Forum Soziales und Lebenshilfe Soziales Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???

Soziales Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???

olga64
olga64
Mitglied

Re: Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???
geschrieben von olga64
als Antwort auf Ampelia1008 vom 06.12.2012, 07:37:28
Auf den Ruhestand vorbereiten, planen...
das wird nichts
der Ruhestand ist nicht planbar
immer ereignet sich etwas, immer kommt etwas dazwischen
und alles läuft ausser Plan



Natürlich kann man sich auf diese Lebensphase vorbereiten - ist sogar ein Muss; alles andere ist sehr leichtsinnig und dann kann frau (oder man) in ein tiefes Loch fallen, was ja nicht sein muss.
Insbesondere wenn man Jahrzehnte berufstätig war, muss dies geplant werden - keiner wird zu seinem Arbeitgeber ohne vorherige Planung gehen und erklären, dass er morgen nicht mehr käme.
Sehr wichtig ist auch die finanzielle Planung, die so früh wie möglich in Angriff genommen werden muss. Durch die jährliche Versendung der Kontoauszüge bei der Rentenversicherung ist dies ja alles machbar.
Dann kommen automatisch die Gedanken - was möchte man dann tun? Lebt man in einer Partnerschaft, wird diese Planung zweigleisig gemacht.
Und wenn sich etwas ereignet, was dazwischenkommt - ist ja nicht so tragisch, so lange die Basis stimmt. Olga
old_go
old_go
Mitglied

Re: Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???
geschrieben von old_go
als Antwort auf Emmalotta vom 05.12.2012, 18:26:32
Emmalotta

darüber habe ich nie nachggedacht!

Ich hatte und habe so reichlich ausgefüllte Tage,
Pläne zu realisieren,
oder ganz einfach mal Tage oder Stunden in den Tag hineinleben!

Damit ich nicht ganz "verlotter" ,
habe ich 2 Türkisch Van Katzen und nun wieder einen IrishSetter,7 Jahre,
der mich auch bei Regenwetter nach draussen zwingt.

Und,wenn ich dann nach Hause komme, geniesse ich,einfach das tun zu können,wozu ich Lust habe!

Gudrun

ach ja,und dann "hab" ich ja Kinder,Enkel und Urenkel...........

und wohne in einem Haus mit sehr netten jungen Menschen!
desiree
desiree
Mitglied

Re: Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???
geschrieben von desiree
als Antwort auf old_go vom 06.12.2012, 16:43:19
Ich habe Eure Beiträge mit Interesse gelesen.

Uns fiel der Übergang nicht schwer, schon weil er mit einem Umzug von Küste zu Küste verbunden war.
Nach der Arbeit - durch den Umzug - kamen die Gedanken. Mir fehlten die Kollegen und auch die Arbeit sehr.

Ich habe dann einiges ausprobiert -

wie Sprachkurse - Literaturkreise -auch in plattdeutscher Sprache.

Ja, Golf habe ich auch "gelernt"..... es gefiel mir schon, nur da langte wohl mein Können nicht,

Ich lernte dann das Bridgespiel - mit größerem Erfolg ;)
Beim Bridge, der Literatur und walken bin ich geblieben.

Ich kann für mich sagen, dass es gut war, einiges auszuprobieren.

Euch wünsche ich einen guten Start in das neue Leben ----bitte vergesst nie den Spaß bei allem.

LG
desiree

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Parmenides
Parmenides
Mitglied

Unruhestand
geschrieben von Parmenides
Danke für das sehr interessantes Thema, Emma !

Statt sich impulsiv oberflächlichen Vergnügungen hinzugeben, ist es zunächst wichtig Schattenarbeit zu machen. Ich nenne die unerfüllten Wünsche und aus zeitlichen Gründen versäunten Gedanken und Aktivitäten Schatten.
Im Laufe des Lebens haben sich viele versäümte Aufgaben und unterdrückte Potentiale angesammelt, die zu inneren Konflikten geführt haben. Kreatives wurde oft unterdrückt und man hatte als Rädchen zu funktionieren.
Dieses unliebsame Gefühl, funktionieren zu müssen gilt es nun zu betracheten und sich zu vergegenwärtigen, was alles man in seinem Leben an guten Potentialen genötigt war zu unterdrücken.
Man kann sagen, die kreativen Ausdruckmöglichkeiten wurden unterdrückt. Das konnte nicht gesund sein.
Daher geht es m.E. zunächst darum, sich die eigene Vergangenheit betrachend zu vergegenwärtigen, was unterdrückt wurde und vor allem , was jetzt den neuen Lebenszielen entsprechend aufgearbeitet und bewußt gemacht werden muß.
Denn man hat nicht seinem Wesen nach authentisch gelebt, sondern im Grunde nur seine Existenz gesichert durch leider oft wesensfremde Tätigkeiten, deren Sinn zweifelhaft erscheinen mag.

