Religionen-Weltanschauungen Fronleichnam

Sirona
Sirona
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Fronleichnam
geschrieben von Sirona
fronleichnam.jpg
Gestern sah ich eine Reportage im TV, es wurden Passanten gefragt ob sie wissen was Fronleichnam bedeutet. Während in den früheren Jahren die Menschen sofort eine Antwort geben konnten, wussten die meisten Befragten gar nicht mehr was dieses Fest bedeutet. Was hat dazu geführt dass Menschen einer christlichen Kultur sich derart von ihrer Religion entfernt haben?
 
Geschichte:
Das Fest der leiblichen Gegenwart Christi in der Eucharistie wurde erstmals 1246 im Bistum Lüttich in der Basilika St. Martin gefeiert und 1264 von Papst Urban IV. durch die Bulle Transiturus de hoc mundo  zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Auslöser dieser Entscheidung war das Blutwunder von Bolsena, das von ihm im Jahre 1263 als echtes Wunder anerkannt worden war. Unter anderem schrieb Urban IV.:

„Wir haben es daher, um den wahren Glauben zu stärken und zu erhöhen, für recht und billig gehalten, zu verordnen, dass außer dem täglichen Andenken, das die Kirche diesem heiligen Sakrament bezeigt, alle Jahre auf einen gewissen Tag noch ein besonderes Fest, nämlich auf den fünften Wochentag nach der Pfingstoktav, gefeiert werde, an welchem Tag das fromme Volk sich beeifern wird, in großer Menge in unsere Kirchen zu eilen, wo von den Geistlichen und Laien voll heiliger Freude Lobgesänge erschallen.“
Mehr unter: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam

Ich bin keine Katholikin und finde in diesem Fest keinen besonderen Sinn, achte aber Menschen denen Fronleichnam heilig ist. 
Die Beurteilung über Sinn und Zweck dieses Festes bzw. ob dieses der Lehre Jesu entspricht bleibt jedem selbst überlassen.
 
Allegra
Allegra
Mitglied

RE: Fronleichnam
geschrieben von Allegra
als Antwort auf Sirona vom 31.05.2018, 09:08:08
 ...
Was hat dazu geführt dass Menschen einer christlichen Kultur sich derart von ihrer Religion entfernt haben?
...
 geschrieben von Sirona
Fronleichnam ist ein sehr katholisches Fest, vielerorts mit großem Pomp begangen, dessen Sinn sich mir als "Anhänger einer chritlichen Kultur" überhaupt nicht erschließt, so wie den meisten Protestanten etc. - auch jetzt, nachdem ich die Erklärung dazu wieder einmal gelesen habe

Allegra
 
schorsch
schorsch
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RE: Fronleichnam
geschrieben von schorsch

Als meine Frau und ich heute Morgen auf einem kühlen Spaziergang waren, trafen wir auf junge Nachbarn, die auch gerade im Begriffe waren, zu starten. Der Mann fragte mich: "Bist du nicht an der Fronleichnam-Prozession?" Ich antwortete: "Warum sollte ich denn? Bin ja selber bald schon so ein froher Leichnam!"


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Malinda
Malinda
Mitglied

RE: Fronleichnam
geschrieben von Malinda
als Antwort auf schorsch vom 31.05.2018, 11:14:54

Bei Wiki steht alles, was ich schreiben wollte. Es geht um die Kommunion und ihre hohe Bedeutung für die Katholiken. In meinen Augen ist es ein öffentliches Glaubensbekenntis.
Für uns Protestanten war es immer ein von allen Zwänen freier Feiertag.
Ich schrieb schon an anderer Stelle, dass ich zum Tag heute einen schönen Satz las: 
" Fronleichnam zielt nicht auf Mission und Bekenntnis, aber es bittet um Achtung und Verständnis."

Sirona, ähnlich hast Du es ja auch formuliert.

