Den Tod verstehen: Was Ihnen hilft, Abschied zu nehmen und Ihre Trauer zu bewältigen

Trauerarbeit ist schmerzhaft und braucht Zeit. Nicht umsonst wird der Trauerprozess in vier wichtige und langandauernde Phasen eingeteilt. Wie Sie diese unterschiedlichen Trauerphasen verstehen lernen und was Ihnen helfen kann, den Verlust eines geliebten Menschen zu bewältigen, zeigen wir Ihnen in 5 Schritten zur Trauerbewältigung. 
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Stirbt ein geliebter Mensch, sind wir häufig wie gelähmt. Ob ganz plötzlich eingetreten, nach langer Krankheit oder altersbedingt, der Tod gehört zum Leben dazu und ist dennoch für die meisten von uns einfach unbegreifbar. Gläubige Menschen haben es da zwar mitunter leichter, sie „wissen“, dass ein Leben nach dem Tode auf sie oder ihre Angehörigen wartet. Trotzdem: Der unabdingbare und schmerzhafte Verlust eines geliebten Menschen geht mit tiefen Trauergefühlen einher. 
 
Den Tod wirklich zu verstehen, können Sie wahrscheinlich nicht von sich verlangen. Aber besser mit Ihrem Verlust umgehen und Abschied nehmen zu können – das hat sehr viel mit einer gezielten Trauerbewältigung zu tun und diese können Sie lernen. Was Ihnen dabei helfen kann, möchten wir Ihnen in den folgenden 5 Schritten zeigen:

Der erste Schritt: Lernen Sie die 4 Trauerphasen verstehen 

Wenn Sie Ihre Gefühle verstehen, abschätzen können, warum sie ausgelöst werden und sie als völlig normal akzeptieren können, werden Sie voraussichtlich auch in Ihrer Trauerarbeit vorankommen. In der Psychologie teilt man daher einen Trauerprozess in 4 Phasen (manchmal auch in 5) ein:
 
  • Phase 1:  Schock und Leugnen
Die erste Reaktion auf das Ableben eines geliebten Menschen ist meist ein regelrechter Schockzustand, in dem der Tod einfach geleugnet wird. Selbst wenn der Tod nach langer Krankheit eintritt und somit schon im Vorfeld erwartbar war, ist plötzlich alles anders und nichts scheint mehr „richtig“ zu sein. In der Schockphase ist es völlig normal, wenn Sie apathisch, wie in Trance, vollkommen verstört wirken oder komplett zusammenbrechen. Diese erste Phase kann sowohl ein paar Stunden als auch viele Tage und Wochen andauern. 
 
  • Phase 2: Aufbrechende, unkontrollierbare Emotionen
Die zweite Phase im Trauerprozess ist die wohl schwierigste Trauerphase. Sie ähnelt einer starken Depression oder zumindest starken depressiven Episoden. Es sind ganz unterschiedliche Gefühle, die sich in dieser Zeit Bahn brechen. Wut, Zorn, Hass, Verzweiflung, Sehnsucht, Leid, Schmerz, Traurigkeit, Schwermut, Neid (auf diejenigen, die niemanden verloren haben) – all das kann vorkommen. Auch stürzen in dieser Phase viele Fragen auf Sie ein:
 
  • „Warum geschieht das ausgerechnet mir?“
  • „Wie konntest du mich nur alleinlassen?“
  • „Warum hat Gott das geschehen lassen?“
  • „Was hätte ich tun können, um das zu verhindern?“
Fragen wie diese oder ähnliche kann Ihnen natürlich niemand beantworten. Es gibt keine „richtigen“ Antworten darauf. Trotzdem ist es normal, dass Sie sich diese Fragen stellen und es ist auch heilsam, dass Sie es tun. Ein Unterdrücken dieser unkontrollierten Gefühle wäre ungesund und kann zu tiefen Depressionen führen. Lassen Sie sich also Zeit und erlauben Sie sich diese starken Emotionen, die Sie einholen. 
 
