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Soziales Die Etablierung von Wertschätzung

mane
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Die Etablierung von Wertschätzung
geschrieben von mane
Hallo, Ihr Lieben,

Professor Riyadh M. el Arif wurde in Bagdad geboren und wuchs in Deutschland auf. Er war als Krisenmanager in der ganzen Welt unterwegs und wird als "Magier der Kommunikation" bezeichnet.



In diesem, nur knapp 7 Minuten langen Video, empfliehlt er, zu versuchen, als erste Wahrnehmung auf etwas Positives beim Gegenüber zu schauen und nicht auf die ungeputzten Schuhe, das strähnige Haar usw. zu blicken
Mich spricht das Video an. Was haltet Ihr davon?
Gruß Mane
barbarakary
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Re: Die Etablierung von Wertschätzung
geschrieben von barbarakary als Antwort auf mane vom 05.11.2016 10:39:56
Danke, liebe Mane, auch mich spricht es an! Erinnert mich an die Aussage meines Mannes 'geht so', mit der er ein großes Lob aussprach!

Mir fällt es schwer, erst einmal etwas Positives wahrzunehmen z.B. bei jungen Müttern, die mit Piercings wo auch immer in unsere Bibliothek kommen oder mit Tätowierungen - bin etwas allergisch gegen solche Anblicke. Kann mich aber daran gewöhnen, so finde ich einen Mann, der über und über tätowiert ist, inzwischen sehr sympathisch - es passt zu ihm und seinem Umfeld.

Also ganz gelassen andere Menschen wahrnehmen...

LG barbarakary
Elmos
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Re: Die Etablierung von Wertschätzung
geschrieben von Elmos
Danke für diesen Beitrag!

Einmal, weil ich diesen Typen süss finde, und was er sagt zumindest bedenkenswert. Und dann hast du eines der Rätsel meines Lebens gelöst. Denn vor nicht allzulanger Zeit sprach mich morgens eine meiner Mitfahrerinnen im Zug an um mir zu sagen wie gut mir mein (keine Ahnung mehr was es genau war) T-Shirt, Sweatshirt, Hoodie, was auch immer stünde. Das hat mich sehr erstaunt, denn wir kennen uns zwar ein bisschen, aber eigentlich keineswegs so, dass wir uns gegenseitig Komplimente machen würden...

Und ich hab mich, bis grade, immer gefragt was die Frau da geritten hatte...

liebe Grüße
Andrea
Edita
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Re: Die Etablierung von Wertschätzung
geschrieben von Edita als Antwort auf mane vom 05.11.2016 10:39:56
Mane - ich weiß schon lange um dieses kleine Geheimnis - es wurde mir mal an einer Bushaltestelle "beigebracht", an der ich mit Mausi wartete und sie nervte und nervte und nervte und ich wollte sie schon für mich so im Geheimen erschlagen oder zerstückeln ......irgendwie muß man mir das angesehen haben daß meine Gedanken äußerst "belastend" für mich waren, jedenfalls tauchte für mich wie aus dem Nichts ein Mensch auf und sagte " ich bewundere sie aus vollem Herzen, sie machen das mit der jungen Frau ganz großartig, ist das ihre Tochter ", ich war sowas von perplex, ich kann Dir heute nicht mehr sagen, ob das Mann oder Frau war, aber es hat mir in dem Moment soooooo gutgetan, manchmal, wenn mir mal wieder so ist, erinnere ich mich daran, und dann geht es wieder!
Als Dankeschön an diesen unbekannten Menschen habe ich mir auch angewöhnt, auch mir unbekannten Menschen und ganz besonders solchen die mir ein wenig traurig oder besorgt erscheinen, auch Komplimente zu machen oder auf was Schönes hinzuweisen, manchmal meine ich zu spüren, daß es ihnen nun besser geht!

