Soziales Empfindlichkeiten

Klaro
Klaro
Mitglied

Re: Empfindlichkeiten
geschrieben von Klaro
als Antwort auf schorsch vom 21.11.2012, 10:42:46
...wie lieb von dir
olga64
olga64
Mitglied

Re: Empfindlichkeiten
geschrieben von olga64
als Antwort auf aurora vom 21.11.2012, 10:39:06
Ich hoffe es, dass für einige BEwohner der früheren DDR es möglich war, glücklich zu leben. Für viele war dies anscheinend nicht der Fall, dafür sind zu viele geflohen und oft auch unter Einsatz ihres Lebens.
Es gibt Menschen, die heute noch traumatisiert sind nach den Knast-Jahren, die sie nur absitzen mussten, weil sie ihr Land verlassen wollten?
Nach mehr als 20 Jahren dürfte auch vieles den Blick auf frühere Umstände verklären, mit den persönlichen Erfahrungen und dem Wissen von heute - denn wie sonst wäre es zu erklären, dass anscheinend die Mehrheit der DDR-Bevölkerung diese Lebensform nicht mehr wollte und erstmals frei wählen konnte, wie es weitergehen soll.
Gönnt es Euren Kindern und Enkeln, dass sie unvergleichlich höhere Chancen haben, ihr Leben zu führen - und dies in einem System, das sicherlich nicht frei von Fehlern ist, aber so wie es sich darstellt, das derzeit beste. Oder möchte wirklich jemand Lebensformen wie z.B. in Cuba oder Nordkorea? Olga
pilli †
pilli †
Mitglied

Re: Empfindlichkeiten
geschrieben von pilli †
Warum unterstellst du mir Dinge, die ich so nicht wahrgenommen habe.
geschrieben von ...ein...


nun ja "...ein...",

was mag es sein, dass deine denke blockiert haben könnte, frage ich mich, wenn ich versuche, bei mir verständnis für deinen kommentar zu wecken? ich schrieb von mir und nicht zum zwecke, dir etwas "einreden" zu wollen; lediglich habe ich meine sicht des gesehenen und erlebten angeboten:

...im jahr nach dem fall der todesmauer in verschiedenen städten und habe mir das elend angeschaut, in dem menschen ihr dasein gefristet haben...


noch viel weniger möchte ich dir etwas "unterstellen" und wenn du das halt nicht so wahrgenommen hast, wie alle anderen opfer dieser unseligen zeitgeschichte, kann ich dir nur gratulieren; viel leid der betroffenen ist dir damit verborgen geblieben, sei froh darüber! leider blieb es mir nicht verborgen und ebenso nicht den menschenrechtlern hüben und drüben, die wissen, dass nur eine aufbearbeitung der zahlreichen vorkommnisse aufklärend wirken kann bei denjenigen, die heute nach so vielen jahren sich als ehemalige täter die opferrolle suchen könnten.

wer sich wirklich informieren möchte, kann das tun mit hilfe zahlreicher quellen und wer das in die tiefen seines gedächtnisses vergraben möchte...bitte sehr, darf das auch tun...das entscheidet doch jede und jeder selbst?

Hubertus Knabe hat sich für die aufklärung entschieden.

-...er ist ein deutscher Historiker und Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Seine Veröffentlichungen widmen sich der West-Arbeit des MfS, den Oppositionsbewegungen im Ostblock, der ostdeutschen Nachkriegsgeschichte sowie der Aufarbeitung der SED-Diktatur.

- ...Nach seinem Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Bremen wurde er 1983 Pressesprecher der Grünen in Bremen. 1985 ging er als DAAD-Stipendiat an die Loránd-Eötvös-Universität in Budapest. Anschließend promovierte er an der Freien Universität Berlin über Umweltkonflikte im Sozialismus. Eine vergleichende Analyse der Umweltdiskussion in der DDR und Ungarn. 1988 war er Studienleiter der Evangelischen Akademie Berlin (West) und Anfang der 1990er DAAD-Lektor an der Universität Ljubljana in Slowenien.

