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Plaudereien Die Hackordnung in der Tierwelt

weingut
weingut
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Die Hackordnung in der Tierwelt
geschrieben von weingut
"Die Hackordnung

Ein Gesetz sozialer Art beherrscht das Leben fast aller geselligen Geschöpfe, ob Kriechtiere, Vögel oder Säugetiere — und leider noch höher hinauf. Bei den verschiedenen Arten gibt es besondere Formen der sozialen Rangordnung, zuweilen milde, schwankende, bei anderen harte, exakte. Zu den Tieren mit der schärfsten Ausprägung der Rangordnung zählen die Hühner.

Über die Rangordnung beim Haushuhn, die schon fast zum klassischen Beispiel einer straffen Regelung des Verkehrs von zusammenlebenden Tieren der gleichen Art geworden ist, gibt es noch viel zu berichten. Da sie sich bei allen Rassen und Schlägen herausbildet, nur durch Temperamente gemildert oder verschärft, dürfte das Verhalten der wilden Stammform kaum anders sein, was mir auch deren gelegentliche Beobachtung bestätigt hat. Die Verteidigung des Ranges innerhalb einer nach Schlaf- und Futterplatz in sich geschlossenen Schar hat den Vorrang gegenüber der Stillung des Hungers; sie ist auch wichtiger, weil der Verlust des Ranges dazu führen kann, dass das rangniedere Tier immer wieder von der Futterstelle verdrängt wird. Ein altes Huhn, gleich ob Hahn oder Henne, das aus Schwäche oder Krankheit kaum mehr Nahrung aufnimmt, rafft sich mit letzter Kraft zum Kampf auf, wenn ein im Rang tiefer stehendes Tier droht. Aber auch erwachte Angriffslust gegen einen höhergestellten Artgenossen, die irgendwann in einem Huhn erwacht, lässt sich nur schwer ablenken.

Grundsätzlich besteht für Hühner beider Geschlechter in der Rangordnung kein Unterschied, doch streben die Hähne mit der Erreichung einer gewissen Größe und Reife danach, zu den Hennen, die ja zum Teil älter sind und bis jetzt höherrangig waren, in ein klares Plusverhältnis zu kommen. Es gibt allerdings Hähne, meist von spät reifen Rassen, die sich bis über die Zeit des Erwachsenwerdens hinaus nicht dazu aufraffen, ihre Führung durch Sieg klarzustellen. Sie wachsen allmählich in ihre Stellung hinein und werden dann von den Plushennen mal geduldet, mal gehackt, was ihnen nicht mehr viel ausmacht. Erst spät und längst körperlich überlegen, antworten sie auf den Puff einer Henne mit einem Angriff und siegen dann gewöhnlich leicht…………………………….

oder

Sehr ausgebildet ist namentlich bei dem schweizerischen Alprindvieh jener Ehrgeiz, welcher das Recht des Stärkeren mit unerbittlicher Strenge handhabt und danach eine Rangordnung aufstellt, der alle sich fügen. Die Heerkuh, welche die große Schelle trägt, ist nicht nur die schönste, sondern auch die stärkste der Herde und nimmt bei jenem Umgange unabänderlich den ersten Platz ein, indem keine andere Kuh es wagt, ihr voranzugehen. Ihr folgen die stärksten Häupter, gleichsam die Standespersonen der Herde. Wird ein neues Stück hinzugekauft, so hat es unfehlbar mit jedem Gliede der Genossenschaft einen Hörnerkampf zu bestehen und nach dessen Erfolgen seine Stelle im Zuge einzunehmen. Bei gleicher Stärke setzt es oft böse, hartnäckige Zwiegefechte ab, da die Tiere stundenlang nicht von der Stelle weichen. Die Heerkuh, im Vollgefühle ihrer Würde, leitet die wandernde Herde, geht zur Hütte voran, und man hat oft bemerkt, dass sie, wenn sie ihres Ranges entsetzt und der Vorschelle beraubt wurde, in eine nicht zu besänftigende Traurigkeit fiel und ganz krank wurde."

