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Soziales Einsatz von Hartz IV-Empfängern als Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen

Cathalina
Cathalina
Mitglied

Re: Einsatz von Hartz IV-Empfängern als Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen
geschrieben von Cathalina
als Antwort auf old_go vom 09.09.2010, 09:04:14
Hallo Gudrun,

ich habe mich nicht geärgert, ansonsten hätte mein Posting anders ausgesehen

Solche Menschen wie Olga habe ich genügend kennengelernt. Wenn sie dann Bettlägerig geworden sind und von niemanden Besuch bekamen, dann haben sie gejammert "ach hätte ich doch....", "warum war ich nur so egoistisch und habe auf Kinder verzichtet", "wie schön wäre es jetzt wenn man Kinder hätte die einen Besuchen würden" usw. usf. Über diese Art der Jammerei könnte ich ein ganzes Buch schreiben.

Wenn ich anfangen würde aus dem Nähkästchen zu plaudern, dann würde hier wohl so manchem und vor allem der Dame Olga, der kalte Kaffee hochkommen und sie könnten eine ganze Weile nichts mehr essen. Also lass ich das lieber. In Altenheimen treffen eben die verschiedensten Menschen zusammen, genau wie hier im Forum, nur kann man im Altenheim diesen Menschen nicht so einfach aus dem Weg gehen wie hier. Zum Beispiel die Alkoholiker, die andere Heimbewohner und das Personal angreifen, wenn nicht pünktlich auf die Minute das Bier oder der Wein auf dem Tisch steht. Ich lass es lieber bleiben..... Jedenfalls kann nicht jeder diesen Beruf ausüben. Wenn sich jemand freiwillig meldet ist das Ok, aber nicht auf Zwangsmaßnahmen. Und bei den Freiwilligen muss man auch noch sortieren, ob die sich nicht gemeldet haben um nur wieder endlich Arbeit zu haben und dann nur mit halben Herzen dabei sind. Die gehen nämlich zu erst vor die Hunde.

Cath
clara
clara
Mitglied

Re: Einsatz von Hartz IV-Empfängern als Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen
geschrieben von clara
als Antwort auf Cathalina vom 09.09.2010, 14:31:44
Cath, so ganz verallgemeinern kann man dies aber auch nicht. Ich war u.a. aus beruflichen Gründen öfter in Altersheimen (heute beschönigend Seniorenheim oder gar - residenz genannt) und habe die verschiedensten Konstellationen kennen gelernt. Nicht selten gab es dort alte Menschen, die mehrere Kinder groß gezogen haben, von denen sich nicht ein einziges irgendwann blicken ließ, manche noch nicht mal am Geburtstag des Elternteils!
Es gab dagegen Fälle, wo verwandtschaftlich Alleinstehende doch öfter Besuch bekamen, z. B. von ehemaligen Nachbarn oder Freunden.
Wie einsam alte Menschen, noch in den eigenen vier Wänden lebend, sein können, ist auch nicht unbekannt.
Es gibt, wie so oft im Leben, für nichts eine Garantie. Glücklich die, bei denen alles harmonisch im gegenseitigen Einverständnis verläuft!

Gruß, Clara
Re: Einsatz von Hartz IV-Empfängern als Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf clara vom 09.09.2010, 15:15:41

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf das Ergebnis der an anderer Stelle
gerne geforderten örtlichen Flexibilität für Menschen mit dem Wunsch nach Arbeit hinweisen.

Elternteile, die (aus verständlichen Gründen) auf eine Unterbringung
in ihrem Heimatort bestehen, werden von Kindern unterstützt und betreut,
die aus diesem Grund (manchmal über Jahre) durch Deutschland pendeln.

Die Vorstellung, dass Familienmitglieder zur gegenseitigen Unterstützung
traut beeinanderleben können, wird durch die bereits seit langem stattfindende
Flexibilität vieler Berufstätiger immer mehr zum romantischen Traum.

Nicht jedem kann es gelingen, die Anforderungen des Arbeitgebers,
mit den eigenen, familiären und gesellschaftlichen Erwartungen an ein Kind
in der Betreuung eines kranken und/oder dementen Elternteils
für alle Teile befriedigend unter einen Hut zu bringen.

