Bag-in-Box – Weine im Weinschlauch - kein Platz für Vorurteile

Die Welt der Weinliebhaber ist eine ganz besondere Gemeinschaft. Vorurteile und Missverständnisse sind dort an der Tagesordnung. Vor allen Dingen, was die Qualität des Weines betrifft.
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Viele Weintrinker sind der Meinung, dass Wein nur dann qualitativ hochwertig sein kann, wenn er in einer Flasche mit Korkverschluss angeboten wird. Eine Flasche mit Schraubverschluss kann nur Wein enthalten, der minderwertig in der Qualität ist. Schließlich wird am so wichtigen Kork gespart.
 
Kommt der Wein dann noch in einem Weinschlauch daher, kann es sich definitiv nicht um Qualität handeln. Schnell gehen die Gedanken in Richtung Sangria, der auch gerne in der Pappe – oder beim „Komasaufen“ direkt im Eimer gereicht wird. So auf jeden Fall die Meinung vieler Weintrinker, die solchen Verpackungen nicht trauen und die der Meinung sind, dass Quantität auf mindere Qualität schließen lässt. Doch das ist beim besten Willen nicht so.

Was ist eigentlich ein Weinschlauch?

Doch bevor der ganze Zusammenhang überhaupt verstanden werden kann, ist wichtig, dass verstanden wird, was ein Bag-in-Box Wein überhaupt ist.
 
Mit Bag-in-Box ist eine Verpackung gemeint, bei der der Wein in einen Kunststoff Stoffschlauch gefühlt wurde. Dieser Kunststoffschlauch liegt in einem Pappkarton, wobei der Schlauch durch einen Zapfhahn mit dem Karton und der entsprechenden Öffnung verbunden ist. Wird der Zapfhahn geöffnet, läuft der Wein aus dem Schlauch und dem Karton in das Glas.
 
Innerhalb von Europa werden solche Bag-in-Box Weine oftmals mit Füllmengen von 3 Litern oder 5 Litern angeboten. Diese sogenannte Doppel Verpackung, wie sie bei einer Bag-in-Box vorkommt, gibt es schon seit der Antike. Damals wurden Trinkschläuche aus Ziegenhaut gefertigt.
 
Von dieser Idee ließ sich im Jahr 1965 ein australischer Weinhersteller inspirieren und hat den Bag-in-Box Wein als Patent eintragen lassen. 2 Jahre später entwickelte das weltweit bekannte australische Weingut Penfolds einen Innenschlauch aus Kunststoff, der mit dem speziellen Zapfhahn versehen wurde.

Ist nun schlechter Wein in den Schläuchen?

Vorurteile halten sich meist recht hartnäckig. Bei Wein aus der Packung wird gerne mal davon ausgegangen, dass es sich um billigste Ware handelt, die in Massenproduktion gefertigt wird und die beim besten Willen den Gaumen von einem Weinkenner nicht umspielen sollte. Doch diese Vorteile sind falsch. Auf jeden Fall dann, wenn es sich um einen Bag-in-Box Wein handelt.
 
Erst die Kombination aus der Box, dem Schlauch und dem Zapfhahn macht dieses Verpackungssystem so interessant und attraktiv. Durch den Zapfhahn gelingt nämlich so gut wie kein Sauerstoff an den Wein, der in der Verpackung ist. Das ist anders als bei Flaschen, die geöffnet werden und wo dann der Sauerstoff ungehindert an den Wein gelangen kann. Der Zapfhahn riegelt den Wein ab und sorgt so dafür, dass er für lange Zeit seinen Geschmack behält. Der Umkarton aus Pappe, der den Schlauch umschließt, sorgt zusätzlich dafür, dass die Temperatur des Weins so stabil wie möglich gehalten werden kann.
 
Vor allen Dingen der geringe Sauerstoffkontakt bringt große Vorteile mit sich. Der Wein bleibt nämlich im Vergleich zu einer geöffneten Flasche deutlich länger haltbar und somit auch trinkbar. Hinzu kommt, dass der Kork, der oftmals seinen eigenen Geschmack hat und diesen auch an den Wein abgibt, bei einer Bag-in-Box Verpackung keine Rolle mehr spielt. Korkschmecker, die sich darüber nicht sonderlich erfreut gezeigt haben, finden in der Bag-in-Box Variante eine gute Alternative.
 
Da die Verpackung im englischsprachigen Raum erfunden und patentiert wurde, ist sie dort schon viel länger bekannt, als das in unseren Breitengraden der Fall ist. Dort wird die Verpackung auch deutlich mehr respektiert, als bei den deutschen Verbrauchern. Hierzulande werden solche Verpackungen oft mit einer geringeren Weinqualität gleichgesetzt. Kein Wunder, da wir schon Bedenken haben, wenn ein Wein in einer Flasche mit einem Schraubverschluss daherkommt. Wir sind es gewohnt, einen Wein zu entkorken. Nur dann ist es in unseren Augen ein richtig guter Tropfen.
 
