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Hamburg und Umgebung

Hamburg und Umgebung

Wir waren im Hamburger Rathaus



Wir...

... das waren Juno aus Düsseldorf, nnamttor44 aus Verden, Marion-SH aus Flensburg, und die "Hamburger" Floeckchen, Sagar und ich . Ein HamburgTreff, der auf Initiativ der „Auswärtigen“ zustand kam, denn diese sind ja so selten bei einem Treffen dabei. Die Absprachen dazu zogen sich hin, aber dann ging es doch ganz schnell und bald trafen sich Hamburgfans, die sich vorher noch nie gesehen hatten.

Um es vorneweg zu sagen: Es war ein guter Tag. Schon allein, weil die Stadt im strahlendem Sonnenschein lag, fast kein Wölkchen am Himmel, das uns die Laune und die Freude nahm.

Nachdem wir uns alle verabredungsgemäß im Hauptbahnhof am Bahnsteig 13, auf der Seite der Wandelhalle eingefunden hatten, ging es erst einmal über die Straße in das Restaurant Paulaner. Nach einer langen Reise sich erholen, gemütlich sitzen und in Ruhe mit all denen bekannt werden, mit denen man nun einen halben Tag verbringen möchte, hat sicher jedem von uns gut getan.


Aber dann, …. Hamburg!

Was kann man tun in dieser Stadt, die so viel sehens- und erlebenswerten bietet, wenn man nur ein paar Stunden zur Verfügung hat? Denn das hatten unsere auswärtigen Gäste – wenig Zeit. Natürlich hatte ich mir schon im Vorwege Gedanken gemacht, wie der Nachmittag gestaltet werden könnte. Michel, vielleicht – oder Landungsbrücken mit Hafenrundfahrt, oder ...


Wir einigten uns dann auf eine Besichtigung des Hamburger Rathauses, an der ich immer wieder sehr gern teilnehme. Ich mag dieses Haus.

Und so schlenderten wir vom Hauptbahnhof



über den Steintor- und Glockengießerwall, vorbei an der Kunsthalle



zur Binnenalster, auf der sich uns die Fontäne im schönsten Sonnenschein präsentierte. Auch wenn gesagt wird, dass die Fontäne zur Zeit ihrer Inbetriebnahme von den Hamburgern nicht gewollt war: heute gehört sie zu den Sehenswürdigkeiten in der Hamburger Innenstadt.



Auf dem Ballindamm, entlang der Binnenalster führte uns der Weg zum Jungfernstieg. Wenn man Zeit mitbringt und sich umsieht, kann man auch hier, wie an vielen anderen Orten in Hamburg, die Geschäftshäuser sehen, die uns zeigen, dass Hamburgs Kaufmannsleute zu repräsentieren wissen.



Und aufmerksame Spaziergänger können sicher auch Entdeckungen machen, die nicht immer zu sehen sind. So wie wir diesen Busch, der über und über von kleinen frechen Spatzen frequentiert wurde – die es auch nicht störte, dass wir stehen blieben und sie aufs Korn nahmen.



Von hier aus waren es nur noch wenige Schritte bis zum Rathaus.

Schon von außen präsentiert es sich als stattliches Gebäude mit vielen Türmen und Fenstern zwischen denen Kaiser, Könige und Bürgersleute den Blick anziehen - eine eindrucksvoll gestaltete 111 m lange Fassade mit einem 112 m hohen Mittelturm. Beeindruckend für mich die Kunst der Baumeister, bedenkt man, dass das Rathaus auf 4.000 Lärchenpfählen ruht.





Geht man durch das große schmiedeeiserne Tor kommt man in die Eingangshalle im Erdgeschoß, die Diele, wie der Hamburger sagt. Bereits hier kann man den Bürgerstolz der hanseatischen Baumeister erahnen. Sechzehn Sandsteinsäulen ragen hoch und tragen die Gewölbedecke, flankiert an den Schmalseiten von zwei breiten unterschiedlich gestalteten Treppen, die in den Bürgerschaftsflügel und Senatsflügel führen. Hier ist auch der Treffpunkt, um an einer Führung teilzunehmen.



Ohne einen Führung ist eine Besichtigung des Rathauses leider nicht möglich, was ich sehr bedauere. Sieht man aber während dieser einmal zurück, kann man es verstehen – viele Besucher wollen die repräsentativen Räume sehen. Aber es sind
nur einige wenige von den insgesamt 647 Räumen, die das Rathaus hat.

Da wäre zum Beispiel das Bürgerschaftstreppenhaus. Eine große Treppe führt von der Diele in das oberste Stockwerk. Wir durften sie nicht benutzen – ich glaube, der rote Teppich müsste ständig erneuert werden, würden alle Besichtigungsgruppen ständig hier hinauf und hinunter laufen.



Aber beeindruckend ist es schon, schaut man genauer hin, auf die Sockel des Geländers



die Kadelaber, die das Treppenhaus erleuchten



oder auf den Fries ganz oben, in dem das Leben eines hanseatischen Bürgers bis ins Alter dargestellt ist.





