Kreditanfrage im Alter: Warum es Senioren so schwer haben

Kurzfristige finanzielle Engpässe kommen auch im Seniorenalter manchmal sehr überraschend. Ebenso können größere Anschaffungen die monatliche Rente schnell einmal übersteigen. Hilfe bietet da in der Regel nur ein Kredit, doch dieser ist im Alter längst nicht so einfach zu bekommen, wie manch einer meinen mag. Banken beteuern zwar regelmäßig die Chancengleichheit aller Interessenten, die Realität sieht aber meist anders aus. Die Gründe liegen auf der Hand, scheinen allerdings nicht immer fair zu sein.

Trotz einer ausgewogenen finanziellen Ruhestandsplanung sind kurzfristige finanzielle Engpässe auch im Lebensherbst keine Seltenheit. Schließlich besitzen auch ältere Menschen Wünsche wie Weltreisen, einen Computer, ein neues Auto oder heutzutage sogar ein seniorenfreundliches Smartphone.

Vielleicht muss auch aufgrund eines verschlechterten Gesundheitszustands das Eigenheim umgebaut und barrierefrei gemacht werden. Das sukzessiv sinkende Rentenniveau macht sich in solchen Notfällen dann natürlich negativ bemerkbar und trägt dazu bei, dass immer mehr Senioren auf einen schnellen Kredit angewiesen sind. Denn langfristiges Sparen ist im Alter verständlicherweise keine Option.

Der Weg führt dann zunächst zur altbewehrten Hausbank. Doch hier wartet häufig die böse Überraschung: Der Bankangestellte des Vertrauens verwehrt einen Kredit. Zwar betonen die Sprecher der großen Sparkassen und Volksbanken die grundsätzliche Chancengleichheit aller Kreditantragsteller und die individuelle Bewertung jedes einzelnen Antrags, die Realität sieht aber ganz anders aus. Das erhöhte Ausfallrisiko des Kredits aufgrund der höheren Sterbewahrscheinlichkeit sowie der vergleichsweise kurzen Restlebenszeit, in der ein Darlehen zurückgezahlt werden kann, lässt die Banken eine Kreditanfrage meist zügig ablehnen.

Ablehnung meist unabhängig von Darlehenshöhe

Hierbei handelt es sich zunächst um kleinere Kredite im durchschnittlichen Rahmen bis zu 15.000 Euro. Immobilienkredite scheinen für Senioren gänzlich unerreichbar. Hinzu kommt, dass die Banken die Kreditwürdigkeit aller Kunden von Gesetzes wegen detailliert prüfen müssen. So soll abgesichert werden, dass der Kreditnehmer seinen Verpflichtungen während der Kreditlaufzeit auch wirklich nachkommen kann.

Die Leitlinien-Verordnung für Immobilienkredite legt dabei präzise fest, welche Faktoren bei der Kreditwürdigkeitsprüfung zu berücksichtigen sind. Demnach wird ein möglicher Todesfall des Darlehensnehmers beispielsweise nur in die Analyse miteinbezogen, wenn es konkrete Anhaltspunkte für diesen Fall gibt, zum Beispiel durch ernsthafte Vorerkrankungen.

Sind die Verbindlichkeiten gegenüber der Bank allerdings durch andere Immobilien oder Vermögenswerte sichergestellt, spielt ein möglicher Todesfall keine Rolle in der Bewertung. So zumindest ist es vom Gesetzgeber angedacht.

Trotz größeren Hürden im Alter: Anzahl der Kredite steigt

Bei der Kreditvergabe besitzen die Kreditinstitute trotzdem relativ freie Hand. Da Kreditverträge nicht als Massengeschäfte, sondern als Individualgeschäft angesehen werden, gilt beispielsweise auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in diesem Bereich nicht. Der Gang vor ein Gericht nach der Ablehnung eines Kredits besitzt somit geringe Erfolgsaussichten. Die Drohung mit einem Wechsel der Bank kann da schon effektiver sein, denn auch Banken möchten Geld verdienen.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die Gesamtzahl der Kredite angestiegen ist. Speziell die Anzahl der Kredite für Menschen im frühen Seniorenalter ist rasant gestiegen. Das mag angesichts der obigen Aussagen zunächst als Widerspruch erscheinen, liegt aber in der deutlich gestiegenen Lebenserwartung der Menschen begründet.

Deswegen müsste man die derzeitige Situation eigentlich präzisieren: Im frühen Rentenalter ist das Ausfallrisiko eines Darlehens noch recht gering, weswegen Banken in diesem Fall eher bereit sind, einen Kreditantrag zu bewilligen.

Auch die gestiegene Konsumlust älterer Menschen trägt ihren Teil dazu bei. Heutzutage sind Senioren eher bereit, auch im gehobenen Alter noch einen Kredit aufzunehmen. Dies bestätigen auch die Zahlen, denn seit 2015 steigt die Anzahl laufender Ratenkredite bei den 65- bis 69-Jährigen stetig an.

Die Hürde für einen Kredit wird aber mit steigendem Alter aber wie erwähnt größer, auch wenn offizielle Statements der Banken dem widersprechen. Wer also im gehobenen Alter noch Geldmittel benötigt, sollte mit seinem Kreditantrag nicht allzu lange warten.


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