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Plaudereien Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr ...

niederrhein
niederrhein
Mitglied

non difficile est satiram scribere ....
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf heide vom 22.11.2008, 22:55:55
[...] Spiele, z.B. Monopoly [...]



Ich habe den leisen Verdacht, daß die/meine mehrfache Ironie nicht klar zum Ausdruck gekommen ist.


Mit dem Hinweis auf den laufenden Schwachsinn kritisiere bzw. veralbere ich mehrere Sachverhalte, u.a. meinen eigenen Beitrag (der eben als solcher insgesamt ironisch ist).



Zum eigentlichen Sachverhalt

Da bietet die Firma Karstadt in diesem Prospekt Spielzeug für Kinder an, das allein in seiner Art und seiner Qualität den Schwachsinn per se darstellt, wie dies ja u.a. auch in anderen Beiträgen hier auf den Ausgangsbeitrag zum Ausdruck kommt. (Frei: Wer kommt auf die Idee, diese billig-gemacklose, pädagogisch sinnlose Spielzeug seinem Kinde zu schenken?)



Dann der gesellschaftliche, gegenwärtige Kontext

Nachdem die - nicht nur westliche - Welt in einer (seit 1929/30) einmaligen Wirtschaftskrise steckt [so die Wirtschaftswissenschaftler], deren Ursachen u.a. in einer gigantischen sowohl privaten als auch letztlich öffentlichen Verschuldung liegen, in einer Wachstumsideologie verbunden mit einer Konsumideologie, die ebenso sinnlos wie gefährlich ist (Verschuldung, Raubbau an Ressourcen) ... und die einzige Antwort der Verantwortlichen ist nur, wir sollen weiter konsumieren, nicht sparen, Schulden machen ...

Nicht wenige Menschen spüren einen realen Lohnrückgang, die Zahl der Armen (auch oder vor allem der armen Kinder) nimmt laufend zu (SZ vom Freitag; Mittelstand schwindet, soziale Schere geht weiter auseinander, die Armen nehmen zu und - nicht verwunderlich - die Reichen werden bekanntlich reicher.) ... und die Menschen sollen weiter konsumieren, kaufen, kaufen, kaufen ...


Da stopft man einen solchen Prospekt zwischen die Zeitungsseiten, preist ausgerechnet jene Monopoly-Versionen an (genau studiert, um welche Versionen es sich handelt?), deren reales Abbild weltweit jetzt kritisiert wird; wo alle, auch oder vor allem von den Kirchen, die Gier der Kapitalisten angeprangern. In diesem Kontext wird ein solches Spiel angeboten. Oder das Spielchen Globalissimo ... siehe dazu mein ironischer Bildkommentar dazu.

Welche nur halbwegs vernünftigen und pädagogisch verantwortlichen Eltern mit Stil und Geschmack kommen auf die Idee, diesen weiteren unendlichen Schwachsinn (Einkaufspalast! Kristallschloß! [so im Prospekt] etc.) seinen Kindern, lies: seiner Tochter zu kaufen und zu schenken? Von der Puppe Barbie (umfangreiche Information in Wikipedia) hieß es, daß diese seinerzeit in den USA eine Vorbildfunktion für kleine Mädchen haben sollte ... Mode und Konsum sollten eingeübt werden. Und jetzt wird hier ein völlig idiotischer Einkaufspalast angeboten ...

Weiterhin ist ironisch-grotesk, daß Karstadt eben diese "Produkte" jetzt anbietet ... denn sicher wurden das Ganze bereits im Sommer geplant und geordert; also zu einem Zeitpunkt, an dem man noch nicht geahnt hat, was da in den kommenden Monaten auf die Gesellschaft zukommt.

Ob irgendwelche Kinder, Jugendliche oder Erwachsene Monopoly irgendwann oder jetzt (noch) spiel(t)en, ist mir gleichgültig.
Aber ob man jetzt ein Spiel - vor allem in dieser Version (Einzelheiten beachten!) - nun auf den Markt bringen muß (Achtung: Sarkasmus!) ... am besten für die Kinder von Leiharbeitern, die jetzt reihenweise entlassen werden ... die haben ja Zeit und können mit Kindern dann zuhause Monopoly spielen.


Mehr möchte ich zur Zeit nicht anmerken ...

