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Plaudereien Die kleinen Dinge unseres Lebens

luchs35 †
luchs35 †
Mitglied

Die kleinen Dinge unseres Lebens
geschrieben von luchs35 †
Von Zeit zu Zeit packt es mich- es wird "geräumt"! Schränke, Schubladen und verborgene Ecke beinhalten "Schätze", die keiner mehr braucht. Einiges wandert in Trödelläden, anderes zum Müll.
Die meisten von uns hier kennen das sicher auch, außer sie wollen "Messie" werden

Dummerweise fallen uns dabei auch immer wieder Dinge in die Hände, an die Erinnerungen geknüpft sind. So ging es mir heute morgen. In einer Schachtel fand ich ein kleines Plastikedelweiß zum Anstecken- und schlagartig wurde ich rund 60 Jahre jünger. Ich hielt dieses unbedeutende, wertlose Ding in meiner Hand und sah mich wieder als Dreikäsehoch mit einem 50-Pfennigstück in der Hand, mein allererstes Taschengeld, wenn man es so nennen konnte, denn das war nichts Regelmässiges, ich bekam es einfach von meiner Mutter , damit ich mir in dem ersten neueröffneten Warenhaus unserer total zerbombten Stadt etwas kaufen konnte. Für eine Fünfjährige ein Stück Paradies und für mich damals ein Riesengebäude mit kostbaren Schätzen, mit dem heutigen Wissen ein kleines ebenerdiges Haus mit allerlei Krimskrams.
Dort sah ich dieses Edelweiß unter vielem Tand, das Geld reichte wohl, ich glaube, ich bekam sogar von der Verkäuferin noch was retour. Meine Mutter steckte mir dann das Blümchen an das Kleid ,und ich fühlte mich glücklich und reich. Dieses Gefühl kann ich heute noch nachvollziehen. Das war es wohl auch, warum ich dieses Plastikblümchen bis heute aufbewahrt habe, obwohl ich es längst vergessen hatte. Ich sehe sogar noch das Lächeln meiner Mutter, wohl weil ich stolz meinen Schatz zur Schau trug.

Wer kann das nachvollziehen? Geht es andern auch so? Sind diese kleinen Dinge wie Mosaiksteine oder Brücken zu einem Teil unseres Lebens in der Erinnerung?

Luchs
olga64
olga64
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Re: Die kleinen Dinge unseres Lebens
geschrieben von olga64
als Antwort auf luchs35 † vom 15.11.2012, 14:21:40
Durch viele, beruflich bedingte Umzüge in den letzten Jahrzehnten habe ich es nie so weit kommen lassen. Ich lebe lieber nach der Devise: was ich zwei Jahre nicht brauchte oder berührte, kommt weg. Erinnerungen kann ich sehr gut im Herzen behalten oder in anderen Menschen, mit denen ich Jahrzehnte befreundet bin.
Mein Bruder und ich erlebten es bei unserer Mutter als diese in ein Altenheim umzog. Wir lösten ihren mehr als 50 Jahre alten Haushalt auf und beschäftigten viele Entrümpler. Das sollte bei mir mal nicht so sein. Olga
luchs35 †
luchs35 †
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Re: Die kleinen Dinge unseres Lebens
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf olga64 vom 15.11.2012, 15:26:50
Genau das sind auch meine Gedanken,Olga, bloß nicht den Hinterbliebenen den ganzen angesammelten Müll hinterlassen. Aber manches bleibt doch hängen, einesteils stehen Pietätgründe dahinter, andererseits wecken manche Dinge Erinnerungen, die man weiterspinnen kann und die auch wohltun.
Ich kann mich beispielsweise nicht von der uralten Backschüssel meiner Mutter trennen, pure Sentimentalität. In der Glasur ist ein winziges Stück abgebrochen, aber sonst tipptopp - nur ich verwende sie nie. Sie versperrt durch ihren Umfang eine Menge Platz im Küchenschrank, aber ich schaffe es nicht, sie zu entsorgen. Ist bescheuert, ich weiß das. Aber ist halt so! Jedem seinen eigenen Vogel

Luchs

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sissismam
sissismam
Mitglied

Re: Die kleinen Dinge unseres Lebens
geschrieben von sissismam
als Antwort auf luchs35 † vom 15.11.2012, 16:45:13
oh ja, das kenn ich!
mir fällt es auch schwer, sachen mit erinnerungswert zu entsorgen.
besondere schwierigkeiten hatte ich mit geschenken meines vor 23 jahren verstorbenen, damaligen verlobten
nix besonderes oder wertvolles, ein teddy von der kirmes und ähnliches. aber im letzen jahr habe ich viel entrümpelt, muss ja auch mal schluss sein.
von meinen eltern habe ich auch nur einige wenige teile behalten.
ein kästchen, dass immer in der küche stand, solange ich denken kann
ja, und dann meine haare
weiss garnicht, wer wann wo mir die abgeschnitten wurden,
ich nehme an, als ich zur schule kam, war meine mutter den kampf mit meinen locken satt
hatte sie schon oft in der hand zum entsorgen, es aber nie übers herz gebracht!
lg
verschiedenes teil 2(sissismam)
luchs35 †
luchs35 †
Mitglied

Re: Die kleinen Dinge unseres Lebens
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf sissismam vom 15.11.2012, 17:43:56
Entsorge die schönen Haare bloß nicht, Sissismam. Lass Dir doch ein Haarteil draus machen, die kosten sonst mit Echthaaren ein Vermögen. Wer weiß, vielleicht hast Du mal Haarausfall, dann biste froh über so ein Ersatzteil

Luchs
pippa
pippa
Mitglied

Re: Die kleinen Dinge unseres Lebens
geschrieben von pippa
als Antwort auf luchs35 † vom 15.11.2012, 17:53:32
Das erste Weihnachtsfest nach der Währungsreform.