Von 1992 bis 2000 arbeitete er in der Forschungsabteilung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (Gauck-Behörde/Birthler-Behörde).

Seit 2001 ist er wissenschaftlicher Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit. Zudem ist Knabe Mitglied im wissenschaftlichen Fachbeirat der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur...
geschrieben von wiki


fernerhin dokumentiert sind fakten...sei es aus propagandafilmen, schriften oder aussagen ehemaliger entscheidungsträger; aber sehen und lesen, das wird dann schon gefordert, sich möglichst umfassend unter einbeziehung der bekannt gewordenen pros und contras, eine eigene sichtweise zu bilden.

inwieweit schon die betreuenden mitarbeiter in den kindergärten, das lehrpersonal an schulen mitgeholfen haben, damit die Stasi ihre täer schon auf schulhöfen suchen konnte, auch das ist zigfach dokumentiert:



die Kindersoldaten in der DDR, besonders aus den familien der Stasi gewählt, wurden scharf gemacht in den sommer-ferien-lagern. das zeigte zu beginn des jahres eine dokumentation der ARD : "ARD-DOKU ÜBER SCHÜLER UND STASI - Die Kindersoldaten der DDR"

...Braucht das Land noch einen Film "Stasi auf dem Schulhof"?

Klare Antwort: Den braucht es! Weil es sich Menschen wie der in der Bundesrepublik aufgewachsene Rezensent sonst einfach nicht vorstellen können: Weil es jenseits ihres Horizonts ist, dass die Stasi nicht nur Arbeitskollegen, beste Freunde, Ehepartner aufeinander angesetzt hat. Sondern auch Minderjährige, Schulkinder, Klassenkameraden.

Weil es jenseits ihres Horizonts ist, dass Schüler per Lautsprecherdurchsage ins Direktorenzimmer bestellt werden und dort an der Juristischen Hochschule in Potsdam ausgebildete Stasi-Leute sitzen, um sie mit genau denselben Methoden der "operativen Psychologie" unter Druck zu setzen, in Angst und Schrecken zu versetzen wie ihre Eltern.

Dass sie gezwungen werden, in krakeliger Kinderschrift Verpflichtungserklärungen auf Kästchenpapier zu schreiben. Dass das mit Wissen und Billigung der Schulleitung passieren kann. Dass ein Schuldirektor in der DDR nicht auf die Idee kommt, dass es ihm seine Verantwortung für die ihm anvertrauten Kinder gebieten könnte, besagte Kinder nicht einem Geheimdienst – welcher Couleur auch immer, freundlich oder feindlich, aber ein Geheimdienst eben – auszuliefern. In seinem Direktorenzimmer. Unglaublich!...
geschrieben von taz


der artikel zur doku kann hier gelesen werden: taz,de

nur durch aufklärung kann verstanden werden "...ein...", sicherlich nicht durch beschönigen oder gar verschweigen der tatsachen?

Du verkennst eins, du gehst von deinem heutigen Kenntnis-und Wissensstand aus.
geschrieben von "...ein..."
klar und wenn du heute den gleichen informationspool besitzt wie ich, dann sind wir uns doch einig, was die wichtige aufarbeitung der zeitgeschichte betrifft?

Entschuldige, aber ich kann deinem „Wutbeitrag“ nicht richtig folgen.
geschrieben von "...ein..."


das erwarte ich nicht von dir; zumal du der meinung bist, es sei "Wut"; ich sehe meine schreibe eher als verzweiflung über das, was menschen den menschen jahrzehntelang angetan haben. darum wiederhole ich für dich den aspekt der menschenrechtlichen seite, der mich sehr bewegt. vielleicht aber möchtest du auch die studien der verschiedenen universitäten, amnesty international und anderen organisation anzweifeln? das ist dir selbstverständlich freigestellt!

ich bin nicht alleine, mit dem, was mir bisher unverständlich geblieben ist ; das weiss ich heute sehr gut!

