Forum Soziales und Lebenshilfe Soziales "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?

Soziales "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?

Acorina
Acorina
Mitglied

"Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?
geschrieben von Acorina

Dieses Thema beschäftigt mich. Ich komme selbst aus dem pädgogischen Bereich, habe mit verhaltensauffälligen Kindern und deren Eltern gearbeitet und stelle fest, daß es immer mehr Verhaltensauffälligkeiten gibt. Mit den heutzutage praktizierten Erziehungsmethoden - selbst was meine eigenen Enkelkinder (6 an der Zahl) betrifft, fühle ich mich oft mega überfordert. 
Was ist gute Erziehung ?

 

olga64
olga64
Mitglied

RE: "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?
geschrieben von olga64
als Antwort auf Acorina vom 28.01.2020, 15:17:01
Dieses Thema beschäftigt mich. Ich komme selbst aus dem pädgogischen Bereich, habe mit verhaltensauffälligen Kindern und deren Eltern gearbeitet und stelle fest, daß es immer mehr Verhaltensauffälligkeiten gibt. Mit den heutzutage praktizierten Erziehungsmethoden - selbst was meine eigenen Enkelkinder (6 an der Zahl) betrifft, fühle ich mich oft mega überfordert. 
Was ist gute Erziehung ?

 
Zu einer guten Erziehung gehört es sicher nicht , dass Grosseltern denken, sie seien für die Erziehung der Enkel zuständig - denn sie sind es nicht!
Wenn die eigenen Kinder zu vieles anders machen als ihnen "erziehungstechnisch von den Eltern beigebracht wurde" können diese davon ausgehen, dass die Kinder diese Erziehung nicht gut fanden und sie dann umgehend reparieren und anders machen werden.
Was verstehen Sie eigentlich unter "pädagogischem Bereich"? Olga
Acorina
Acorina
Mitglied

RE: "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?
geschrieben von Acorina
als Antwort auf olga64 vom 28.01.2020, 17:42:55

Im "pädagogischen Bereich" arbeiten Lehrer, Sozialpädagogen, Erzieher und sonstige Pädagogen die Wissen vermitteln, das Berufsfeld ist relativ breit.

Ich fühle mich nicht verantwortlich für die Erziehung meiner Enkelkinder, auch ist die Rückmeldung meiner Töchter, was ihre Kindheit betrifft, durchweg positiv. Wir haben ein gutes und zufriedenstellendes Verhältnis miteinander. 

Gruß von Acorina


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Silberweide
Silberweide
Mitglied

RE: "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?
geschrieben von Silberweide
als Antwort auf Acorina vom 28.01.2020, 19:13:44

Wenn nach Erfahrungen und Beobachtungen gefragt wird, kann ich vielleicht mein aktuelles Erlebnis von heute morgen beisteuern: Ich war mit dem Vater einer syrischen Familie, die ich seit Jahren ehrenamtlich begleite, in die Mittelschule zum Gespräch mit der Klassleiterin seines zwölfjährigen Sohnes eingeladen. Da wir sie im Lehrerzimmer nicht fanden, begaben wir uns zum Klassenzimmer, um sie abzuholen. Als wir uns näherten, schlug uns schon durch die geschlossene Tür ein enormer Lärm entgegen. Aha, Pause, dachten wir. Ich öffnete vorsichtig die Tür. In dem Raum ging es drunter und drüber, Kinder schrieen und rannten herum und warfen Gegenstände durch die Gegend, während andere sich über Bücher beugten; ganz hinten im Raum stand mit dem Rücken zu uns eine erwachsene Person und unterhielt sich angelegentlich mit einem Kind. Ich wartete einfach ab, was geschehen würde. Schließlich machte ein Mädchen die Frau auf mich aufmerksam, ich fragte nach der Klassenleiterin und erfuhr, dass sie schon ins Besprechungszimmer gegangen sei. "Ist hier gerade Pause?", erkundigte ich mich noch. "Nein, wir haben Unterricht." "Okay, vielen Dank." - Abdullah schaute mich draußen entsetzt an: "Das war Unterricht?" - "Ja, anscheinend."