Die olle Bertha
vom Niederrhein
pilli
pilli
Mitglied

Re: non difficile est satiram scribere ....
geschrieben von pilli
als Antwort auf niederrhein vom 23.11.2008, 02:34:55
Immer Aktuelles aus der Serie "Laufender Schwachsinn"



Schwachsinn dein zweiter name lautet: "Monopoly-Banking; zu spielen ab 8 Jahre"

entnommen einer spielbeschreibung:

es hat kein spielgeld mehr; sondern alle finanziellen transaktionen erfolgen mit kreditkarte ; dazu hat es einen kleinen computer, der sich die geldbestände der mitspieler merkt...

ahja, merken müssen sich die süssen kleinen nix mehr; wozu auch? leicht werden sie spielend erfahren, watt die kreditkarte für wunder wahr werden lässt...

natürlich hat nach dem nicht zu erwartenden banken-desaster der verlag Parker / Hasbro, der das spiel bereits 2005 entworfen und designt hat, jetzt die warenumsatz-arschkarte gezogen und möchte fix datt warenlager räumen und bietet dazu den händlern kräftige boni an? warum auch nicht; es hat doch die bildungsfernen, wenig nachdenkenden familien, die natüüürlich die allerliebsten kinderlein recht früh und spielend an den umgang mit einer kreditkarte gewöhnen möchten!

na dann!


--
pilli
baerliner
baerliner
Mitglied

Re: non difficile est satiram scribere ....
geschrieben von baerliner
als Antwort auf niederrhein vom 23.11.2008, 02:34:55
...

Ob irgendwelche Kinder, Jugendliche oder Erwachsene Monopoly irgendwann oder jetzt (noch) spiel(t)en, ist mir gleichgültig.


Wirklich, Bertha? Deiner Meinung nach lehrt dieses Spiel doch, wie man Kapitalist wird, der z.B. seinen Mietern horrende Mieten abverlangt, bis sie pleite sind. Oder habe ich Dich falsch verstanden?

Ich habe dieses Spiel in seiner Urfassung mit meinen Kindern gerne gespielt, denn es lehrt auch, dass man als "Kapitalanleger" Risiken eingeht, die man sich sehr genau durchrechnen muss. Denn wenn man kaum Geld hat, dann soll man halt nicht auf Kredit und gegen Verpfändung Grundstücke kaufen und Häuser bauen, sondern erstmal geduldig sparen (komme über Los und ziehe 4000 Mark "Lohn"/"Gehalt" ein). Offenbar haben die Amerikaner kaum dieses Spiel gespielt

Und noch etwas lehrt das Spiel: auch mit einem Grundstück/Haus in der noblen Schloßallee kann man pleite gehen, wenn unglücklicherweise keine Mieter kommen. Auch wenn bekanntlich die Lage eines Grundstücks das A%O für einen Anleger ist, manchmal fährt man mit einer mittleren Lage besser.

Die Betrachtungen über Besitzer von Bahnhöfen, Wasser- und Elektrizitätswerken überlasse ich andern.

--
baerliner

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hugo
hugo
Mitglied

Re: non difficile est satiram scribere ....
geschrieben von hugo
als Antwort auf baerliner vom 23.11.2008, 09:11:54
hallo baerliner,,,
läuft bei diesem Spiel nicht alles darauf hinaus das am Ende Einer Alles hat und alle Anderen nix ??

Oh jaaaa genau so ists ja gegenwärtig im richtigem Leben,,die Schere geht auseinander,,also warum sollte ein Spiel nicht das wahre Leben nachvollzehen oder vorwegsimulieren ??

dann regt sich später Keiner mehr auf,,,wer als Kind regelmäßig beim Monopoli verloren hat, wird auch eher begreifen das es normal ist arm dran zu sein,,,und das man eine Neiddebatte nicht führt das man eben hofft und hofft und hofft und sich mit den Gegebenheiten abfindet,,,

die Kinder sollten mal den Dreisatz* lernen, verinnerlichen und zu jeder Stunde und Minute parat haben, wenns mal um Zinsen, Rendite, Effektivität, Handyrechnungen usw. in Geldsachen geht

* für pingelige: Gesetze der korrespondierenden Addition und Subtraktion zu finden in Lehrbüchern, Lexika und sonstiger einschlägiger Literatur unter Verhältnisgleichungen oder Proportionen
--
hugo
niederrhein
niederrhein
Mitglied

non difficile est satiram scribere .... (Fortsetzung)
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf pilli vom 23.11.2008, 09:06:32
So isses


B. (Danke für den Beitrag)
pilli
pilli
Mitglied

Re: non difficile est satiram scribere ....
geschrieben von pilli
als Antwort auf hugo vom 23.11.2008, 09:33:59
interessant sind auch die spielfiguren zum Monopoly-Banking

dem u.a. link kann entnommen werden, wie der bank-karten-leser funktioniert, damit sichergestelt ist, auch achtjährige können spielend lernen, millionen zu transferieren...

