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Umwelt und Klima Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?

carlos1
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Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?
geschrieben von carlos1

Am 15. Juni 1991 brach der Vulkan Pinatubo auf den Philippinen aus. Er jagte eine riesige Rauchwolke aus Asche und Gasen hoch in die Stratosphäre. Als Folge des Ausstoßes von ca. 20 Mio Tonnen Schwefeldioxyd (SO2), von denen ein Teil die höheren Schichten der Stratosphäre erreichte, veränderte sich kurzfristig das Weltklima. Die mittlere Temperatur sank um ein halbes Grad ab, entgegen dem vorherrschenden Trend. In den vorausgegangenen 100 Jahren hatten Treibhausgase die Erdtemperatur um ein Grad ansteigen lassen.

Aus Verzweiflung über das Fehlschlagen aller Versuche zur Reduzierung der Treibhausgase (vor allem CO2) schlagen Wissenschaftler nun vor mit Raketen, hochfliegenden Flugzeugen oder Ballons die Stratosphäre mit einem SO2-Schutzschild auszustatten. Der Dunst würde einen Teil der Wärmestrahlung in den Weltraum reflektieren.

Von 40 Staaten, die 2001 das Kyotoprotokoll unterzeichneten, werden 21 das Ziel die Emissionen wie vorgesehen zu senken nicht erreichen (Senkung des Ausstoßes um 5,2% unter den Stand von 1990 bis 2012. Bei diesem Kyotoabkommen sind China und die USA nicht einmal dabei.

Ein solches Experiment würde die Lösung der hier auf der Erde von Menschen herbeigeführten Veränderungen in den Weltraum verlagern. Die Folgen wären schwer zu kontrollieren. Klimakontrolle könnte auch als Klimawaffe gegen andere Staaten benutzt werden. Die Auswirkungen sind auch deshalb schwer abzuschätzen, da SO2-Partikel die Ozonschicht angreifen und somit in bestimmten Regionen die Zahl der Krebserkrankungen erhöhen könnten. Negative Auswirkungen könnte ein solches Unterfangen auch auf die Bereitschaft haben, auf der Erde durch teure Klimaschutzmaßnahmen die Emissionen zu vermindern.

Meinungen dazu?
c.
arno
arno
Mitglied

Re: Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?
geschrieben von arno
als Antwort auf carlos1 vom 27.04.2009, 17:18:48
Hallo, carlos1,

was Schwefeldioxid in der Atmosphäre verursacht, ist untersucht und
bekannt. Wegen der negativen Einflüsse auf die Umwelt wurden Anfang der
80er Jahre fossilbefeuerte Kraftwerke per Gesetz veranlaßt, Rauchgas-
Entschwefelungsanlagen zu betreiben.
Ich persönlich halte Dein zu Diskussion gestelltes Experiment
für überflüssig.

Viele Grüße
--
arno
navallo
navallo
Mitglied

Re: Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?
geschrieben von navallo
als Antwort auf arno vom 27.04.2009, 18:00:10
Hallo arno,
Carlos hat ja im letzten Absatz von sich aus auf die schwer voraussagbaren Gefahren hingewiesen :0)).
Man weiß wirklich zu wenig, um derartige Projekte ernsthaft in die Tat umzusetzen. Die Idee ist allerding nicht ganz uninteressant. Wer kann schon voraussagen, ob sie nicht in ein paar Jahrzehnten umsetzbar würde? Vor 50 Jahren hätte ich auch nicht geglaubt, daß irgendwann Magnetresonanz im heutigen Umfang meßtechnisch überhaupt möglich sein könnte und zur gehobenen Routinediagnostik in der Medizin würde.
--
navallo

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adam
adam
Mitglied

Re: Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?
geschrieben von adam
als Antwort auf carlos1 vom 27.04.2009, 17:18:48
Grüß Dich carlos,

ich bin gegen ein solches Experiment, von dem man nicht weiß, welche Nebeneffekte es hat. Käme noch eine Naturkatastrophe, ähnlich des des Pinatubo oder gar des Krakatau dazu, würden wir frieren. Bei allen Eventualitäten können wir genauso darauf hoffen, daß der Wissenschaft was Besseres einfällt.

--

adam
karl
karl
Administrator

Re: Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?
geschrieben von karl
als Antwort auf adam vom 27.04.2009, 18:58:26
... wenn dann der Pinatubo selbst wieder ausbricht - oder ein anderer Vulkan? Dann hätten wir Pech gehabt. Noch sind die Klimaveränderungen nicht katastrophal für die Biosphäre, es war schon einmal wesentlich wärmer auf der Erde.
--
karl
carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?
geschrieben von carlos1
als Antwort auf arno vom 27.04.2009, 18:00:10

Bei diesem Posting stützte ich mich auf einen Artikel in Newsweek International (Ausgabe vom 27.4.2009). Der Text ist sicher auch im Internet einsehbar.