  • Phase 3: Das Suchen und Neuorientieren
Sobald Sie anfangen, sich an gemeinsame Erlebnisse mit dem/der Verstorbenen zu erinnern, Zwiegespräche mit ihm/ihr halten und in Ihrer Umgebung nach Dingen suchen, in denen Sie den/die Verstorbene/n „wiederfinden“ können, haben Sie die schwerste Trauerphase hinter sich gelassen und sind nun langsam bereit, Schritt für Schritt ins Leben zurückzukehren. Wichtig in der Phase des Suchens ist, dass Sie sich Zeit nehmen, sich zurückzuziehen und die Ruhe zu finden, auch wenn Ihre Umwelt vielleicht nicht verstehen mag, was in Ihnen vorgeht oder Sie für „verrückt“ hält, wenn Sie mit einem Toten sprechen. 
 
Nach und nach können Sie sich wahrscheinlich wieder auf Ihre Umwelt einlassen, neue Freude empfinden und das Leben annehmen. Stimmungsschwankungen (und sogar suizidale Gedanken) sind in dieser Phase normal. Wenn Sie allerdings merken, dass es Ihnen nicht gelingen mag, das Leben wieder neu anzunehmen, weil die Dunkelheit in Ihnen zu mächtig ist, sollten Sie sich Hilfe suchen. Auch das ist nicht schlimm, sondern völlig verständlich!
 
  • Phase 4: Ein neues Gleichgewicht
Auch in der letzten Trauerphase ist es normal, wenn Sie sich ab und an schwermütig fühlen und Traurigkeitsgefühle verspüren. Wahrscheinlich beginnen Sie aber, den Tod zu akzeptieren und dem/der Toten einen Platz in Ihrem Herzen, in Ihrer Erinnerung einzuräumen, ohne dass der Schmerz übermächtig bleibt. Ihr Körper und Ihre Seele werden somit wieder bereit sein, neue Aufgaben anzunehmen und dem Leben positiv entgegenzublicken. 

Warum ist es wichtig, diese 4 Phasen zu kennen?

Das Verstehen oder zumindest die Kenntnis über diese 4 Phasen kann Ihnen helfen, Ihre eigenen Gefühle während der Trauerbewältigung besser einordnen zu können. Wichtig ist, die Gefühle nicht mit Alkohol, Tabletten o.ä. zu „ertränken“, sondern sie zuzulassen, auch wenn das sehr schmerzhaft sein kann. Suchen Sie sich lieber vertraute Menschen, mit denen Sie alles besprechen können, egal wie absonderlich das, was Sie während Ihres Trauerprozesses zu sagen haben, auch klingen mag oder wie oft Sie immer wieder dieselben Dinge besprechen müssen, bis Sie alles verarbeitet haben. Alles, was Sie empfinden oder mitteilen möchten, ist „normal“ und in Ordnung. Sie müssen sich in Ihrer Trauer nicht verstecken, denn Sie sind nicht allein. 

Der zweite Schritt: Planen Sie die Beerdigung   

Losgelöst von den soeben beschriebenen 4 Trauerphasen gibt es besondere Rituale und Abläufe, die Ihnen bei der Trauerbewältigung von Nutzen sein können. So hilft es vielen Menschen im ersten Schockzustand, noch bevor sie überhaupt beginnen können, alles zu verarbeiten, die Beerdigung im Sinne des/der Verstorbenen zu planen. Und vielleicht ist dieser Aspekt ja auch für Sie von Bedeutung. Im besten Falle wissen Sie, welche Art von Bestattung sich der/die Verstorbene gewünscht hätte, weil Sie im Vorfeld darüber gesprochen haben. 
Ist der Tod jedoch sehr plötzlich eingetreten, kann es sein, dass Sie selbst entscheiden müssen, WIE und WO die Beerdigung stattfinden soll. In diesem Rahmen gibt es viele Fragen, die Sie im Vorfeld klären müssen:
 
  • Welche Art der Bestattung soll es sein – eine Erd- oder Feuerbestattung?
  • In welchem Rahmen soll die Beerdigung stattfinden – kirchlich oder weltlich?
  • Was für ein Grabmal wünschen Sie – ein Reihengrab, ein Wahlgrab, ein Familien- oder Einzelgrab etc.? 
  • Welche Art Grabstein wünschen Sie – einen klassischen Grabstein, eine Grabstele oder einen Liegestein, ein Grabsteinbuch etc.? 
  • Wie sieht Ihr Kostenrahmen/Ihr Budget für die Bestattung aus?
  • Wo soll der/die Verstorbene beerdigt werden – auf dem Gemeindefriedhof, in einem Friedwald, auf einer Aschestreuwiese, in Form einer Seebestattung usw.?