--
pilli

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Drachenmutter
Drachenmutter
Mitglied

Re: Was Susilein nicht lernt, lernt Susanne ebenfalls nimmermehr ...
geschrieben von Drachenmutter
als Antwort auf uki vom 22.11.2008, 23:00:20
Ist es nicht viel wichtiger, dass Eltern mit ihren Kindern spielen. Nicht nur Spielzeug kaufen und schenken und darauf warten, dass Freunde mit den eigenen Kindern spielen.

Mit den Kindern spielen, ihnen Bücher vorlesen oder gemeinsam lesen. Wenn dann tatsächlich mal ein weniger pädagogisch wertvolles Spielzeug dabei ist, spielt das weniger eine Rolle.
uki
geschrieben von uki


Das Eine schließt das Andere nicht aus.

LG,

--
woelfin
Doppelnick2gesperrt
Doppelnick2gesperrt
Mitglied

Re: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr ...
geschrieben von Doppelnick2gesperrt
als Antwort auf niederrhein vom 22.11.2008, 08:54:36

Ach, ihr Weltverbesserer! Lasst doch Kinder - Kinder sein.
Die finden selbst heraus, was ihnen Spass macht oder was "doof" ist.
Die natürlichen Instinkte der Kinder soll man beachten.
So wird manches Kind etwas, was es unbedingt haben wollte, ganz alleine
aussortieren.

Verbote, "das ist nix für dich!" nützen da rein gar nichts.
Das ist meine Erfahrung.


jenniferj
uki
uki
Mitglied

Re: Was Susilein nicht lernt, lernt Susanne ebenfalls nimmermehr ...
geschrieben von uki
als Antwort auf Drachenmutter vom 23.11.2008, 11:11:03
Hallo, wölfin, ich hoffe, du fühltest dich nicht von mir kritisiert. An deinen Beitrag vom [22.11.08 22.39] setzte ich einfach meinen dran, ohne dich pers. zu meinen oder kritisieren zu wollen.

Mal so eine Idee, man sollte, da es doch oft passiert, irgend ein Zeichen haben, das man einfach bevor man zu schreiben beginnt, einfügt, wenn einfach nur fortgesetzt wird, ohne den Vorschreiber wirklich zu meinen. Vielleicht:
00000

und natürlich setzt der Kauf eines Spielzeugs das gemeinsame Spiel mit den Eltern nicht aus.
Allerdings ist es aber leider viel zu oft der Fall.
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Was z.B. das Spiel Globalissimo betrifft, war ich, bevor ich die Kurzfassung der Anweisungen auf der Rückseite gelesen hatte, gewillt, dieses Spiel zu kaufen. Danach kam es mir viel zu langweilig vor, womit ich mich aber auch täuschen kann. Jedenfalls entschied ich mich für ein anderes Spiel. Ich bin gespannt, ob es nach der ersten Spielprobe gut ankommt.Ich trau mich sogar zu schreiben, welches Spiel.
"Deutschland - - Finden Sie Minden?"
ab 10 J.
Was andere davon halten, darauf kommt es nicht an. Der Kritik meines Enkelkindes muss es standhalten können.
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Was ist mit "Mensch ärgere dich nicht"
Fördert dieses altbekannte Spiel nicht die Schadenfreude, wenn kurz vor dem Ziel der Gegenspieler weggekitscht wird?

Was ich damit sagen will ist nicht, dass ich dieser Meinung bin, sondern dass man in fast jedes Spiel auch die Förderung schlechter Eigenschaften des Menschen hineinlegen kann, wenn man will.

--
uki
b.b.
b.b.
Mitglied

Re: Was Susilein nicht lernt, lernt Susanne ebenfalls nimmermehr ...
geschrieben von b.b.
als Antwort auf uki vom 23.11.2008, 12:53:00
...

Was ist mit "Mensch ärgere dich nicht"
Fördert dieses altbekannte Spiel nicht die Schadenfreude, wenn kurz vor dem Ziel der Gegenspieler weggekitscht wird?

Was ich damit sagen will ist nicht, dass ich dieser Meinung bin, sondern dass man in fast jedes Spiel auch die Förderung schlechter Eigenschaften des Menschen hineinlegen kann, wenn man will.

--
uki
geschrieben von uki


Noch "schlimmer" ist Mallefizz. Oder das Schachspiel, das ja ein Kriegsspiel ist und wo es nur darum geht, sein Gegenüber mit allen Mittel matt zu setzen. Aber ist es nicht besser Schach statt Krieg zu spielen?

Und noch etwas: Die meisten Spiele zielen darauf ab, dass es einen Gewinner gibt. Ist das so verwerflich, wenn damit z.B. die Eigenschaft gefördert wird, durch Können/Wissen es im Leben weiter zu bringen als es denen erlaubt ist, die dies nicht schaffen? Natürlich muss mit fairen Mitteln gespielt werden und der Unterlegene nicht mit Füßen getreten werden.

--
b.b.

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