Am besten kann dies vielleicht noch gelingen, wenn man selbst keine eigene noch abhängige Familie hat? Dann frisst sich der Kreis aber auch absehbar fest.

Sorella



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olga64
olga64
Mitglied

Re: Einsatz von Hartz IV-Empfängern als Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen
geschrieben von olga64
als Antwort auf Cathalina vom 09.09.2010, 14:31:44
Werte Cath - Frau Dr. Merkel muss von Altenpflege keine persönliche Erfahrung haben - sie hat Gremien, die solche Ideen ausarbeiten und in die Tat umsetzen.
Oder glauben Sie wirklich, dass sich unter den Diskutanten zu diesem Thema ausschliesslich Experten befinden? Viele stilisieren sich ja zu solchen auf und sei es nur, damit man andere (in diesem Falle mich) beschimpfen kann. Finden Sie diesen Stil wirklich gut?

Übrigens - meine Erfahrungen in einem Altenheim machte ich mit meiner Mutter, die dort die letzten 5 Jahre ihres Lebens verbrachte. Sie fühlte sich dort ausgesprochen wohl - es wra ein gutgeführtes Heim, für welches mein Bruder und ich auch anständig monatlich bezahlten.
Dort waren sehr viele PatientInnen, die aufgrund ihrer Demenz überhaupt nicht mehr in der Lage waren, zu registrieren, ob sie besucht wurden oder nicht. Ihre Bedürfnisse - und dies bestätigte mir das dortige Personal und auch die Ärzte - reduzierten sich auf die Stillung von Hunger und Durst, die gut erfüllt waren.
Übrigens - für den Fall, dass ich mal eine solche Hilfe benötige, werde ich mir beizeiten in Bayern entsprechende Heime ansehen (es gibt hier genügend) und diese auch prüfen lasen. Finanziell versuchte ich hier schon in jungen Jahren vorzusorgen, damit ich mir dies auch leisten kann.
Haben Sie sonst noch irgendwelche, sachlichen Fragen an mich? Oder geht es Ihnen gar nur um Radau, wenn es um meine Person geht? Übrigens - Sie kennen weder mich noch meine persön lichen Interna, oder? Olga
Cathalina
Cathalina
Mitglied

Re: Einsatz von Hartz IV-Empfängern als Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen
geschrieben von Cathalina
als Antwort auf clara vom 09.09.2010, 15:15:41
Hallo Clara,

selbstverständlich gibt es diese Fälle. Aber da ist auch in der Vergangenheit einiges schief gelaufen. Es gibt nun mal Mütter und Väter die zu ihren Kindern keine richtige emotionale Beziehung aufbauen können oder meinen sich die liebe ihrer Kinder mit Geld erkaufen zu können. Das geht in die Hose und zwar richtig kräftig.

Wir hatten gerade hier solch einen traurigen Fall. Die Eltern waren wo überall in der Welt wo der Immobilienmarkt brummte und haben sich daran eine goldene Nase verdient. Die Beziehung zu ihren Kindern verkümmerte dadurch total. Der Sohn hat das ganze nicht verkraftet, griff zu Alkohol und andere Drogen. Landete mehrmals in der Psychiatrie, wurde entlassen und ging zu den Eltern. Ein hoch intelligenter junger Mann. Hier kam es zum Streit mit seinen Eltern und daraufhin schnitt er ihnen kurzerhand die Kehle durch.

In einem ev. Altenheim, in dem ich gearbeitet habe, hatte wir eine ältere Dame die unter Demenz litt. An ihren "klaren" Tagen erzählte sie so manches aus ihrem Leben. Sie hat die ganze Welt mit ihrem Mann bereist. Der Sohn kam in ein Internat. Jeden Wunsch den er äußerte wurde ihm von den Eltern erfüllt, nur Liebe konnten sie ihm keine geben. Der Sohn lebte in Stuttgart und die Mutter in Norddeutschland. Einmal im Jahr kam er zum Geburtstag seiner Mutter. Wir mussten um jedes paar Schuhe, jede Bluse, Kleid etc. mit dem Sohn kämpfen. Er war der Meinung das seine Mutter schließlich die alten Sachen auf brauchen kann und wenn sie kaputt und verschlissen sind, können sie geflickt werden. Er war der Vormund seiner Mutter und verwaltete deren Vermögen.

