Pflege und Pflegeheim: So lassen sich Kosten im Bedarfsfall decken!

In Deutschland dürfen sich Bürger glücklicherweise über ein fortschrittlich entwickeltes Sozialsystem freuen. Nach dem erwerbsfähigen Alter profitiert man als älteres Semester in Form einer Rente, auch wenn diese Altersabsicherung mehr und mehr ins Schwanken gerät. Im wirklich hohen Alter kommt oftmals aber eine weitere Sozialversicherung zum Tragen: die Pflegeversicherung. Doch ähnlich wie bei der Rente reicht das Geld nicht immer, um alle Pflegekosten zu decken oder eine bedarfsgerechte Betreuung zu gewährleisten. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Pflegebedürftige und/oder Angehörige die teils exorbitanten Pflegekosten dennoch decken können.
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Pflege meint nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch soziale Betreuung. (Foto: sabinevanerp | Pixabay.com)

Kosten für Pflegeheim aufgeschlüsselt

In Deutschland hat ein jeder das Recht, Pflegekosten über seine Pflegeversicherung abzudecken. Allerdings gilt dieses Recht nur, wenn die Pflegebedürftigkeit nachgewiesen wurde. Im Januar 2017 wurde das bisherige Stufensystem modifiziert. Seitdem sind aus den damals vier Pflegestufen (0, 1, 2 und 3) nunmehr die fünf Pflegegrade 1, 2, 3, 4 und 5 geworden. Sinn und Zweck des neuen Systems war und ist es, die bis dato finanzielle Benachteiligung Pflegebedürftiger mit psychischer Erkrankung gegenüber physisch eingeschränkten Pflegebedürftigen auszugleichen. Geregelt ist dies in den neuen Pflegestärkungsgesetzen.

Ermittelt wird die Pflegebedürftigkeit einer Person durch einen Begutachter, der meist vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung stammt, über ein Punktesystem. Dieses dient dem Zweck, den Grad der Pflegebedürftigkeit bzw. die noch vorhandene Selbständigkeit systematisch zu ermitteln. 
 
Grundsätzlich gilt: Je höherstufig der Pflegegrad ausfällt, desto mehr Pflege- und Betreuungskosten übernimmt die Pflegeversicherung.

Pflegegrad, Versicherungsleistung und Punktesystem nach NBA (Neues Begutachtungsassessment) in der Übersicht:

  • Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung; Person kann Alltag zum großen Teil selbständig bewältigen (12,5 bis unter 27 Punkte) – 125 Euro
  • Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung; Person kann Alltag kaum selbständig bewältigen (27 bis unter 47,5 Punkte) – 770 Euro
  • Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung; Alltag ist nicht mehr selbständig zu bewältigen (47,5 bis unter 70 Punkte) – 1.262 Euro
  • Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit (70 bis unter 90 Punkte) – 1.775 Euro
  • Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und zusätzlich besonders hoher Bedarf der betroffenen Person an pflegerischer Betreuung (90 bis 100 Punkte) – 2.005 Euro
Angesichts durchschnittlicher Kosten von circa 3.000 Euro für die vollstationäre Pflege (Preise variieren teils stark in Abhängigkeit von Ausstattung und Qualität des Pflegeheims und Bundesland) wird schnell ersichtlich, dass es unter Umständen zu Finanzierungsengpässen kommen kann, wenn Pflegebedürftigkeit besteht und Leistungen dringend erforderlich sind. 
 
Zudem muss bedacht werden, dass es mitunter auch Sonderfälle gibt, die durch das Raster fallen, beispielsweise wenn prinzipiell keine Beeinträchtigung der Selbständigkeit vorliegt, der oder die Betroffene aufgrund fehlender Familienangehöriger aber trotzdem Bedarf an Betreuung aufweist – in welcher Form auch immer. So oder so stellt sich dann die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, die Gesamtkosten der Pflegeleistungen zu decken.

Diese alternativen Finanzierungsformen für Pflegeleistungen können Sie nutzen

Grundsätzlich sind es aber nicht allein die Kosten für tatsächliche Versorgung und Betreuung, die bezahlt werden müssen. Denn obendrein kommen im Pflegeheim auch Kosten für Unterbringung und Verpflegung, die aus eigener Tasche gezahlt werden müssen. Die offizielle Begründung hierfür: Auch ohne Pflegebedürftigkeit müssten diese Kosten ja eigenständig aufgebracht werden. Hierunter fallen also Leistungen wie die Reinigung des Zimmers oder Müllentsorgung.
 
Ebenfalls nicht zu vergessen sind Investitionskosten, die von Pflegeheimen oftmals auf die Bewohner umgelegt werden. Denn natürlich bedarf auch ein Pflegeheim als Wohneinrichtung und Immobilie einer regelmäßigen Instandhaltung. Gegebenenfalls kommen auch noch Miet- und Pachtkosten hinzu oder Gemeinschaftsräume der Einrichtung werden über die Investitionskosten gedeckt.
 
Je nach Einrichtung fallen diese Aufwendungen unterschiedlich hoch oder niedrig aus. Unabhängig davon müssen sind diese Kosten aber finanziert werden. Und somit nochmal zur Frage: Welche Finanzierungsoptionen können für die Pflege genutzt werden?
 
  1. Darlehen / Kredite: Auch für Senioren und Rentner ist es mittlerweile wesentlich einfacher, Geld von Banken zu erhalten, als noch vor einigen Jahren. Möglich macht dies das Internet, denn der Wettbewerb ist hoch, auch auf dem Finanzmarkt. Anbieter wie Bon Kredit vermitteln Darlehen und andere Finanzierungsformen zu günstigen Konditionen und sind daher auch für die Pflegefinanzierung mittlerweile eine ernsthafte Option, die gegebenenfalls individuell geprüft werden sollte.
  2. Fördergelder: Die kommunalen Kassen sind allerorts nicht prall gefüllt, weswegen heutzutage kaum noch Fördergelder für die Pflege zur Verfügung stehen. Eine Ausnahme gilt allerdings für die oben genannten Investitionskosten. Wird ein Pflegeheim durch öffentliche Gelder gefördert, müssen Bewohner viele Investitionskosten nicht selbst tragen, weil viele Aufwendungen bereits von der öffentlichen Hand getragen werden und andernfalls eine Doppelfinanzierung vorläge. Ob ein Pflegeheim bereits gefördert wird, ist bei den kommunalen Anlaufstellen zu erfragen.
  3. Pflegewohngeld: In den Bundesländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen gibt es das Pflegewohngeld, das pflegebedürftigen Personen bei Unterschreitung bestimmter Vermögensgrenzen finanzielle Unterstützung gewährt.
  4. Sozialgeld: §27b Sozialgesetzbuch Zwölf (SGB XII) regelt, wer in Deutschland Anspruch auf Sozialhilfe hat. Dies schließt auch Pflegebedürftige mit ein und explizit die „Hilfe zur Pflege“ (§§ 61 bis 66). Wer auf Sozialhilfe angewiesen ist, hat die Möglichkeit, monatlich mindestens einen Betrag von 109,08 Euro zu erhalten.

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