Plaudereien Lebenssinn

2.Rosmarie
2.Rosmarie
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Lebenssinn
geschrieben von 2.Rosmarie
Lebenssinn. Ist das für euch ein Begriff, über den ihr manchmal nachdenkt und der für euch eine Bedeutung in eurem Alltag hat?

Mögt ihr euch zu dem, was für euch Lebenssinn bedeutet, äußern?

Oder ist das Wort "Lebenssinn" etwas, was in eurem normalen Leben nicht von Belang ist? Vielleicht findet ihr es wichtiger und richtiger, das Leben aktiv anzupacken, etwas zu ändern, wo es möglich ist, das Schöne zu genießen und dort zuzugreifen, wo etwas ansteht? Vielleicht findet ihr es überflüssig, über Lebenssinn zu reflektieren?

Wenn ihr aber über euren persönlichen Lebenssinn, bzw. über eure verschiedenen persönlichen Lebenssinne, sprechen mögt, so würde ich mich nicht nur über die Mitteilung eurer "großen" Lebenssinne freuen (z.B. Familie, Enkelkinder, Pflege eines Behinderten, Ein-Forum-zur-Verfügung-Stellen...). Nein, besonders interessierten mich die weniger bedeutenden Dinge oder Verhaltensweisen, bei denen ihr ganz persönlich die Befriedigung erlebt, dass dies zutiefst sinnvoll in eurem Leben ist.

Für mich hat Lebenssinn immer (?) etwas mit Freude und Befriedigung zu tun. Ich selbst finde z.B. einen "kleinen" Lebenssinn darin, dass ich durch den Wald laufe und mir Bäume und Pflänzchen genau angucke und versuche, tiefere Zusammenhänge zu verstehen. Auch meinem Hund seine arteigenen Bedürfnisse zu erfüllen, gibt meinem Leben Sinn. Oder etwas teilen zu können, was ich kann, aber ein anderer nicht so gut fertigbringt, befriedigt mich sehr...

Wie seht ihr das, muss Lebenssinn unbedingt eine soziale Komponente haben?

Ich freue mich sehr auf eure Gedanken zu diesem Thema!
diogenes
diogenes
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Re: Lebenssinn
geschrieben von diogenes
als Antwort auf 2.Rosmarie vom 02.01.2013, 14:12:34
‚Wie seht ihr das, muss Lebenssinn unbedingt eine soziale Komponente haben?‘ (cit.)

Mit ‚unbedingt, eine rhetorische Frage – selbstverständlich nicht!

Ohne jedoch spielt die soziale Komponente dabei häufig eine wichtige Rolle. Freude und Befriedigung selbst stellen noch keinen Lebenssinn dar. Sieht mich unsere Katze die Futterdose öffnen, dann äußert sie etwas, was ich als Freude verstehe, hat sie gefressen, legt sie sich schnurrend neben den Schreibtisch, wohl eine Äußerung von Befriedigung.

Lebenssinn wird erst erlebbar, wenn man darüber nachdenkt. Dann kommen solche Dinge, wie Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche zu Bewußtsein und Vergleiche, inwieweit diese mit der vergangenen und gegenwärtigen Lebensituation übereinstimmen. Dabei sind auch soziale Aspekte wesentlich in der Form: welchen sozialen Status habe ich erreicht, welche sozialen Rückmeldungen erhalte ich vornehmlich, wie kommen ich an. Freilich spielen diese nicht bei allen Personen eine Rolle in gleicher Stärke, extravertierte orientieren sich stärker daran, als introvertierte. Kommen diese Vergleiche zu einer eher hohen Übereinstimmung, dann kann man dies auch als ein sinnvolles Leben interpretieren, auch dann stellt sich ein Wohlbefinden ein.

Auch die geschilderte Freude an Naturobjekten und Ereignissen ist nicht apriori gegeben. Nicht wenige Zeitgenossen können die schönsten Orchideen achtlos niedertrampeln. Sie stellt sich erst nach einem längeren Sozialisationprozess ein, bei dem Aufmerksamkeit und ästhetisches Vermögen ausgebildet wurde.

Schließen will ich jedoch nicht ohne warnenden Hinweis, das oben beschriebene Muster zu projezieren, was gar nicht so selten passiert: höchste Wachsamkeit ist geboten, wenn versucht wird, das Leben anderer in Bezug zu eigenen oder allgemeineren Kriterien als sinnvoll, häufiger fast, als sinnlos zu bewerten. Dies hatte nachweislich schon wiederholt fatale Folgen.

