesmuseum aufzusuchen.
Wir finden einen Parkplatz direkt vor dem Gebäude – Super, denn nicht weit davon entfernt ist die Hauptgeschäftsstrasse die heute mit einem geöffneten Sonntag wirbt. Allerdings sind wir durch die Zeitumstellung besonders zeitig da – ein Vorteil für uns.
Die Dame an der Kasse erklärt was wir in den einzelnen Stockwerken finden,knöpft uns noch einmal Moneten ab weil ich ja fotografieren möchte und gibt mir einen Aufkleber, den ich gut sichtbar an meiner Jacke befestige, damit die Aufsichtspersonen auf den anderen Stockwerken diesen sehen.
Wir fahren in den dritten Stock hoch und kommen gleich in die Abteilung die uns am meisten interessiert – ausgestorbene Berufe, Volkskunde vom 19. bis zum 21. Jahrhundert.
Wir bestaunen die Dampfmaschine die um 1900 mit ca 100 Watt bei 300 Umdrehungen in der Minute lief. Die technische Voraussetzung der Industrialisierung war die Einführung der Dampfmaschine – als konstante Kraftquelle ermöglichte sie es Arbeiten in großem Stil zu mechanisieren.
Alte Maschinen – ein grosser Webstuhl zeigt verdrängtes Handwerk, denn Anfang des 19. Jahrhunderts wurde noch sehr viel traditionelle Handarbeit ausgeübt. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts verschwanden viele der damaligen Berufe durch die fortschreitende Industrialisierung.

Die Fertigungsschritte eines Rechenmachers waren genau aufgelistet. Die Sprüchel wurden in den Sprüchelbogen gespannt, die Zinken durch den Zinkenbock geschlagen. Anschliessend entsteht das Haupt, in welches der Rechenmacher die Zinken einsetzt, die er dann auf gleiche Länge bringt. Abschliessend wird das Haupt auf den Stiel gebracht und mit dem Sprüchel stabilisiert.

Beim Korbmacher stand ein wunderschöner viereckiger Korb in der Auslage – beim Schnallenmacher waren viele Schuh- und Gürtelschnallen zu sehen. Auch die Fertigungsschritte waren beschrieben, denn individuell waren die Verzierungen an Schnallen für festliche Anlässe.

Das Seilerhandwerk war in einem alten Buch dokumentiert: „daß es eines von den ältesten Handwerken und ein geschenktes sey. Wie kann das Alterthum dieses Handwerks erwiesen werden?
Zu Zeiten Josuas müssen schon Seiler gelebet haben: denn es wird ja Jos. 18. desjenigen rothen Seils gedacht / an welchem die Gastgeberin Rahab die Kundschaffter durchs Fenster hinab gelassen und solches hernach bey der Belagerung Jericho in ihr Fenster als ein Merkmal des versprochenen Perdons geknüpfet.“

Von 1935 wird die Beschreibung vom Hanf zum Seil eines Seilermeisters aus Sontra beschrieben. Erst wird der gebrochene Hanf mit dem Hechel bearbeitet um dann zu Fäden gesponnen zu werden.
Je nach Stärke des Seils werden gleich lange Fäden auf der Seilbahn zu einer Litze gedreht, mehrere Litzen zum Seil geschlagen und abschliessend wird das fertige Seil mit Pferdehaar oder Hanf poliert.

Die Leineweberei war bis Anfang des 19. Jahrhunderts ein florierendes Gewerbe. Der Exportschlager aus Hessen war Leinen für Haus- und Tischwäsche, Kleidung oder Säcke.
Teilweise wurde das Garn erworben und die Erzeugnisse dann an Händler verkauft – andere fertigten gegen Lohn Auftragsarbeiten. Die von Napoleon verhängte Wirtschaftsblockade über die britischen Inseln von 1806 bis 1814 begünstigten den Niedergang dieses Gewerbes. In den 1840-er Jahren kam dann die Konkurrenz der maschinell produzierten britischen Baumwollgewebe hinzu.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Blaudruckertechnik angewendet. Vornehmlich wurden Bettbezüge, Tischdecken und Vorhänge, Schürzen und Tücher mit diesem Druck verziert. Bei der verwendeten reservetechnik entstand ein ein weisses Muster auf farbigem Grund. Ende des 18. Jahrhunderts wurden die handwerklichen Blaudruckereien durch den Walzendruck verdrängt, da sie günstiger herzustellen waren.

