Forum Finanzen & Wirtschaft Wirtschaftsthemen Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?

Wirtschaftsthemen Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?

karl
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Administrator

Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?
geschrieben von karl
Ich reibe mir die Augen. Bisher war ich davon ausgegangen, dass das Kerngeschäft von Bayer der Pharmabereich wäre, aber nun will Bayer wohl schwerpunktmäßig in die Agrarchemie wechseln und hat Monsanto ein milliardenschweres Angebot unterbreitet. Bayer bietet für eine Monsanto-Aktie 122 US-Dollar, das liegt satte 37% über dem Schlusskurs der Monsanto-Aktie vor zwei Wochen. Das kann Bayer aus eigener Kraft nicht bezahlen, weshalb eine Kapitalerhöhung und Kreditaufnahmen geplant sind, um 75% des Kaufpreises zu finanzieren, nur 25% werden als Eigenkapital in den Deal eingebracht.

Hat sich Bayer das gut überlegt? Monsanto ist die Hassfirma der Gentechnikgegner schlechthin. Bayer wird nicht nur diese Firma, sondern auch deren schlechtes Image kaufen. Ruiniert man so eine Firma?

Der Aktienkurs jedenfalls ist auf Talfahrt. Das Management scheint davon unbeeindruckt und scheint entschlossen zu sein, die billigen Zinsen zu nutzen, um sich Monsanto einzuverleiben. Das Geschehen spiegelt wider, dass Bayer sich inzwischen als weltweiten Konzern sieht und keine Rücksicht auf auf die Gentechnikgegner in Deutschland nimmt. Langfristig verspricht man sich zusätzliche Milliardengewinne. Wie immer bei Megafusionen kann dies alles aber auch in einem Fiasko enden.

Karl
pschroed
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Re: Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?
geschrieben von pschroed
als Antwort auf karl vom 23.05.2016, 09:15:11
Hallo Karl.

Das ist wirklich kaum zu verstehen, ehtisch sehe ich es als ein grosser Fehler, gerade der Skandal Konzern Monsanto

Zu Zeit scheint das Fusionieren IN zu sein, auch wie es zur Zeit aussieht könnte Dupont de Nemours mit Dow - Chemicals zum grössten Chemie Giganten werden, Dupont alleine machte die Ankündigung von ihren 63000 Mitarbeiter 10% abzubauen sollten die Kartell Ämter ihre Zusage geben.

Es mag sein daß diese mögliche Jointe Venture Bayer den Anstoß gab auch vermehrt in die Agrarchemie einzusteigen und Monsanto zu übernehmen.

Phil.
karl
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Administrator

Re: Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?
geschrieben von karl
als Antwort auf pschroed vom 23.05.2016, 11:49:31
ich lese gerade: Schwappt das katastrophale Image von Monsanto auf Bayer über?

Ich verstehe diese Übernahme nicht. Ist das gut für Bayer oder nur gut für die Vorstände?

Karl

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pschroed
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Re: Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?
geschrieben von pschroed
als Antwort auf karl vom 23.05.2016, 15:20:41
ich lese gerade: Schwappt das katastrophale Image von Monsanto auf Bayer über?

Ich verstehe diese Übernahme nicht. Ist das gut für Bayer oder nur gut für die Vorstände?

Karl
geschrieben von karl


Mir geht es genau so, es wäre schade wenn Bayer sich mit der Übernahme selbst in den Sand setzt.
Fressen oder gefressen werden, verrückte Zeit

Phil.

ZITAT MANAGER MAGAZIN:

2. Teil: Flucht nach vorn

In der weltweiten Chemie- und Pharmabranche heißt es zurzeit "Fressen oder gefressen werden". Die Preise für Rohstoffe befinden sich im Keller, Krisen in Schwellenländern setzen die Konzerne zusätzlich unter Druck. Die Folge: Die Großen der Branche suchen nach Wettbewerbsvorteilen durch Zukäufe und Fusionen. Dabei gibt es im wesentlichen zwei Möglichkeiten: Entweder ein Unternehmen wird aktiv und strebt nach Größerem - oder es gerät womöglich auf die Beuteliste und wird früher oder später selbst geschluckt. Das gilt grundsätzlich auch für einen Weltkonzern wie Bayer.

