Fruktosemalabsorption bei Senioren

Von Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind häufig auch Senioren betroffen. Da sie aber oft an altersbedingten Erkrankungen leiden und Medikamente einnehmen, die die Verdauung beeinträchtigen können, ist oft nicht zu erkennen, woher die Symptome kommen. Sind es tatsächlich Nebenwirkungen der Arznei? Selten zieht jemand bei Magenschmerzen und Durchfällen an die Ernährung als Ursache in Betracht.
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©sweetlouise | Pixabay.com

„Plötzlich musste ich nach dem Essen dringend auf die Toilette. Danach hatte ich solche Kreislaufprobleme, dass ich mich hinlegen musste", erzählt Berta W. Sie ging davon aus, dass sie ihr neues Medikament gegen den Bluthochdruck nicht vertragen würde. Allerdings ging es ihr immer schlechter: „Zu den Verdauungsproblemen kamen irgendwann auch noch eine traurige Stimmung und Lustlosigkeit hinzu."

So wie Berta W. geht es einigen Senioren. Obwohl Nahrungsmittelintoleranzen unter jungen Menschen hierzulande zuzunehmen scheinen, sind sie bei älteren meist nicht auf dem Radar. Sie können sich nicht vorstellen, dass ihre Beschwerden nicht unbedingt nur von den Medikamenten kommen, sondern in der – eigentlich gesunden – Ernährung ihre Ursache haben.

Berta W. wusste ebenfalls nicht, woher die Fülle ihrer Beschwerden kommt. „Ich traute mich gar nicht mehr aus dem Haus." Sie ging zu ihrem Arzt, der überwies sie an einen Psychologen. „Der Arzt dachte, ich hätte seelische Konflikte, weil ich immer so traurig und lustlos war.

Als es ihr nach wenigen Gesprächssitzungen immer noch nicht besser ging, vertraute sich die 67-Jährige ihrer Enkelin an. „Mensch Oma, sagte sie da, meiner Freundin ging es wie dir! Lass dich mal auf Intoleranzen testen!" Intoleranzen? Mit diesem Begriff ging die Rentnerin erneut zu ihrem Arzt.

Tatsächlich veranlasste er sogenannte Atemtests, die bei Nahrungsmittelintoleranzen der Diagnostik dienen. „Ich wusste nicht, ob das der richtige Weg war. Wieso sollte ich das, was ich seit Jahrzehnten esse, plötzlich nicht mehr vertragen?" Doch das Ergebnis war eindeutig: Berta W. leidet unter einer Fruktosemalabsorption, sprich Fruchtzuckerunverträglichkeit. Auslöser dafür können etwa Magen-Darm-Infekte, Darmoperationen oder ein Darmpilz sein.

Die bekanntesten Nahrungsmittelintoleranzen sind Laktose- und Fruktoseunverträglichkeiten. Ist die Laktoseintoleranz relativ einfach in den Griff zu bekommen, gestaltet sich das bei der Fruktosemalabsorption schon schwieriger. Fruchtzucker ist nämlich nicht nur in Früchten enthalten, sondern auch in Fertiggerichten, Gemüse, Bonbons, Diätprodukten, Süßigkeiten, Softdrinks und im Haushaltszucker.

Steht die Diagnose fest, ist es bedeutend, die Lebensmittel, die die Beschwerden auslösen, aus dem Speiseplan zu streichen. Diese herauszufinden, gleicht oftmals der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Hilfreich kann hierbei eine zweiwöchige Phase der Karenz sein und das anschließende Führen eines Ernährungstagebuches. Darin wird über mehrere Wochen detailliert aufgelistet, wann was gegessen oder getrunken wurde und wann welche Beschwerden aufgetreten sind.

„Die Karenzphase ist nicht ganz einfach", so Berta W., „brachte mir aber erstmals eine Erleichterung". Während dieser Zeit wird die Auswahl der Lebensmittel auf ein Minimum reduziert, ganz ohne Früchte, Gemüse und Zucker sowie ohne blähende Dinge wie Bohnen oder Linsen. Anschließend wird etwa alle drei Tage ein „neues" Lebensmittel in den Speiseplan integriert.

Mit diesem zeitlichen Abstand kann sichergestellt werden, woher mögliche Beschwerden kommen. „Es ist ein Stück Arbeit, aber jetzt nach einem halben Jahr, geht es mir wieder viel besser", erzählt die Seniorin. Hilfe erfahren Betroffene bei Ernährungsberatern, die sich auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten spezialisiert haben. Wichtig dabei ist, auf den „eigenen Bauch zu hören".

Kurze Tipps zur Selbsthilfe:

 
  • Sensibilisieren Sie Ihren Arzt für dieses Thema. Oft übersehen Ärzte diese Möglichkeit der Erkrankung.
  • Lesen Sie die Zutatenlisten der einzelnen Produkte. Oft sind hier schon „Fallen" zu erkennen.
  • Meiden Sie Fertiggerichte und Fast Food.
  • Fruchtzucker verbirgt sich in und hinter den Begriffen Fruktose, Zucker, Zuckeralkoholen wie Sorbit (auch E 420) und Maltit, Agavendicksaft, Honig oder Ahornsirup.
  • Kochen Sie am besten frisch oder bitten Sie Ihren Essenslieferanten um entsprechende Rücksichtnahme.

Exkurs: Wie verläuft so ein Atemtest?

Der Patient sollte ca. zwölf Stunden vor dem Test nichts mehr essen und nur Wasser trinken. Der Atemtest basiert auf dem Wasserstoff-Gehalt, der in der ausgeatmeten Luft enthalten ist, wenn Kohlenhydrate im Darm nicht richtig verdaut werden. Der Patient bläst in ein Röhrchen, das mit einem Messinstrument verbunden ist.

Danach trinkt er eine Lösung mit 25mg Fruktose oder 25mg Laktose - je nachdem, ob der Verdacht einer Fruktose- oder Laktoseunverträglichkeit besteht. In bestimmten Zeitabständen bläst der Patient erneut in das Röhrchen, um den Wasserstoff-Gehalt zu prüfen.

Insgesamt dauert der Test bis zu drei Stunden. Steigt der Wasserstoff-Gehalt an und entstehen zusätzlich die bekannten Beschwerden, gilt eine Diagnose als gesichert. Es empfiehlt sich, am Tag des Tests keine anderen Termine zu planen.

Exkurs: Welche Auswirkungen hat eine Fruktosemalabsorption?

Neben Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, aber auch Verstopfung, Blähungen, Übelkeit bis hin zu Erbrechen können Symptome wie Kreislaufbeschwerden, Energielosigkeit, depressive Verstimmungen und Stimmungsschwankungen auftreten.

Das hängt unter anderem mit der Aminosäure Tryptophan zusammen, die essentiell für den menschlichen Körper ist zur Bildung des Glückshormons Serotonin: Bei einem von einer Fruktoseunverträglichkeit betroffenen Menschen landet der Fruchtzucker unverdaut in hohen Konzentrationen im Darm. Dort verbindet er sich mit dem Tryptophan, das nun nicht mehr zur Serotoninbildung zur Verfügung steht. Somit entstehen weniger „Glücksgefühle" im Körper, was zu einer schlechten Stimmung führt.

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