In diesem Stockwerk wurden auch die ersten Kegelspiele ausgestellt, Möbelstücke und Trachten. Einrichtungen aus gehobenen Häusern die mit einem Dienstboten-Klingelkasten ausgestattet waren.
Ein Klingelkasten hing normalerweise in der Küche eines Hauses. Über die beweglichen Beschriftungen erfuhren die Bediensteten beim ertönen der Klingel in welchem Raum des Hauses sie gebraucht wurden.

Ein Faksimile des Stadtarchivs Kassel besagt, dass in den Jahren 1895/96 und 1898 ein Dienstmädchen insgesamt an sieben Stellen in der Kasseler Innenstadt tätig war. Es sind auch die Familiennamen aufgezählt.

Ebenso wurde in einer Schautafel bekannt gemacht, dass für das Weib ein Frauenstudium nicht möglich sei. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war es für Frauen in Deutschland unmöglöich das Abitur abzulegen. Die Zeit zwischen Schule und Heirat war sicher die langweiligste Zeit für junge Frauen. Allerdings waren immer mehr bürgerliche Frauen gezwungen auch Geld zu verdienen.
In Zürich begann bereits 1867 das reguläre Frauenstudium – in Deutschland wurden die Frauen erst viele Jahre später zum Studium zugelassen. Als erster Staat erlaubte Baden 1900 den Besuch der Universität, Preussen dagegen erst 1908

Ein weiteres Kapitel der Geschichte wurde mit dem sogenannten Tante Emma-Laden aus der Zeit nach dem Krieg gezeigt. Hier waren die Verpackungen der damaligen Produkte wie Persil, Lindes-Kaffee in der blauen Packung mit den weissen Punkten oder auch Sinalco und andere Getränkeflaschen, Erdal-Schuhcremedosen und anderes ausgestellt. Erinnerungen kamen auf – das Sauerkraut und die Salzheringe, welches damals noch aus dem Fass im Keller geholt wurde – die Schnürsenkel, die an einem Haken neben der Tür hingen – alles gab es ….auch rote Schuhe.

Das zweite Stockwerk behandelte Möbel aus dem Mittelalter, Kunstgegenstände wie Statuen aus Elfenbein, gusseiserne Ofenplatten. Das goldene Zeitalter und Kathastrophe Moritz der Gelehrte, Wilhelm V. und Amalie Elisabeth.
Um 1600 gehörte Kassel zu den kulturell führenden Höfen im Reich. Kunst, Kultur, Musik, Theater Alchemie und Schulwesen waren unerreicht. Allerdings verblasste der Glanz durch konfessionelle Fehlentscheidungen Moritz‘ des Gelehrten zu Beginn des dreissigjährigen Krieges 1618 bis 1648.
Erbstreitigkeiten mit Hessen-Darmstadt verschärften die Lage, sodass Landgraf Wilhelm V. kaum politischer Spielraum blieb. Im Kriegsverlauf wurde er aus seinem Land vertrieben und starb im Exil. Die Regierung für seinen noch minderjährigen Sohn übernahm daher seine Witwe Amalie Elisabeth. Ihr gelang es, die verlorene Herrschaft der Linie Hessen-Kassel zurück zu gewinnen.

In diesem Stockwerk wurden auch reich verzierte Glaswaren, wie Pokale und anderes sowie Bierkrüge gezeigt, Skulptuen aus Elfenbein – eine Mutter mit zwei Kindern und einem Jagdhund an ihrer Seite – eine Turnerin mit einem Ball – ein Pärchen welches sich liebevoll umarmt während sich ein Kind an das Bein der einen Person schmiegt. Ein Set bestehend aus einem goldenen Tisch vor einem grossen Spiegel in einem reich verzierten dicken Goldrahmen – daneben stehen jeweils rechts und links zwei grosse schwere Kerzenständer. Alles ist mit Figuren, Tieren und auch Blättern und Rhomben verziert – und es glänzt golden! Diese Möbelgarnitur besteht aus Linden- und Kiefernholz, polimentvergoldet, farbig gefasst – Spiegel, Glas, Perlmutt. Dieses Ensemble gelangte als Vermächtnis der Maria Amalia von Sachsen-Zeitz in den Besitz der Landgräfinnen von Hessen-Kassel.
Muster der Reliefs des Innenraums des Marmorbades sind an einer Wand angebracht. Man sieht die Statue Paris sowie u.a. das Portraitmedaillon der landgräfin Maria Amalia – flankiert von der Personinkation der Nächstenliebe und der ehelichen Eintracht. Ein grosszügig bemalter Paravent ist ausgestellt neben einem zierlichen runden Tisch mit Einlassungen.