Edita
Morrison
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Re: Die Etablierung von Wertschätzung
geschrieben von Morrison als Antwort auf mane vom 05.11.2016 10:39:56
Hallo mane,
danke für das Video! Das hat mir bestätigt, dass ich ein positiver Mensch bin. Sofort fiel mir ein Beispiel ein: Ich kenne einen jungen Mann, der sehr sehr nett ist und total auf seine Tätowierungen steht. Ich persönlich mag solche Volltätowierungen nicht. Ich sehe und spreche ihn recht oft und denke dabei jedesmal: Er hat wunderschöne blaue Augen, tolle Haare, eine super Figur - und man kann sich prima mit ihm unterhalten!

Mit Komplimenten halte ich mich wegen nicht besonders guten Erfahrungen zurück.

Schon immer habe ich Menschen, ob weiblich oder männlich, ehrlich gemeinte Komplimente gemacht. Aber da bekam ich zu 99% negative "Rückmeldung" - die Leute verstehen das nicht, sie reagieren perplex oder abweisend oder gar nicht!
Frauen mögen von Frauen keine Komplimente haben!? Nur von Männern!? So übertriebene Sachen habe ich gar nicht gesagt, nur z.B. "das Grün steht dir/Ihnen aber sehr gut.... das Kleid steht Ihnen ganz toll ... "

Das komischste Ergebnis aus solchen Komplimenten erlebte ich mal bei einer Arbeitskollegin. Wir arbeiteten gut zusammen in einem Raum und verstanden uns prächtig. Ich sagte ihr mal, dass ihr dieses Sommerkleid ganz toll steht. Ich merkte erst beim ca. dritten Kompliment, dass sie die Klamotten, die ich an ihr besonders schön fand, nie mehr angezogen hat.

Ich glaube nicht, dass ich die Komplimente in falsche Worte gefasst habe oder übertrieben, oder untertrieben ... Normalerweise werde ich als ehrlich, offen und herzlich bezeichnet (von meinen Verwandten, von Freunden und Kollegen). Also müsste ja war dran sein.

Ich hätte auch gerne Komplimente gehabt! Schon immer!
Aber ich hörte mehrfach (von Männern), dass ich doch selbstverständlich und ganz sicher täglich jede Menge Komplimente erhielte, da müssten sie mir ja nicht noch welche machen. Auf diese Weise steht man dann da, so ganz ohne Komplimente.

Ich habe mir angewöhnt, mir die Komplimente zu denken und möglichst nichts mehr zu sagen. Wenn die Leute sie nicht wollen - selbst schuld! Ich habe mich schon immer gefragt, warum die Menschen einerseits Komplimente wollen, sie andererseits aber nicht annehmen können!
Morrison
mane
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Re: Die Etablierung von Wertschätzung
geschrieben von mane
Ihr lieben alle,

Barbarakary, "Geht so", klingt fast so, wie: "Nicht geschimpft, ist genug gelobt."
Ja, es ist nicht so einfach, bei einem Menschen, der so gar nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, zuerst das Positive zu sehen. Manchmal gelingt es erst später, so wie bei dir mit dem Mann mit den vielen Tätowierungen.

Elmos, so sehe ich das auch: der ältere Herr "hat was". Super, dass seine Worte dir auf die Sprünge geholfen haben - und das nach mehreren Jahren.
Mit Komplimenten habe ich es auch nicht so, jedenfalls nicht, wenn es um Äußerlichkeiten geht. Dann schon eher, wenn ich merke, da hat sich jemand Mühe gegeben - wie mit einem leckeren Essen, den Tisch besonders hübsch gedeckt usw. Da gebe ich und empfange auch gerne eine Anerkennung.

Edita, ich halte viele Komplimente eher für Nettigkeiten, die gut tun, wenn es jemandem schlecht geht. In deinem und Mausis Fall kamen die Worte aus dem Herzen und das war so schön, dass du immer noch davon zehren kannst.
Du weißt, dass wir auch so ein besonders Mädchen in unserer Familie haben und es tut den Eltern gut, wenn die Umgebung nicht genervt (was leider häufig der Fall ist) reagiert, sondern wertschätzend.

