„Wie ich mich an den Alltag als pflegende Angehörige gewöhnt habe“

Natalie M. lebt in einem Mehrgenerationen-Haushalt. Zu ihrem Alltag gehört die Pflege ihres Vaters. Für beide eine völlig neue Situation.
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©rawpixel | Freepik

„Ich hatte so viele Fragen: Was für Papierkram muss erledigt werden? Wie soll ich das zeitlich schaffen, neben Beruf und Familie? Kann ich überhaupt selbst pflegen?" Natalie M. war die Verzweiflung anzusehen, als ihr Vater seinen Alltag aufgrund eines Autounfalls nicht mehr allein bewältigen konnte. Daraufhin machte sich Natalies Tochter erst mithilfe des Internets, dann mit der Unterstützung eines befreundeten Arztes schlau. Sie erfuhr schnell, dass keine Abstriche bei den Bedürfnissen ihres pflegebedürftigen Opas gemacht werden müssen, und dass es mehrere Entlastungsangebote für ihre Familie gibt.

Schritt für Schritt an die Lebensumstellung gewöhnen

Eine chronische Erkrankung wie Demenz, ein Schlaganfall oder ein Unfall – Tritt eine Pflegebedürftigkeit ein, ändert sich vieles im Leben von Betroffenen und ihren Angehörigen. Im Fall von Natalies Vater war es ein Autounfall. Alle Beteiligten mussten jede Menge Kraft aufwenden, Sorgen verarbeiten und Aufgaben bewältigen: „Nach der Kurzzeitbetreuung im Krankenhaus hat sich der Zustand von Papa kaum verbessert. Deshalb hat er einen Pflegegrad bekommen", so Natalie über die ersten Wochen nach dem Unfall. Mit der Zeit kamen weitere Sorgen dazu. Eine davon hinterfragte die finanziellen Möglichkeiten. Nach Eintritt der Pflegesituation nutzte die 49-Jährige als Angehörige die Möglichkeit, für bis zu zehn Tage eine Freistellung zu beantragen: „Meine Tochter erklärte mir, dass ich gesetzlichen Anspruch darauf habe. So konnte ich mich um die Erstversorgung und die Planung der Pflege kümmern." Natalies Tochter war es auch, die ihr davon erzählte, dass ihnen das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld zusteht. Hierbei handelt es sich um einen bezahlten Sonderurlaub für pflegende Angehörige.

Und es gibt weitere Möglichkeiten, um sich bei einer Pflegebedürftigkeit helfen zu lassen

 
  • Die Pflegezeit beschreibt eine Pause im Job im Rahmen von bis zu sechs Monaten, wenn Sie in einem Unternehmen mit mehr als 15 Arbeitnehmern tätig sind. Dabei unterstehen Sie dem Sonderkündigungsschutz. Ähnlich wie bei der Elternzeit dürfen Sie während dieser Pflegezeit ganz oder teilweise der Arbeit fernbleiben. Geld für pflegende Angehörige gibt es bei dieser Variante allerdings nicht. Einen finanziellen Ausgleich können Sie zum Beispiel ab Pflegegrad 2 über das Pflegegeld des Pflegebedürftigen erhalten.
  • Die Familienpflegezeit ermöglicht es Ihnen, für bis zu 24 Monate eine Sonderregelung im Job zu treffen, wenn das Unternehmen mindestens 25 Beschäftigte zählt. Trotzdem müssen Sie pro Woche mindestens 15 Stunden arbeiten. Um die finanzielle Einschränkung auszugleichen, haben Sie Anspruch auf ein zinsloses, staatliches Darlehen vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.
  • Durch Beiträge zur Rentenversicherung sind Sie als pflegender Angehöriger während der Pflege sozial abgesichert. Die Pflegekasse übernimmt die Zahlung fälliger Beiträge zur Rentenversicherung, wenn Sie wöchentlich mindestens zehn Stunden mit der Pflege beschäftigt sind.
  • Zuschüsse zur Pflege- und Krankenversicherung können von der Pflegekasse übernommen werden. Sie dürfen sich in der Arbeitslosenversicherung freiwillig versichern, müssen die Beiträge aber aus eigener Tasche bezahlen. In der Unfallversicherung sind Sie als pflegender Angehöriger kostenfrei gesetzlich versichert.

So erlernen Sie das nötige Praxiswissen

Natalie merkte schnell, dass ihr Pflegewissen aus verschiedensten Bereichen fehlte. Sie hätte es gerne bereits früher gesammelt, um besser auf das plötzliche Pflegebedürfnis ihres Vaters reagieren und eingehen zu können. Dazu gehört Wissen über Hebetechniken, Körperhygiene, die Unterstützung des Toilettengangs, Hilfe beim Aufstehen, An- und Auskleiden, Gehen, sowie das Zubereiten geeigneter Mahlzeiten und die Hilfe bei der Nahrungsaufnahme.

Als pflegende Angehörige müssen Sie nicht nur auf Ratgeber zurückgreifen, um sich neues Wissen anzueignen. Pflegekassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, Angehörigen kostenfreie Pflegekurse anzubieten. Die eigenen Anstrengungen sollten Sie dabei nicht unterschätzen und auch Entlastungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. So gibt es Reha-Angebote, Selbsthilfegruppen und Therapiemöglichkeiten. Nutzen Sie zum Beispiel auch das Angebot der Verhinderungspflege, bei der die pflegebedürftige Person für die Dauer Ihrer Abwesenheit ersatzweise versorgt wird. Wenn möglich, kann vielleicht auch ein gemeinsamer Urlaub mit der pflegebedürftigen Person für Erholung sorgen. Wichtig ist jedoch, dass Sie auch etwas für sich alleine tun. Pflegehotels sind eine Möglichkeit. Hier wird die Pflege von Fachangestellten übernommen, um Sie zu entlasten.

Alltagshilfe: PflegeBox

Im Alltag nutzt Natalie mittlerweile nicht nur einen Menübring-Dienst. Sie lässt sich zusätzlich Pflegehilfsmittel nach Hause liefern: „Für mich ist die PflegeBox eine wertvolle Unterstützung." Dank der Box erhält Natalie die Pflegehilfsmittel im Wert von 40 Euro monatlich und zahlungsfrei, um ihrem Vater zu helfen. Sie stehen Menschen mit Pflegegrad gesetzlich zu. Natalie konnte dabei aus sechs verschiedenen PflegeBoxen wählen, um genau die Produkte zu erhalten, die am besten zu den Bedürfnissen ihres Vaters passen. Die Mitarbeiter des Unternehmens beraten Betroffene und übernehmen alle notwendigen Schritte: Von der Antragstellung bis hin zur Abrechnung mit der Pflegekasse. Natalie ist stolz darauf, wie sie die Herausforderung als Familie gemeistert haben: „Ich habe gelernt, jede Hilfe anzunehmen. Unser aller Alltag ist ein schöner und lebenswerter geblieben!"

 

Weitere Informationen zur PflegeBox


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