Im letzten Stockwerk welches wir vor der Mittagspause besuchten ging es um die Zeit des Neandertalers – geschickter Jäger statt einfältiger Wilder…..denn er unterschied sich eigentlich eher körperlich als geistig von uns – dem modernen Menschen. Er war klein, sein Körpergewicht lag zwischen 50 und 80 Kilo aber er war trotzdem muskulös und kräftig. Die gut durchdachten Steingeräte und die Jagderfolge des neandertalers lassen vermuten, dass er dem modernen menschen ebenbürtig war. Die Jagd auf die grossen Tierherden erforderten eine gute Organisation.
Durch Sprache konnte er sein Wissen weitergeben – die letzten Spuren hatte der Neandertaler vor ca. 25000 Jahren hinterlassen. Allerdings liegen die Gründe für sein Aussterben weiterhin im Dunkeln.
Steinbeile aus der Zeit von 5500 v.Chr bis 4800 v. Chr wurden genauso gezeigt wie die Möglichkeit des Bauens mit Lehm zu dieser Zeit. In der Jungsteinzeit blieb nichts so wie es war, denn bis zur Nutzung des ersten Metalls durch den Menschen vergingen ca. 3500 Jahre. Hausbau, Werkzeugformen und auch die Art der Totenbestattung veränderten sich in dieser Zeit immer wieder.
Bronzene Wendelringe sind ausgestellt und auch die Bearbeitung des Materials – Wendelringe sind Halsringe – die kleinsten und zierlichsten haben nur einen Durchmesser von ca 12 bis 15 cm. Wegen der abgerundeten Kanten konnte man sie auch direkt auf der Haut tragen.

Die antiken Schriftwuellen zu kleidung bei den kelten ist ebenso erwähnt wie die nachempfundene Alltagstracht eisenzeitlicher Frauen.

Am Ausgang der Ausstellung ist auf einem Podest eine Frauenfigur zu sehen, die mit angezogenen Beinen sitzt und ihren Oberkörper durch die nach hinten gestreckten Arme abstützt.


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johanna
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RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna

Mein neues Auto

Am Montag hatte Uwe etwas in Eisenach zu erledigen und fragte mich telefonisch ob ich mitkommen wollte. Wir könnten dann ja anschliessend noch etwas zusammen unternehmen.
Das Wetter sah gut aus – ich sagte zu.
Nachdem Uwe seine bestellten Artikel abgeholt hatte fuhren wir in das kleine Technikmuseum, welches ich mir für eine Besichtigung bereits 2015 vorgemerkt hatte. Doch bis jetzt war weder genug Zeit vorhanden und alleine wollte ich auch nicht unbedingt fahren und dieses Museum besuchen.
Wir fuhren die Strasse entlang die an einer Seite durch die Zugmauer begrenzt ist, bogen dann in Höhe der Abzweigung die zum Theater führt nach links ab, fuhren an einem grossen sehr baufälligen und maroden Fabrikgebäude vorbei und parkten das Auto auf dem anschliessenden Museumsparkplatz.
Das Museum hat 4 grosse Räume – aufgeteilt auf Erdgeschoß und ersten Stock. Nach dem Bezahlen des Eintritts starteten wir den Rundgang und mein erstes Objekt war ein Wartburg Modell 2 aus dem Jahr 1889 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h. Ein chicer offener Wagen, den ich sofort spontan als meinen nächsten Autokauf erklärte.

Opel baute seit 1862 in Rüsselsheim Nähmaschinen und stieg 1886 in die Fahrradproduktion um. 1899 kaufte Opel die anhaltinische Motorwagenfabrik von F. Lutzmann und verlegt auch diesen Firmensitz von Dessau nach Rüsselsheim. Damit ist das Motorwagenwerk Opel geboren.

Zwei Jahre später geht Opel mit dem französischen Automobilhersteller Darracq eine Partnerschaft ein.