diogenes
olga64
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Re: Lebenssinn
geschrieben von olga64
als Antwort auf 2.Rosmarie vom 02.01.2013, 14:12:34
Diese Frage, ob das kurze Leben überhaupt Sinn macht, versuchen seit Jahrtausenden Philosophen in ihrem Fulltime-Job zu ergründen - wir Lebende werden es auch nicht schaffen, zumal nicht pauschal, da sicher jeder seinem Leben einen individuellen Sinn gibt, der dann oft noch durch das Schicksal durchkreuzt und wieder neu gefunden werden muss.
Ich sehe als grossen Sinn im Leben, dieses Leben anzunehmen und es gerne zu leben - auch wenn es manchmal schwer fällt. Eine soziale Komponente (im wahren Wortsinn) haben wir ja sicher alle, da ja keiner allein eine Insel ist und mit den anderen Individualisten auskommen muss.
Das Leben annehmen, wie es sich gerade darstellt - das war von jeher meine Interpretation von Sinn im Leben - alles andere hilft nicht und die Alternative, nicht mehr zu leben, ist ja auch nicht gerade erstrebenswert. Olga

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karl
karl
Administrator

Re: Lebenssinn
geschrieben von karl
als Antwort auf 2.Rosmarie vom 02.01.2013, 14:12:34
Lebenssinn. Ist das für euch ein Begriff, über den ihr manchmal nachdenkt und der für euch eine Bedeutung in eurem Alltag hat?
Ja, unbedingt. Ich denke oft darüber nach. Wir wurden nicht gefragt, ob wir Teil dieser Welt werden wollten, aber wir sind es nun mal. Ich für meine Person finde Befriedigung in dem Bewusstsein, dass wir alle, ob wir wollen oder nicht, Spuren hinterlassen, ob diese später nun erinnert werden oder nicht. Ich mache das, was mir Freude macht und wenn ich das Gefühl habe, dass dies nicht nur mir nützt, sondern auch anderen, dann freut mich das doppelt. Ich empfinde mich als Teil der Evolution. Ich weiß nicht, wohin die Reise geht, aber die Wegstrecke, die ich bewusst begleiten kann, versuche ich zu nutzen.

Karl
2.Rosmarie
2.Rosmarie
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Re: Lebenssinn
geschrieben von 2.Rosmarie
als Antwort auf diogenes vom 02.01.2013, 15:49:55
Danke, Diogenes, für deine klärenden allgemeinen Ausführungen zum Thema "Lebenssinn"!

Meine Frage nach der sozialen Komponente war übrigens nicht rethorisch gemeint. Mir fiel nämlich beim Nachdenken über meine eigenen verschiedenen Lebenssinne auf, dass die meisten etwas mit sozialen Interaktionen zu tun haben.
Beim weiteren Nachdenken stellte sich mir die Frage, ob mein Empfinden, dass etwas für mich zutiefst befriedigend und sinnvoll ist, wenn ich nicht nur für mich selbst, sondern auch für andere etwas tue, vielleicht einem allgemeinen Verständnis für das, was Lebensssinnn bedeutet, entspringt.

Deshalb ist es für mich ein großer Gewinn, wenn hier auch andere (so wie du, Olga!) sagen, was für sie Lebenssinn ist.
An deinen Ausführungen, Olga, gefällt mir besonders, dass du einen Lebenssinn für dich darin siehst, das Leben zu nehmen, wie es ist.

Wenn ich diese Einstellung für mich ausweiten darf, so heißt das für mich, dass auch für mich ein Lebenssinn darin besteht, nicht grundsätzlich unzufrieden zu sein und ständig an diesem und jenem, was mir für mich nicht als angemessen erscheint, herumzunörgeln. (Damit meine ich nicht, dass man nicht alles, was man ändern kann, auch zu ändern versuchen sollte.) Für mich ist Zufriedenheit also auch ein Lebenssinn.

Diogenes, du schreibst von deiner Katze. (Ein herrliches Beispiel!)Wenn ich dich richtig verstehe, willst du sagen, dass für die Katze lecker Fressen zu bekommen, zwar lustvoll ist, aber doch keinen Lebenssinn darstellt. Um Lebenssinn zu haben, müsse man auch die Fähigkeit haben, darüber nachzudenken.
Das sehe ich auch so.
Aber auch wenn ich z.B. große Freude darüber empfände, dass mich andere mögen oder dass ich Anerkennung im Beruf fände und mir bewusst würde, wie wichtig mir diese Anerkennungen sind, so ist doch damit noch nicht gesagt, dass ich darin Lebenssinn fände? Oder doch?

Übrigens spreche ich oben bewusst von Lebenssinnen, also von der Mehrzahl, da ich denke, dass für jeden Lebenssinn etwas anderes ist und im eigenen Leben in vielen Varianten vorkommt.
Von einem allgemeingültigen Lebenssinn möchte ich nicht sprechen. Denn erstens ist es mir wichtig, dass jeder selbst entscheidet, was für ihn wesentlich ist. Und zweitens erlebe ich es so, dass mir für andere unbedeutende Kleinigkeiten so wichtig und sinnvoll sind, dass ich sie in meinem Leben nicht missen möchte.

Diogenes: "Höchste Wachsamkeit ist geboten, wenn versucht wird, das Leben anderer in Bezug zu eigenen oder allgemeineren Kriterien als sinnvoll, häufiger fast, als sinnlos zu bewerten."