Stell dir vor, es gab Millionen von Menschen, die waren glücklich und zufrieden, sie haben sich arrangiert, angepasst; das machst du doch auch!
geschrieben von "...ein..."


tatsächlich? und du kennst diese millionen alle persönlich oder darf ich vermuten, dass es ansonsten nur ein phrase ist, die du meinst zur argumentation zu nutzen?
darf ich auf quellen hoffen, die diese, deine vermutung stützen?

sicherlich nicht gehörten diese menschen zu den glücklichen und zufriedenen:

Abwanderung

Nachdem bis 1956 ca. 1,72 Millionen Menschen die DDR verlassen hatten, wurde ein neues Passgesetz verabschiedet, um die Zahl der Westreisen zu reduzieren. Die „Republikflucht“ wurde offiziell kriminalisiert.

Zum Jahr 1960 stieg die Zahl der Abwanderer weiter an – auch deshalb, weil viele Bauern dem Zwang zum Beitritt einer LPG entgehen wollten. Allein für den Monat September meldeten Westberliner Behörden 20.968 „SBZ“-Flüchtlinge.

Bis 1961 hatten schließlich knapp drei Millionen Menschen die DDR seit ihrer Gründung verlassen. Da es sich dabei oft um gut ausgebildete Menschen handelte, bedrohte diese Abwanderung die Wirtschaftskraft der DDR und letztlich den Bestand des gesamten Staates. Ab dem 13. August 1961 wurde deshalb die Berliner Mauer aufgebaut, um eine weitere Abwanderung zu stoppen.
geschrieben von wiki


wiki

ab 1961, nach dem bau der mauer hatte es wohl immer noch weniger glückliche und zufriedene menschen, die ihre sehnsucht nach glück und zufriedenheit todesmutig mit flucht aus dem staat der glücklichen und zufriedenen gewagt haben?

...Die Fluchtfantasien in der DDR kannten keine Grenzen. Es wurden Tunnel gegraben, Menschen in Autos versteckt oder Heißluftballons, Flugzeuge und U-Boote gebaut. Für viele endete die Republikflucht mit dem Tod.

Wie viele DDR-Bürger auf ihrer meist abenteuerlichen Flucht in den Westen ums Leben kamen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Je nach Zählweise reichen die Angaben von einigen Hundert bis über 1000. Von ihrer Sehnsucht nach Freiheit getrieben riskierten 150 000 DDR-Bürger zwischen 1961 und 1989 ihr Leben.

Nur 40 000 gelang die Flucht aus dem Unrechtsstaat. Zehntausende mussten wegen Republikflucht (Paragraf 213 Strafgesetzbuch, „ungesetzlicher Grenzübertritt“) oder Fluchthilfe (Paragraf 105, „staatsfeindlicher Menschenhandel“) hinter Gitter.
geschrieben von focus


erschossen-verblutet oder ertrunken...

meine sichtweise basiert auf einer sammlung von informationen nach der wende; ebenso wie es für andere die *stunde null* war, informationen zur kenntnis zu nehmen und eventuell fehlendes wissen zu ergänzen...aber das selbstverständlich nur...falls gewünscht!

---
pilli

Anzeige

ehemaligesMitglied41
ehemaligesMitglied41
Mitglied

Re: Empfindlichkeiten
geschrieben von ehemaligesMitglied41
als Antwort auf olga64 vom 21.11.2012, 16:10:49
….liebe Frau Olga,
da Sie selbst so akribisch Wert darauf legen, dass alles möglichst genau definiert wird frage ich:

Wie viel sind viele?

Richtig, in der DDR war es nicht möglich, einfach zu reisen, ins kapitalistische Wirtschaftssystem, es war auch nur schwer möglich auszuwandern.
Die DDR hatte, wie jeder andere Staat auch Gesetze.
Ob die rechtmäßig anerkannt wurden und ob die Rechte beschnitten wurden, lass ich jetzt mal außer Acht.

