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hat das Thema Das Schwedenhaus - Pressemitteilung im Forum Literatur eröffnet
Buchvorstellung (Vorankündigung, Veröffentlichung ab 01. April 2017), henriko46: Das Schwedenhaus Abgehauen, aber nicht geflüchtet Warum haut ein Mann mit seiner Frau sechs Jahre nach der sogenannten Wende in der DDR einfach ab – nicht in den Westen, sondern nach Norden, in die Stille der schwedischen Wälder? Die Antwort findet der Leser in einem Erinnerungsbuch mit dem Titel „Das Schwedenhaus“. Der Autor Harry Popow motiviert in seinen Tagebuchnotizen sein Weggehen als eine demonstrative Abkehr von einem neuen kapitalistischen Großdeutschland. Und keine der in der DDR erlebten Widersprüche warf den überzeugten Humanisten aus der Bahn, weder psychologische Ungereimtheiten noch politische Kurzsichtigkeiten. Im Mittelpunkt der Motivation des Autors stand und steht die Verteidigung des Friedens, an der er persönlich 32 Jahre seinen Anteil hatte. Das Bemühen und das Engagement des Autors mündet schließlich in der nachdenklichen Frage, ob das Jetzige etwa das Nonplusultra sein soll … Er, der den Krieg noch als Kind hat erleben müssen und der sich voller Überzeugung im DDR-Alltag als Offizier der NVA einbrachte und die aggressive Vereinnahmung der DDR ohne Volksbefragung mit wundem Herzen überstand, suchte mit seiner Frau Zuflucht in der Einsamkeit der nordischen Landschaft. Niemand trieb sie, keiner wurde steckbrieflich gesucht, keiner verunglimpft. Mit seinem Buch will er dem Vergessen und der Delegitimierung der DDR seine persönlichen Erlebnisse und Erkenntnisse entgegensetzen, denn, so in einem Schreiben des „Erinnerungsbibliothek DDR e.V.“, man sei überzeugt davon, „dass das letzte Kapitel unserer Existenz noch nicht geschrieben ist“. Episoden aus dem Dorfleben, so z. B. bei Mitsommerfesten, bei der  Geburtstagsfeier einer siebzigjährigen Schwedin, beim Dorfball in Orrefors und bei Wanderungen und bei vielen Freundschaften mit den Schweden machen den Alltag und die feierlichen Momente in der schwedischen „Stille“ nachvollziehbar, spannend und lesenswert. Nach der Rückkehr nach Deutschland im Jahre 2005 - mit dem Erschrecken über neue Gefahren für den Frieden - schreibt Harry Popow über 70 Buchrezensionen zu kritischen Sachbüchern, die allerdings in den bürgerlichen Medien keine Freunde finden. Geboren 1936 in Berlin-Tegel, erlebte der Autor noch die letzten Kriegsjahre. Ab 1953 war er Berglehrling im Zwickauer Steinkohlenrevier und ab Herbst 1954 Offiziersschüler in der KVP, später NVA. In den bewaffneten Kräften diente er bis 1986 als Zugführer, Politstellvertreter und Militärjournalist. Den Titel Diplomjournalist erwarb er sich im fünfjährigen Fernstudium. Nach Beendigung der fast 32-jährigen Dienstzeit arbeitete Harry Popow bis Ende 1991 als Journalist und Berater im Fernsehen der DDR. Harry Popow: „Das Schwedenhaus. Abgehauen in die Stille – Persönliche Lebensbilder“, Taschenbuch: 183 Seiten, Verlag: AAVAA Verlag (1. April 2017), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3845922443, ISBN-13: 978-3845922447, Preis: 11.95 Euro. Direktbestellung bzw. Vorbestellung unter: http://www.aavaa.de/Das-Schwedenhaus Leseprobe Epilog „Helle, dem Morgendämmern vorauseilende Lichtflecke huschten über das ebene Land.