Später sprach ich die Klassenleiterin (eine sehr nette, engagierte Lehrerin, die jedoch nicht übermäßig viel Autorität ausstrahlt) darauf an, ob es in den Stunden immer so zugehen würde. "Meistens, ja", sagte sie und fügte hinzu: "Ich habe keinerlei Handhabe, um verhaltensauffällige Kinder zu disziplinieren oder in der Klasse Ruhe herzustellen. Ich kann nur Zusatzarbeiten vergeben, die dann nicht gemacht werden; Gratifikationen verweigern, wofür mich dann erboste Eltern zur Rede stellen; Kinder rausschicken für eine kurze Auszeit, worüber die sich dann freuen; die Eltern zum Gespräch einladen; oder schlimmstenfalls einen Verweis erteilen, der niemanden interessiert."

Abdullah erzählte uns dann, wie das zuhause in Syrien ablief. Da sitzen die Kinder mucksmäuschenstill auf ihren Plätzen, aus purer Angst vor Schlägen. Wir waren uns alle einig, dass das nicht die Alternative sein kann. Aber was dann? Wie erreicht man Halbwüchsige, die das Gefühl haben, ihnen kann keiner was, und sensibilisiert sie für die langfristigen Konsequenzen ihres Verhaltens und für Selbstkontrolle?

Ich ging nach dem (ansonsten sehr konstruktiven) Gespräch weg mit dem unbehaglichen Gefühl, dass irgendwas fürchterlich schiefläuft in unserem Schulsystem - zumindest "auf den billigen Plätzen" ...

Oder sehe ich das falsch?

WoSchi
WoSchi
Mitglied

RE: "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?
geschrieben von WoSchi
als Antwort auf Silberweide vom 29.01.2020, 16:49:35

das siehst Du wohl ganz richtig ...in so vielen Schulen werden die Kinder quasi sich selbst überlassen und oft dürfen sie "nach Wunschzettel" lernen ...die Lehrer sind oft völlig überfordert und genervt und die Kinder verunsichert, weil sie keine Orientierung haben - Kinder brauchen nun einmal Anleitungen und nur mit "learning by doing" kann es nun einmal nicht funktionieren, wenn niemand vorher zeigt, WIE es denn funktioniert.
Mein einer Sohn (US Amerikaner) und seine deutsche Frau hatten vor, ihre Jüngste in eine deutsche ganz normale Schule zu schicken. Nach knapp einem Monat "Probe" haben sie die Kleine da ganz schnell wieder rasugeholt und jetzt geht sie auf die amerikanische Elementary School. Ein Unterschied wie Tag und Nacht
 

jacare4
jacare4
Mitglied

RE: "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?
geschrieben von jacare4
als Antwort auf WoSchi vom 29.01.2020, 17:25:27
 @WoSchi

Hallo Woschi, 

"Ein Unterschied wie Tag und Nacht" schreibst Du. Wo sind denn die Unterschiede? Kannst Du das bitte ein wenig konkretisieren? Wie alt ist das Kind? In welche Klassenstufe wurde es zur Probe aufgenommen? Welche Unterrichtssprache? Was hat an der deutschen Schule nicht gefallen? Was ist an der amerikanischen Schule so viel besser?

LG. jacaré4

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olga64
olga64
Mitglied

RE: "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?
geschrieben von olga64
als Antwort auf jacare4 vom 29.01.2020, 17:37:24

Ihre Fragen sind sehr, sehr berechtigt. Mir fällt es bei diesem Thema sehr oft auf, dass Leute unserer Altersklasse,die seit Jahrzehnten keine Schule mehr besucht haben, sich zu Experten erklären und dies natürlich in negativer Beurteilung des länderspezifischen, deutschen SChul-Stils.
Aber auch eine amerikanische Elementary School (auf die übrigens viele Soldatenkinder geschickt werden) unterliegt in den Prüfungsprozedere usw. deutschen Bildungsgesetzen, wenn die Familien nicht zwischenzeitlich zurück in die USA gehen. Dies ist eine Grundschule, wohin die Kinder zwischen 4  - 11 Jahre geschickt werden. Aber wie sieht es dann später aus, wenn es um die weiterführenden Schulen geht? DA bleibt dann die High School, zu vergleichen mit unserer MIttelschule.
Die Enkel meines Freundes waren gerade jeweils ein Jahr in den USA und besuchten dort ebenfalls die High School. Da sie in Deutschland Gymnasiasten sind, kam ihnen der Stoff recht einfach vor, wie sie berichteten und die Herausforderung war der Unterricht in Englisch.
Es gibt gute, internationale Schulen in Deutschland und wer es sich leisten kann und mag, tut viel für die Kinder, sie dorthin zu schicken. Kinder werden mehrsprachig erzogen und auch mit "Fremden" konfrontiert und dies von Anfang an.
Aber wenn so ein Kind dann ein Abitur machen möchte, was ja auch Voraussetzung für ein späteres Studium ist, sollte es schon von Anfang an die deutschen Gegebenheite im Auge behalten,bzw. die des jeweiligen Bundeslandes, wo diese Schule ist.
Mein Neffe besuchte in Berlin das französische Gymnasium, wo er zeitweise der einzige,deutsche Schüler war. Es wurde in französisch unterrichtet; später kam Englisch hinzu. ER legte das französische und deutsche Abitur ab und es hat ihm zeitlebens sehr geholfen.
Die internationalen Freundschaften, die er schon als Schüler geschlossen hatte, sind heute noch sein gutes Netzwerk auch in beruflicher Hinsicht. Olga