Fakt ist, wer gegen geltendes Recht verstößt, muss damit rechnen, bestraft zu werden.

Wie das geschah und mit welchen Mitteln die Menschen bestraft und verurteilt wurden ist eine ganz andere Frage.

Auf keinen Fall billige ich diese Handlungsweise.


Nach mehr als 20 Jahren dürfte auch vieles den Blick auf frühere Umstände verklären, mit den persönlichen Erfahrungen und dem Wissen von heute - denn wie sonst wäre es zu erklären, dass anscheinend die Mehrheit der DDR-Bevölkerung diese Lebensform nicht mehr wollte und erstmals frei wählen konnte, wie es weitergehen soll.


Sicher,
die Mehrheit der DDR Bevölkerung wollte ein anderes Leben, welche Wahl gab es denn?
Die Propaganda und die Medien schillerten den „Westen“ in den buntesten Farben und, es ist doch vollkommen verständlich, dass die Mehrheit erst einmal auf die „Lockrufe“ eingegangen ist.

Sehr, sehr schnell kam aber das Erwachen, mit der Arbeitslosigkeit bis hin zu der noch immer vorhandenen Ungleichbehandlung.


Gönnt es Euren Kindern und Enkeln, dass sie unvergleichlich höhere Chancen haben, ihr Leben zu führen - und dies in einem System, das sicherlich nicht frei von Fehlern ist, aber so wie es sich darstellt, das derzeit beste. Oder möchte wirklich jemand Lebensformen wie z.B. in Cuba oder Nordkorea?


Die Mehrheit der DDR Bürger wünschte sich ein anderes Deutschland, ein Deutschland, welches die Leistungen aller Menschen anerkennt.
Aus Unwissenheit aber auch aus genau kalkulierter Borniertheit wurden errungene Werte des sozialen und gesellschaftlichen Miteinanders zunichte gemacht.

Dem DDR Bürger wurde die Identität genommen und ihm wird noch bis heute vorgehalten, das die Bürger in einem Staat gelebt haben, der nicht mehr lebensfähig ist und oder war.

Ich vergleiche es immer mit Eltern und Kinder.

Wenn Kinder sich im großen und Ganzem bei ihrer Familie wohl gefühlt haben, Geborgenheit hatten und sich an die Regeln der Familie gehalten haben.

Plötzlich ist alles anders, das geht ja irgendwie noch,
doch plötzlich sind die Eltern nichts mehr wert, die Eltern werden zum Feindbild erklärt und den Kindern wird nun erklärt, dass sie jetzt in einer Welt leben, wo sie sich viel, viel besser entfalten können.

Doch wie sollen sie sich entfalten, wenn man ihnen alles genommen hat?

Alles, was man sich unter Mühen erarbeitet und erworben hat, ist wertlos, gilt nicht mehr, du bist ein Nichts, lerne erst mal schreiben und lesen.

Du hast kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt, bis die Ellenbogengesellschaft nicht gewohnt und bist nicht gewohnt, um deine Recht kämpfen zu müssen.

Ein Prozess der sehr, sehr viele Hindernisse hat.

Man erzieht nicht ein Kind, indem man ihm ständig vorhält, dass es nicht so richtig gewollt ist, die Umstände waren halt so und nun sei dankbar.

Man geht auch so nicht mit erwachsenen Menschen um, aber es ist das Schwerste, sich in einen Menschen hineinzuversetzen, ihn zu verstehen.

Vielen ist es gelungen, aber auch nicht wenige sind dabei auf der „Strecke“ geblieben.

Für mich ist dieses System nicht das zurzeit Beste. Die Gier nach Macht und Geld ist unerträglich und breitet sich auf Kosten der Gesellschaft, der Menschen, die die Werte schaffen, aus.
Was ist daran gut?

…ein…

ehemaligesMitglied41
ehemaligesMitglied41
Mitglied

Re: Empfindlichkeiten
geschrieben von ehemaligesMitglied41
als Antwort auf pilli † vom 21.11.2012, 17:54:24
Pilli
..ich verabscheue dieses unmenschliche Vorgehen und bin natürlich für die Aufarbeitung restlos und konsequent.