Wollen oder können Sie diese Fragen nicht alleine beantworten, gibt es natürlich mehrere Anlaufstellen, an die Sie sich wenden können, zum Beispiel:
 
  • Ihre Gemeinde, die den kirchlichen (und/oder kommunalen) Friedhof betreibt,
  • den zuständigen Pastor/die zuständige Pastorin,
  • ein örtliches Bestattungsunternehmen,
  • den örtlichen Steinmetz Ihres Vertrauens.
Das Organisieren einer Beerdigung kann einiges an Zeit in Anspruch nehmen und das bedeutet, dass Sie in dieser Zeit (noch) nicht über Ihren Verlust nachdenken müssen, sondern erst einmal ganz pragmatisch vorgehen können. Vor allem auch das individuelle Gestalten des Grabsteines ist ein wichtiger Aspekt in der Trauerbewältigung. Nehmen Sie Einfluss darauf! So stellen Sie sicher, dass Material, Farbe, Symbolik sowie die Inschriften des Steines auch wirklich zum Charakter des/der Verstorbenen passen. Dazu gibt es sogar einen Online-Grabstein-Konfigurator. Darüber hinaus kann der Entstehungs- und Bearbeitungsprozess eines Grabsteines auch für Sie selbst in Ihrer Trauerarbeit wichtig sein. Sie können den Grabstein als letztes Geschenk betrachten, als Symbol für das „ewige Leben“ oder zumindest für die ewige Erinnerung an den Menschen, der unter diesem Grabstein begraben liegt. 

Der dritte Schritt: Bauen Sie Rituale und feste Abläufe in Ihren Alltag ein

Ist die Beerdigung vorbei, fallen viele Trauernde in ein tiefes Loch. Der Schockzustand während der ersten (und zweiten) Trauerphase setzt dann erst richtig ein, die Erinnerungen kommen hoch und der Schmerz ist überwältigend. Vielen Menschen hilft es daher, feste Rituale und Abläufe in ihren Alltag einzubauen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen, je nachdem, was Ihnen am nächsten kommt:
 
  • Besuchen Sie regelmäßig das Grab. Nehmen Sie sich Zeit, dort zu trauern. Kümmern Sie sich um den Blumenschmuck und die Bepflanzung (als eine Art Reinigungsritual). Beten Sie oder halten Sie stumme Zwiesprache mit dem/der Verstorbenen. 
  • Schreiben Sie Tagebuch. Halten Sie Ihre Eindrücke, Gefühle, Empfindungen fest und vermerken Sie sowohl negative als auch positive Gefühle. Vertrauen Sie sich Ihrem Tagebuch zu jeder Tages- und Nachtzeit an, je nachdem, wann Sie es gerade brauchen und gestehen Sie sich diese „Stütze“ zu. 
  • Erstellen Sie einen Tagesplan mit kleinen und großen Aufgaben, einem Minimal- und einem Maximalziel pro Tag und arbeiten Sie diesen Plan ab. Das wird Ihnen helfen, eine Struktur und Sinnhaftigkeit in Ihren Alltag zurückkehren zu lassen. 
  • Planen Sie Wochenenden, Feiertage und vor allem wichtige Jahrestage (z.B. den Hochzeitstag, Geburtstag), die Sie vorher gemeinsam erlebt haben, ganz bewusst ein. An diesen Tagen gibt es keinen (Berufs-)Alltag, keine obligatorischen sozialen Kontakte, die Sie „über den Tag retten“. Setzen Sie sich also auch an diesen Tagen kleine Ziele, die Sie erreichen müssen. 
  • Achten Sie darauf, sich gesund zu ernähren und ausreichend zu bewegen. Sie brauchen gerade in dieser Zeit Kraft und Energie und müssen sich um Ihre eigene Psychohygiene kümmern. Gehen Sie hinaus in die Natur, in den Wald, fahren Sie an einen See, dekorieren Sie Ihr Haus neu oder bauen Sie einen Schneemann (je nach Jahreszeit). Tun Sie etwas, das Ihren Geist und Ihren Körper in Balance hält (auch wenn es Ihnen schwerfällt und sinnlos erscheint)!