“ Worte voller Poesie! Sie schrieb Tschingis Aitmatow in seiner wunderschönen Novelle „Dshamila“. (Nachzulesen in „Tschingis AITMATOW“, Verlag Volk und Welt, Berlin 1974, S. 102.) Warum kamen mir gerade diese Worte in den Sinn? Damals, als ab 1989 die Republik starb und mit Mann und Maus an die Gestrigen der Geschichte verscherbelt wurde? Was sollte denn da über uns kommen? Vollere Geschäfte? Freiheit? Mehr Demokratie? Welche, bitte schön und für wen? Viele waren geflüchtet ins angebliche Schlaraffenland. Und wurden später bitter enttäuscht. Eine neue Morgendämmerung war sozusagen über Nacht in sehr weite Ferne gerückt. Es nahten verrückte Ohne-Ziel-Zeiten, ohne weitreichende Inhaltsansprüche und mit zunehmend triumphierender Mittelmäßigkeit. Man konnte das ahnen. Deshalb dachten auch der Autor und seine Frau ans Weggehen. Aber nicht nach Westen, sondern in den Norden. In die Stille der nordischen Wälder. Es war keine Flucht, es war eine demonstrative Abkehr von einem neuen kapitalistischen Großdeutschland … „Das Schwedenhaus“ - Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten berichtet der Autor von wunderbaren Erlebnissen in Schweden. Es sind Tagebuchaufzeichnungen von interessanten Begegnungen mit den Ortseinwohnern, von gemeinsamen Feiern, von herrlichen Seen und Wäldern... (Siehe auch das Buch mit dem Titel „In die Stille gerettet“) Im Teil zwei mit der Überschrift „Rückkehr in ein fremdes Land“ nach neun Jahren Schwedenaufenthalt geht es um den noch intensiver erlebten bundesdeutschen Alltag: Zunehmende politische Interessenlosigkeit, immer größere Lücken im geistigen Kunstbetrieb, Substanzlosigkeit in Zeitungen und im Fernsehen. Gespräche drehen sich selten um politische Themen, manche Leute stößt man damit vor den Kopf, gar nicht zu sprechen von kritischer politischer Sachliteratur. Mit großem Vergnügen schreibt der ehemalige DDR-Diplomjournalist und Mitarbeiter in der Redaktion der Wochenzeitung „Volksarmee“ von nun an Rezensionen zu kritischen politischen Sachbüchern und veröffentlicht sie auf online Plattformen. Zu erinnern ist - um nur einige Beispiele zu nennen - an solche hervorragende aufklärerische Lektüre wie „No way out“ (Hrg. Hermann L. Gremliza), „Euroland wird abgebrannt. Profiteure, Opfer, Alternativen“, (Lucas Zeise), „Wir sind der Staat“ (Daniela Dahn), „Lob des Kommunismus“ (Hrsg. Wolfgang Beutin, Hermann Klenner, Eckart Spoo) oder gar „Schwarzbuch Waffenhandel. Wie Deutschland am Krieg verdient“, (Jürgen Grässlin) und viele andere Bücher, die zu rezensieren waren und noch sind. Klar, Unruhe stiftende politische Bücher sind nicht allein der Stein der Weisen, so bilden sie doch – Sandkorn für Sandkorn, und es werden immer mehr – einen langsam ansteigenden Damm gegen Verdummung und Ablenkung von wesentlichen gesellschaftlichen Fragen. Der Rezensent schreibt was das Zeug hält, was ihm auf der Seele brennt, was ihn freut, was ihn empört – und keiner behindert ihn. Keiner redigiert, keiner verwirft. Da steht er nun – gemeinsam mit anderen interessierten Usern – nahezu allein auf weiter Flur. Im Netz fliegen sie herum, die kratzbürstigen Anmerkungen, setzen sich mal hier und mal dort fest. Und wenn dann hin und wieder ein sehr aufmerksamer User sich für die geistige Bereicherung bedankt – dann sind das Geschenke, für die es sich lohnt, weiterzumachen, sich nicht zurückzuhalten, aktiv zu bleiben, wie es so viele tun. In einem Brief des Vereins „Erinnerungsbibliothek DDR“ e.V vom Oktober 2016 an die Mitglieder heißt es u.a.: „Als vor annähernd fünf Jahren die Idee geboren worden