Insofern wird man nicht umhin kommen, seinen Lebenssinn neu zu definieren und schrittweise neue Lebensaufgaben anstreben.
Das erfordert einiges an innerer Schau und es kann auch bei manchen schmerzhaft sein, zu erkennen, daß man nur fremdbestimmt war und nicht seinem ureigensten Wesen Ausdruck verliehen hat.
Schmerzhaft besonders dann, wenn man nicht Prioritäten gesetzt hat und früh genug erkannt hat, daß die Selbstverwirklichung ins Alter aufgeschoben wurde. Stattdessen ist man Illusionen und Meinungen anderer unterlegen.
Nun heißt es, sich neu zu orientieren und sich auf die wahren Werte im Leben zu besinnen. Das ist zunächst die Gesundheit in physischer und psychischer Sicht.

Empfehlenswert ist es, sich dabei mit Menschen in ähnlicher Lage austauschen zu können.

MfG
Parmenides
Re: Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Emmalotta vom 05.12.2012, 18:26:32
ins dunkle loch fallen können eigentlich nur die leute, die ihr leben lang

nur den beruf im sinn hatten. alle anderen, denen auch sonst sachen wichtig waren,

freuen sich mit sicherheit, vieles intensivieren zu können.

so können zb freundschaften viel besser gepflegt werden, dinge getan werden, die zeit-

intensiv und bisher vernachlässigt wurden. neue hobbys können entstehen, usw usw.

nur wer sich hängen lässt und sich selbst bedauert, wird es wohl als dunkles loch

empfinden, wenn plötzlich der beruf nicht mehr vorhanden ist.

eigentlich schade, denn man lebt nicht, um zu arbeiten, sondern man arbeitet, um zu leben.

(ich war nach der geburt des ersten kindes "NUR" die frau von ....", habe aber

bis heute noch niemals leerlauf gehabt.
)

aber bei jedem ist es sicher anders.
karl
karl
Administrator

Re: Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???
geschrieben von karl
als Antwort auf vom 26.01.2013, 07:39:53
eigentlich schade, denn man lebt nicht, um zu arbeiten, sondern man arbeitet, um zu leben.
geschrieben von Karin2
Liebe Karin,

das sehe ich aber und wahrscheinlich auch viele andere anders. Zwar ist es wohl für viele so, wie Du schreibst, aber das sind eher die Bedauernswerten für die der Beruf keine Berufung ist und für die der Beruf ein notwendiges Übel darstellt(e). Letztere haben wahrscheinlich das von Parmenides gut beschriebene Problem nicht, erstere öfters.

Karl

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2.Rosmarie
2.Rosmarie
Mitglied

Re: Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???
geschrieben von 2.Rosmarie
Hallo Emmalotta,

danke für das interessante Thema! Für mich ist es bereichernd zu lesen, wie unterschiedlich der Übergang in den Ruhestand angegangen und empfunden wurde.

Da ich während meiner Berufszeit schon früher eine ernsthafte Erkrankung hatte, kam bei mir durch eine andere Erkrankung das Ausscheiden relativ plötzlich, nämlich innerhalb von einem halben Jahr. Einerseits war ich unendlich dankbar, da mir das Arbeiten sehr schwer fiel und mich meine letzten Reserven kostete. Andererseits hatte mir mein Beruf immer viel Befriedigung und Erfüllung gegeben.

Zunächst war ich also einfach nur erleichtert, dass ich auf meine gesundheitlichen Einbußen Rücksicht nehmen konnte. Außerdem kam ich mir vor wie im Dauerurlaub. Himmel, war das schön, im Wald herumlaufen und Ausflüge machen zu können, wann und wie immer meinem Partner und mir danach zumute war!