1927 wird aus Austin Dixi und später dann BMW. Die Autos werden schnittiger und schneller.
Im Juni 1945 beginnt nach dem Krieg in Eisenach die Notproduktion von Handwagen, Haushaltsgegenständen und Kochgeschirr.
Für Aufräumarbeiten werden Schubkarren und Sachkarren von ca. 300 Beschäftigten hergestellt.
Im September erscheint hierüber in der Thüringischen Landeszeitung ein kurzer Artikel. Doch sehr bald beginnt wieder die Herstellung von Autos.

Bereits 1952 wird die Produktion des Cabriolets BMW 327/2 von Eisenach nach Dresden verlagert und in Handfertigung produziert.
Der BMW 327/3 ist für die DDR ein wichtiger Devisenbringer und selbst der belgische König soll eines dieser Coupés erworben haben.

Der Wartburg wird in den unterschiedlichsten Modellen gefertigt u.a. auch als Campingwagen. 1965 erhält der Wartburg ein schraubengefedertes Fahrgestell mit Einzelradaufhängung. Dies wird auch bis 1991 beibehalten.

Es sind hier nicht nur Autos ausgestellt, auch viele Bilder und Tafeln ergänzen die Informationen über Baureihen und Werdegang.
Automobile sind in der DDR ein knappes Gut und auch gepflegte 10-jährige Gebrauchtfahrzeuge erzielen Neupreise. Reparaturwerkstätten haben mit fehlenden Ersatzteilen zu kämpfen. Die Fahrzeuge werden meistens in Eigenarbeit selbst repariert. Es entsteht dadurch ein reger Tauschhandel. Eine Schattenwirtschaft für Ersatz- und Verschleißteile.

Eine komplette Werkstatt mit Werkbank, Werkzeugen usw. ist in einem Teil des Museums aufgebaut.
Vom Opel Olympia 1935 ist ein Schnittmodell aufgebaut – Baujahr war von 1938 bis 1940 mit 37 PS bei einer Geschwindigkeit von 112 km/h. Mit diesem Modell führte die Opel AG als erster deutscher Hersteller die selbsttragende Ganzstahlkarosserie in Großserie ein.

Die Karbon-Aluminium-Karosserie wird im Elektrofahrzeug BMWi3 seit 2013 gebaut. Es ist das erste rein elektrisch angetriebene Großserien-Automobil der BMW-Group.

Hier sind auch an den Wänden Fotografien vom Start eines Dixiautomobiles zur Prinz-Heinrich-Fahrt des Jahres 1912 angebracht. Das zweite Plakat zeigt zwei siegreiche Dixi1 mit den Fahrern Gebser und Braun nach dem Grunewaldrennen in Berlin im September 1921.

Die Wartburg 311 Werks-Ralleywagen wurden von 1955 bis 1965 international eingesetzt, vorrangig in den Exportländern für den Wartburg. Bei der 1000-Seen-Ralley in Finnland, genauso wie bei der Akropolis-Ralley in Griechenland oder der RAC-Ralley in Großbritannien.
Im ersten Stock war eine Abteilung für Motorsport, eine Abteilung für Kinderträume und eine Sonderausstellung untergebracht. Bei den Kinderträumen waren Spielwaren die mit Autos zu tun hatten, denn Kinder sind schon sehr zeitig von Autos fasziniert. Quartettspiele, Bücher, Brettspiele und ähnliches führten Kinder frühzeitig an das Thema Mobilität heran. Roller und Fahrrad waren die ersten Fahrzeuge für das Erlernen des richtigen Verhaltens im Strassenverkehr.
Bei der Sonderausstellung waren auch Motorräder ausgestellt – zum Beispiel Simson 425 T mit Seitenwagen von 1958.

1948 wurde auf sowjetischen Befehl mit der Entwicklung eines Motorrades mit 250 cm3 begonnen. Im Dezember 1950 wurden die ersten 1000 Maschinen fertig und unter dem Namen AWO 425 ausgeliefert. Die Typenbezeichnung wurde zwar 1956 in Simson 425 T geändert, aber im Volksmund blieb der Name AWO erhalten. Die Privatfirma Stoye fertigte seit 1925 in Leipzig die Seitenwagen an wurde aber 1972 verstaatlicht.
Den Abschluß der Besichtigung durch die Räume bildeten zwei Planzeichnungen eines Wagens.

