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Plaudereien Erinnerung an eine ferne Zeit

simba
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Re: Erinnerung an eine ferne Zeit
geschrieben von simba
als Antwort auf eleonore vom 13.08.2008, 07:58:55
Bei uns gabs auch keine Schultüten - wir haben nicht mal gewusst, dass es sowas gibt. Der erste Schultag war recht lustig, ich war bei den grossen Mädchen in der letzten Reihe. Wir wohnten in einem kleinen Dorf im Wienerwald und unsere Schule zählte meist so um die 30 Kinder, wir waren alle in einer Klasse untergebracht. Der Lehrer war ein eher junger strenger Mann, vor dem ich mich etwas fürchtete. Und so blieb es die ganzen acht Jahre die ich dort zur Schule ging. Ich glaube er musste streng sein, denn in einer Schule Kinder aller Altersstufen zugleich zu unterrichten war sicher nicht einfach... Aber er hats recht gut gemanagt und uns sogar einiges beigebracht
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simba
luchs35
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Re: Erinnerung an eine ferne Zeit
geschrieben von luchs35
als Antwort auf simba vom 13.08.2008, 10:35:38

Jau, und brav waren wir! Wehe,wenn nicht.... !!!
Es verging später kaum ein Tag, an dem man nicht mit angeschwollenen Fingern nach Hause kam. Bei den geringsten Verfehlungen hiess es vortreten, Hand flach ausstrecken, Handfläche nach oben - und dann knallte das Rohrstöckchen oder ein Lineal auf die Hände, meist aber ganz gemein auf die Fingerspitzen, die dann nach kurzer Zeit dick aufschwollen.

Die Buben in der Klasse mussten sich dafür bäuchlings über den Pult legen und bekamen die berüchtigten "Hosenspanner", also Hiebe auf den Allerwertesten. Sitzen war dann auch nicht mehr so angenehm, stelle ich mir vor.

Doch am ersten Tag wusste man da noch nichts davon, aber schon nach kurzer Zeit rührte man sich lieber nicht mehr, damit ja der Herr Lehrer nicht auf einen aufmerksam wurde. Ich hatte leider so einen Prügelhelden, der altershalber vom Krieg verschont blieb, aber den Krieg mit uns kleinen Knöpfen nachholte.

Ja, so erwartungsvoll man am ersten Tag noch in die Schule ging, eigentlich trotz aller Ängstlichkeit vor dem Unbekannten voller Vorfreude auf das Lernen, so sehr verabscheute man im Laufe der Zeit die Institution, die den Lehrern das Recht gab, die Kinder nach Gutdünken zu vertrimmen.

Erst ab der 4. Klasse lernte ich langsam, dass es auch andere Lehrer gab, die das Eintrichtern von Aufgaben nicht mit dem Rohrstock auffassten.

Wenn mir das einer vor der Einschulung gesagt hätte, dass Lernen mit Prügeln verbunden sei, vermutlich hätte mich meine Mutter gefesselt und geknebelt dorthin schleppen müssen - trotz Zuckertüte! )






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luchsi35
eleisa
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Re: Erinnerung an eine ferne Zeit
geschrieben von eleisa
als Antwort auf simba vom 13.08.2008, 10:35:38
Keine Erinnerungen an diesen Tag (1940) auch an die ersten Schuljahre nicht...
Die Erinnerung fängt erst an, mit der Verfrachtung aller Kinder einschließlich Lehrer
nach Pommern...


an Prügel kann ich mich nicht erinnern...--
eleisa

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Doppelnick2gesperrt
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Re: Erinnerung an eine ferne Zeit
geschrieben von Doppelnick2gesperrt
als Antwort auf eleisa vom 13.08.2008, 13:41:26

Ich weiss nur noch, daß ich die ersten 3 jahre wirklich gerne zur schule ging.
in der 4. klasse hatten wir einen lehrer, der unser klassenlehrer wurde, und total schön
gitarre spielen konnte.
in den hatte ich mich auf anhieb verliebt, hatte auch in diesem schuljahr das
allerbeste zeugnis der gesamten schulzeit *gg

leider wurde er nach einem jahr versetzt, wurde schulleiter an einer anderen schule.

danach machte mir die schule, meistens, nicht besonders viel spass.
trotzdem schlängelte ich mich erfolgreich durch bis zum abitur.