Schorsch -  Danke für das Lachen. You made my day!! Smiley

Gruß Malinda

sittingbull
sittingbull
Mitglied

RE: Fronleichnam
geschrieben von sittingbull
als Antwort auf schorsch vom 31.05.2018, 11:14:54

 Bin ja selber bald schon so ein froher Leichnam (schorsch)

tatsächlich hat es mich 20 jahre meines Lebens gekostet , zu kapieren , dass Fronleichnam nicht "frohen Leichnam" meint . Heute ... theologisch gefestigt ... weiss ich es besser .
trotzdem liegt mir der "frohe Leichnam" näher ... besonders wenn er seine , für ihn nunmehr unnützen
Organe , der Transplantationsmedizin zur Verfühgung stellt und fröhlich Leben spendet.

auch die Anatomischen Institute der medizinischen Fakultäten haben Bedarf ...

Froh zu sein , bedarf es wenig !


sitting bull


 
Sirona
Sirona
Mitglied

RE: Fronleichnam
geschrieben von Sirona
als Antwort auf sittingbull vom 31.05.2018, 12:29:28
Die ursprüngliche Mahlfeier (Passah) wurde ganz im Sinne der jüdischen Tradition gehalten, in der jeder Bezug auf den Tod Jesu fehlt und von sakramentaler Kommunion keine Rede ist. Später war den Christen eine solche Feier ohne Bezug auf den Tod Jesu und ohne die Vorstellung, eine göttliche sakramentale Speise zu sein, nicht mehr genug. Aus dem Erinnerungsmahl der Gemeinde wurde ein priesterliches Opferritual.
 
Jesus war gläubiger Jude und kannte das im mosaischen Gesetz niedergeschriebene Blutverbot das besagt, dass weder Tier- noch Menschenblut zu sich genommen werden darf. Es ist doch nicht anzunehmen, dass Jesus gerade bei dem letzten Mahl mit seinen Jüngern ein für Juden wichtiges Gebot außer Kraft setzt und sogar seine Jünger ermuntert dasselbe immer wieder zu tun, nämlich sein Fleisch und Blut zu essen und zu trinken. 
 
Jetzt könnte jemand einwenden, das sei aber im übertragenen Sinne gemeint, doch ist hierbei zu bedenken, dass während der kath. Messe Wein und Brot in das buchstäbliche Fleisch und Blut Jesu umgewandelt wird (Heilige Wandlung - Transsubstantion). Demnach „essen und trinken“ die Gläubigen das Fleisch und Blut Jesu in Form einer Hostie (Wein wird schon nicht mehr dargeboten, trinkt der Priester stellvertretend für die Gemeinde), was man als "religiösen Kannibalismus" deuten könnte. 
 
Jesus sprach oft in Gleichnissen und so sollten auch diese seine Worte aufgefasst werden. Die Jünger sollten sich bei den folgenden Passahfesten an das letzte gemeinsame Mahl mit ihm erinnern. Jesus als Jude hat mit diesen Worten an keine Christenheit gedacht (die es noch gar nicht gab), sondern lediglich seine jüdischen Brüder angesprochen. Wein und Brot sollten lediglich an seinen Tod erinnern. Außerdem hat Jesus mit dem „Neuen Bund“ das bisher nur für Juden gültige Passah nicht abgeschafft, sondern es lag in seiner Absicht in diesen „Neuen Bund“ Nichtjuden bzw. alle Nationen aufzunehmen.


 
 
 

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Munro
Munro
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RE: Fronleichnam
geschrieben von Munro
als Antwort auf Sirona vom 31.05.2018, 16:25:07

Ich habe aus meiner Kindheit schöne Erinnerungen an feierliche Prozessionen.
Da war ein schönes festliches Gemeinschaftsgefühl im ganzen Dorf.

Heute ist es ja "cool", möglichst nichts darüber zu wissen und dieses Fest möglichst lächerlich zu machen.

Von solchen prmitiven Witzen über etwas, was anderen Menschen wichtig ist, halte ich gar nix.

Munro
Munro
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RE: Fronleichnam
geschrieben von Munro
als Antwort auf Malinda vom 31.05.2018, 11:27:01


Ich schrieb schon an anderer Stelle, dass ich zum Tag heute einen schönen Satz las: 
" Fronleichnam zielt nicht auf Mission und Bekenntnis, aber es bittet um Achtung und Verständnis."


Diesen Worten schließe ich mich gerne an. 
 
schorsch
schorsch
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RE: Fronleichnam
geschrieben von schorsch
als Antwort auf Sirona vom 31.05.2018, 16:25:07
Guuuut geschrieben!!!

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