WoSchi
WoSchi
Mitglied

RE: "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?
geschrieben von WoSchi
als Antwort auf jacare4 vom 29.01.2020, 17:37:24

Die Elementary School ist für Kinder von 5 bis 11 und fängt mit dem Kindergarten an und hört mit dem 5. Grad bzw Klasse auf.

In den Vereinigten Staaten ist die fünfte Klasse in den meisten Schulen das fünfte und letzte Schuljahr der Grundschule. Je nach Schulbezirk kann die Klasse das vorletzte oder letzte Jahr der Grundschule oder das erste Jahr der Mittelschule sein. Die Schüler sind dann in der Regel 10 bis 11 Jahre alt, es sei denn, das Kind wurde zurückgehalten.


Zum allgemeinen Lehrplan gehört in der letzten Klasse hier eine kleine Auswahl:
Spache/Englisch
Die Fähigkeit, das Thema eines Buches, einer Geschichte oder eines Gedichts anhand von Details in einem eigenen Text zu beschreiben. (In Deutschland werden nicht einmal mehr Gedichte gelehrt)
Die Fähigkeit. zwei oder mehr Charaktere, Ereignisse und Aussagen einer Geschichte zu beschreiben.
Die Fähigkeit, den Standpunkt des Erzählers zu erläutern
Die Fähigkeit, die Geschichte einer anderen gleichen Genres gegenüberzustellen und zu vergleichen.
   .
Zu den allgemeinen Kernstandards für Mathematik in der 5. Klasse gehören
Die Fähigkeit, zweidimensionale Figuren anhand ihrer Eigenschaften zu klassifizieren und einer Kategorie zuzuorden
Die Fähigkeit zum Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Teilen von Brüchen
Das  Umrechnen von Maßeinheiten  

Der Kindergarten ist in der Grundschule in Deutschland nicht enthalten - was in vielen anderen Ländern Europas und eben auch in den USA üblich ist
Das betreffende Kind war 6 und hatte bereits die US- Vorschule hinter sich, als es in der ersten Klasse eingeschult werden sollte, es ist 2sprachig aufgewachsen und hat keine Sprachprobleme.

An der deutschen Schule hat die mangelnde Disziplin nicht gefallen und der mangelnde Respekt vor den Lehrerinnen, Aber auch die mangelnde Nähe der Lehrerinnen zu den Kindern fehlte - und die notwendige Autorität. Die Kinder schrieen und die Lehrerin auch sehr oft. Meine Enkelin kennt so etwas nicht Viele der Kinder konnten kaum richtiges Deutsch aufgrund ihrer Herkunft, Dazu kommt noch, dass das Kind wegen seiner dunkleren Hautfarbe quasi vom ersten Tag an gemobbt wurde, was es leider nicht gleich zuhause berichtete, sonst hätten die Eltern sie da gleich rausgenommen.

In der Schule, in die das Kind jetzt geht und auch in vielen Schulen in den USA hängt zum Eingang der Klassenräume ein solches Plakat oder ähnliches



Der Lehrer oder die Lehrerin empfängt die Kinder an der Klassenraumtür (in D waren die Kinder immer schon in der Klasse, bis dann die Lehrerin kam ...)
Alle Kinder werden von der Lehrerin begrüsst und die Kinder können sich aussuchen , wie sie begrüsst werden möchten, indem sie mit dem Finger oder der Hand auf das entsprechende Sympol tippen oder zeigen - entweder wird dann nur Hallo gesagt oder nur gewinkt, die Hand gegeben, High Five gemacht oder eine Umarmung gegeben ..


