Normalerweise nutzen wir unsere Rubrik "Spam-Warnungen" um wöchentlich auf neue Betrugsversuche hinzuweisen. Doch der aktuelle Fall ist derart hinterhältig und folgenschwer, dass wir heute unseren kompletten Newsletter gezielt dieser Betrugsmethode widmen wollen. Wir wurden sogar von einigen unserer Kunden darum gebeten, dies zu veröffentlichen: "Bitte machen Sie ganz dringend darüber einen Info-Newsletter!"

Es geht um eine Masche, bei der die Betrüger sich zunächst per Telefonanruf melden und sich dann unter einem Vorwand Zugriff zum Computer der Betroffenen verschaffen. Besteht erst einmal dieser Zugriff, so sind alle Daten in Gefahr. Passwörter der eigenen E-Mail-Adressen, das Online-Banking oder Paypal werden ausspioniert, der Computer kann sogar ferngesteuert werden. Wir haben über diese Masche in den vergangenen Monaten bereits mehrfach berichtet, unter anderem in unserem Buch "Tricks der Spam-Mafia". Aufgrund des "cleveren" Auftretens der Betrüger wurden in den letzten Wochen dennoch gleich mehrere unserer Leser und Newsletter-Abonnenten Opfer dieses Betrugs und kontaktierten uns daraufhin. Wir zeigen Ihnen heute, wie der Betrug funktioniert und wie Sie sich davor schützen!

Hier ein Protokoll des Geschehens:

Es beginnt mit einem Anruf
Das Telefon klingelt. Der Anrufer, meist englischsprachig oder mit starkem Akzent, behauptet, von Microsoft zu sein. Der angebliche Grund des Anrufs: von unserem Computer würden kriminelle Dinge ausgehen. Es müsse jetzt sofort und auf der Stelle gehandelt werden! Der Anrufer will Zugriff auf den Computer nehmen, um sich darum zu kümmern und zu helfen. Eine Kundin berichtet, dass die Betrüger über mehrere Monate immer wieder angerufen haben. Zudem wird man stark unter Druck gesetzt. Eine Levato-Leserin schrieb uns: "Es klingt so echt!" Lässt man sich auf die Angelegenheit ein, so geht die Masche am Computer weiter.

Zugriff per Fernwartung
Programme zur Fernwartung sind eine wunderbare Hilfe im Computeralltag. Auch wir verwenden das Programm TeamViewer, um unsere Problemlösungen durchzuführen. Per Fernwartung kann man einen anderen Computer für einen bestimmten Zeitraum fernsteuern und dort zum Beispiel Fehler reparieren. Doch die Betrüger zweckentfremden nun genau ein solches Programm für ihren eigenen Angriff. Unter dem Vorwand, sie müssten den Computer überprüfen, nehmen die Kriminellen Zugriff. Sie können sich nun auf dem Computer umschauen, Programme installieren und Daten stehlen. Eine betroffene Levato-Kundin schreibt: "Durch Eingabe des Passworts und Installation von TeamViewer konnten die alles machen. Sogar an mein PayPal kamen sie ran." Währenddessen benutzen die Anrufer mitunter den Google-Übersetzer, um mit den Opfern zu kommunizieren und diese weiter unter Druck zu setzen. 

Der Gipfel der Unverschämtheit
Nachdem die Kriminellen sich auf dem Computer ausgetobt haben, kommt der Gipfel: Für ihre angebliche Hilfeleistung wollen die Betrüger im Anschluss auch noch Geld! Der Betrag soll zum Beispiel per Western Union bezahlt werden. An dieser Stelle, als es um die Bezahlung der geleisteten Dienste ging, haben dann auch unsere betroffenen Leser, die uns kontaktiert haben, die Reißleine gezogen, aufgelegt und die Internetverbindung getrennt. Das Problem: zu diesem Zeitpunkt hatten die Kriminellen bereits zahlreiche sensible Daten gestohlen. "Die haben alles: das Passwort zu meinem PC, meine E-Mail-Adresse, meine Kontonummern, mein Geburtsdatum."

Wenn Sie betroffen sind
Ändern Sie umgehend alle wichtigen Passwörter zu sensiblen Diensten, wie vor allem:
  • Passwort der E-Mail-Adresse
  • Passwort beim Online-Banking
  • Passwort für PayPal
  • Passwort für wichtige Benutzerkonten wie Google-Konto, Apple-ID oder Microsoft Konto
  • Passwort für Online-Shops wie Amazon oder eBay
Wie man das Passwort der E-Mail-Adresse ändert, erfahren Sie in unserem ganz neuen Kurs "E-Mail und Spam".

Vorsorge: Wie schütze ich mich?
Die Masche erinnert fast ein bisschen an den bekannten "Enkel-Trick". Dass man keinen Fremden ins Haus lässt und auch keinem Fremden Geld gibt, ist jedem klar. Doch trotzdem fallen immer wieder viele Menschen auf den berühmt-berüchtigten "Enkel-Trick" herein. Die Betrüger sind einfach ungemein clever, sehr überzeugend und hollywoodreife Schauspieler!
Genau so verhält es sich mit dem Computer. Gewähren Sie niemals fremden Personen den Zugriff auf Ihren Computer! Und auch wenn Sie jetzt denken, dass Ihnen sowas nie passieren wird, seien Sie nicht zu sehr von sich selbst überzeugt. Bleiben Sie achtsam, denn Hochmut kommt vor dem Fall.
Ein Programm wie der TeamViewer zur Fernwartung ist zwar generell seriös und sehr hilfreich, von ihm geht grundsätzlich also keine Gefahr aus. Doch sollte man niemals auf ein Drängen hin einem völlig Fremden den Zugriff erlauben. Sollte es einmal dazu kommen, dass Sie das Gefühl haben, jemand greift unrechtmäßig auf Ihren Computer zu, so trennen Sie sofort die Internetverbindung, dadurch ist der Zugriff erst einmal gestoppt.

Informationen zu aktuellen Betrugsversuchen:


Lesen Sie aufmerksam unsere wöchentlichen Spam-Warnungen und unser Buch Tricks der Spam-Mafia. Auch die Falle mit dem angeblichen Microsoft-Anruf haben wir darin ausführlich beschrieben. Da diese Masche aktuell wieder vermehrt auftritt und auch die Spam-Mails nicht abnehmen, bieten wir unser Buch nun für kurze Zeit zum Aktionspreis von 9,90 Euro (statt 14,90) an.
 
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In einer Zusammenarbeit zwischen diesem Magazin und Levato verfassen Andreas Dautermann und Kristoffer Braun regelmäßig Beiträge für diesen Blog. Ihre Themen: Computer, Internet und Smartphone. Auf www.levato.de helfen sie älteren Menschen beim Umgang mit neuen Medien und Technologien. Dafür wurden sie bereits mehrfach ausgezeichnet.
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