--
horwein

Nicht nur aus wissenschaftlichen Berichten
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Die Hackordnung in der Tierwelt
geschrieben von luchs35
als Antwort auf weingut vom 22.06.2008, 13:16:35

)))))))))) Fast wie im richtigen Leben!!!
--
luchsi35
eleisa
eleisa
Mitglied

Re: Die Hackordnung in der Tierwelt
geschrieben von eleisa
als Antwort auf weingut vom 22.06.2008, 13:16:35
.......es menschelt im Hühner und Kuhstall...laaach...
--
eleisa

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karl
karl
Administrator

Re: Die Hackordnung in der Tierwelt
geschrieben von karl
als Antwort auf weingut vom 22.06.2008, 13:16:35
Hallo horwein,


die Rangordnung ist ein wichtiges Phänomen, das in sozialen Gruppen eine bedeutendes Ordnungsprinzip darstellt. Ich empfehle hierzu die Lektüre von Konrad Lorenz "Das sogenannte Böse: Zur Naturgeschichte der Aggression".
Ein Thema, das gut unter Wissenschaft & Technik aber auch Soziales & Lebenshilfe platziert wäre.
--
karl
senhora
senhora
Mitglied

Re: Die Hackordnung in der Tierwelt
geschrieben von senhora
als Antwort auf weingut vom 22.06.2008, 13:16:35
Hallo Horwein,

auch sehr interessant.

Man unterscheidet statische und dynamische Rangordnung: erstere wird einmal im Leben festgelegt (z. B. Haushunde),
letztere wird immer wieder durch Rangordnungskämpfe in Frage gestellt und neu ausgefochten (z. B. Wölfe).

Das ranghöchste Tier (Alpha-Tier) ist nicht immer auch das „Leittier“ der Gruppe.

Bei fest eingepegelter Rangordnung finden keine Beschädigungskämpfe statt, sondern ritualisierte Imponierkämpfe zur Verbesserung bzw. Verteidigung von Rangplätzen. Beschädigungskämpfe finden gelegentlich zwischen relativ gleichrangigen Tieren statt.

Die Rangplätze werden nach dem griechischen Alphabet bezeichnet, beginnend mit dem Alpha-Tier bis zum Omega-Tier, dem sogenannten „Prügelknaben.

(Wissen.de)

senhora
miriam
miriam
Mitglied

Re: Die Hackordnung in der Tierwelt
geschrieben von miriam
als Antwort auf weingut vom 22.06.2008, 13:16:35
Sehr schönes Thema, Horwein – und eines welches trotz des heute schon gut bekannten Phänomens uns noch erlaubt weiterzudenken, Verbindungen herzustellen.

So stellt sich mir die Frage warum in der Phylogenese manche Eigenschaften oder auch Verhaltensweisen übernommen werden, so zu sagen übergeben oder übertragen werden. Und dies, obwohl man sich doch schon lange auf einer viel höheren Entwicklungsstufe befindet und die Notwendigkeit solcher Verhaltensweisen gar nicht mehr da ist.

Und noch etwas ist festzustellen: erst dient ja die Hackordnung oder Rangordnung einem gewissen Zweck, hat also seine vitale Gründe. Und später, überhaupt im Laufe der phylogenetischen Entwicklung?
Längst hat man schon adäquatere Möglichkeiten sich zu behaupten - aber das Hacken wird wieder hervorgekramt und liebevoll gepflegt und praktiziert.

Also scheint es fast wie ein teures Relikt welches weitergereicht wird. Fast wie ein kostbarer Familienschmuck – der dient auch niemandem mehr, aber man kann ihn von Zeit zu Zeit betrachten und sagen: "Schau, das trug noch die Mutter deiner Ururoma – das trug man damals halt". Und es kommt so etwas auf, wie ein stolzes Gefühl in Anbetracht seiner Abstammung, seiner (Hühner)Vorfahren - und wie schön sie noch das Hacken beherrscht haben. Das waren noch Zeiten!

Nach was es einem heute, wenn sicherlich aus reiner Nostalgie wieder mal die Hackordnung mit praktischen Übungen praktiziert wird? Nach dem gekonnten Verhalten der Plushenne oder des Plushahns?
Nein, ich denke eher nach deren beneidenswerten Stellungen die damit verbunden waren.
Oder ist vielleicht die Stellung der schönen Heerkuh mit ihrem wunderbaren Bimmelbammelgeläut noch erstrebenswerter?

Doch nochmals zurück zum Huhn: was macht ein kluges Huhn wenn es die Verhaltenweisen des Hackhuhns feststellt? Nun, es mimt Betroffenheit und denkt sich dabei:


--
miriam

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karl
karl
Administrator

Re: Die Hackordnung in der Tierwelt
geschrieben von karl
als Antwort auf miriam vom 22.06.2008, 17:12:45
Hallo Miriam,


es war mir schon bewusst, dass Horwein eigentlich kein Interesse an der Diskussion der Hackordnung und seiner sozialen Funktion per se haben würde und auch du versuchst den Hühnervergleich subtil als Waffe im ST-internen Streit einzusetzen, bei der Ausfechtung unserer internen Rangkämpfe.