Doch auch der Normalbürger braucht Luft zum Atmen.

Für mich persönlich klingt es wie ein Vorwurf, warum und weshalb ich so lange in dem Staat gelebt habe.

Der Mehrheit der DDR Bürger ging und geht es so wie mir, die haben die Einzelheiten nicht gewusst.

Ich will hier nicht öffentlich meinen Werdegang darlegen, doch ich und meine Familie haben sich gewehrt, wir haben widersprochen, wir haben auch eine Mitarbeit beim MfS abgelehnt und viele Dinge mehr.

Ich bin überzeugt davon, dass unsere ganze Familie erfasst und kontrolliert wurde. Ich nehme keine Akteneinsicht, ich lasse die, die mich bespitzelt haben in Ungewissheit. Sie müssen jetzt damit leben.

Ich habe nichts davon, wenn ich weiß, dass eine bestimmte Person mich bespitzelt hat, meine Genugtuung liegt in der Ungewissheit gegenüber dem Spitzel.

Auch ich musste mir Beschimpfungen gefallen lassen und mich hat niemand, niemand in Schutz genommen.

Aufgrund meiner Tätigkeit wurde mir, als die Stasizentralen gestürmt wurden, von Arbeitskollegen ins Gesicht gesagt:
„… solche Leute wie sie müsste man an die Wand stellen und erschießen…“

Erst, als sich nach Monaten herausstellte, dass ich weder Informant noch Zuträger war, haben sich diese Kollegen dann entschuldigt.

Wie ich schon geschrieben habe, es wurde als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, dass man ab einer bestimmten Tätigkeit „Zuträger und Informant“ war.

Nochmal, ich bin entsetzt, was alles in der DDR an Menschenrechtsverletzungen begangen wurde und ich bin für die restlose Aufklärung, aber es war auch nicht alles schlecht.

Ich will so einen Staat nicht zurück, doch so richtig wohl fühle ich mich in dem jetzigen System noch nicht, weil man eben auch gutes und schlechtes vergleicht, ist doch ganz normal oder?

…ein..

karl
karl
Administrator

Re: Empfindlichkeiten
geschrieben von karl
Ich kann die Empfindlichkeiten bei diesem Thema sehr gut verstehen. Am Ende von politischen Entwicklungen gibt es immer Menschen, die sich als Sieger oder Verlierer fühlen. Manche reihen sich noch rasch auf der Seite der Sieger ein, andere fressen ihren Frust in sich hinein. Auf der "Siegerseite" schlagen sich viele an die Brust, weil sie doch schon immer gewusst haben, wie der Hase läuft, und nutzen jede Gelegenheit, ihren "Sieg" (ihr Anteil daran ist unwesentlich) auszukosten und auf die "Verlierer" herabzusehen, sich zu erhöhen, indem sie andere erniedrigen.

Das Experiment "DDR" ist gründlich schiefgegangen. Das heißt aber nicht, dass nicht enorm viel gut gemeinter Enthusiasmus und ehrliche Überzeugung eingeflossen ist. Das heißt auch nicht, dass nicht viele ihr ganz normales Leben gelebt haben, und nicht, dass alles falsch war, an das sie einmal geglaubt hatten.

Ich finde, es ist sehr billig, sich auf das hohe Ross zu setzen, wenn man das Glück hatte, im Westen aufwachsen zu dürfen. Es ist pharisäerhaft, den Menschen, die ihr Leben im Osten gelebt haben, mit dem Zeigefinger zu kommen. Niemand weiß, wie er sich in vergleichbarer Situation in seinem Leben eingerichtet hätte. Bescheidenheit, auch im (ab)urteilen, fände ich angebracht.

Überhaupt sollten wir als Gesellschaft den Blick vor allem nach vorne richten. Wir sollten froh sein, uns in einem vereinten Deutschland bewegen zu dürfen. Der hadernde Blick zurück kann dabei hinderlich sein.