Ab und an riss die alte Dame aus und wurde dann immer in der Nähe ihrer ehem. Villa aufgegriffen. Jedes mal fuhr unsere Heimleiterin mit ihrem privaten Pkw hin und holte sie von dort ab. Der Sohn wollte noch nicht mal die Benzinkosten dafür erstatten. Daraufhin wurde sie dann immer von der Polizei zurückgebracht und er musste diesen Einsatz dann bezahlen. Zum Schluss verlangte er von uns, dass seine Mutter das Haus und das Gelände nicht mehr verlassen dürfe. Nur wir waren ja kein geschlossenes Haus und hätten uns der Freiheitsberaubung schuldig gemacht. Das sah er nicht ein und verklagte das Heim. Den Prozess hat er Haus hoch verloren und ihm wurde die Vormundschaft und die Verwaltung über ihr Vermögen entzogen. Einige der Kollegen verurteilten das Verhalten des Sohnes, ich konnte ihn nicht verurteilen, denn seine Mutter war eine fremde Person für ihn.

Solche traurigen Fälle gibt es eben auch. Es ist nicht alles Gold was glänzt.

Gruss

Cath
OT
geschrieben von mart1
als Antwort auf olga64 vom 09.09.2010, 15:42:26
Irgendwie erscheinst du mir irreal.

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olga64
olga64
Mitglied

Re: OT
geschrieben von olga64
als Antwort auf mart1 vom 09.09.2010, 15:54:36
Einen wahrhaft prägnanten und interessanten Beitrag haben Sie hier verfasst. Gratuliere - Olga
Cathalina
Cathalina
Mitglied

Re: Einsatz von Hartz IV-Empfängern als Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen
geschrieben von Cathalina
als Antwort auf olga64 vom 09.09.2010, 15:42:26
Ob Frau Dr. Merkel nun dafür Gremien hat oder nicht, steht doch gar nicht zur Debatte. Sie will Harz IV Empfänger in die Altenpflege schicken, ohne Berücksichtigung ob diese dafür auch wirklich dafür geeignet sind.

Im übrigen habe ich Sie persönlich nicht angegriffen. Warum sollte ich das? Ich versuche Ihnen nur klar zumachen, das eben nicht jeder Hans und Franz dazu geeignet ist. Das Pflegepersonal begleitet in der Regel die alten Menschen von der Aufnahme bis zum Sterbebett. Das kostet viel emotionale Kraft. Denn man ist meist mit dem ganzen Herzen dabei und jeder Verfall geht einem Nahe. Natürlich bekommt man mit der Zeit eine Hornhaut auf der Seele, wer die nicht bekommt, geht kaputt. Wenn ich Dienstschluss hatte, dann hatte ich Dienstschluss und habe alles hinter mich gelassen. Zuhause kam das Thema nicht auf den Tisch. Aber das konnten einige Kollegen und Kolleginnen eben nicht und haben damit auch noch ihre Familien belastet.

Keiner kann sich die Belastung wirklich vorstellen. Ich hatte zum Schluss zwei Stationen zu betreuen, mit drei schwerst kranke Heimbewohner die durch eine Magensonde und der sog. Astronautennahrung ernährt wurden. Wissen Sie wie viel Zeit dabei draufgeht? Zeit, die man sich von den anderen Heimbewohnern abknapsen muss? Die Nahrung kann man nur Millimeterweise eingeben, weil sonst der Schlauch verstopft, der Magen überläuft etc.

Das alles sollen Harz IV Empfänger machen, die vielleicht gar keine Lust dazu haben? Wie bitte schön, soll das funktionieren, ohne das die Pflegequalität noch weiter abnimmt? Privatheime sind meist gut ausgestattet, da sie Heimbewohner haben, die gut zahlen können. Was aber ist mit den staatlichen Heimen? Dort leben Menschen die keine vier-, fünf- oder mehr tausend Euro auf den Tisch legen können.

Tut mir leid, aber ich bleibe dabei, das ist Schwachsinn hoch Drei. Auch eine Frau Dr. Merkel braucht nicht, wie ein Papagei, alles nach zu plappern.

