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Bonho .

Moin, moin zurück,

ja, das mit der Spionage war missverständlich: MacOS und Windows liefern eine Menge Information an die Hersteller zurück, was ich mit "Spionage" gemeint habe. Bei MacOS kenne ich es nur vom Hörensagen, in etwa "ist schon so schlimm wie Microsoft". Mit iCloud (oder so) bist Du wie bei Windows voll mit dem Hersteller verdrahtet. Es ist schon merkwürdig, wenn bei der Neuinstallation eines Rechners mit MacOs und Windows gleich alle Userinformationen da sind. Bei Windows kommt dann noch ungefragt das persönliche Wallpaper von Deinem ersten Rechner (sprich bei mir ein eigenes Bild, nicht Standard-Windows-Wallpaper!).

Mit Windows10 habe ich es selbst schon ausgereizt, das System so zu beschneiden, dass Microsoft mir "gedroht" hat. Mein System war für sie merkwürdig.  Da meine Microsoft-ID für mich wichtig ist, habe ich mit diesen Spässen aufgehört.

Bei Linux wirst Du meines Wissens nicht ausspioniert, aber es erfolgt im Kleinen wohl doch bei mancher Software eine ungewollte Datenverbindung. Ich habe vor Kurzem von einer Software gelesen, die demnächst heraus kommt, bei der Du diese Verbindung "per Lenrprozess" einschränken /kappen kannst.

Die Malwaregefahr besteht grundsätzlich, wird m.E. aber durch die Begrenzung der Ausweitung von Rechten gering gehalten. Die Gefahr von "Hintertüren" ist durch den offenen Quellcode geringer - ich glaube die meisten Schwachstellen von Microsoft kommen über den proprietären Code mit unendlich vielen Schwachstellen. Eine zielgerichtete Attacke auf Dich als Person ist immer möglich, aber für den Angreifer aufwändig. Im Moment verzichte ich (noch) auf besondere Firewalleinstellungen und habe einen Linux-Virenscanner nur mal probeweise benutzt. Die Bedrohungslage ist einfach noch gering. Vielleicht bin ich leichtsinnig :-)

Für einen Enduser sind geringe Malwaregefahr und so gut wie keine Ausspähversuche m.E. gewichtige Kriterien - besonders im Vergleich zu Windows und MacOs.

Ein größerer Marktanteil für Linux auf dem Desktop wäre schön, aber ich bin da überhaupt nicht optimistisch. Für mich wäre der ideale Rechner im Moment ein Apple M1 mit Linux; das hat aber noch Zeit (Asahi Linux). So nutze ich geschäftlich Windows, privat Linux und habe auch nichts gegen MacOs.

Beste Grüße und ich freue mich auf einen Austausch - wenn Du möchtest per Direktnachricht,

Rainer
 

Hallo liebe Linux-Interessierte,

in diesem Beitrag möchte ich kurz ein paar Gedanken über Betriebssysteme und ihre Vor- und Nachteile für nicht so computer-geneigte Nutzer teilen sowie den Weg zu Linux beschreiben.

Zur Auswahl stehen

1.) Windows von Microsoft
2.) MacOS von Apple und
3.) Linux mit seinen sog. Distributionen.

1.) Windows von Microsoft ist das Betriebssystem, an welches fast alle Computernutzer seit Mitte der 1980er gewöhnt sind. Es ist sehr schwer nach fast vierzig Jahren davon weg zu kommen, aber es gibt gute Gründe.

2.) MacOS von Apple - ein Betriebssystem aus der Unix-Ecke wie Linux,  mit dem besten Benutzererlebnis, einfach zu bedienen und mit voller Integration des Smartphones, Tabletts, TV usw. - für reine Nutzer das Beste, wenn auch teilweise sehr teuer. Ich kenne etliche Senioren, die voll begeistert von ihren Apple-Geräten und z.B. der Nutzung von Apps für Blutzucker-Sensoren sind. Dazu kommt die höchste Leistungsfähigkeit der neuen Prozessoren M1 und M2, die z.B. für Videobearbeiter unschlagbar schnell und "kühl" (Wärmeerzeugung des Rechners) sind.

3.) Linux mit seinen unglaublich vielen Distributionen hat viele Vorteile, aber der Weg zur Nutzung ist schwieriger als bei Apple, wo man im wesentlichen das Gerät starten muss...

Größter Vorteil von Linux ist jedoch im Vergleich zu Apple und Windows, dass es frei, kostenlos und mit einer unglaublichen Qualität ausgestattet ist (keine Spionage, keine Viren). Es läuft mit "Performance" auf fast allen Rechnern, auch wenn sie uralt sind. Dafür muss man aber ein bischen was wissen oder am Besten einen Linux-User kennen, der das System für einen installiert.

Hat man ein laufendes System kann man es ähnlich Windows oder MacOs problemlos nutzen. Vielleicht braucht man manchmal Unterstützung / Support, aber das ist bei Windows auch nicht anders.

Wie kann man nun vorgehen, um Linux für sich zu nutzen?