In der Lobby, dem Vorraum zum Plenarbereich, treffen sich Politiker und Bürger zu Gesprächen, bevor die Sitzungen beginnen. (Der Tisch wurde, so sagte man uns, aus dem Stamm einer Eiche geschnitzt, die man bei den Fundamentarbeiten gefunden hatte.)




Ein großes Gemälde zeigt das Haus, das an dem Platz erbaut wurde, an dem das alte Rathaus bis zum großen Brand in 1842 stand und in dem sich die Bürgerschaft bis zur Fertigstellung des neuen zu ihren Sitzungen traf. Heute ist es der Sitz der Patriotischen Gesellschaft.




Ein Blick in den Plenarsaal, in dem die Hamburger Bürgerschaft tagt.



Hier, wie in vielen Räumen die wir sahen, lohnt auch ein Blick zur Decke, wie man hier sehen kann.



Wer Lust hat, kann auch mal oben in einer der Logen sitzen und eine Plenarsaalsitzung live erleben. Man muss sich aber anmelden. Früher, so wurde uns erzählt, saßen hier die Frauen der Bürgerschaftsabgeordneten - aber Rederecht hatten sie damals noch nicht. Ob sie zu Hause dann mit ihren Gatten über die Geschehnisse debattieren durften und damit doch auch Einfluss nahmen auf die politischen Entscheidungen? Den Mätressen der Könige wird das ja immer mal nachgesagt


Auch im Bürgersaal ist wieder die Schnitz- und Drechslerkunst der Kassettendecke beachtenswert, aber auch die Struktur der grünen Filztapete mit dem Hamburger Wappen.




So wie auch die der Tapete aus Rindsleder im Kaisersaal, der größten zusammenhängenden Ledertapete Europas.



Die Deckengemälde stellen die Bedeutung der deutschen Seemacht und des deutschen Welthandels dar.



Die Bildhauerarbeiten sind Sinnbild für die Länder (hier für China), mit denen Hamburg zur damaligen Zeit in überseeischen Handelsbeziehungen stand.



Übrigens, als der Kaiser hier speiste, war der Saal noch nicht fertiggestellt. Man richtete ihn fürstlich her, damit sich der Gast wohlfühlt und entnahm dann wieder alles, um ihn zwei Jahre später dann entgültig so auszustatten, wie wir ihn heute sehen können.


Der Bürgermeistersaal ist ebenfalls prachtvoll und mit einer Ledertapete ausgestattet.



Hier erfuhren wir auch, dass es zwar vier Kamine im Rathaus gibt, aber keiner je benutzt wurde, da während der Bauzeit des Rathauses andere Beheizungsarten für öffentliche Gebäude ins Auge gefasst wurden. Das Hamburger Rathaus ist eines der ersten Gebäude in Deutschland, welches mit Fernwärme ausgestattet war. Damals sicher ein großer Fortschritt in Sachen Ökobilanz. Und auch die Ausstattung des Gebäudes mit elektrischem Licht zeigt, wie fortschrittlich die hanseatischen Bürger waren. Denn bei der Planung war die Glühlampe ja noch nicht erfunden.

Schmunzeln mussten wir, als bei der Beschreibung ein Vergleich mit der Elbphilharmonie fiel, deren Fertigstellung ja auch teurer als geplant wurde, da ständig Verbesserungen auf Grund von Entwicklungen die ursprüngliche Planung veränderten. Sicher hat sich der Bau des Rathauses auch während der Bauzeit deutlich verteuert. Immerhin dauerte es 50 Jahre von der Planung bis zur Fertigstellung.

Im Waisenhauszimmer erfuhren wir von Kinderarbeit, die die Bürgerschaft billigte aber auch bezahlte. Damals waren die Gesetze noch nicht so streng in unserem Land wie heute. Das Motiv war jedoch nicht die billige Arbeitskraft, sondern die Ausbildung von Waisenkindern zu tüchtigen Handwerkern, die dann durch das Erlernte einen Beruf hatten und der Gesellschaft wieder dienen konnten.



Alle Elemente in diesem Raum wurden von den Waisenkindern gefertigt. Wunderschöne Arbeiten, wie man an dieser Fensterfüllung sehen kann.




Der Phönixsaal hat seinen Namen als Erinnerung an die Wiedererstehung der Stadt nach dem Großen Brand. Auch hier gibt es viel zu sehen, unter anderen einen Teil des damaligen Silberschatzes von Hamburg, der mit Bauschutt verschmolzen ist.

Mein Blick wurde auch hier von der Details der Ausstattung festgehalten,
zum Beispiel den verschnörkelten Fenstergriffen,



den Mosaikarbeiten in den Fensternischen



oder den Stuhllehnen, in dessen Lederrücken das Hamburger Wappen geprägt wurde.



