Religionen-Weltanschauungen Eine Woche Taizé

Sirona
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Eine Woche Taizé
geschrieben von Sirona

 

 


1940 ließ sich der Schweizer Roger Schutz, damals 25 J., im kleinen Dorf Taizé im französischen Burgund nieder. Der Sohn eines reformierten Pfarrers hatte in Lausanne Theologie studiert und wollte eine Gemeinschaft gründen, die das christliche Ideal der Versöhnung lebte. In seinem Haus fanden Flüchtlinge, vor allem Juden, Schutz vor der Gestapo, denn Taizé lag unweit der damaligen Demarkationslinie zum besetzten Frankreich. Nach Kriegsende kümmerte er sich um deutsche Kriegsgefangene. 
Immer mehr Brüder schlossen sich Frère Roger an. 1949 legten sie ein gemeinsames Gelübde zum klösterlichen Leben ab und gründeten damit die "Communauté" (Gemeinschaft) von Taizé. Bald kamen zu den evangelischen Brüdern Katholiken hinzu. Inzwischen gehören der ökumenischen Gemeinschaft 100 Brüder aus 25 Nationen an. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt selbst und verzichten auf Spenden und Gaben. Einige Brüder leben mit den Ärmsten in Asien, Afrika und Südamerika. Seit den 60er-Jahren kommen regelmäßig Jugendliche nach Taizé. Bis zu 60.000 Jugendliche aus allen Erdteilen sprechen in den Wochentreffen über Glaubens- und Sinnfragen, beten und feiern gemeinsam als Teilnehmer des Projekts "Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde". Seit 1974 versammeln sich Jugendliche zum Jahreswechsel jedes Mal in einer anderen Großstadt. 
Für seinen Einsatz für den Frieden erhielt der damals 88-jährige Frère Roger 1974 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1988 den UNESCO-Preis für Friedenserziehung und 1989 den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen. 
Während der Vesper am 16. August 2005, vier Tage vor dem 65-jährigen Jubiläum seiner Ankunft in Taizé, wurde Frère Roger in der Versöhnungskirche von einer psychisch kranken Frau mit einem Messer tödlich verletzt. Das Gebet wurde, um Panik zu verhindern, fortgesetzt. Roger starb kurze Zeit später an den Verletzungen. 

Ich habe vor Jahren den Nachruf von Frère Roger bei Phoenix gesehen und bin tief beeindruckt von diesem Menschen, den man wirklich als einen wahren Nachfolger Jesu bezeichnen kann. 
Ist es nun Zufall oder gewollt, dass durch den gewaltsamen Tod dieses großen Menschen gerade zum Zeitpunkt des Weltjugendtages die Aufmerksamkeit auf richtig gelebtes Christentum gelenkt wurde? Unbeabsichtigt stelle ich jetzt Vergleiche an und muss gestehen, dass mir die Art und Weise, wie Frère Roger seinen Glauben in die Tat umsetzte und auslebte, weitaus sympathischer und ansprechender ist, als dies die Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften im allgemeinen tun. Wenn ich an den letzten Ev. Kirchentag denke, an dem es möglich war bei einem dort angebotenen Workshop die weibliche Vulva zu malen, kann ich nur noch den Kopf schütteln. 
Ganz besonders aber hat mich berührt, dass der Besucher von Taizé nicht einer Konfession zugeordnet, sondern als Mensch angenommen wird. Das nenne ich umgesetzte Ökumene! 
Warum nur tun sich die Kirchen so schwer damit? Dass es ein harmonisches Miteinander auch in Glaubensfragen geben kann, hat uns Frère Roger gezeigt und auch bewiesen. 
Mögen doch auch die geistlichen Führer ALLER Religionsgemeinschaften sich am Wirken des Frère Roger ein Beispiel nehmen und sich nicht abgrenzen! Wie anders sähe es in der Welt aus, wie viele Menschenherzen könnten durch unverfälscht gelebtes Christentum erreicht werden! 
Ein weiteres beispielloses Merkmal dieser Gemeinschaft ist, dass auch Spenden und größere Erbschaften nicht angenommen, sondern an Bedürftige verteilt werden. Macht und Reichtum waren bei Frère Roger nicht bedeutend, sondern ausschließlich Liebe zum Nächsten. 
Durch das konsequente Umsetzen des Evangeliums in den Alltag hat Frère Roger ein Zeichen gesetzt wie die wahre Kirche sein sollte. Ich kann nur hoffen, dass Taizé Zukunft hat und immer mehr Menschen, und insbesondere auch viele Jugendliche, diesen Ort der Besinnung aufsuchen werden. 

Eine Woche in Taizé würde insbesondere unserer Jugend gut tun! 
 

RE: Eine Woche Taizé
geschrieben von dicker68
als Antwort auf Sirona vom 17.12.2019, 11:00:51

Ist schon etwas her, da hab ich mal einen jungen Mann getroffen der dort war.

Seine Meinung:
                Völkerverständigung funktioniert, zumindest in Taize. Warum nur dort..?

 

SamuelVimes
SamuelVimes
Mitglied

RE: Eine Woche Taizé
geschrieben von SamuelVimes
als Antwort auf Sirona vom 17.12.2019, 11:00:51

Ja, da hat der Sam wohl eine Bildungslücke und
musste "Taizé" erstmal googeln 😳

LG
Sam

Nick42
Nick42
Mitglied

RE: Eine Woche Taizé
geschrieben von Nick42
als Antwort auf dicker68 vom 17.12.2019, 14:46:47

                Völkerverständigung funktioniert, zumindest in Taize. Warum nur dort..?

 
Völkerverständigung und Frieden funktioniert überall, über alle Religionen, Konfessionen und Kontinente hinweg, wo Menschen nicht nur davon reden, sondern es  persönlich  leben.
Sirona
Sirona
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RE: Eine Woche Taizé
geschrieben von Sirona
als Antwort auf Nick42 vom 17.12.2019, 16:29:44
In Taize wird das lebendig was sich Jesus vorgestellt hat. Alle Nationen vereint in Frieden und Freiheit, ohne Dogmen oder Bevormundungen. Dass insbesondere die Jugend diesen spirtuellen Ort in Scharen aufsucht zeigt doch dass sie auf der Suche ist und möglicherweise in den Kirchen nicht das findet wonach sie sich sehnt. 
Auf jeden Fall werde ich das Video meinen Enkelkindern zuschicken und kann nur hoffen dass sie sich eines Tages entschließen werden auch einmal eine Woche dort zu verbringen. Gerade in der heutigen unruhigen Zeit, in der die Kinder unter Stress wie nie zuvor stehen, könnte eine Atempause unglaublich wohl tun.

Hier ist ein Bericht von einer Atheistin, die skeptisch nach Taize gefahren und sichtlich beeindruckt wieder nach Hause gefahren ist.

 

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