So frei wie du zu glauben scheinst ist niemand vor dem "Rückfall" in archaisches Verhalten, es ist nicht einmal archaisch, sondern auch in menschlichen Gesellschaften voll etabliert. Einige hacken hier im ST nicht mit Schnäbeln, aber mit Worten. Das hat einen Nachteil, das Hacken hat keine wirklichen Konsequenzen, weshalb unendlich weiter gehackt wird. Das Hacken nimmt kein Ende.

Die Etablierung einer Rangordnung in einem Hühnerhof oder in anderen sozialen Gemeinschaften hat gerade die Funktion das Hacken zu beenden. Es kehrt Ruhe ein nachdem jeder seinen Platz in der Gemeinschaft eingenommen hat und das Gehege nicht zu klein ist. Da die Etablierung einer Rangordnung in einer virtuellen Gemeinschaft schwierig ist (was sind die Kriterien?) und solange einige für andere so etwas wie rote Tücher darstellen und gleichzeitig nicht wirklich Sachprobleme im Mittelpunkt der Diskussion stehen, wird das Hickhack immer wieder aufflackern. Es scheint geliebt zu werden, dann es gibt Personen, die sich nur zu diesem Zwecke überhaupt in Threads einschalten.

Oft ist derjenige, der glaubt seiner Biologie entronnen zu sein, voll in ihrem Griff.

--
karl
Re: Die Hackordnung in der Tierwelt
geschrieben von roseluise
als Antwort auf karl vom 22.06.2008, 17:43:16
karl, ich denke, die Etablierung einer Rangordnung ist nicht nur in der virtuellen Welt schwierig,
wir haben ja zumindest in unserem Land keine Kastenordnung mehr, die von Geburt an unser Plätzchen für immer und ewig festlegt,

Nach meiner Meinung ist die Durchlässigkeit des Systems so gesehen auch seine Schwäche:
Wodurch ergibt sich mein Platz, muss ich ihn anerkennen und warum?
Für alle Zeiten?
Oder kann ich einen "besseren" Platz erreichen und wie?

Es ist ein immerwährendes Balancieren zwischen Egoismus und Einsicht,
und die manchmal einkehrende Ruhe bleibt trügerisch.

luise3
weingut
weingut
Mitglied

Re: Die Hackordnung in der Tierwelt
geschrieben von weingut
als Antwort auf karl vom 22.06.2008, 14:05:13
Wie gut, Karl, dass Du immer weißt, was ein Anderer bezweckt.

Sicher ist die Hackordnung auch zu übertragen auf die menschliche Bevölkerung der Erde, da in vielen noch der Urinstinkt (man beachte das Wort bei falscher Betonung) mehr oder weniger schlummert.
So findet sich z. B.die UNIVERSITÄRE HACKORDNUNG Wer ist hier der Professor?
Ich weise dazu auf den Link hin.

"Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen betitelt
Europäische Banken in neuer Hackordnung

Also findet nach wie vor in allen Bereichen und Schichten das Urverhalten statt.
Wir können uns nicht freisprechen von dem Gedanken, unseren Platz nicht am Ende der Kette einnehmen zu wollen und daher kommt es auch immer wieder zu Versuchen der verbalen Platzzuweisungen, wobei allerdings nur der Mensch sich der Form der Beleidigung, Entwertung bedient, wenn man von dem Imponiergehabe unter Tieren absieht


Karl, Du sprichst noch einmal den Hühnerhof im Vergleich mit menschlicher Hackordnung an. Es ist richtig, dass Ruhe einkehrt, wenn jeder seinen Platz akzeptiert hat, doch sieh es Dir an, sobald ein neuer Artgenosse den Hühnerhof/ Raum betritt, dann geht es doch wieder von vorne los, solange, bis der "Gehackte" Reißaus nimmt


horwein
karl
karl
Administrator

Re: Die Hackordnung im ST
geschrieben von karl
als Antwort auf weingut vom 22.06.2008, 18:38:15
Wobei das Reißausnehmen nicht die notwendige Folge ist, es kann auch Integration erfolgen. Ich kann dir versichern, dass es mein Ziel ist (ich spreche hier für mich), dass jeder Neuankömmling integriert wird und zwar unabhängig davon, ob er ordentlicher oder außerplanmäßiger Prof., Arbeiter oder Arbeitsloser, Deutscher oder Türke ist. Alle haben hier die gleichen Rechte. Jeder muss sich allerdings selbst um seine Stellung in der Gemeinschaft bemühen, diese wird ihm oder ihr nicht zugewiesen.
--
karl

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