Beispiele für Megadeals der jüngeren Vergangenheit finden sich einige: Im Dezember vergangenen Jahres kündigten die US-Konzerne Dow Chemical und DuPont ihren Zusammenschluss zum weltgrößten Chemieriesen an. Gleichzeitig geht momentan der Schweizer Pflanzenschutz-Spezialist Syngenta für 43 Milliarden Dollar ins Eigentum des chinesischen Staatsunternehmens Chemchina über
olga64
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Re: Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?
geschrieben von olga64
als Antwort auf karl vom 23.05.2016, 15:20:41
Noch ist es ja gar nicht so weit; ausser Bayer ist auch BASF an dem Deal interessiert. Jetzt treten erst mal die Kartellbehörden (in den USA) auf den Plan und dann werden Angebote auch an die Aktionäre erfolgen. Auch Monsanto muss natürlich noch zustimmen (was diese derzeit nur sehr vage machen; es würde ja den Preis drücken, wenn sie zu voreilig ihr Okay geben).
Der Einwand, ob dies nur für die Vorstände gut sein soll, hinkt ein wenig. Denn ein solcher Kauf soll ja langwierig sein - Vorstände erhalten ihre Verträge in der Regel "nur" für 5 Jahre. Und gerade bei so einem Deal, wenn hier was schief geht, dürfte der aktuelle Vorstand und seine Mannen schnell in einen Schleudersitz geraten.

Geld haben die KOnzerne im Übermass, aber meist sind sie - wie z.B. deutsche Konzerne in diesem Segment - im angestammten, deutschen Markt daran gehindert, sich forschungstechnisch entsprechend "auszutoben". DAs zwingt sie dann in andere Länder, bzw. zu Übernahmen, um dort potenter zu sein. Dieses Abwandern deutscher Konzerne und die Konzentration in andere Regionen und Märkte sind nicht gut für Deutschland, weil es hier natürlich Aktivitäten entzieht (und auch Manpower). Olga
carlos1
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Mitglied

Re: Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?
geschrieben von carlos1
als Antwort auf karl vom 23.05.2016, 09:15:11
"Hat sich Bayer das gut überlegt? Monsanto ist die Hassfirma der Gentechnikgegner schlechthin. Bayer wird nicht nur diese Firma, sondern auch deren schlechtes Image kaufen. Ruiniert man so eine Firma?" Karl


Lieber Karl,
Lieber Phil,

Die Agrarchemiesparte (Pflanzenschutz) der Bayer AG spielte immer eine wichtige Rolle für das Unternehmen. Die Chemiesparte wurde dagegen nach der Übernahme von Schering abgetrennt (heute: Lanxess). Mich überraschte die Nachricht von einer geplanten Übernahme auch. Die Überlegungen des neuen Vorstandschefs Baumann, sind aber auf den ersten Blick nachzuvollziehbar. Es geht zuerst um die Marktstellung der Bayer AG als global player und dann um langfristige Gewinnperspektiven, die Bayer mit Rückgriff auf die weit entwickelte Gentechniknutzung Monsantos nutzen könnte. Die Chinesen (Chemchina) waren übrigens bei der Übernahme des Schweizer Unternehmens Syngenta erfolgreich (größtes Unternehmen der Agrarindustrie). Mit Syngenta besitzt China weltweit das größte Unternehmen der Agrarindustrie. In den USA formiert sich möglicherweise ein neuer Großkonzern mit der Fusion von Dow und Dupont. Der hohe anvisierte Preis von 62 MRD USD (ca 55 Mio EUR) zeigt m. E., dass Bayer den Deal ernsthaft durchziehen will (122 USd pro Aktie bei einem gesunkenen Preis der Monsant-Aktie von derzeit etwa 40 USD).

Monsanto könnte mit seiner Gentechniksparte bei Saatgut nicht nur ein begehrtes Objekt für Bayer sein, sondern auch für China, das staatliche Gelder für eine Übernahme nutzen könnte, falls der Deal zwischen Bayer und Monsanto nicht zustandekommt. China kauft weltweit, insbes. in Afrika, Ländereien auf, um diese effektiv landwirtschaftlich zu nutzen. Eine Neuauflage von Kolonialpolitik, die nicht wahrgenommen wird.

Die Einstellung gegenüber ökologischen Problemen in Asien sind andere als in Deutschland. Die Nachfrage nach hochwertigem, gentechnisch veränderten Saatgut (d. h. Saatgut für gesteigerte Ernteerträge, dazu noch mit integriertem Pflanzenschutz, der Pflanzenschutzmittel einspart) ist in den USA nicht unüblich. Wir fragen dagegen, welche Auswirkungen das langfristig auf das Leben haben kann.

