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Plaudereien Eos-TV (Eine Sendung nur für Trauerfeiern)

Eos-TV (Eine Sendung nur für Trauerfeiern)
geschrieben von ehemaliges Mitglied
Lebensfreude sieht anders aus...

Das Fernsehpublikum wird zusehends älter. Einige sind offenbar der Meinung, es sei schon tot. Jetzt soll es einen "Trauerkanal" im deutschen Fernsehen geben.
Das Programm soll heissen "Eos-TV".

In der Pressemitteilung heisst es "Die Idee lag in der Luft. Durch den demografischen Wandel geraten neue Zielgruppen in den Blick. Die Sendung ist für Fernsehzuschauer, die sich gezielt informieren wollen über Themen, die sie angehen."

Es soll über Trauerfeiern berichtet werden, über Friedhofsdokumentationen und Sozialamtsbestattungen.
Arbeitstitel "Verarmt, verscharrt, vergessen."

Wer also Firmenpräsentationsfilme spannend findet, der wird Eos-TV lieben.

Alle Anderen werden sicher lieber auf den normalen Fernsehschund zurückgreifen...oder Todesanzeigen lesen, anrührende Texte wie diese:

"Die Bahnhofsbank ist leer, du fehlst uns sehr. Warst immer da, bei jedem Wetter. "Tüten-Alfred", du warst ein Netter."


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karin2
niederrhein
niederrhein
Mitglied

Schöne neue Welt ...
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf vom 22.06.2007, 07:24:02
Danke für den reizenden Hinweis,
ich ahnte es doch und in einigen Feuilleton-Artikeln wurde es erwähnt: Der demographische Wandel wird offensichtlich die Gesellschaft grundlegend und auf Jahrzehnte verändern.
Wenn ich recht informiert bin, werben und "kämpfen" auf der einen Seite ARD/ZDF um jüngere Zuschauer, die sie offensichtlich an das Prekariatsfernsehen verloren haben, auf der anderen Seite: Das Durchschnittsalter der Zuschauer von ARD/ZDF soll weit über fünfzig liegen. Die Folgen für das Programmangebot sind unübersehbar. Aber auch das sonstige Kultur-, Unterhaltungsleben und -angebot wird sich vermutlich drastisch ändern.

Zitat: "Sozialamtsbestattungen/ Arbeitstitel "Verarmt, verscharrt, vergessen."
Überhaupt Bestattungsvorschriften, Bestattungsmöglichkeiten - Das wäre durchaus informationswert. Austausch von Kenntnissen, Informationen, Möglichkeiten, Meinungen. Das wäre doch durchaus ein Themenabend hier? Etwa unter dem Titel: "Die letzte Abzocke."
(Auch wenn das für den einen oder anderen pietätlos klingt - ich bitte deswegen um Entschuldigung - aber die ökonomische Frage eine Beerdigung ist sicher für nicht wenige Familien ein Problem. Nicht jeder alte Mensch, vermutlich auch nicht hier in diesen Reihen, verfügt über entsprechende üppige Renten, Pensionen, Mieteinahmen, Kapitaleinkünfte etc.)

Darf ich erneut auf ein Buch hinweisen (das ich, so meine ich irgendwo hier schon einmal erwähnt habe):
Hondrich, Karl Otto: Weniger sind mehr. Warum der Geburtenrückgang ein Glücksfall für unsere Gesellschaft ist. Frankurt/Main 2007 (Campus-Verlag).

Ich empfehle S. 14, 4. Zeile von oben ...


Mit freundlichem Gruß
Die Bertha
vom Niederrhein



pilli
pilli
Mitglied

Re: Eos-TV (Eine Sendung nur für Trauerfeiern)
geschrieben von pilli
als Antwort auf vom 22.06.2007, 07:24:02
frau könnte denken:

Eos TV...sendungen, die die fernseh-nation nicht braucht;

aber nein , der trauermarkt dürstet nach umsatzstarker trauerbewältigung und die macher (u.a. Bestatter) haben m.e. einen guten riecher, die in zig-foren geflossenen virtuellen tränen beim tod nicht nur von hund, katze und maus in gold zu verwandeln.

lange werden die macher in foren und im netz gelesen haben, wie sehr öffentliches weinen und greinen dokumentiert und geliebt ist und zig trauerseiten im www künden ja davon, daß es die menschheit nicht nur nach trauern und abschiednehmen im stillen kämmerlein gelüstet.

sie wären m.e. dumm, die netzjäger der meinungssuche, aus dem brachliegenden trauerfeld nicht ährengoldigen gewinn zu machen?

es werden menschen via tv und grossaufnahme begleitet, die kinder gebären...kindern nicht gerecht werden können...die sich aus armut retten mit hilfe von experten...die auswandern...die frauen tauschen...die sich der bauwech-op stellen...die endlich wissen möchten, wer der erzeuger ihrer kinder ist..die öffentliche treuetests einfordern...und dererlei lebenswichtiges mehr; da fehlt doch tatsächlich der blick von der kamera, den letzten weg mit dem auge der kamera zu begleiten?

meine idee dazu wäre, einen täglichen bericht von seit jahren dahindämmernden personen mit morgendlichem bulletin über den jeweiligen zustand?

anschließen könnte sich daran eine einführung in patientengerechtes windeln und gleich anschliessend, der verlauf der flüssigen nahrungstropfen in grossaufnahme.

dazu fan-seiten im netz einrichten zu den jeweiligen lieblings-darsteller der betrachtung, denn die Bestatter planen ja die direkte veretzung ihrer homepage mit Eos-TV:

zitat aus Märkische Zeitung:

"Von den Homepages vieler Bestatter kann man später direkt ins Programm schalten. Wir wollen 24 Stunden am Tag senden, in der Endausbaustufe sollen die Sendeschleifen sechs bis acht Stunden lang sein", so Schneider."

die leute vom Bundesverband deutscher Bestatter haben sich gedanken gemacht; und ich auch!

heute morgen las ich bei rp-online, welcher art schon jetzt die totenruhe gestört werden kann:

"Die neuen Grabsteine in den Niederlanden verfügen über einen 7-Zoll LCD-Bildschirm, der Fotos und Filme der Verstorbenen zeigt. Die Hersteller-Firma möchte damit helfen die Erinnerungen lebendig zu halten. Die Bildschirme werden wahlweise mit Sonnenenergie oder Batterie betrieben. Ein kodierter Schalter in Verbindung mit einem Infrarotsystem startet den Computer und informiert den Besucher bis zu drei Minute, wenn er dicht genug an dem Grabstein steht. Wer jetzt Angst vor Krach und Ruhestörungen hat, sei beruhigt. Die Grabplatte zeigt zwar Bilder, sendet jedoch keinen Ton aus. Die Kosten für ein Gerät betragen etwa 3000 Euro.

Besucher werden also in Zukunft vielleicht nicht länger nur vor den Gräbern ihrer eigenen Angehörigen verweilen. An anderen Gräben könnten sie sich ansehen, welche Botschaften die Verstorbenen dort hinterlassen haben. Das Image als Bereich der Trauer und Zurückgezogenheit wäre Vergangenheit. Stattdessen würden aus den Friedhöfen lebhafte Orte - Orte des elektronischen Gedankenaustauschs." zitatende

...

eben...so wie bisher in den foren: der eine delektiert sich an der öffentlichen bekundung von trauergedanken gereimt oder in prosa und die andere stillt ihre heimliche lust, sich mitwälzen zu dürfen im meer der verkündeten tränen.

von wegen "Ruhe sanft" das tv- leben beginnt nicht mit *60* sondern erst richtig mit und nach dem tod!

euro-blühende gräberlandschaften zeugen zukünftig davon:

wir von Eos-Tv haben die fernseh-nation fest im griff und ich sehe schon jetzt die bundesweit entstehende nachfrage nach autogrammkarten, wenn lieblings-patient in der eventuell noch geplanten sendung:

"Deutschland sucht die Super-Leiche" den recall besteht und womöglich unter den siegern sein sollte.

verkommmt da nicht Eos, die Göttin der Morgenräte zum Todesengel?

--
pilli

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eleonore
eleonore
Mitglied

Re: Eos-TV (Eine Sendung nur für Trauerfeiern)
geschrieben von eleonore
als Antwort auf pilli vom 22.06.2007, 10:35:23
ich warte jetzt auf die prêt-à-porter schauen für leichen.
ein riesenmarkt.
ebenso die make up sektor......

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eleonore
pilli
pilli
Mitglied

Re: Eos-TV und weiteres...
geschrieben von pilli
als Antwort auf eleonore vom 22.06.2007, 11:07:10
und da wir weltweit lesbar sind elo

erwarte ich jetzt...nicht zum ersten male... eine mail, mitwirken zu wollen an der weiteren gestaltung der unternehmeridee...*zwinker*

anbieten würde ich dann als erstes, den Hagen von Gunther, den schöpfer der "Körperwelten" mit in das tv-konzept einzubeziehen, dessen Plastinarium doch unendliche möglichkeiten böte, bei laufender kamera die plastinierung der leichen vom pups-sessel aus zu verfolgen?

sah ich doch selbst erst vor tagen zu beim auswaiden der leichen, weil der gute Hagen einen Plastinierungs-Assistenten suchte und den arbeitsuchenden kandidaten per tv-kamera begleitung in einem seminar die chance bot, sich zu profilieren.

mit den entsprechend abgestimmten werbe-einblendungen könnten die bestatter dann eventuelle verluste ausgleichen, die durch das leichen-theater im Plastinarium entstehen?


eleonore
eleonore
Mitglied

Re: Eos-TV und weiteres...
geschrieben von eleonore
als Antwort auf pilli vom 22.06.2007, 11:21:53
ich hab herr v. Hagens *werke* in berlin, vor jahren bewundern dürfen.
mich hat es abgestossen.

dann lieber chanel oder dior roben für leichen, estee lauder für make up.......
und auf der grabstein bildschirm wird dann bette davis in ihre unvergessliche *wiegenlied für eine leiche* gezeigt.
wat für aussichten.......
--
eleonore
keyboarder
keyboarder
Mitglied

Re: Eos-TV (Eine Sendung nur für Trauerfeiern)
geschrieben von keyboarder
als Antwort auf vom 22.06.2007, 07:24:02
Wer Fernsehen guckt ist selbst doof
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keyboarder
Re: Eos-TV (Eine Sendung nur für Trauerfeiern)
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf keyboarder vom 22.06.2007, 17:21:25
Das Fernsehprogramm wird immer trauriger. RTL macht aus schnöden Autobahnpolizisten Actionhelden.
In der ARD hat Harald Schmidt gerade angekündigt, daß ihm künftig Oliver Pocher bei der elenden Warterei auf den Ruhestand noch ein bisschen Gesellschaft leisten soll.
Und den Schöner-Wohnen-in-drei-Tagen-Sendern gehen bald die renovierungsfähigen Einfamilienhäuser mit fernsehtauglichen Familien aus, sodaß man eigentlich schon darauf wartet, das RTL-"Deko-Expertin" Tine Wittler heimlich bei Vox-Kollegin Enie van de Meiklokjes umdekoriert.

Wen wundert es in diesem Zusammenhang mit der neuen Idee mit den Berichtbestattern?

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karin2

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