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Plaudereien Junge, wie die Zeit vergeht

rosarot
rosarot
Mitglied

Re: So leben wir und nehmen immer Abschied. (Längerer Text)
geschrieben von rosarot
als Antwort auf Drachenmutter vom 04.10.2008, 13:28:45

mit interesse habe ich eure beiträge gelesen.
ich werde 68 j.
das erstemal hat mir in der u-bahn jemand platz gemacht, da war ich etwa 60 j.
für mich ist in dem momemt eine welt zusammengebrochen.
inzwischen hab ich mich dran gewöhnt.
es ist der lauf der zeit.
ich habe mich damit getröstet, dass ich ja als jüngerer mensch meinen platz auch älteren angeboten habe.
schlimm ist es natürlich, dass jemand sich ,aus welchen gründen auch immer, nicht von einem lieben menschen verabschiedet hat, ohne zu ahnen , dass er ihn das letzte mal lebend sah.
als ich im alter meiner tochter, jetzt ( 45 j.) war,
erzählte mir meine mutter häufig, wenn mir etwas zu langsam bei ihr erschien,
schimpf nicht rum, das wird dir später ebenso ergehn.
am wochenende war ich bei meinen kindern in hh.
meiner tochter ging auch vieles viiiel zu langsam.
alles ist wiederkehr.
der spruch " rentner haben nie zeit"
leuchtet mir jetzt ein.
wie sollten sie auch, ein tag ist im nu vorbei
und das vorgenommene pensum natürlich nicht
geschafft.

liebe grüße
--
rosarot
indra
indra
Mitglied

Re: So leben wir und nehmen immer Abschied. (Längerer Text)
geschrieben von indra
als Antwort auf luchs35 vom 04.10.2008, 12:57:16
Die (Über)Lebenden trauern, wenn eine liebgewordene Person ihren Lebenskreis verlässt. Sie haben etwas sehr Wertvolles verloren und die Trauer hilft, den Schmerz zu bewältigen.
Aber SIE, die Überlebenden, leben!!! Ihre Lebenszeit geht weiter.
Ich kann zwar die Aussage " "Immer Abschied nehmen" sollte ein bewusster Teil des Lebens sein", nachvollziehen, aber ich kann sie nicht für mich als verbindlich empfinden.
Denn wenn man lebt, sollte man es ohne den Gedanken an den Tod tun.
Wir wissen, dass unser Lebensweg irgendwann mal endet. Deswegen sollte man sein Leben frei von unnötigen Zwängen genießen. Es ist manchmal schon eh schwer genug.
Und wenn ein lieber Mensch uns verlassen hat, dann ist er uns nur ein Stück auf einem anderen Weg voraus gegangen.
Er weiß es dann nicht mehr, dass wir vor Trauer weinen, dass wir vieles bereuen.
Und wir trauern und bereuen ja auch unseretwegen...weil wir etwas unwiederbringlich verloren haben. Und unsere eigene Endlichkeit ist uns wieder bewusster.
Das Leben ist viel zu einzigartig !!! Leben wir also so lang uns das Leben gegeben ist. Wir sind auch mal dran...


--
indra
marianne
marianne
Mitglied

Re: So leben wir und nehmen immer Abschied. (Längerer Text)
geschrieben von marianne
als Antwort auf indra vom 04.10.2008, 20:02:15
Mit einer früheren Mitschwester war ich in seltener, aber intensiver Telefon-Verbindung. Sie ist (war?) Jahrgang 35.
Kürzlich wollte ich in dem "Betreuten Wohnen", wo sie lebt, anrufen. Eine andere Dame meldete sich und wusste nichts....danach rief ich die Telefon-Auskunft an. Nichts von Helga bekannt.
Ein dringliches Gefühl sagt mir: sie lebt nicht mehr.

Ein paar Tage danach habe ich alle Bekannten und Freundinnen, die erst einen lieben Menschen verloren- oder die selbst nicht mehr ganz fit sind....angerufen.
Das dauerte!
Aber: wie schon weiter oben zu lesen: wir wissen nicht, wann wir uns zuletzt sehen oder hören.

Ein ganz kitschiger Vers- aber er fällt mir ein jetzt:
"---Oh lieb, solang du lieben kannst.... die Stunde kommt, da du an Gräbern stehst und klagst..."