Cath
olga64
olga64
Mitglied

Re: Einsatz von Hartz IV-Empfängern als Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen
geschrieben von olga64
als Antwort auf Cathalina vom 09.09.2010, 16:28:43
Verehrte Cath - ob etwas zur Debatte steht oder nicht ,entscheiden doch beide DiskutantInnen und nicht Sie allein - oder wie halten Sie es hier?
Wäre es für die von Ihnen so bedauerten Kranken wirklich besser, wenn sie nach wie vor von Polen oder Rumänen betreut würden, die ihre Sprache nicht verstehen?Und nur darum geht es Frau Dr. Merkel - lieber Deutsche einsetzen als die vermutlich ab 2011 hier einströmenden polnischen und rumänischen Hilfskräfte, die dann auch noch das Lohngefüge weiter in den Keller bieten. Was ist daran denn bitte schwachsinnig?
Ich denke aber, Sie werden bei Ihrer Meinung bleiben müssen, weil Sie sich ja diskutabel etwas verheddert haben - das gönne ich Ihnen gerne, stehe aber für eine weitere Diskussion zu diesem wichtigen Thema leider auf dieser Ebene nicht mehr zur VErfügung. Danke für Ihr Verständnis. Olga
Cathalina
Cathalina
Mitglied

Re: Einsatz von Hartz IV-Empfängern als Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen
geschrieben von Cathalina
als Antwort auf olga64 vom 09.09.2010, 16:40:20
Werte Frau Olga,

die Polen oder Rumänen werden so oder so eingesetzt. Genauso wie in der Krankenpflege Japanerinnen, Vietnamesinnen, Spanierinnen eingesetzt wurden und werden. Die sind nämlich billiger. Der neuste Trend läuft gerade. Die Paraguayischen Krankenschwestern wandern nach Spanien aus, weil sie dort mehr verdienen als in Paraguay und die Spanierinnen gehen nach Deutschland. Tolles Spiel, das schon seit Jahrzehnten in der Kranken- und Altenpflege gespielt wird.

Kennen Sie den Pflegeschlüssel? Nein, dann dann stelle ich in mal hier rein:

Pflegestufe 0 = 0,111 Std. oder 9,00 Bewohner 1 Mitarbeiter (9,00:1)
Pflegestufe 1 = 0,247 Std. oder 4,05 Bewohner 1 Mitarbeiter (4,05:1)
Pflegestufe 2 = 0,328 Std. oder 3,05 Bewohner 1 Mitarbeiter (3,05:1)
Pflegestufe 3 = 0,439 Std. oder 2,28 Bewohner 1 Mitarbeiter (2,28:1)


In dieser Zeit ist auch die Qualitätsbeauftragte mit drin. Urlaub. Fortbildung, Krankheit ist in dem Schlüssel auch mit eingerechnet. Dafür gibt es also keinen Ersatz, die restlichen Mitarbeiter müssen die Arbeit mit übernehmen. Dieser Schlüssel geht von einer Belegung von 100% aus. Ein Heim ist aber niemals zu 100% belegt. Das heißt das da noch zwischen 15 bis 30% abgezogen werden müssen.

Das ganze Dilemma in dem sich die Pflege aktuell befindet, könnte mit einem gerechteren Pflegeschlüssel und einer besseren Bezahlung des Personals sofort entschärft werden. Aber genau das will man scheinbar nicht.

Nun will man also Harz IV Empfänger einsetzen, die 390,00 € im Monat bekommen sollen, also keine Vollzeitkräfte sind. Das heißt, es werden Vollzeitstellen gestrichen und dafür Teilzeitkräfte eingesetzt, die auch noch Grotten schlecht bezahlt werden sollen. Betriebswirtschaftlich gesehen ist das eine geniale Idee. Nur dabei geht noch das letzte menschliche miteinander den Berg runter.

Mir soll das egal sein, ich arbeite nicht mehr diesem Beruf und wenn ich ein Pflegefall werden sollte, dann werden drei Krankenschwestern engagiert, die mich rund um die Uhr zu Hause betreuen. So einfach ist das. Mir tut nur das jetzige Pflegepersonal leid, die diese dämliche Idee ausbaden müssen!

Cath

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