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Plaudereien Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...

tereza
tereza
Mitglied

Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...
geschrieben von tereza
Liebe Forumsmitlgieder,

vielleicht wisst ihr einen Rat für mich oder aber jemand kann mir die Beweggründe für das Verhalten meiner Eltern erklären oder hat eigene Erfahrungen in dieser Hinsicht gesammelt.
Ich bin Tereza und meine Eltern sind 74+75 Jahre alt/jung und werden immer verdrießlicher. Sie klagen über zu wenig Rente/Rentenkürzungen, Politik + Wirtschaft, Gesundheit und weiss der Geier...

Seit längerer Zeit schon, geht es intensiv um Armut, vor allem die eigene *Augen verdrehe* und darüber, dass die Töchter ja so "reich" seien.
Wir, die Töchter, haben uns das alles schon unzählige Male angehört und werden immer ratloser, weil unsere Nerven bei jedem Besuch reichlich strapaziert werden.
Es sei noch gesagt, unsere Eltern leben in einer Eigentumswohnung. Sie vermieten eine weitere. Beide erhalten Rente, vermutlich nicht den Höchstsatz. Sie haben sich alles selbst erarbeitet und beizeiten auch ein finanzielles Polster geschaffen.
Ihre Kinder, also Tereza und Uli sind mit 18 + 19 Jahren daheim ausgezogen und waren niemals eine finanzielle oder sonst wie geartete Last.

Vielleicht wisst Ihr einen Rat. Tacheles reden. Geld da lassen oder was??

Ganz lieben Dank dafür, dass ich Euch hier behellige darf und wenn es nicht meine Eltern wären, könnte ich drüber lächeln, aber mittlerweile ist mir/uns das Lächeln vergangen und der Bauch grummelt, wenn der Sonntag naht ;).

Danke für Euer Verständnis, liebe Grüße Tereza
marianne
marianne
Mitglied

Re: Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...
geschrieben von marianne
als Antwort auf tereza vom 01.07.2007, 16:57:36
Nur kurze Info-Frage: "Musst" du jeden Sonntag hin??

Mein Mann und ich sind 72 bzw.71. Die Abkömmlinge 43, 42 und 40, alle mit Familie. Die würden uns aber Stories erzählen, wenn wir sie ersuchen würden, allsonntäglich aufzukreuzen!!
Das ginge von ihrer eigenen Familie her, von ihren Berufen, von der räumlichen Entfernung...gar nicht.
Ich bin gespannt auf deine weiteren Schilderungen.
Herzlich,
--
marieke
karl
karl
Administrator

Re: Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...
geschrieben von karl
als Antwort auf marianne vom 01.07.2007, 20:32:52
Aus Erfahrung in meinem Umfeld ist mir dieses geschilderte Phänomen nicht unbekannt. Oftmals trägt die subjektiv wahrgenommene "Armut", die Angst irgendwann mittellos dazustehen bei alten Menschen pathologische Züge ohne Bezug zur Realität (womit ich keineswegs leugnen will und kann, dass Altersarmut existiert, aber darum geht es ja auch in dem angesprochenen Beispiel offensichtlich nicht). Ich mache mir darauf folgenden Reim: Die Kriegsgeneration hat nach dem Krieg bei Null angefangen und Sparen war lebensnotwendig. Dies ist teilweise so verinnerlicht worden, dass diese Verhaltensweise nicht mehr abgelegt werden kann. Die Ängste alles zu verlieren sind real, auch wenn sie unbegründet sind.

Mein Rat, möglichst sich vor dem Besuch ein Thema überlegen, das die Eltern auch interessiert und mit Geld auch im weiteren Sinne nichts zu tun hat. Das Gespräch gezielt umlenken, wenn über "Geld" geredet werden soll. Falls sich das Thema irgendwann doch nicht vermeiden lässt, beruhigend wirken und versuchen, Verarmungsängste zu nehmen.
--
karl

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schorsch
schorsch
Mitglied

Re: Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...
geschrieben von schorsch
als Antwort auf tereza vom 01.07.2007, 16:57:36
Frag doch deine Eltern mal: "Seid ihr denn nicht reich gesegnet damit, dass ihr zwei so gut geratene Kinder grossgezogen und auf das Leben optimal vorbereitet habt?"
--
schorsch
tereza
tereza
Mitglied