Anschliessend fuhren wir dann weiter zu einem Werksverkauf der Firmen Storck und Brand.

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johanna
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RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna

Freitag 02.11.

Ernährung geht uns alle an ….
oder ohne Kali würde die Menschheit hungern…..

Das Ziel unseres Nachmittagsausflugs war wieder einmal die Richtung zum Monte Kali. Bei der letzten Rundfahrt war das Museum geschlossen – diesmal sahen wir im Internet dass für Besucher am Nachmittag geöffnet ist. Denn wir wollten ja wirklich nur in das Museum, welches sich uns von aussen als recht klein zeigte. Gleich nach der Eingangstür die zu dem Museumsrundgang führte war ein grosses Standbild eines Bergmanns – man konnte sich dahinter aufstellen, mit dem Gesicht durch den Ausschnitt schauen und hatte ein plastisches Bild von sich in einer Arbeiterkluft. Das erste Schrankregal zeigte Bergmannsgeleucht welches allerdings nicht nur von diesem Kalibergwerk stammt, sondern ebenso von Braunkohle und Steinkohlebergwerken.

Was ist eigentlich Kali? Das Wort „Kali“ leitet sich aus dem arabischen al-kali ab und bedeutet „Asche“. Im Englischen und Französischen heisst Kali potash bzw. potasse – zu deutsch „Pottasche“ und das benutzen wir ja auch zur Lebkuchenbäckerei in der Weihnachtszeit.
Für den Landwirt ist Kali allerdings ein Düngemittel und für den Bergmann eine bestimmte Gruppe von Mineralsalzen und Salzgesteinen.

Kali liegt im Boden in drei Formen – es ist teils im Bodenwasser gelöst, teils locker an Bodenaustauscher wie Humus und Ton gebunden und ein weiterer Teil ist an bestimmten Tonmineralien fester fixiert. Diese Eigenschaften beeinflussen auch den Düngerbedarf und die Fruchtbarkeit der Böden. Die äussere Erdkruste reicht bis ca. 20 km Tiefe und nur diese Oberkruste ist vom Menschen erschliessbar.

Kalium ist ein sehr weiches, silbrig.weisses Metall. Es gehört zu den 10 häufigsten Elementen die in der Erdkruste enthalten sind. In Deutschland wird es unter Tage abgebaut, in Kanada dagegen im Tagebau, was die Produktion stark verbilligt. Mit gewinnbaren Vorräten von bis zu 0,8 Milliarden t sind die Kalivorkommen in Deutschland weltweit die viertgrößten. Die Inbetriebnahme der ersten Kalifabrik der Welt in Staßfurt im Jahr 1861 begründete die nun fast 150-jährige Tradition des deutschen Kalibergbaus.

Der Mensch hat für die verschiedenen Kaliumverbindungen eine direkte Nutzanwendung gefunden – Chemie, Technik und Medizin.
Alle lebenden Organismen benötigen Kalium. Das Wachstum der Pflanzen ist ohne Kalium fast undenkbar – und auch hier war die Entwicklung von Düngemitteln hilfreich.
Menschen und Tiere brauchen diesen Mineralstoff als Spurenelement um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Kalium gehört zu den wichtigsten Pflanzennahrungsstoffen. Es steuert und aktiviert zahlreiche lebenswichtige Prozesse im pflanzlichen Organismus.

In einem Schaukasten waren verschiedene Artikel des täglichen Bedarfs ausgestellt – unter anderem: Waschpulver, Streichhölzer, Kalisalpeter, Farben und Farbpulver, Feuerlöscher, Bildschirm, ein Badethermometer.

Justus von Liebig, Apotheker, Chemiker, Erfinder erhält mit 21 Jahren 1824 eine ausserordentliche Professur an der Universität Giessen und begründete 1840 mit seinem Werk „die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie“ das allgemeine Interesse – sein Buch wird ein grosser Erfolg, aber erst 1860 erkannte er einen Fehler in seinen Ausführungen. Er hatte die kostbare Pottasche künstlich wasserunlöslich gemacht. Damit konnten die Pflanzen das Kalium nicht mehr aufnehmen.
1847 entwickelt Liebig einen Fleischextrakt – wechselt an die Universität München und stirbt dort an einer Lungenentzündung. Wer mehr über diesen großen Forscher und Chemiker wissen will – Google ist hier sehr hilfreich!