Liebe Grüße,
Mane
mane
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Re: Die Etablierung von Wertschätzung
geschrieben von mane als Antwort auf Morrison vom 05.11.2016 15:04:25
Liebe Morrison,

deine Einstellung trifft es genau. Mit etwas Toleranz den Eigenheiten anderer Menschen gegenüber, mit dem Blick auf das Positive/Besondere, das jeder hat - lebt es sich für alle besser. Man muss es nicht aussprechen, die Haltung macht`s.

Marshall B. Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, hatte ein ganz besonderes Verhältnis zu Komplimenten und zum Loben. Das Lob hat für ihn oft eine heimliche Botschaft und ein beabsichtigtes Ziel in der Aussage. Wie oft loben wir ein Kind, weil wir sein Verhalten als gut einschätzen und es wieder haben wollen. Der Lobende misst und beurteilt gemäß seinen Kriterien, ob das Gegenüber sich "richtig" oder "falsch" verhalten hat, inwiefern man "gut" oder "schlecht" ist und drückt damit aus, als sei es objektiv wahr.
Das Kind, das für eine 1 gelobt wird, hat den Erwartungen der Eltern entsprochen, sein Handeln entspricht vielleicht nicht seinen eigenen Bedürfnissen.
Gruß Mane
Gerdd
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Re: Die Etablierung von Wertschätzung
geschrieben von Gerdd
Mane,

ich denke auch, die erste Wahrnehmung auf was Positives lenken, ist ein guter Weg.
Seit Anfang dieses Deines threads hab ich nachgedacht darüber... weil mich auch das Filmchen weiter beschäftigte.

Ich denke, ein solches Verhalten, wenn man es „pflegt“ verändert einem selbst mit der Zeit – nicht nur den Mitmenschen. Man muß garnicht mehr nachdenken, was das Positive ist, im Gegenteil man blendet das Negative automatisch aus bzw. es drängt sich nicht mehr so sehr in den Vordergrund.

Ich frage mich trotzdem, wie kann eine solche Verhaltensänderung (allmählich natürlich) vonstatten gehen, wenn man, wie man manchmal liest, doch hauptsächlich nur das wahrnimmt, was von seinem Inneren gesteuert wird?

hzl Gerdd
mane
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Re: Die Etablierung von Wertschätzung
geschrieben von mane als Antwort auf Gerdd vom 07.11.2016 05:25:48
Lieber Gerdd,

ich freue mich, dich wieder einmal zu lesen.
Deinen Worten kann ich nur zustimmen.

Zu dem letzen Abschnitt, meine ich, dass wir unterschiedlich bereit sein werden, als erste Wahrnehmung etwas Positives zu sehen. Es wir auch von der Situation abhängen und unseren Vorerfahrungen mit dem Gegenüber.

Professor Riyadh M. el Arif ist da sehr optimistisch, dass man es erlernen/sich angewöhnen kann. Und, man solle damit sofort beginnen. Er verweist in seinem Vortrag auch auf ein Dokument aus dem jüdischen Talmud, das mit den Worten: "Achte auf deine Gedanken", beginnt.

Es stellt sich die Frage, wie lange so eine erste negative Wahrnehmung einen Einfluss auf die Begegnung hat? Das ist sicher von Dauer und wenn wir dem Menschen nach einiger Zeit wieder begegnen oder jemand nur seinen Namen nennt, wird dieser Gedanke wieder in uns auftauchen. Es hält länger als wir glauben.
Gruß Mane
youngster
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Re: Die Etablierung von Wertschätzung
geschrieben von youngster als Antwort auf mane vom 07.11.2016 15:01:33
Aber auf die von ihm empfohlene Seite kommt man nicht. Da kommt ein Ladefehler. Vermute mal, dass es diese Seite gar nicht mehr gibt.

Oder mache ich was falsch?