--
Marianne

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hisun
hisun
Mitglied

Re: So leben wir und nehmen immer Abschied. (Längerer Text)
geschrieben von hisun
als Antwort auf luchs35 vom 04.10.2008, 12:57:16
*Immer Abschied nehmen* sollte ein bewusster Teil des täglichen Lebens sein . Es kann schon in der nächsten Sekunde für immer sein. Die Zeit eilt dahin und nimmt in jeder Minute ein bisschen von unserem Leben mit.
geschrieben von luchsi35



@Luchsi: es ist so wahr! Ich kann Dir Deine Trauer nachfühlen.

Ich habe meinen Mann vor zwei Jahren verloren. Ich weiss, dass einer immer zuerst gehen muss. Aber, warum er? Er sagte, es sei besser so! Er war mein zweiter Mann, meine grosse Liebe. Es dauert, bis man wieder ins Leben zurückfindet.
Hisun

@Medea: Auch ich hatte das gleiche Glück wie Du, immer wieder Rat bei meinen Eltern holen zu dürfen. Es war einfach selbstverständlich, dass sie immer für mich da waren. Den Verlust habe ich fast nicht verkraftet. Vor allem aber auch, weil ich ihnen zu wenig gezeigt habe, wie wichtig sie mir waren.
Hisun

@Wölfin: als meine Tochter 20 Jahre alt wurde und sie sich immer mehr von mir zu lösen begann. war das nicht einfach für mich. Sie begann. mich beim Vornamen zu nennen. Man stelle sich das vor! Sie wollte Abstand gewinnen.
Ich verstand es erst, als ich aus einem Albtraum erwachte: "ich sah mich aus dem Haus kommen, auf die hinterste Ecke im Garten zugehen. Da hob ich eine Decke von einem "Gestell". Es war ein aufgebahrter Sarg, ich öffnete ihn, da lag meine Tochter. Ich deckte alles wieder zu und ging ins Haus zurück."
Da erwachte ich schweissgebadet.

Dieser Traum hat mir deutlich gemacht, dass ich loslassen muss. Ich arbeitete daran, die Mutter/Tochter-Beziehung in eine Freundschafts-Beziehung umzuwandeln. Also keine Vorwürfe, keine Belehrungen, keine was weiss ich Ratschläge mehr. Einfach für sie da sein, wenn sie mich brauchte. Es hat funktioniert. Wir sind bis heute die besten Freundinnen!

Und noch etwas: Liebe Wölfin, Du bist im besten Alter, geniesse es. Es gibt junge Alte und alte Junge..das war schon immer so. Und mit den kleinen Zipperlein kann man klarkommen. Wenn man keine Krankheit hat, dann hat man grosses Glück! Ich bin dankbar dafür!

Aber, du hast Recht! Die Zeit vergeht. Und was bringt die Zukunft? Vielleicht sollte man nur im Hier und Jetzt leben!
Hisun

--
hisun
Re: So leben wir und nehmen immer Abschied. (Längerer Text)
geschrieben von meli
als Antwort auf marianne vom 04.10.2008, 20:38:54
Ich habe, eigentlich mehr als Antwort auf die Diskussion um die Wolke 9 das Gedicht von Ferdinand Freiligrath in den Blog eingestellt.
O lieb, so lang Du lieben kannst....
Ich finde es ist eine Mahnung, nicht aufzuhören zu lieben und auch im Hinblick darauf, dass die Einschläge immer näher kommen.
Ich fühle mich jung, ich arbeite mit jungen Menschen, die meine Fähigkeiten schätzen und sich Rat holen, in einem Bereich, in dem Lebenserfahrung Kapital ist.
Das heißt aber nicht, dass ich meinen Körper mit den entsprechenden arthrotischen Veränderungen nicht spüren würde.
Doch das Leben jeden Morgen wieder zu begrüßen, aktiv zu sein und für jede Fertigkeit, die ich aufgeben muss, eine andere zu finden, die ich mir aneignen kann, ist für mich wichtig.
Nicht zuletzt ist mir mein alter Vater - im 93. Lebensjahr - der seine Selbständigkeit bis heute bewahrt, ein Beispiel.
Er weiß, dass es ganz schnell vorbei sein kann, doch gibt er mir immer mit auf den Weg: Lebe Dein Leben und verschwende keinen Gedanken ans Sterben, es kommt von allein.
--
meli

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