Doch schnell spürte ich auch ein Loch... Ich beschäftigte mich mit meinem Innenleben und stellte fest, dass mir eine große Portion Lebenssinn weggebrochen war. Ich hatte zwar noch genug an Aufgaben (z.B. meine demente Mutter), aber meine berufliche Befriedigung, etwas Sinnvolles leidlich gut zu erledigen, war weg...

Eine ehrenamtliche Aufgabe, die mir angeboten wurde und die mir sicher neuen Lebenssinn gegeben hätte, habe ich nicht angenommen, da ich eine FeWo habe und in meinen Aufenthalten gern ungebunden sein wollte.

Langweile hatte und habe ich allerdings sowieso nie.
Für mich, glaube ich, war es wichtig, Trauerarbeit in Bezug auf die verlorene Berufserfüllung zu leisten. Dafür habe ich zwei Jahre gebraucht. Danach war es gut. Seitdem fühle ich dieses Loch nicht mehr.

Rosmarie
Re: Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf karl vom 26.01.2013, 08:11:11
@karl,

ich kenne einige männer aus unserem bekanntenkreis, die eine super karriere hingelegt haben

und sich heute aber fragen: war es das alles wert?

einige von denen sind in ein loch gefallen, zwar nicht zuuu tief, aber immerhin.

das ging bis zu depressionen.

die meisten fragten sich - war es das wert, daß ich kaum familie gespürt habe? kaum die kinder

aufwachsen sah? die kinder, meistens söhne, haben eine differenzierte haltung zu ihren vätern.

ich glaube nicht, daß die heutigen jungen männer (30+) solche opfer auf sich nehmen.

neulich bei einem vortrag sagte der redner, daß in der wirtschaft in zukunft viele "machtposten"

kaum besetzt werden können, weil eben erkannt wurde, daß arbeit nicht ALLES ist.

natürlich wird es immer typen geben, die karriere oben anstehen lassen, keine frage!
Re: Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???
geschrieben von meli
als Antwort auf karl vom 26.01.2013, 08:11:11
Karl,

ich habe in den spannenden Jahren meiner Berufstätigkeit sehr viele Männer erlebt, die in ein wirklich schwarzes Loch gefallen sind weil der Beruf weggefallen ist und die Fragen, die Karin aufgestellt hat, schwer gedrückt haben.

Aber ich habe auch viele Frauen erlebt, die ebenfalls in ein tiefes schwarzes Loch gefallen sind. Hier war es, weil die Kinder plötzlich außer Haus waren und die Männer berufungsmäßig mit ihrer Arbeit verbunden waren.

Beide Geschlechter sollten sich rechtzeitig immer wieder klarmachen, dass Leben sich zwangsläufig verändert. Nichts bleibt, wie es einmal war.
Wenn erst die Entfremdungsprozesse eingesetzt haben, ist es sehr schwierig, diese ohne fremde Hilfe aufzulösen.

Viele von uns leben inzwischen allein, weil der Partner sich anders orientiert hat oder verstorben ist.

Mein Beruf war mir sehr wichtig, aber irgendwann schaffte ich mir einen imaginären Zettel an (der auch hier im ST bekannt ist), auf den ich schrieb, was alles noch ansteht, wenn ich einmal nicht mehr arbeite.

Irgendwann stellten wir - ich meine, es war in der KK oder in der Würzburger - fest, dass dieser Zettel langsam die Länge einer Toilettenpapierrolle aufwies.

Doch dann kam alles anders.

Alle schwierigen Anteile der gesundheitlichen Art der letzten 3 Jahre sind ausgestanden, allerdings zwingen mich die Folgen des Unfalls in den Sport. Und das ohne Auto heißt, dass ganze Nachmittage dafür reserviert sind.

Aber eines ist sicher.

Ich wache jeden Morgen auf und bleibe noch eine Weile liegen und freue mich auf den Tag.
Ein Tag, an dem es keine Pflicht mehr gibt (natürlich abgesehen von der täglichen eigenen Versorgung und Haushaltsführung).

Es ist ein richtiges Glücksgefühl, das mich begleitet. Mag das Geld mit der Rente auch deutlich weniger geworden sein. Es reicht, um anständig leben zu können und sich auch den einen oder anderen Wunsch zu erfüllen.