Ich hoffe in diesem Sinne auf eine faire Debatte, bei der andere Meinungen respektvoll behandelt werden.

Karl

Anzeige

geli
geli
Mitglied

Re: Empfindlichkeiten
geschrieben von geli
als Antwort auf karl vom 21.11.2012, 19:44:46
Selten habe ich einen Beitrag so wohltuend empfunden!

Danke, Karl!
loretta †
loretta †
Mitglied

Re: Empfindlichkeiten
geschrieben von loretta †
als Antwort auf karl vom 21.11.2012, 19:44:46

Ich finde, es ist sehr billig, sich auf das hohe Ross zu setzen, wenn man das Glück hatte, im Westen aufwachsen zu dürfen. Es ist pharisäerhaft, den Menschen, die ihr Leben im Osten gelebt haben, mit dem Zeigefinger zu kommen.
Karl
geschrieben von karl


Viel habe ich hier in diesem Faden nicht geschrieben, aber dafür alles sehr genau gelesen.

Und genau an dieser Stelle, karl, werde ich jetzt wohl mal empfindlich.

Zeige mir bitte eine Stelle, aber auch nur eine einzige Stelle, wo das zutrifft, was du hier ziterterweise anprangerst, bitte.

Ich bin gespannt.
loretta

edit: fakt ist für mich, dass sich da jemand immer und immer wieder gerne in der Opferrolle sieht.
ehemaligesMitglied41
ehemaligesMitglied41
Mitglied

Re: Empfindlichkeiten
geschrieben von ehemaligesMitglied41
als Antwort auf karl vom 21.11.2012, 19:44:46
..sehr gern schließe ich mich den Worten von „geli“ an und

bedanke mich Karl.
..ein..
ehemaligesMitglied41
ehemaligesMitglied41
Mitglied

Re: Empfindlichkeiten
geschrieben von ehemaligesMitglied41
als Antwort auf loretta † vom 21.11.2012, 19:57:35
Loretta,
es geht hier nicht um „Opferrollen“, es geht hier vielmehr um das Verständnis auf beiden Seiten.

Wenn man sich etwas nicht vorstellen kann, sollte man es tunlichst vermeiden, stets den „Belehrenden“ darzustellen.

Ich war kürzlich erst in China und habe dort die Menschen und die Entwicklung mit ganz anderen Augen gesehen.

Über 20 Jahre nach dem Fall des sozialistischen Systems bekommt man ein völlig anderes Gespür für und zu den Menschen.

Obwohl China sich wirtschaftlich dem „Westen“ geöffnet hat, so sind doch die politischen Strukturen von Diktatur und Menschenrechtsverletzungen geprägt.

Die Zurückhaltung der Menschen dort konnte ich sehr wohl verstehen.
Die Fragen an den Reiseleiter unterschieden sich schon sehr deutlich von den Fragen, die eingefleischte „Westler“ stellten.

Viele Fragen blieben unbeantwortet aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren und aus Angst vor den weiteren Folgen.

Und was soll ich sagen, ich verstehe die Menschen, ich verstehe die Menschen auch dort, wie sie überzeugt zu ihrem Staat stehen.

Mir tat es sehr weh erfahren zu müssen, welche Ausgrenzungen an Einheimischen vorgenommen werden.

Einheimische, außer sie sind sehr, sehr zahlungskräftig (Privilegierte) haben nicht die Möglichkeit, an Bord des Schiffes die oberen Decks zu buchen. Ihnen bleiben die Unterdecks beim Maschinenraum vorbehalten.

Solche Zustände kenne ich noch zu genau und finde sie entwürdigend.

Und, wenn man solche Beispiele aus der eigenen Lebenserfahrung schildert, hat das nichts, überhaupt nichts mit Opferrolle zu tun, es ist eigentlich

eine leise Bitte um Verständnis.

…ein..

Anzeige