Plötzlich gab es alles - nur kein Geld.

Aber irgendein netter Mensch (wer, weiß ich nicht mehr) hatte mir etwas zugesteckt und ich wollte damit ein Weihnachtsgeschenk für meine Mutter kaufen.

In einer Drogerie erstand ich ein Stück LUX -Seife, die ich damals für den allerhöchsten Luxus hielt, weil eine total vornehme Dame darauf abgebildet war. So etwas hatte ich im richtigen Leben ja noch nie gesehen.

Meinen Stolz über diesen Einkauf habe ich bis heute nicht vergessen und auch die abgebildete feine Dame nicht.

Entrümpeln brauchte ich sie allerdings bei der Haushaltsauflösung nicht.

Pippa

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vangelis
vangelis
Mitglied

Re: Die kleinen Dinge unseres Lebens
geschrieben von vangelis
als Antwort auf pippa vom 15.11.2012, 18:08:00
Mein Herz hängt an einem Weihnachtskaktus den ich noch von meiner Mutter geschenkt bekam.

Meine Mutter ist allerdings heuer schon 47 Jahre tot.Da kann sich jeder ausdenken, wie ich den Kaktus hege und pflege. Er blüht auch jedes Jahr zu Weihnachten.
Ich würde den Kaktus nie wegwerfen, nein da hängt mein Herzblut daran.

L:G: vangelis
Gillian
Gillian
Mitglied

Re: Die kleinen Dinge unseres Lebens
geschrieben von Gillian
Vor etwa einem Jahr stand ich auch vor dem Problem, da eine Renovierung anstand und ich "Ausmisten" musste. Aber wie ich grade feststelle: Es war wohl doch noch nicht genug ...

Komischerweise halten mich meine Söhne (besonders der Jüngere) vom Wegwerfen ab. Oft höre ich am Telefon: "...habt ihr DIES oder DAS noch ...?" Und dann ist die Freude groß, wenn ich ein bestimmtes Kinderbuch, einen Pokal oder ähnliches doch noch finde.
G.
Re: Die kleinen Dinge unseres Lebens
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf vangelis vom 15.11.2012, 18:25:38
In meinem Regal ist das "hässlichste" Teil ein ein kleiner hölzerner "Fliegenpilz", der bei Besuchern schon erstaunte Fragen hervorrief.
Sobald der wackelige Pilz mal umgefallen ist, helfe ich ihm (geduldigst (!) wieder auf.
Er muss mal schön weiss/rot/schwarz angestrichen gewesen sein.
Aber meine Oma und meine Mutter nutzten die Farbe durch (nötige) Stopfarbeit ab.

Immer, wenn ich Mut hatte, warf ich nach und nach Handtücher und Waschlappen meiner Mutter weg. Sie waren allesamt sehr fadenscheinig und stellenweise gestopft.
Jedes Tuch hatte einen von meiner Mutter angehäkelten Aufhänger, den sie immer wieder erneuerte, denn im Gegensatz zu den Tüchern, waren sie in gutem Zustand.
Diese gehäkelten Aufhänger waren der Grund, warum ich mich so schlecht von den Tüchern trennte, wie bescheiden und fleissig Du warst, dachte ich.
Kürzlich warf ich den letzten Waschlappen mit blaugehäkeltem Aufhänger fort -
und damit auch ein ganz kleines Stückchen von mir.

Der Fliegenpilz aber bleibt.
Gerade habe ich ihm wieder einmal zugelächelt.

Margarit
luchs35 †
luchs35 †
Mitglied

Re: Die kleinen Dinge unseres Lebens
geschrieben von luchs35 †
als Antwort auf Gillian vom 15.11.2012, 18:49:58
Gillian, mit meinen Söhnen geht es mir ähnlich. Die hängen wie die Kletten an den verbliebenen uralten Spielsachen inklusive bereits antiken Mickeymausheften. Nicht mal ihre eigenen Kinder dürfen da was anfassen, weder den einäugigen, ramponierten Teddy Philipp, noch die alte Märklineisenbahn mit dem Krokodil. Die ersten Legosteine, Dampfmaschine oder Fischertechnik sind die reinsten Reliquien, aber wenigstens haben sie das alles mitgenommen und nicht bei mir gelagert.

Margarit, behalte den Fliegenpilz, so was ähnliches besitze ich auch noch von meiner Mutter - ein Stopfei!

Luchs

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