Genau dieser Punkt ist mir sehr, sehr wichtig. Ich fände nichts unerträglicher, als wenn jemand - basierend auf seinen persönlichen Lebensanschauungen und Wertungen - die Lebenssinne anderer im Sinne von richtig oder falsch bewerten möchte.

Vielleicht mag noch jemand von seinem persönlichen Lebenssinn erzählen?
2.Rosmarie
2.Rosmarie
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Re: Lebenssinn
geschrieben von 2.Rosmarie
als Antwort auf karl vom 02.01.2013, 16:21:36
Danke, Karl!

Ich mache das, was mir Freude macht und wenn ich das Gefühl habe, dass dies nicht nur mir nützt, sondern auch anderen, dann freut mich das doppelt. Ich empfinde mich als Teil der Evolution. Ich weiß nicht, wohin die Reise geht, aber die Wegstrecke, die ich bewusst begleiten kann, versuche ich zu nutzen.
geschrieben von karl


Diese Sichtweise spricht mich insofern besonders an, als es mir so geht, dass ich mich intuitiv als ein Teil des Großen und Ganzen empfinde. Eines Großen und Ganzen für dessen "Gelingen" oder positive Weiterentwicklung ich mitverantwortlich bin.

Da ich aber nicht wirklich erkennen kann, was dieser Entwicklung dienlich wäre, wurschtele ich mich halt, so gut es geht, durch und versuche, mich einigermaßen sinnvoll zu verhalten. Gelingt mir dies, empfinde ich Lebenssinn.

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olga64
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Re: Lebenssinn
geschrieben von olga64
als Antwort auf 2.Rosmarie vom 02.01.2013, 17:06:16
Um eigene Spuren zu hinterlassen, ist es aber sehr nötig, nicht in die Fussstapfen anderer zu treten - sonst gelingt das nicht. D.h., neue Pfade zu finden und zu begehen. Auch dann ist es ungewiss, ob jemand diese neuen Spuren sucht oder finden mag. Olga
2.Rosmarie
2.Rosmarie
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Re: Lebenssinn
geschrieben von 2.Rosmarie
als Antwort auf olga64 vom 02.01.2013, 17:08:26
Ja, siehst du das so? Müssen die Spuren, die wir hinterlassen, unbedingt neu oder wenigstens individuell sein?

Für mich ist einer meiner Lebenssinne, meiner Nichte und ihrer Familie Liebe, Verständnis und innere Unterstützung zu geben. Nehmen wir an, meine Nichte bekäme Ähnliches von vielen Seiten. So blieben die Spuren meiner Liebe doch sinnvoll?

Aber mein Gefühl sagt mir, dass du etwas anderes meinst, Olga?
olga64
olga64
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Re: Lebenssinn
geschrieben von olga64
als Antwort auf 2.Rosmarie vom 02.01.2013, 17:16:57
Ich wollte darauf aufmerksam machen in aller Symbolik: Spuren können nur dann entstehen, wenn sie nicht in alten Spuren gegangen wurden, also neu angelegt wurden. Alte Trapper-Weisheit!
Ich persönlich beschränke die Weitergabe meines Wissens nicht nur auf die Familie, sondern sehr gerne auf junge, fremde Menschen, die von zu Hause im Stich gelassen werden. Wir sind eine Gruppe von Senioren, die wir dies letztes Jahr begonnen haben und unsere Talente, die wir in langen Jahrzehnten der Berufstätigkeit erlangt haben, nun (kostenfrei) weitergeben - das sehe ich auch als Weg, evtl. Spuren neu anzulegen - aber nur, wenn es gewünscht ist. Wir selbst müssen uns hier nicht mehr beweisen oder darstellen - das ist das Schöne an der Sache. Olga
pschroed
pschroed
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Re: Lebenssinn
geschrieben von pschroed
Lebenssinn.

Wie schon im Thread geschrieben von (Karl), man wurde nicht gefragt am Leben teil zu nehmen.

Persönlich sehe ich darin so wenig wie möglich Scherben zu hinterlassen, auch von moralischer Natur, zwei Kinder zu hinterlassen welche für sich selbst aufkommen können, sowie sie gelernt wurden die Umwelt und die anderen Menschen zu respektieren.

Dieses Gelingen ist schon für mich von sehr großer Bedeutung und ein sehr grosser Teil von meinem persönlichen Sinn des Lebens.

Ich kann mir vorstellen dass die allgemeine Erwartungen bzw. der Sinn eines Lebens, sehr viel von der Erziehung eines Menschen (Basis)sowie der persönlichen Kreativität abhängt.

Hat ein heranwachsender das Gefühl einen endlosen Kampf führen zu müssen sowie für jede Anerkennung zu kämpfen, so wird der Sinn ein anderer sein, als wenn alles in geregelten Bahnen lief.

Phil.

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