Re: Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...
geschrieben von tereza
als Antwort auf schorsch vom 01.07.2007, 21:35:18
Hallo in die Runde,

vielen lieben Dank für Eure Antworten und Euer Verständnis. Ich war mir nicht sicher, ob ich wohl den richtigen Weg einschlage, wenn ich mein Anliegen hier vorbringe, aber wenn jemand helfen kann dachte ich, dann vermutlich Menschen, die in einer ähnlichen

Unsere Eltern besuchen uns jeden Sonntag. Wir Töchter leben mit den jeweiligen Familien in "Reichweite". Wir versuchen das Thema Finanzen weiträumig zu umschiffen, werden aber bei jedem Treffen damit konfrontiert, da ist ausweichen so gut wie unmöglich.

Sparsam waren und sind meine Eltern, aber sie waren bis vor wenigen Jahren weder geizig noch haben sie über Gebühr Geschenke gemacht. Es war alles ganz normal. Doch seit ca. zwei Jahren ändert sich ihre Einstellung. Anstatt, wie wir es uns wünschten, den Ruhestand zu genießen, klagen sie und haben enormes Mitleid mit Menschen in schwieriger finanzieller Lage und zwar vollkommen gleichgültig, ob diese fahrlässig verursacht wurde.
Mit normalen Wortbeiträgen kommt man leider nicht weiter. Es heisst seit langer Zeit Originalzitat: "Ihr schöpft doch aus dem Vollen..." und das nicht mit freundlichem Unterton.
In der Tat habe ich heute meiner Schwester vorgeschlagen, die nächsten beiden Sonntage den Eltern abzusagen, quasi als erzieherische Maßnahme (was für uns absolutes Neuland bedeuten würde).

Im Moment schließen wir eine Art Depression nicht aus, wobei wir uns fragen, ob zwei Menschen, eine solche wohl zur gleichen Zeit bekommen?
Gehen wir davon aus, es ist keine Depression und wir können das Thema nicht stoppen, was könntet ihr euch vorstellen, was meinen Eltern helfen könnte, wieder eine positivere Lebenseinstellung zu finden.
Wir bedauern es, dass die beiden sich die Ruhestandsjahre nicht "hübscher" gestalten.
Wir bedauern es auch, dass wir die Geduld und vielleicht auch den Respekt verlieren, wenn die eigenen Eltern anscheinend Neidgefühle gegenüber den Kindern -die in ganz normalen Familiensituationen leben- haben.

Meine Eltern haben uns immer von den Kriegsjahren erzählt, aber sie gehörten eher zu Familien, die nie den Mut verloren haben und auch diesen Jahren noch Gutes abgewinnen konnten. Doch jetzt, wo es ihnen gut geht, da haben sie anscheinend kein Ziel mehr???
Oder keine Zeit??? Vielleicht ist es gar keine wirtschaftliche Angst, fällt mir gerade ein.


Ihr seid sehr freundlich und vielleicht kann ich ja meine Eltern demnächst besser verstehen oder sie von ihren trüben Gedanken ablenken, meine Schwester ist auch ganz interessiert, was ich hier in eurem Forum in Erfahrung bringen kann. Vielleicht sind meine Eltern aber auch von uns Töchtern, die immer Gewehr bei Fuss stehen, verwöhnt?
Kann man Eltern verwöhnen und falls ja, wie entwöhnt man sie?

Ganz liebe Grüße und schönen Restsonntagabend, Tereza


tereza
tereza
Mitglied

Re: Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...
geschrieben von tereza
als Antwort auf tereza vom 01.07.2007, 23:51:56
Liebe Marieke,

all unsere Bekannten und Freunde wundern sich, wie regelmäßig wir unsere Eltern sehen.
Meine Schwester arbeitet Vollzeit, ich bin seit einigen Jahren Hausfrau, politisch und sozial engagiert.



Lieber Schorsch,

klar, meine Eltern mussten sparen und sie haben uns dies auch beigebracht und wir haben wohl, das uns mögliche versucht.
Um Änsgte abzubauen, bräuchte es kompetente Unterstützung, die sie nie und nimmer annehmen würden.




Lieber Karl,

vielen Dank für deine Einschätzung, das liest sich unheimlich gut. :) ;).