Der Kauf von Monsanto wäre eine reale Option für Bayer, d. h. eine mögliche Absicherung im Fall eines Rückgangs im Geschäft mit dem traditionellen Pflanzenschutz. Wenn es für die Gentechnik keine Zukunft gibt in Dtld, wäre auch eine Auslagerung von Forschung und Entwicklung in die USA eine Option für Bayer.

In Dtld/Europa wollen wir andere Standards. Gegenüber asiatischen Konkurrenten und den USA, die immer stärker auf Gentechnik setzen, werden wir sie nicht ohne weiteres weltweit durchsetzen können. Der Druck einer rasch wachsenden Weltbevölkerung fordert eine immer effizientere Landwirtschaft.

Unsere Haltung gegenüber der Globalisierung, die sich in dieser Entwicklung drastisch zeigt, ist widersprüchlich. Einerseits genießen wir die Vorteile in den Produkten und Rostoffen, die die Globalisierung uns beschert, andererseits sind vielen unter uns die Menschen unheimlich, die zu uns kommen und wir fürchten die unberechenbaren Folgen der Veränderungen.

Viele Grüße
c.

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olga64
olga64
Mitglied

Re: Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?
geschrieben von olga64
als Antwort auf carlos1 vom 23.05.2016, 17:47:33
Vielen Dank Carlos!
Als kleine Ergänzung: ich arbeitete viele Jahre mit Bayer (Industrie-Chemiesparte). Die frühere Material Science gab Bayer an die Börse; von dem noch bestehenden 69%igen Anteil will man sich trennen, wenn es zu dem Deal käme. Damit geht Bayer konsequent seinen Weg aus der Chemie hin zu "Crop" und Pharma, der sich schon lange abzeichnete.
Bei der BASF ist es noch ein wenig anders (in Deutschland und Europa), aber vermutlich auch nicht mehr lange. Olga
carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?
geschrieben von carlos1
als Antwort auf olga64 vom 23.05.2016, 17:52:21
Danke Olga für den Hinweis. Sah Ihren Beitrag zu spät. Meine Sorge ist immer die, dass Forschung und Entwickluing ausgelagert werden. Ihnen folgen irgendwann Arbeitsplätze. Standortsicherung ist auch wichtig im Zeitalter der Globalisierung.

Viele Grüße
c
olga64
olga64
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Re: Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?
geschrieben von olga64
als Antwort auf carlos1 vom 23.05.2016, 17:55:47
So ist es lieber Carlos. ABer zum einen bekommen die Firmen in Deutschland und in Europa zu viele "ideologische Daumenschrauben" angelegt und zum anderen ist Europa ein vergreisender Kontinent. Da orientieren sich die Unternehmen in die REgionen, wo die Bevölkerungsstruktur jünger und auch (noch) offener ist, was unweigerlich zum Abzug nicht nur der Projekte, sondern auch der Mitarbeiter führen wird.
Parallel dazu finden die Unternehmen in diesen Regionen jüngeres Personal, das immer besser ausgebildet und "hungrig" nach Erfolgschancen ist.
Dies betrifft nicht nur die Chemie, sondern insbesondere die Automobil-Industrie und auch TEchnik-Konzerne wie Siemens, Bosch und viele andere.Olga
sarahkatja
sarahkatja
Mitglied

Re: Warum kauft Bayer Monsanto für 62 Milliarden US-Dollar?
geschrieben von sarahkatja
als Antwort auf karl vom 23.05.2016, 09:15:11
Nein Karl,
sie wissen schon, was sie tun.
Kommt man nicht durch die Vordertür, schafft man es eben anders.
Es geht immer um den Gewinn und welche Firma möchte schon
aufgekauft oder abgehängt werden. Die Zukunft der Menschen spielt keine Rolle.
Klappt es in Deutschland nicht, geht man dorthin, wo es funktioniert.

Die Konzerne schaffen es schon. Ihr Gehirn ist auf Gewinn trainiert.
Macht es Bayer oder BASF nicht, machen es eben die Chinesen.
Die Folgen tragen spätere Generationen, nämlich dann, wenn sie
von den ihnen aufgezwungenen Genmanipulationen abhängig sind.
So funktioniert das moderne Kolonialdenken und die Unüberlegtheit
der betroffenen Länder.

Sarahkatja

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