PS übrigens finde ich es immer sehr spannnend, wenn alte Damen, die selbst keine eigenen Kinder haben und auch nur marginal an soetwas wie Erziehung beteiligt waren, schlaue Ratschläge geben und anderen Frauen , die selbst viele Kinder und Enkel haben und eigentlich täglich auch mit den Kleinsten zu tun haben ,  die Beurteilungsfähigkeit absprechen :-)
Manche wissen eben alles - vor allem besser ...

NACHTRAG
Hier ein Beispiel mit dem "Begrüssungsritual" - stammt zwar aus den Philippinen , aber man sieht, wie es geht :-)
 

 
olga64
olga64
Mitglied

RE: "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?
geschrieben von olga64
als Antwort auf WoSchi vom 29.01.2020, 18:04:52

Vielleicht sollten Sie bei den "kinderlosen alten DAmen", die hier eine eigene Meinung haben, berücksichtigen, wenn in deren Familien einige Lehrer und Lehrende seit Jahrzehnten tätig sind.
Es schadet nämlich nie, auch die Seite der Lehrer ins Kalkül zu ziehen, wenn man eine Angelegenheit beurteilen möchte.
ABer diese Art von höherem Denken scheint bei Ihnen nicht angekommen zu sein - aber Sie können ja daran arbeiten.
Übrigens: die Enkel meines Freundes sind nun nach einem Jahr Schüleraustausch in den USA froh, wieder die bayerischen Gymnasien besuchen zu können, obwohl beide ebenso planen, wenn sie später studieren, ebenfalls wieder in die USA zu gehen. Denn die Universitäten sind dort wirklich in vielen Bereichen besser als die staatlichen Deutschland. Olga

Acorina
Acorina
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RE: "Moderne Erziehung" .Welche Erfahrungen/Beobachtungen macht ihr oder habt ihr gemacht ?
geschrieben von Acorina

Ich bin der Ansicht, daß Erziehung in allererster Linie im Elternhaus stattzufinden hat und nicht erst mit Eintritt ins schulpflichtige Alter und somit alles dem Lehrpersonal überlassen wird. In allerfrühester Kindheit wird der Grundstein für Vertrauen, Empathie, Verhalten, Rücksichtnahme, Respekt  usw. gelegt. Was zuhause versäumt wurde, kann man nicht den Lehrern und Erziehern überlassen oder sogar anhängen, sie können nur begleitend und im höchsten Fall ausgleichend auf das Kind wirken. Dazu aber ist auch die Mitarbeit von bereitwilligen Eltern notwendig. 
Bei Jugendlichen schaut es oftmals wieder anders aus. Wenn "der Zug" zur Verhaltensänderung schon abgefahren zu sein scheint, kann man nur noch hoffen, daß der junge Mensch von sich aus und anhand von positiven Vorbildern den Schalter umzudrehen in der Lage ist.

Ein Beispiel aus meinem außerberuflichen Leben: In einem Bekleidungsgeschäft wollte ich zum Anprobieren einer Ware eine Kabine aufsuchen. Um eine benutzbare, leere Kabine zu erreichen bat ich einen ca.12jährigen Jungen um Durchlaß, da er den Weg blockierte mitsamt diversen Taschen. Er war in Begleitung einer erwachsenen mittelalterlichen Frau, vermutlich seine Mutter. Diese schaute mich nur an. Ich wiederholte freundlich meine Bitte, mich durchzulassen. Beide schauten sich an, zuckten mit den Schultern, worauf ich ein 3.Mal meine Bitte anbrachte, allerdings einwenig bestimmter. Daraufhin kickte der Sohnemann eine der Taschen auf die Seite,  so daß ich Platz hatte. Ich bedankte mich und mir wurde von der Frau hinterher gemault, "da hätten Sie ja auch drübersteigen können". Tolles Vorbild für gutes Benehmen und Rücksichtnahme, oder ? 
Und solche und ähnliche Vorkommnisse geschehen fast täglich, in der U-Bahn, auf dem Bürgersteig usw. und sogar in Restaurants. Da läßt man die Kleinen unter Tische krabbeln oder im Lokal herumrennen, so daß Bedienungen behindert werden . Also mir gefällt das alles nicht. 

Gruß von Acorina


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