ist, Autobiographien von Frauen und Männern aus der früheren DDR zu sammeln und für die Nachwelt zu erhalten, konnte niemand vorausahnen, welche Dimension dieses Vorhaben annehmen würde. Wir wussten nicht, dass es ein so überwältigend großes Interesse gab, selbst Erlebtes zu konservieren, damit auch weit nach uns kommende Generationen Kenntnis von dem erhalten, was die DDR war, warum man stolz sein kann, an diesem bisher einmaligen Projekt in der deutschen Geschichte mitgewirkt zu haben und worin die Ursachen für sein letztendliches Scheitern zu suchen sind.“ Es wird darüber informiert, dass der Verein insgesamt über 900 Titel zu verzeichnen hat, die auch im Bundesarchiv verewigt sind. Auch sei der Verein als Mitglied des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden e.V. (OKV) aufgenommen worden (www.okv-ev.de) Abschließend heißt es in diesem Brief: „Wir sind überzeugt davon, dass das letzte Kapitel unserer Existenz noch nicht geschrieben ist. Dabei hoffen wir weiterhin auf Ihr Interesse und Ihre Unterstützung.“ Der Verein ist unter folgender Mailadresse zu erreichen: www.erinnerungsbibliothek-ddr.de Weiteres kürzlich veröffentlichte Buch von Harry Popow: Der Schütze von Sanssouci Harry Popow: „Der Schütze von Sanssouci. Das Leben mit einer Göttin – Erkenntnisse und Bekenntnisse aus acht Jahrzehnten“, Taschenbuch: 356 Seiten, Verlag: epubli; Auflage: 1 (22. Dezember 2016), Sprache: Deutsch, ISBN10: 3737538301, ISBN-13: 978-3737538305, Preis: 19,99 Euro epubli GmbH - Print-on-Demand & Self-Publishing Verlagsadresse: Prinzessinnenstraße 20, 10969 Berlin Telefon des Verlages: 030 6178900 http://www.epubli.de/shop/buch/Sch%C3%BCtze-von-Sanssouci-Harry-Popow-9783737538305/59563 oder: Harry Popow: „Der Schütze von Sanssouci. Das Leben mit einer Göttin – Erkenntnisse & Bekenntnisse aus acht Jahrzehnten“, Taschenbuch, 356 Seiten, Farbfotos, Druck und Verlag: dbusiness.de gmbh, Greifswalder Str. 152, 10409 Berlin, ISBN 978-3-94683-729-9, Copyright © 2016, Email: info@dbusiness.de, www.dbusiness.de, Bestelladresse: http://www.shop.dbusiness.de/article/show/der-schuetze-von-sanssouci , Preis: 12,95 Euro
hat das Thema Psychologische Kriegsführung im Forum Literatur eröffnet
Elias Davidsson: Psychologische Kriegsführung und gesellschaftliche Leugnung. Die Legende des 9/11 und die Fiktion der Terrorbedrohung Verdächtige gesucht Buchtipp von henriko46 Treibt die „Terrorfiktion“ immer neue Blüten? Denn dem Vernehmen nach sollen Teilnehmer der Demonstration gegen die Münchener Sicherheitskonferenz vom 17. bis 19. Februar 2017 wegen ihrer Forderung „Frieden statt NATO - Nein zum Krieg“ ab sofort unter den „Verdächtigen“ verortet werden. Herr Biedermann zum Beispiel, nennen wir ihn mal so, fiel bislang nicht als politischer Aktivist auf. Nun aber doch. Als Protestant! Schon ist er verdächtig. Und „ein Verdächtiger ist für den Ermittler bereits ein Feind“. Diese Feststellung trifft der Autor Elias Davidsson auf Seite 321 in seinem aufsehenerregenden Buch „Psychologische Kriegsführung und gesellschaftliche Leugnung. Die Legende des 9/11 und die Fiktion der Terrorbedrohung“. Herr Biedermann, der bislang an die offizielle amerikanische Version eines Terroranschlags durch den Islam und den Gehirnwäsche betreibenden Leitmedien brav geglaubt hatte, wirft ebenso wie diese ebenso den Ungläubigen, den Wahrheitssuchenden, den Nachdenklichen, den Kritikern der 9/11-Legende an den Kopf, sie würden