Doch dieses Denken muss neu ausgerichtet werden. Denn es stimmt beim besten Willen nicht, dass Wein in Schraubflaschen oder in einem Bag-in-Box System eine schlechtere Qualität aufweist als ein Wein mit einem Korken.

Ein Umdenken muss stattfinden

Auch einige Weinfeinschmecker sind inzwischen zu der Erkenntnis gekommen, dass ein Umdenken in Bezug auf die Pappverpackungen von Weinen gut tun würde. Diese sogenannten kulturellen Vorurteile, die wir gegenüber Bag-in-Box Verpackungen haben, sollten abgelegt werden. Denn diese Verpackung verdient durchaus eine Chance.
 
Logisch betrachtet lassen sich in solchen Verpackungen hervorragend hochwertige Weine abfüllen. Denn die Verpackung sorgt dafür, dass der Wein nicht schlecht wird.
 
Es ist lediglich empfehlenswert, den Wein aufgrund des Materials der Schläuche, also aufgrund des Kunststoffes, nicht länger als ein Jahr in der Bag-in-Box zu lagern. Ein solch abgepackter Wein eignet sich daher nicht unbedingt dafür, lange im Weinkeller zu liegen.
 
Ein weiterer Tipp für alle Weinkenner: Der Wein aus der Bag-in-Box sollte im besten Fall innerhalb von zwei Monaten konsumiert werden. Auch das dürfte kein Hindernis sein, den Wein in solchen Verpackungen zu kaufen. Denn im Alltagsgebrauch lässt sich eine Packung von 3 Litern oder 5 Litern Wein durchaus innerhalb von zwei Monaten entleeren.
Vorteilhaft ist zudem, dass sich Weine aus einer Bag-in-Box Verpackung hervorragend zum Einsatz bringen lassen, wenn mehrere Personen bewirtet werden sollen. Besonders dann, wenn in Sommermonaten der Wein im Freien genossen wird, bleibt der aufgrund der besonderen Verpackung lange kühl. Auch dann, wenn er nicht in einem Kühlschrank oder in einem Weinschrank gelagert wird.
 
Selbst in Sachen Umweltfreundlichkeit kann die Bag-in-Box punkten. Der Kunststoffschlauch kann bequem über den gelben Sack oder das duale System entsorgt werden. Und der Karton, der den Schlauch umgibt, wird mithilfe des Papiermülls der Entsorgung zugeführt.

Es gibt auch einen Kritikpunkt

Auch wenn bis dahin alles so wunderbar klingt, so gibt es doch einen kleinen Kritikpunkt, der geäußert werden muss. Und dieser besteht in der Undurchsichtigkeit der Verpackung. Nur mithilfe einer Sichtprobe lässt sich nicht kontrollieren, wie viel Wein bereits der Verpackung entnommen wurde. Diese Kontrolle ist aber wichtig, um beispielsweise auch bei der Bewirtung von größeren Gesellschaften als zu wissen, wie viel Wein noch vorhanden ist. Wichtig wäre das auch, damit nicht einfach sinnlos über den Durst getrunken wird.
 
Wer also wissen möchte, wie viel Wein aus der Verpackung bereits entnommen wurde, sollte sie vor dem Trinkgenuss auf die Waage stellen. So kann das Startgewicht ermittelt werden und es kann zwischendurch immer kontrolliert werden, wie viel Wein entnommen wurde. Nämlich indem einfach die Verpackung neu gewogen wird.
 
Unser Tipp: Um mit den Vorurteilen gründlich aufzuräumen, lohnt es, beim nächsten Urlaubsausflug in eine Weinregion eine Bag-in-Box direkt beim Winzer zu kaufen. Viele Winzer bieten diese Verpackungen direkt an, sodass sich eine gute Gelegenheit ergibt, in ganz entspannter Atmosphäre mit dem Vorteil, dass Weine in Bag-in-Box Verpackungen nicht gut sind, aufzuräumen.

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Kommentare (1)

emslaender

Hallo und guten Tag,
mal eines vorweg, habe keine Ahnung vom Wein
und bin eigentlich auch kein Weintrinker.
Jetzt mal eine Frage an die Experten:
ich habe einige Flaschen Wein verschiedener Abfüller
noch im Keller stehen.
Auf den Etiketten erkenne ich Wein aus den Jahren
1960 bis 1970.
Habe noch keine Flasche geöffnet und probiert.
Kann der überhaupt noch genießbar sein?

Grüße aus dem Emsland

 


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