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Plaudereien Schabowski's Zettel - aus meiner Sicht

gerry
gerry
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Schabowski's Zettel - aus meiner Sicht
geschrieben von gerry
Es ist nun wieder soweit. Übermorgen ist mal wieder der 9. Nov.
Viele Male haben wir die Mauer fallen sehen und werden es noch oft sehen.
Jedenfalls im TV.
Die Sendungen über "Schabowskis Zettel" machen es auch immer mal wieder deutlich.
Wieso gab es die DDR überhaupt? War es eine Laune des Diktators?
Und wieso hielt sie sich so lange?

Der Diktator war Ulbricht, später Honecker.
Mielke war Jäger und Fallensteller.
Frau Merkel hat, als die Mauer fiel, - aus der Sauna kommend - sofort ihre Mutti angerufen.
Kohl war der Architekt der deutschen Einheit.
Genscher hat - trotz Herzinfakt's - die Ossi's befreit, die in Prag gefangen waren und in die Büsche schissen.
Schabowski war verwirrt und hat in diesem Zustand die Mauer aufgemacht.

Wer das noch nicht weiß, muß mehr Fernsehen gucken.
Denn das sind Wahrheiten, die seit 1990 in den Zeitungen stehen und die die Sender senden.
Doch Vorsicht vor Schabowski, er könnte noch einen Zettel haben.

Dabei wäre das doch nicht nötig gewesen, damals 1989.
Denn wir hatten doch alles!
Unsere Bonsais waren die größten der Welt, ebenso unsere Mikro-Chips, die trotz geringer Leistung eine beachtliche Größe aufwiesen, vom Gewicht erst gar nicht zu reden.
In Bernburg bauten wir das erste zementfreie Staubwerk Europas!
Außerdem waren wir das Land mit der höchsten Planerfüllung.
Ebenso mit dem ältesten Politbüro.
Kein Volk auf der Welt war so stolz auf uns wie wir!

Unsere Autos waren schon bei der Bestellung genau so modern, wie bei der Auslieferung 18 Jahre später.
Und wieee modern waren unsere Autos.....
Unseren Ingenieuren war es gelungen, den veralteten Viertakt-Otto-Motor um zwei Takte zu reduzieren.
Nun trugen die "Trabis" und "Wartburgs" den Duft der DDR in die ganze Welt.
Fieberhaft wurde am 1-Takt- Motor gearbeitet obwohl es schon Viele gab, die völlig taktlos fuhren.

Seit langem hatten wir eine Weltanschauung obwohl wir uns die Welt nie angeschaut hatten.
Durften wir ja auch nicht, denn die Welt sollte zu uns kommen.
Unser Handel hatte alles, was wir nicht brauchten.
Unser Markt folgte eigenen Gesetzen, ein gebrauchtes Auto war teurer als ein neues.

Und gebildet waren wir schon immer:
Natürlich wußten wir, daß man After-Shave auch für's Gesicht nehmen kann.
In den letzten 20 Jahren hat man uns dummen Ossis erklärt, was den richtigen Deutschen ausmacht:
"Cleverness, Coolness, Competion sense, Power, Pep, Job, Know-how, take-it-easy-feeling! Keep smiling und for Sale"
Es lag nur an uns, es zu begreifen.
Warum mußten wir auch ausgerechnet Russisch lernen?

Die Altbundesbürger oder ihre "gewählten" Volksvertreter werden uns wiedermal erklären, - in unzähligen "Talk-Show's" - wie die "Friedliche Revolution" im November 1989 abgelaufen ist und welche Fehler wir gemacht haben.
Ganz sicher hätten sie es besser gemacht...
Oder auch nicht.
Der Deutsche ist satt!
Und wenn der Deutsche satt ist, dann wird er träge.
Der Deutsche braucht immer ein leichtes Hungergefühl, um kreativ zu werden.
Das merkte man am letzten Verkehrsminister, der ein leidenschaftlicher Schachspieler war.
Er schaffte es, mit ganz wenigen Zügen, eine Stadt - wie Berlin - fast lahmzulegen.

Nun klebt auch an unseren Händen Blut, weil wir partout versucht haben, auch mit Messer und Gabel zu essen.
Das konnte nicht gutgehen!

Bloß, wer redet da von "friedlicher Revolution 1989"?

In Leipzig vielleicht....Aber niemals in Berlin!

Von wegen...es war eher ein "Überfall, ein Blitzkrieg, ein Einmarsch."
Jedenfalls in Westberlin.
Ein ganzes, marxistisch geschultes Volk bricht bei Nacht und Nebel in ein fremdes Hoheitsgebiet ein, plündert die Bananenstände und Dönerbuden und zwingt die Bundesbank zur Herausgabe von Begrüßungsgeld in Milliardenhöhe!