Auch lohnt sich mal ein Blick aus dem Fenster, solch eine schöne Aussicht entspannt die Augen und den Geist – oder etwa nicht?





In der Ratsstube tagt der Senat. Da, wie unsere Führerin zu berichten wusste, schon damals die Frage der Abhörsicherheit eine wichtige Rolle spielte, hat der Raum keine Fenster. Beim Bau des Rathauses wurde ein acht Meter hoher Lichtschacht eingeplant, der dem Raum das einzige natürliche Licht spendet. Aber nicht allein das Licht war das Kriterium für den Lichtschacht. Kein weiterer Raum ist über der Ratsstube, denn der Tradition folgend, darf über dem Senat nur der Himmel sein. Und, so wurde uns auch mitgeteilt, wurde hier der Rechtsauffassung Raum gegeben, "dass ein freier Mann nur unter freiem Himmel gerichtet werden darf". Damals hatte der Senat nicht nur die oberste politische sondern auch die oberste richterliche Gewalt.



Wer in den Bereich des Senates möchte und damit auch in die Ratsstube, muss durch diese prächtige Gittertür gehen, die geschlossen werden kann, so dass der Zutritt unbefugten Personen verweht bleibt.



Auch hier hat mich, wie bei vielen anderen Schmiedearbeiten an denen wir während der Führung vorüber kamen, die Handwerkskunst gefesselt.





In diesem Raum endete unser Rundgang – im Festsaal – 46m lang, 15 m hoch. Die Bilder an den Wänden stellen Situationen während der Geschichte Hamburgs von 800 bis 1900 dar. Wieder einmal bedauert ich, dass man nicht allein durch dieses Haus gehen darf; es blieb so wenig Zeit, alles in Ruhe zu betrachten.



Neben den Bildern, die Stadtwappen des Hansebundes, die oben als Fries zu sehen sind oder die Kassettendecke, an der drei Lüster befestigt sind – jeder trägt mehr als 270 Lampen und ist reichlich schwer, 1500 kg, so wurde uns gesagt.

Da gibt es noch die prachtvolle Tür



oder die Ballustrate die auf Marmorsäulen ruht



Auch hätte ich gern hier länger die Schnitzereien der Türfüllungen in Augenschein genommen



wie so manch andere Schnitzerei, die ich immer mal wieder entdeckte.





Zurück in der Diele, blieb auch hier noch manches zu entdecken, was wir beim Eintreten nicht gleich bemerkten hatten.

Da sind zum Beispiel die Fensterfüllungen der Türen, die von dort in den Innhof des Rathauses führen (den zu besichtigen uns aber die Zeit fehlte).



Oder die prachtvolle Gittertür mit der filigranen Umrahmung, oben am Treppenaufgang zum Senatsflügel



Beim Hinausgehen streift der Blick unwillkürlich den Brunnen in der Diele, ein Zeichen dafür, dass man früher wohl darauf bedacht war, dass der Senat und seine Mannen hier nur mit sauberen Händen dem Wohle der Stadt dienen sollten. (Das mit den sauberen Händen ist jetzt reine Spekulation von mir )



Einen Augenblick verweilen kann man auch an der großen Gittertür, dem Eingang zum Rathaus. Ich finde, sie ist wunderschön gestaltet und es lohnt, auch hier nicht achtlos vorbei zu gehen.


(Diese Aufnahme stammt von einem anderen Tag. Als wir dort waren, waren einfach zu viele Menschen da, die die Türe verdeckten.)

Nach diesem Rundgang war Erholung angesagt, auch hatten wir Kaffeedurst und so gingen wir wieder zurück zum Jungfernstieg und ließen den Tag ausklingen mit dem Blick auf die Binnenalster und Fontäne, die wir ja schon vor wenigen Stunden gesehen hatten.

Dann hieß es Abschied nehmen – Juno, Nnamttor44 und Marion-SH, die von weit her gekommen waren, wollten nicht erst in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages wieder zu Hause sein. MarionS-H und Nnamtor wurden von uns zum Bahnhof begleitet, Juno war schon früher gegangen, Zugfahrt nach Düsseldorf dauert ja doch recht lang. Beim Abschied waren wir sicher, dass wir uns wieder einmal treffen wollten. Lange winkte ich ihnen noch nach – ob sie es bemerkten, bei dem Gewühle, das auf den Bahnsteigen herrscht?



Es war ein Treffen, das ich nicht so schnell vergessen werde. Ich wünsche mir, dass wir uns bei weiteren Treffen hin und wieder einmal sehen werden.

In diesem Sinne – tschüss bis bald mal wieder
Angelika / Tranquilla


PS: Fotografieren war erlaubt, aber ohne Blitzlicht. Von daher konnte ich auch nicht so sehr viele Bilder machen, die die Ausstattung der Räume im Ganzen zeigt.

Wer aber möchte – hier findet ihr die Möglichkeit zu einem virtuellen Rundgang. Vielleicht könnt ihr dann meine Begeisterung für diese Räume nachvollziehen.

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