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pilli
pilli
Mitglied

Re: Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...
geschrieben von pilli
als Antwort auf tereza vom 01.07.2007, 23:51:56
also tereza mal klartext erlaubt?

bald "50" wirst du; mehr als die hälfte deines lebens hast du gelebt, datt letzte drittel dauert auch nicht ewig und da schreibst du dir die finger wund, anstatt deine sonntage..und das seit jahren...anders zu gestalten als papa und mama am kaffeetisch zu begrüssen?

berichte doch mal, wie frau datt ertragen kann?

wann meinst du denn, dich endlich abnabeln zu können und dein eigenes leben zu gestalten? möchtest du den rest deines lebes wirklich den eltern widmen?

was interessiert denn überhaupt wen, watt die beiden nun meinen oder nicht meinen? genieße ab jetzt jedes wochenende und nicht nur "erziehungsweise", sondern so oft wie du lust dazu hast!

koppschüttel immer noch: wirklich jeden sonntag hocken die bei dir am kaffeetisch ???; ist ja unglaublich!

--
pilli
tereza
tereza
Mitglied

Re: Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...
geschrieben von tereza
als Antwort auf pilli vom 02.07.2007, 00:21:18
Hi pilli,

Klartext ist immer gut und ich seh das genau wie du.

Und ja, ich bin fast 50 und wunderte mich beim googlen, dass die Seniorenforen 50+ hießen *lacht*. Nun denn, ich hatte hin und wieder Bedenken, wegen der nahenden "5". Aber nun, endlich Zeit um die Eltern flügge zu machen.

Bisher hab ich das eigentlich ganz gut ausgehalten, aber guter Wille war immer mit dabei und auch immer ein schlechtes Gewissen, ob wir auch genug für die Eltern tun, da sollten wir wohl von weg kommen.


Tereza - die genau so was hören/lesen wollte *noch immer grinsend*
darklady
darklady
Mitglied

Re: Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...
geschrieben von darklady
als Antwort auf tereza vom 01.07.2007, 16:57:36
Mal vorrausgesetzt das geschilderte Prozedere stimmt, dann finde ich es erst mal cool, dass Ihr so tollen Kontakt zu Euren Eltern habt.
Von erzieherischen Maßnahmen,wie die Besuche auszusetzen,halte ich gar nichts, weil sie nichts am Problem ändern.
Auf der einen Seite ändert sich eben manchmal die Sichtweise von älteren Menschen, auf der anderen Seite sind sie aber auch nicht blöd.
Meiner Einschätzung nach geht es hier um was völlig anderes.
Ihr trefft euch zwar jede Woche, aber ich denke mal, dass irgendwann kreative Gesprächsthemen erschöpft sind.
Von dem was Ihr so die Woche durch erlebt, auf der Arbeit, mit Kollegen, am PC, bekommen die Eltern normalerweise nicht viel mit.
Wo sie aber auf jeden Fall mitreden können, ist das Thema Geld.
Und auf dieses Thema sprecht Ihr natürlich sofort an, wenn auch aus ganz anderen Gründen.
In diesem Fall bedeutet also das Thema Geld ungeteilte Aufmerksamkeit, sowie die Möglichkeit den Elternstatus zu festigen.
Denn Ihr verfallt ja sofort in die Kinderrolle, die von ihren Eltern gemaßregelt werden.
Daher mein Tip: Verlagert mal die Schauplätze.
Lasst mal diese Kaffeerunde sein und macht ein bischen Aktion.(im Rahmen der Möglichkeiten natürlich)
Geht mal zu einem Tanztee,oder ins Kino, oder Schwiegersohn geht mit Schwiegervater zum Angeln, während Mutter die Tochter beim Schaufensterbummel endlich mal für sich alleine hat.
Verändert Eure Rituale und Eure Eltern bekommen neue Gesprächsthemen.
Und wenn das Thema Geld wieder kommt, dann würde ich ganz offen fragen: Braucht Ihr Geld, dann helfen wir euch,ihr braucht euch keine Sorgen zu machen, wir sind für euch da.

Darklady

--
darklady
schorsch
schorsch
Mitglied

Re: Habt ihr vielleicht einen Rat für mich...
geschrieben von schorsch
als Antwort auf darklady vom 02.07.2007, 08:47:43
Guuuut!
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schorsch

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