Ich habe aber auch durchaus Momente, in denen eine Trauer aufkommt, weil ich diese Arbeit, die mir wie auf den Leib zugeschnitten war, nicht mehr mache.
Doch dann mache ich die andere Seite der Bilanz auf:

Frühdienste - aufstehen 5.00 Uhr morgens
Spätdienste - nach Hause kommen 22.00 Uhr abends
Wochend- und Feiertagsdienste - keine Familie oder Freunde gesehen, nur telefonisch gehört
Zwischendienste - der Morgen ist kaputt und Abends war ich zu müde, noch etwas zu unternehmen
Nachtwachen - muss ich nicht viel dazu sagen.

Ich habe differenzieren gelernt, dass meine Arbeit mir inhaltlich sehr gefallen hat. Doch sie hatte auch Rahmenbedingungen, die im vorgerückten Alter unglaublich belastend sind.

So betrachtet, sehe ich mich jetzt in einer 3. Lebensphase.
Ich bin noch mobil, kann mich überwiegend selbst versorgen. Ein Teil meiner Lebensmittel wird geliefert, ebenso Wasser oder Saft.
Mit der DB zu fahren, wird Gewohnheit. Wenn sie Verspätung hat, rege ich mich nicht auf. Ich habe Zeit!!! auch wenn ich als Rentnerin keine Zeit mehr habe. Doch das bedeutet für mich keinen Stress, sondern Aktivität, Lebendigsein, Lernen und auch durchaus Faulenzen und "meinen Bauch zum Denken freizugeben".

Auf diese Weise "keine Zeit zu haben" ist für mich persönlich unglaublich wertvoll, weil es ohne jeglichen Zwang gelebt wird.

Meli
hobbyradler
hobbyradler
Mitglied

Re: Ruhestand: ist das " dunkle Loch" unvermeidlich???
geschrieben von hobbyradler
als Antwort auf karl vom 26.01.2013, 08:11:11
eigentlich schade, denn man lebt nicht, um zu arbeiten, sondern man arbeitet, um zu leben.
geschrieben von karl
Liebe Karin,
das sehe ich aber und wahrscheinlich auch viele andere anders. Zwar ist es wohl für viele so, wie Du schreibst, aber das sind eher die Bedauernswerten für die der Beruf keine Berufung ist und für die der Beruf ein notwendiges Übel darstellt(e). Letztere haben wahrscheinlich das von Parmenides gut beschriebene Problem nicht, erstere öfters.
Karl
geschrieben von Karin2

Ich sehe das genau so wie Karin2.

Man arbeitet um zu leben, um leben zu können.

Ich hatte riesigen Spaß an meiner Berufstätigkeit, ich bin extrem gerne arbeiten gegangen, kein Tag war langweilig, die Tätigkeit war gut bezahlt, ich durfte gestalten. - Ich hatte Glück.

Und dann sehe ich vor mir Menschen die, egal aus welchen Gründen, auch schon zu Wirtschaftwunderzeiten ganz einfach malochen mussten und müssen.

Den Arbeiter am Hochofen. (Das mag heute wesentlich besser sein)
Die Datentypistin die ihre zuckenden Finger bis in den Feierabend verfolgten.
Den Verkäufer der sich vom Kunden dumm anquatschen lassen muss.
Den Fahrer des DHL Subunternehmers, der für ein Butterbrot unterwegs ist.
Die Familie die mehrere Arbeitsstellen benötigt um zu (über)leben.
Etc. etc.

Für die meisten Deutschen ist das Wort Karriere oder Selbstverwirklichung Hohn.

Ich habe oft den Eindruck, dass diejenigen, denen es gut geht, überhaupt nicht mehr die Realitäten erkennen. Häufig an Politikern oder Menschen im öffentlichen Dienst zu bemerken. (Wowereit läßt grüßen)

Wem es im Laufe seines Lebens langweilig war, dem wird es auch im Ruhestand langweilig sein. Umgekehrt würde ich es auch sehen. Der manchmal geäußerte Spruch "hier ist nichts los", zeigt nur, dass man selbst nichts auf die Beine stellen kann.

Ciao
Hobbyradler

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