Der vierte Schritt: Suchen Sie sich dort Hilfe, wo Sie sich angenommen fühlen 

Jedem Menschen hilft etwas anderes. Deshalb hat niemand das Recht, pauschal darüber zu urteilen, was Ihnen persönlich hilft und wie Sie sich in Ihrer Trauer zu verhalten haben. Das entscheiden Sie ganz allein für sich. Es gibt verschiedene Kontakt- und Anlaufstellen, die Sie in Ihrer Trauer unterstützen können. Das können bspw. sein:
 
  • örtliche Vereine und/oder Selbsthilfegruppen, 
  • die bundesweite, anonyme Telefonseelsorge (der Anruf ist dabei kostenfrei, es gibt aber auch eine Mail-, Chat- und Face-to-Face-Beratung), 
  • die Trauerberatungen der Kirchengemeinden vor Ort, 
  • themenorientierte Seniorengruppen, Gesprächskreise der Kirchengemeinden,
  • Heilpraktiker und Psychotherapeuten, 
  • Reiseveranstalter, die „Trauerreisen“ anbieten (d.h. organisierte, therapeutische Reisen für Menschen, die einen Schicksalsschlag zu verarbeiten haben. Achtung: Die Begleitung der Reise durch ausgebildete Trauerbegleiter sollte im Angebot enthalten sein!),
  • Trauerzentren und/oder Trauercafés (wenn es diese in Ihrer Region gibt), 
  • Internet-Foren oder -Blogs, Hilfeportale und Online-Gedenkportale, 
  • Freunde, Verwandte und Familie. 

Der fünfte Schritt: Nehmen Sie sich Zeit und suchen Sie sich eine Aufgabe, die Sie glücklich macht

Im Volksmund heißt es oftmals recht flapsig: „Das Leben geht weiter und die Zeit heilt alle Wunden“. Dieser Spruch ist für die meisten Trauernden furchtbar, oberflächlich und fühlt sich vollkommen falsch an. Die meisten Menschen, die mit solchen Ratschlägen hausieren gehen, meinen es im Grunde genommen nur gut, wissen aber selbst nicht, wie sie mit sich selbst und Ihnen umgehen sollen. Trauer ist eben leider in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. Vieles, was mit dieser Thematik zu tun hat, wird unter den Teppich gekehrt und verdrängt.
 
Auf diesen Zug müssen Sie jedoch nicht aufspringen. Lassen Sie Ihre Trauer zu und akzeptieren Sie, dass Trauerarbeit nun einmal Zeit kostet. Wenn Sie dann dazu bereit sind, suchen Sie sich am besten eine Aufgabe, die Sie erfüllt und glücklich macht. Wichtig dabei ist, dass Sie das nicht für andere tun, sondern nur für sich. Das muss natürlich nicht heißen, dass Sie dabei nicht auch anderen etwas Gutes tun können, im Gegenteil. Wir Menschen sind schließlich sozial orientierte Wesen und wenn wir gebraucht werden, sind wir meistens glücklich (so lange es nicht zur Selbstaufgabe führt).
 
Also suchen Sie ruhig den Kontakt zu anderen, sobald Sie dazu bereit sind. Sie werden vielleicht feststellen, dass nicht nur Sie selbst trauern, sondern dass auch die Menschen in Ihrer Umgebung ähnliche Schicksalsschläge erlebt haben. Da kann es helfen, etwas gemeinsam zu unternehmen und sich in einem neuen Gefüge zusammenzufinden (sobald die Zeit dafür gekommen ist). 
 
Und nach und nach geht es dann wirklich für Sie weiter: das Leben. Denn die Zeit kann Ihnen tatsächlich dabei helfen, Ihre Wunden zu heilen, ohne dabei aber den geliebten Menschen zu vergessen. Dieser bleibt in Ihrem Herzen und in Ihrer Erinnerung und das für immer. 

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