jenniferj
simba
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Re: Erinnerung an eine ferne Zeit
geschrieben von simba
als Antwort auf luchs35 vom 13.08.2008, 13:38:33
Auch bei uns hingen fünf oder sechs Rohrstäbe an der Wand, von denen unser Lehrer recht gern Gebrauch machte... Ich wurde mit diesen Stäben von meiner Linkshändigkeit auf die rechte (und ordentliche) Seite umerzogen. Wenn er keine Stäbe verwenden wollte, wusste er sich auch zu helfen - da gibts ober den Ohren diese feinen Haarbüschel, an denen er uns hochzog, bei den Buben nahm er die Ohren. Der Pfarrer wiederum griff feste in unsere Haare und schüttelte den Kopf, bis sich alles um einen herum drehte. Aber das machte er nur wenn er sehr verzweifelt war und wir gaben ihm viel Grund dazu...
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simba
heide
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Re: Erinnerung an eine ferne Zeit
geschrieben von heide
als Antwort auf simba vom 13.08.2008, 16:44:22
Oh, wo ich gerade Pfarrer lese, kommt mir unser alter Dechant in Erinnerung, der mir doch tatsächlich im Fach Katechismus eine 6 auf dem Zeugnis verpasste, und nur deshalb, weil in meinem Kniestrumpf ein Spickzettel steckte. Die 6 wäre ich ja noch verkraften gewesen, hätte nicht ausgerechnet mit diesem Zeugnis die Anmeldung zur weiterführenden Schule bei den Töchtern vom hl. Kreuz angestanden..........


heide

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luchs35
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Re: Erinnerung an eine ferne Zeit
geschrieben von luchs35
als Antwort auf heide vom 13.08.2008, 17:10:17

Und? Hast du es trotzdem geschafft?? Mit meinen Religionsleistungen hätte ich ein Verbot bekommen, mich auch nur frommen Schwestern zu nähern..)


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luchsi35
desiree
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Re: Erinnerung an eine ferne Zeit
geschrieben von desiree
als Antwort auf libelle vom 12.08.2008, 23:52:00

ja, libelle, an das Maisbrot erinnere ich mich nocht gut. Du wirst es kaum glauben, ich möchte heute mal wieder Maisbrot essen.

Zur Schulspeisung:
Wir wurden eingeteilt in folgende Gruppen: Ernährt, gut ernährt und unterernährt.

Natürlich wurde die Schulspeise an unterernährte Kinder verteilt. Ich lief unter ernährt.
Wie habe ich die Kinder beneidet. Nicht so sehr um die Schokolade, vielmehr um das Käsebrötchen und die Erdnüsse.
Ich muss wohl sehr traurig geschaut haben. Oft gab man mir Erdnüsse ab. :)
Später durfte ich auch teilnehmen an der Schulspeisung. Wir gingen morgens mit dem "Henkelbecher!" und einem Löffel in die Schule.
War das toll. Leider verloren wir unsere Becher auf dem Heimweg von der Schule beim Spiel im Schnee. Aus wars.
luchs35
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Re: Erinnerung an eine ferne Zeit
geschrieben von luchs35
als Antwort auf desiree vom 13.08.2008, 17:52:32
Hi Desi, das Maisbrot von heute schmeckt wohl besser als jenes von damals, das ich recht pappig in Erinnerung habe. Heute ist es wunderbar locker. ich habe allerdings keine Ahung, ob man es auch in Deutschland bekommt, in der Schweiz ist es aber recht beliebt, vor allem hier in der Ostschweiz, die eine lange Maistradition bis heute hat. Sogar Maisbier gibt es!

Das nur nebenbei, weil es dich an die Schulzeit erinnerte. Von der Schulspeisung habe ich die seltenen ,herrlichen Tage in Erinnerung, an denes es warmen Kakao und Rosinenbrötchen gab. Das waren echte Glücksmomente, und weil ich so ein dünner Zahnstocher war, bekam ich immer noch einen halben Becher Kakao extra dazu, was mir aber immer etwas peinlich war, weil die andern dann so komisch guckten!

Ach, und eben fiel mir noch ein, was ich in meiner Schultüte noch gefunden hatte: ein aus kleinen Stoffresten gesticheltes Trockenpolster für die Schultafel, die man ja immer mit einem kleinen feuchten Schwamm reinigte und dann mit einem Fetzen Stoff trocknete.

Meine Mutter hatte da so eine Art Polstertuch draus gemacht, es sah aus wie lustiges Patchwork und innen waren Wollfäden zum Aufsaugen der Feuchtigkeit. Auf dieses Ding war ich mächtig stolz, es hing immer an einer langen Kordel aus dem Ranzen raus.
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luchsi35
heide
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Re: Erinnerung an eine ferne Zeit
geschrieben von heide
als Antwort auf luchs35 vom 13.08.2008, 17:27:44
Ja, aber auch nur deshalb, weil die Aufnahmeprüfung nicht allzu schwer war.
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heide

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