Das sind im Wesentlichen drei Schritte:

a) Hardwareauswahl
b) Auswahl Linux-Derivat
c) Softwareauswahl

a) Hardwareauswahl:

a) 1. Man kann sich einen Linux-Rechner von verschiedenen Anbietern fertig kaufen - so habe ich vor etlichen Jahren mit einem Rechner der Firma TUXEDO angefangen. Die Hardware kommt aus Taiwan und wird in Deutschland komplettiert. Inzwischen hat TUXEDO sogar eine eigene Linux-Distribution namens Tuxedo-OS.

a) 2. Die zweite Möglichkeit ist es, sich neue Hardware zu kaufen, die Linux-geeignet ist. Der Hersteller DELL hat sich da hervorgetan und bietet seit über zehn Jahren Rechner / Laptops an, die für Linux optimiert sind (dieser Beitrag wurde auf einem DELL geschrieben). Auch andere Rechner von Herstellern wie LENOVO, HP usw. laufen hervorragend unter Linux.

a) 3. Man kauft einen Linux-geeigneten Rechner, der aufgearbeitet wurde ("refurbished") und Garantie hat. Hier gibt es z.B. die AfB gemeinnützige GmbH aus Düren, Europas größtes gemeinnütziges IT-Unternehmen, die von Firmen gespendete Rechner mit rund 850 Mitarbeitern aufarbeiten (davon 400 Mitarbeiter mit Behinderung). Man tut etwas für die Umwelt, die Inklusion und kann preiswert Geräte aus der Business-Klasse kaufen. Link: https://www.afb-group.de/home dann "Shop".

a) 4. Man nimmt einen gebrauchten Rechner / Laptop, den man ausgemustert hat, weil Windows oder MacOS nicht mehr darauf laufen oder man kauft einen solchen im Internet. Wir haben z.B. ein MacBook von 2010 immer noch im Einsatz. Der DELL, den ich benutze ist aus dem Jahr 2017. Wenn man erlebt, wie ein alter Schrottrechner wieder schnell und wie neu funktioniert, ist das ein schönes Gefühl. Es ist die reinste Verschwendung ältere Rechner zu verschrotten...

b) Auswahl Linux-Derivat

Nicht jedes Linux-Derivat ist für jede Hardware geeignet. Ich gehe da so vor: Ich benutze eine kleine Festplatte (mit Ventoy bootfähig gemacht), starte verschiedene Linux-Live-Systeme unterschiedlicher Derivate und probiere aus, wie der Rechner damit funktioniert. Das kann man ohne Beschädigung des installierten Betriebssystems machen, da das Live-System nur im Arbeitsspeicher liegt. Auf diese Art und Weise kann man auch auf das Dateisystem der Rechner zugreifen und z.B. Reparaturen vornehmen.

Die Derivate unterstützen in unterschiedlicher Weise alte und neue Hardware. Das Derivat AntiX kommt z.B. hervorragend mit (ur-) alter Hardware zurecht. Auch bei der Unterstützung verbauter alter WLAN-Geräte gibt es oft Unterschiede. Deshalb bekommt man mit dem Ausprobieren schnell ein passendes Linux-Derivat. Spezielle Hardware, wie z.B. der Fingerscanner meines aktuellen Rechners funktionieren nur mit speziellen manuell zu installerenden Treibern und ich spare mir die Nutzung. Drucker werden in der Regel gut unterstützt, aber das kann man bei exotischer Hardware nicht garantieren.

Man kann das Linux-Derivat auch nach speziellen Anforderungen auswählen: für ein leicht dementes Familienmitglied habe ich auf dessen alten Win7-Rechner mit dem Linux-Derivat Q4OS einen Win7-Klon aufgebaut, der jetzt wieder in alter Frische mit aktuellster Software für Mail, Web und Textverarbeitung arbeitet. Ich selbst nutze MX-Linux u.a. wegen dem Tool MX Snapshot, welches sehr einfach eine bootfähige ISO des eigenen Rechners erstellt sowie eine gute Unterstützung zur Einrichtung von Nvidia-Graphikkarten hat.

Die Wahl der Distribution orientiert sich für mich also an sehr praktischen Anforderungen und weniger daran, ob das eine oder andere Derivat "hipper" ist.

c) Softwareauswahl

Das klingt seltsam, aber die Softwareauswahl unter Linux ist nach meiner Meinung wirklich aufwändiger. Bei Apple und Microsoft ist es relativ einfach: die meiste wichtige Software wird mitgeliefert oder muss gekauft werden. (Es gibt natürlich auch freie Software).

Bei Linux jedoch gibt es freie Qualitätssoftware en masse und man muss die passende Software finden. Soweit man schon freie Software, wie z.B. Libre Office nutzt, muss man sich nicht umgewöhnen. Es gibt aber noch viele weitere freie Software-Alternativen. Die Seite "Alternative..to"  zeigt euch z.B. zehn freie Alternativen zu MS Office (https://alternativeto.net). Letztlich habe ich mich in dieser Frage durch Ausprobieren für FreeOffice entschieden. Mit Flatpak kann man noch weitere - auch proprietäre - Software in einfacher Weise installieren (z.B. bei mir Signal, Whatsapp, Skype usw.). Was bleibt ist die "Qual der Wahl", weil einfach so viel - zudem kosenlose - Software angeboten wird.

Ich habe jedenfalls einige Zeit gebraucht, bis ich "meine" Software zusammen hatte (ich werde mal eine Liste schreiben). Dann kommt noch ein Eingewöhnungsprozess dazu, denn bei jeder neuen Software muss man ein wenig umlernen.

Ich hoffe, ihr habt jetzt einen Überblick, wie man zu Linux kommen kann. Ich empfehle euch, Unterstützung zu suchen. Es gibt an vielen Orten Linux User Groups (LUG) (https://de.wikipedia.org/wiki/Linux_User_Group), an die ihr euch wenden könnt. Eine Liste der LUG findet ihr unter https://www.linux-magazin.de/heft-abo/linux-user-groups/  . Man kann auch in der örtlichen Volkshochschule schauen, ob sie einen Linux-Kurs anbieten.

Schöne Grüße und viel Erfolg,
Rainer

PS: So sieht mein MX-Linux-Bildschirm aus. Ein bischen wie Apple mit Win7-Elementen :-)

Linux Screen RSP 08_2023.jpg


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