In einem Schaukasten liegt ein Buch „Agricultur und Physiologie von Dr. Justus Liebig – Ausgabe von 1840 vom Verlag Friedrich Vieweg und Sohn aus Baunschweig.

Grosse Salzsteine aus den Salzlagerstätten kann man hier bewundern – die unterschiedlichen Farben und Zusammensetzungen. Von tiefdunkelblau bis hellweiss ist fast jede Farbe vertreten – Orangene und auch farblich quergestreifte Steine, braun einfarbig und gemustert – sehr grosse und mittlere Steine – alle sehenswert!

Um das begehrte Kalisalz in 300 bis 1000 m Tiefe zu erreichen mussten Bergwerke angelegt werden.
Das Abteufen der Schächte war grösstenteils Handarbeit und hatte einen Durchmesser von 3,5 bis 6 Metern. Das Gestein wurde losgesprengt, in den Teufkübel geladen und zu Tage gefördert. Der Schachtausbau erfolgte in trockenen Abschnitten durch ein stabiles Mauerwerk. Wasserführende Schichten mussten allerdings im aufwendigen „Tübbingausbau“ abgedichtet werden.
Erst wenn die senkrechte Röhre bis zu den Lagerstätten reichte wurden über Tage die endgültigen Betriebsanlagen errichtet. Danach wurden dann die Lagerstätten für den planmässigen Abbau des Rohstoffes vorbereitet.
Stechuhr der Arbeiter wurde genauso ausgestellt wie die Umkleide- und Waschmöglichkeiten (Kaue) der Bergleute. Im kleinen Maßstab war ein Modell einer kompletten Grube mit Aufbauten, Förderband usw. aufgebaut. Der Notfallraum beinhaltete die Geräte für die Grubenwehr – Kleingruppen – ausserdem war hier auch eine Rettungsbahre vorhanden.

Hier konnte man auch mittels von Filmen mehr über die Verarbeitung von Salzsteinen sehen – drei verschiedene Möglichkeiten Kali von Steinsalz zu trennen. Und in einem Schaukasten wurden auch kleine Nachbildungen der Förderung usw. elektrisch betrieben um alles plastisch darzustellen.

Verarbeitung, Vertrieb und Verwaltung war ein weiterer Abschnitt gewidmet. Das zu Tage geförderte Salz ist ohne weitere Bearbeitung nicht verwendbar. Es muss erst zu den Produkten veredelt werden, die die Kaliwerke an Landwirtschaft und Industrie liefern.

Zwei dicke Glasröhren veranschaulichten die Unterschiede vor und nach der Kalidüngezeit: In einem Glasrohr war nur ein Drittel der Kornmenge vorhanden wie in der zweiten Röhre, denn dies war die Gegenüberstellung, damit man einen Eindruck von der Menge Getreide erhielt, welche auf Grund der Düngung von der Landwirtschaft mehr geerntet wurde. Dadurch stellt man fest dass die Menschheit ohne diese Möglichkeit der Pflanzendüngung bei gleichbleibender Zunahme der Anzahl von Menschen verhungern würde.

In der Kaliindustrie haben immer mehr Menschen über Tage als im Grubenbereich gearbeitet. Durch die weitgehende Automatisierung sind heute nur noch wenige Arbeiter in der Produktion beschäftigt. Riesige Maschinen werden jetzt unter Tage eingesetzt – Lastwagen, Raupen, Bagger die ein vielfaches in einem Arbeitsschritt erledigen. Breite Strassen unter Tage sind die Normalität – Maschinen, die auch durch „Absägen“ von losen Deckenplatten für die Sicherheit sorgen.

Viele Arbeitsplätze befinden sich in den Bereichen Labor, Technik, Energie und Verwaltung.
Das grösste Problem der Kaliindustrie stellt schliesslich auch die Entsorgung der grossen Rückstandsmengen dar. Als Rückstand fallen in der Kaliindustrie insbesondere wässrige Salzlösungen und verunreinigtes Steinsalz in fester Form an.
In einem separaten Raum ist die gesamte Anlage im Kleinformat aufgebaut.

