Pflegegrade und Leistungen

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Ein plötzlicher Pflegefall innerhalb der Familie ist nicht leicht. Sind die ersten Tage überstanden, muss möglichst schnell geklärt werden, welcher Pflegegrad für den Betroffenen in Frage kommt, um entsprechende Leistungen zu erhalten.
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Die Frage nach dem Pflegegrad ist unabdingbar mit einer auftretenden Pflegebedürftigkeit verbunden.

Die Pflegegrade

Pflegegrade (früher Pflegestufen) sollen kategorisieren, wie viel (finanzielle) Unterstützung eine pflegebedürftige Person benötigt. Hierbei handelt es sich um eine Summe zwischen einigen hundert bis hin zu mehreren tausend Euro pro Monat. Demnach spielt es eine große Rolle, welchem Pflegegrad die zu pflegende Person zugeordnet wird und wie sich die Pflegesituation zukünftig gestalten wird.

Die Einordnung in die Pflegegrade findet mit Hilfe eines Punktesystems statt. Ein Gutachter beurteilt den Zustand des Pflegebedürftigen und ordnet ihn auf der Basis eines Fragenkatalogs einem Pflegegrad zu. Zur Entscheidung tragen demnach eine Reihe verschiedener Aspekte bei. So wird zum Beispiel geprüft, wie mobil der Betroffene ist und ob er selbstständig aufstehen und Treppen steigen kann.

Auch die Fähigkeit, den Alltag selbstständig bewältigen und gestalten zu können, spielt eine Rolle. Wie sieht es mit der Kommunikation aus? Kann der Betroffene wichtige Entscheidungen alleine treffen? Etwaige psychische Auffälligkeiten sind ebenso von Bedeutung wie die Fähigkeit, sich im Alltag selbst zu versorgen. Es hängt von den individuellen Fähigkeiten ab, welche Hilfsmöglichkeiten im Alltag realisiert werden müssen.

Des Weiteren sind auch Erkrankungen, Therapien und wichtige Medikamente ausschlaggebend. Ebenso stellt sich die Frage nach der selbstständigen Alltagsgestaltung: Hat der Betroffene ein gutes soziales Umfeld? Ist er in der Lage sich selbst zu beschäftigen oder leidet er womöglich unter Einsamkeit?

Der Gutachter teilt seine Erkenntnisse und Beurteilungen anschließen der Pflegekasse mit. Denn die abschließende Entscheidung und Anerkennung des jeweiligen Pflegegrades liegt bei der Pflegekasse.
 

Zuzahlungsfreie Pflegehilfmittel für die häusliche Pflege


Wer in Pflegegrad 1 eingeordnet wird, hat den geringsten Anspruch auf Pflegeleistungen, was wiederum aus einer verhältnismäßig geringen Beeinträchtigung resultiert. Ein Entlastungsbeitrag von 125 Euro im Monat ist möglich, ebenso ein Zuschuss, um die Wohnung oder das Haus barrierefrei umzubauen. Pro Monat hat jeder Betroffene zudem Anspruch auf 40 Euro von der Pflegekasse, die er für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, wie zum Beispiel die PflegeBox, einsetzen kann.

Je stärker die Beeinträchtigungen, desto mehr Punkte vergibt der Gutachter und desto höher fällt schließlich auch der Pflegegrad aus. Mit steigendem Pflegegrad steigen auch die Leistungen und finanziellen Zuschüsse. Grundsätzlich sollten sich Betroffene ausführlich beraten lassen, um ihre Ansprüche am besten geltend zu machen – denn den Überblick im Pflegedschungel zu behalten, ist nicht immer leicht.

Pflegegeld und Pflegeleistungen

Unterschieden wird nach Pflegegeld und Pflegeleistungen. Ein pflegebedürftiger Mensch bekommt, wenn er von Angehörigen oder privaten Pflegern zu Hause versorgt wird, ein monatliches Pflegegeld. Das steht komplett steuerfrei zur Verfügung. Los geht's in Pflegegrad 2 mit 316 Euro, in Pflegegrad 3 gibt's 545 Euro, 728 Euro in Pflegegrad 4 und in der höchsten Stufe 901 Euro mit Pflegegrad 5.

Doch das ist nicht die einzige Unterstützung für Pflegebedürftige. Je nach Pflegegrad haben sie Anspruch auf Pflegeleistungen bzw. Pflegesachleistungen. Wer sich von einem ambulanten Pflegedienst zu Hause pflegen lässt, erhält von der Pflegekasse eine finanzielle Unterstützung.

Pflegeleistungen erhalten Betroffene ab Pflegegrad 2. In Stufe 2 handelt es sich um eine Summe von 689 Euro, mit Pflegegrad 3 erhalten Betroffene 1298 Euro, Pflegegrad 4 1612 Euro und in der höchsten Stufe sind 1995 Euro möglich. Pflegegrad 1 bietet zwar keinen Anspruch auf Pflegeleistungen, dafür gibt es aber eine finanzielle Hilfe von 125 Euro pro Monat.

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Wird ein Mensch nur privat gepflegt, besteht Anspruch auf Pflegegeld. Kommt ein professioneller Pflegedienst zum Einsatz, dann kommen Pflegeleistungen ins Spiel. Auch eine Kombination beider Angebote ist möglich, wenn die Pflege zwischen ambulantem Pflegedienst und Angehörigen bzw. Freunden aufgeteilt ist.

Mit der Inanspruchnahme dieser Leistungen sind auch Beratungstermine verbunden. Diese finden zwei Mal im Jahr statt und sind kostenlos. Kompetente Fachkräfte beraten nicht nur zu finanziellen Angelegenheiten, sondern geben auch praktische Tipps für den Alltag im Rahmen der häuslichen Pflege. Diese Termine sollten unbedingt wahrgenommen werden.

Wenn nicht alle möglichen Leistungen der Pflegekasse ausgenutzt bzw. benötigt werden, besteht die Möglichkeit, mit maximal 40 Prozent der Gelder eine stundenweise Betreuung zu finanzieren. Das können zum Beispiel hauswirtschaftliche Hilfen sein, die letztendlich auch die Angehörigen entlasten.

Pflegegrade beantragen

Wichtig ist, dass die Pflegegrade beantragt werden müssen. Das geht formlos bei der Pflegekasse. Nach dem Termin mit dem Gutachter legt die Pflegekasse den Pflegegrad fest und teilt diesen per Post mit. Sollte die Entscheidung nicht angemessen sein, weil beispielsweise bestimmte falsch erfasst wurden, haben Betroffene bzw. Angehörige die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. So ist es gegebenenfalls möglich, die Entscheidung positiv zu beeinflussen.

 

Weitere Informationen zur PflegeBox


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Kommentare (1)

Wolfi53

Danke für diesen ausführlichen Artikel! Ich habe auch einen Angehörigen, bei dem wir jetzt einen Pflegegrad beantragen wollen, ist manchmal schon ein ganz schöner bürokratischer dschungel. Der Besuch des Medizinischen Diensts der Krankenversicherung steht noch bevor, hat da jemand mit Erfahrung und kann Tipps weitergeben?

Einen ebenfalls sehr ausführlichen Artikell zum Thema habe ich übrigens hier gefunden: Pflegegrad beantragen leicht gemacht
 


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