Geo-engineering als Mittel der Klimapolitik ist nicht neu in der Diskussion. Bereits 1965 landete ein Vorschlag zur Klimamanipulation auf Präs. Johnsons Schreibtisch, merkwürdigerweise ohne, dass überhaupt in diesem Bericht auf die Möglichkeit einer Beschränkung der Emissionen eingegangen wurde. In den 90ern war das Thema Klima-Engineering out, weil die große Politik sich auf die Emissionsrückführung eingelassen hatte und nichts anderes hören wollte. Geo-Engineering war einfach crazy, mad science. 1974 schlug der sowjetische Phsiker Budyko vor mit Hilfe von Flugzeugen SO2 in die Stratospäre einzubringen, die (in Reaktion mit Wasser und anderen Mölekülen) den gleichen Effekt haben würden wie ein Vulkanausbruch. Durch die Presse gingen damals wiederholt Spekulationen über einee Klimawaffe im Kalten Krieg.

Die Nobelpreisträger Crutzen und Schelling haben in jüngster die Diskussion angesichts des rasch ansteigenden globalen Erwärmung den Vorschlag als einen Ausweg vorgeschlagen. Weniger aus Überzeugung als aus Verzweiflung. Die British Royal Society beginnt diese (verrückten)Pläne nun als mögliche Option zu studieren. Die US National Academies hat gerade in einer Konferenz über das Thema Klima-Engineering abgehalten und will im Juni 2009 Details ausarbeiten.

Klimawissenschaftler Michael Oppenheimer aus Princeton, weist darauf hin, dass dieses Thema noch nicht in der Öffentlichkeit auf der Tagesordnung steht, die Wissenschaft aber sieht es bereits als Option. Oppenheimer steht einem Team vor, welches einen Geo-Engineering-Plan ausarbeiten wird für die National Academies of Science der USA.

Viele Leute werden eine solche technologische Lösung der Klimafrage mit großen Bedenken sehen. Der Stand der Dinge zeigt nun das ganze Ausmaß des Desasters, welches durch die (weiter) unkontrolliert zunehmenden Einleitung von Schadstoffen in die Atmospäre angerichtet wurde und wird. Es muss damit gerechnet werden, dass im Zuge der jetzigen weltweit kritischen Wirtschaftslage die Bereitschaft zum Einsatz von relativ preiswerten Optionen der Großtechnologie steigen wird. Präs. G. W. Bush hat in seiner verflossenen Amtszeit wiederholt darauf hingewiesen, dass Amerika, wenn es wolle und die Zeit gekommen sei, dies Problem wirksam lösen werde. Die Anzeichen mehren sich, dass es so weit sein könnte.

c.




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carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?
geschrieben von carlos1
als Antwort auf adam vom 27.04.2009, 18:58:26

Lieber Adam,

mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn ich an alle Möglichkeiten denke.

Guß c.
rello
rello
Mitglied

Re: Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?
geschrieben von rello
als Antwort auf arno vom 27.04.2009, 18:00:10
Ich habe carlos so verstanden, daß das SO2 in der Stratosphäre landen soll, also entfernter als die Atmosphäre, in der es mit Wasserdampf eine chemische Verbindung zu H2SO3, also schweflige Säure eingeht, die dann als saurer Regen herunter kommt.
Soweit mir bekannt ist, gibt es in der Stratosphäre nur Spuren von Wasserdampf. Damit dürfte die Gefahr des sauren Regens ausgeschlossen sein.
--
rello
adam
adam
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Re: Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?
geschrieben von adam
als Antwort auf rello vom 28.04.2009, 10:23:24
Ergibt auch im Kreislauf der Natur Minus X Minus Plus? Können wir den Teufel durch den Belzebub austreiben?

Nehmen wir eine andere Naturkatastrophe als Beispiel: Das Oderhochwasser. Da scheint sich doch abzuzeichnen, daß sich die Natur alle Gewinne zurück holt, die gegen ihr Gleichgewicht gemacht wurden. Also spricht nichts dafür, daß eine Umweltsünde mit einer erneuten bekämpft werden kann. Und dazu noch ein Gedankensprung: Sogar die Finanzkrise läßt sich als Sünde gegen das Gleichgewicht der Natur begreifen. Alles, was diesem Gleichgewicht nicht entspricht, ist in letzter Konsequenz nicht realisierbar.

--

adam
silhouette
silhouette
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Re: Der Pinatubo-Effekt - ein akzeptables Mittel gegen den Kimawandel?
geschrieben von silhouette
als Antwort auf carlos1 vom 28.04.2009, 08:02:00
Die spinnen, die Amis!
Ich wünsche ihnen, die ganz nah dran sitzen, aber auch uns nicht, dass der Yellowstone sich regt.
--
silhouette

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