Mit Hilfe von Elektrizität wird Kali beim ESTA-Verfahren gewonnen. Voraussetzung ist die unterschiedliche elektrische Aufladung von Kali und Steinsalz. Genauso wie ein Magnet Eisenteile anzieht, ziehen die unter Strom stehenden Metallplatten das Kali zur einen das Steinsalz zur anderen Seite hin an.
Ganz besonders hat mir die kindgerechte Beschreibung der einzelnen Schritte bei der Kaligewinnung gefallen, die bei den jeweiligen Schaukästen angebracht sind. Hier macht das Lesen und lernen auch Kindern Spass.

Im Dachgeschoss war die Kaliindustrie in der Zeit des Nationalsozialismus und in der Neuzeit dargestellt. Große Suchanzeigen auf Plakatwänden : „10 kräftige Arbeiter gesucht = Chemische Fabrik Kaiseroda“ oder „Tüchtige Maurer und Arbeiter werden auf Schacht Alexandershall bei Berka gesucht“ – oder „Platzarbeiter bei 25 Pfennig Stundenlohn von der Gewerkschaft Heldburg gesucht“ kann man hier u.a. lesen. Auch die Grenzpfosten :Hgn. Grenzübergang Vitzeroda nur für Fussgänger - Hinweisschild für Grenzübergangsstellen Hgn. Leimbach – Dippach sowie Hgn. Widdershsn. - Dankmarshsn sind aufgestellt. Pläne der Haus- und Villentypen für die Direktoren bis zu einem Siedlungs-Doppelhaus in Heringen und einem Plan des Schlafhauses in Merkers sind mit Fotografien belegt.
Bilder und Anzeigen aus der Kaiserzeit: Wir geben an Landwirte Kalisalze tauschweise gegen Kartoffeln, Brotgetreide oder andere landwirtschaftliche Erzeugnisse ab. Zum Transport stellen wir unser Lastauto unentgeltlich zur Verfügung.
Dazu die Informationstafeln dass nach dem Kalifund 1893 im Werratal das Kalifieber ausbrach. Deutschlands Weltmonopol, steigender Düngerbedarf und die Gründung eines Syndikats versprachen grosse Gewinne. Mit Kapital aus ganz Deutschland wurden Probebohrungen, Schächte und Werkanlagen gebaut. Als aber die Werke seit 1899 die Produktion aufnahmen war die Konkurrenz bereits stark gewachsen. In den zerstörerischen Kampf um Absatzquoten griff der Staat erfolglos ein. Erst der erste Weltkrieg machte dieser Entwicklung ein Ende.

Als wir das Museum verliessen sahen wir den „Abfallberg“ Monte Kali – weisse Teile, graue Abschnitte und auch dunkelgrau und schwarz wie ein gemaltes künstlerisches Bild ragte der Berg zwischen und über den Häusern auf.
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ahle-koelsche-jung
ahle-koelsche-jung
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von ahle-koelsche-jung
als Antwort auf johanna vom 02.11.2018, 23:59:30

Hallo Johanna,

da ich im September auch im Wartburg Museum in Eisenach war, möchte ich deinen Bericht mit einer Collage ergänzen. Hoffe du hast nix dagegen.
Dein Bericht war auch für mich sehr interessant. Super!

Schöne Grüsse und gute Nacht
a-k-J

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johanna
johanna
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna

Klasse Deine Collage! Danke Dir - Bilder einsetzen ist nicht so meins - ich kann auch nicht sehr gut fotografieren, deswegen schreibe ich ja!
Finde ich prima von Dir und grüsse Dich a-k-j ganz herzlich
Johanna

ahle-koelsche-jung
ahle-koelsche-jung
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von ahle-koelsche-jung

Ich rufe in den Eulenwald:

schlaft gut und träumt was Schönes

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Eule a-k-J.jpg

Tine1948
Tine1948
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Tine1948
als Antwort auf ahle-koelsche-jung vom 06.11.2018, 22:33:15
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also, AKJ:     Da muss ich aber erst mal sehr streng kucken!!!!
Bären???  ----  Na gut, ich bin ja nicht fremdenfeindlich. Man solllte sie aber doch viellleicht auf eine Armlänge von sich weg halten, als Eule, oder?   Unschuldig

Oder meinst du diese Art Bären? Dann schick ich diese jetzt zu allen Kranken , die hier mitlesen und zu Bruny, der Erfinderin vom Nightwriter, zur guten Besserung:Mit Boullion
. Good Night, Tine

 
johanna
johanna
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna

Das ist aber eine wunderschöne Eule!


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