Kein Westpolizist setzte seine Dienstmütze auf, kein Alliierten-Panzer stellte sich in den Weg, nicht mal die berittene Polizei eilte herbei um Westberlin zu retten.
Wo waren die Alliierten in jener Nacht, die sonst die Westberliner mit ihrer Militärmusik begeisterten?

Wie konnte es passieren, daß Millionen Kommunisten, Stalinisten und Maoisten mit ihren kleinen pappeversteiften aber hochmodernen Fahrzeugen in das verschlafene Westberlin einfallen konnten, ohne auf Gegenwehr zu stoßen?
Gut, man kann nicht die Schuld bei denen suchen, die nur mal gucken wollten wo die Apfelsinenplantagen und Ananasfelder stehen und Manfred Krug seine Anwaltskanzlei oder die "Praxis Bülowbogen" ihren Platz hat.

Als Günter Schabowski seinen verschlüsselten Befehl zum Sturm auf Westberlin gab, hatten fleißige Stasimitarbeiter in den westberliner Behörden längst die Maßnahmen für diese Invasion getroffen.
Und das wird nun jedes Jahr gefeiert?

Jedes Jahr die gleichen Wiederholungen, wie ein steter Tropfen aufs Gehirn.
Und wie das wirken kann, ist lange erprobt.
Das wußten schon Lenin und Stalin.

Aber Vorsicht, Schabowski hat den Zettel noch!
So lange bis er an einem der nächsten 9. November vor die Tür seiner Wilmersdorfer Villa tritt und verkündet:

"Die zuständige Abteilung Pass- und Meldewesen des Landesamtes für Bürgerordnungsangelegenheiten ist angewiesen worden, den Westberlinern Visa zur ständigen Ausreise nach Helgoland zu erteilen."
Und auf Nachfrage kommt dann - wie jedes Jahr - der berühmte Satz:
"Nach meiner Kenntnis gilt das ab sofort. Unverzüglich!"

Na Mahlzeit und gute Reise!
Und haut nicht alle ab, sooo groß ist Helgoland nu ooch wieder nicht.

Dann bis zum nächsten 9. November...

Einen schönen Tag
wünscht Gerry



liwo63
liwo63
Mitglied

Re: Schabowski's Zettel - aus meiner Sicht
geschrieben von liwo63
als Antwort auf gerry vom 07.11.2010, 09:48:13
Genossen....habe ich diesen Bericht.
So habe ich das alles noch nie gesehen...Frau Merkel war also nur die Vorhut?
Gut , daß Du mir die Augen geöffnet hast.
Ich danke Dir
LGLILO
gerry
gerry
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Re: Schabowski's Zettel - aus meiner Sicht
geschrieben von gerry
als Antwort auf liwo63 vom 07.11.2010, 11:39:21
Ob Frau Merkel damals schon Vorhut war, entzieht sich meiner Kenntnis, liebe Lilo.
Ich weiß auch nicht, ob sie damals schon Sauer war, also mit Prof. Sauer verheiratet.
Aber jetzt scheint "Kohl's Mädchen" allerhand Flurschaden anzurichten.
Sie wird aber - wie ich - übermorgen gerne an die Ereignisse vom 9. Nov. '89 zurückdenken.
mradefeld
mradefeld
Mitglied

Re: Schabowski's Zettel - aus meiner Sicht
geschrieben von mradefeld
Die kommst Du darauf, dass Frau Merkel allerhand Flurschaden anrichten wird? Oder ist sie einfach nur unbequem, weil sie NICHT das tut, was populistisch den (noch-)Oppositionspateien lieb wäre?
Sicher hast Du mit einigen Deiner Darstellungen übertrieben. Wir wissen das, nehmen es nicht weiter tragisch. Aber wissen das auch die, die heute noch ihrer ehemaligen BRD nachtrauern, so wie einige von hier der ehemaligen DDR? Manchmal kommt es mir so vor, als ob sich zu diesen Dingen besser und "grundsätzlicher", vor allem leichter, diskutieren lässt, je weniger man mit Einzelheiten, gar mit Faktenwissen, belastet ist.

karl
karl
Administrator

Re: Schabowski's Zettel - aus meiner Sicht
geschrieben von karl
als Antwort auf gerry vom 07.11.2010, 09:48:13
Viele Dank Gerry,

das war lesenswert und hat gute Laune gemacht. "unsere Mikrochips waren die größten" wird jetzt für mich ein Klassiker!

Karl

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