Verschwörungstheorien verbreiten, sie wären Spinner, Antisemiten, Antiamerikaner und dergleichen mehr. Zu den Fakten: Der Autor zielt darauf ab, Aufklärung zu betreiben „zur Bewahrung des Rechtsstaates, des Friedens und für eine gerechtere Gesellschaftsordnung“. ( S. 21) Die Neubetrachtung des 15 Jahre zurückliegenden Ereignisses sei umso wichtiger, als es bis heute „unser Leben auf vielerlei, uns oft nicht bewusste Weise prägt“, zumal der damalige US-Präsident George W. Bush verkündete, dass dieser Kreuzzug gegen den Terror noch lange dauern werde. (S. 15) Zunächst nimmt Elias Davidsson auf 139 von insgesamt 534 Seiten den sachlichen Hergang des Anschlags unter die Lupe. Detailliert stellt er der offiziellen Darstellung die unbewiesenen Fakten beim Einsturz der Zwillingstürme des World Trade Centers (WTC) entgegen, was einer präzisen durchgeführten gerichtlichen Untersuchung gleichkommt. Es geht um die nicht bewiesene Täterschaft, um nicht gefundene Triebwerke, um unerkannte Typen der Flugzeuge, um Rätsel beim Einsturz der Türme, um unbeglaubigte Passagierlisten. Und, und, und... Diesen inszenierten größten Massenmord in der Geschichte der USA, so der Autor, ist als logische Folge eines aggressiven Hegemoniestrebens zu verstehen. So verweist der Publizist mit vollem Recht auf die im Vorfeld des 9/11 Offenbarungen von Vertretern der Macht. Vor dem Hintergrund des Verschwindens der Sowjetunion eröffneten sich für die USA neue und verlockende Möglichkeiten, „um ihren globalen Einfluss zu stärken“. (S.35) Angeführt werden Äußerungen u.a. des Generals Alfred M. Gray: „Die wachsende Unzufriedenheit der unterentwickelten Welt über die Kluft zwischen reichen und armen Nationen wird einen fruchtbaren Nährboden für Aufstände erzeugen. Diese Aufstände haben das Potenzial, (…) unseren Zugang zu wichtigen wirtschaftlichen und militärischen Ressourcen zu gefährden.“ (S. 36) Ungewöhnlich offen auch diese Aussage von Thomas Friedman, ehemaliger Berater von Außenministerin Madeleine Albright: “(...) Die unsichtbare Hand des Marktes wird niemals ohne die versteckte Faust regieren...“ (S. 37) Wenn der Autor auf die Vorherrschaftsbestrebungen der USA verweist als Ursache für die verstärkte Mobilisierung gegen den von den Eliten geschürten Terrorismus, dann kommt er nicht umhin, den Blick der Leser auf die langfristigen Interessen der Hochfinanz und der Wirtschaft zu lenken. (S. 291) Was die deutschen Machthaber betrifft, so zitiert Elias Davidsson Ulla Jelpke von der Linksfraktion des Deutschen Bundestages: Nicht die „Abwehr von Terroranschlägen, sondern die Niederschlagung sozialer Protestbewegungen in der Zukunft“ seien die wahren Gründe für neue Vorstöße zum Einsatz des Militärs im Inland. (S. 327) Auf Seite 207 resümiert der Autor, dass die sogenannte Terrorismusbekämpfung nur ein Vorwand ist für den Abbau der Demokratie, für massive Überwachung und Manipulation, für Militarisierung und globale Raubzüge, für „eine allmähliche Einführung einer neuen Art des Faschismus“. (S. 207) Elias Davidsson empfiehlt am Schluss seiner außerordentlich inhaltsschweren Analyse der Unhaltbarkeit der These von der Bedrohung der westlichen Wertegemeinschaft durch den islamistischen Terrorismus eine Therapie: Es geht ihm um Aufklärung, um Wahrheit, um Transparenz, um Forderungen an die Medien, an die Strafjustiz. (In den sechs Anhängen finden sich zum Beispiel eine Liste mit namentlich genannter Journalisten, die unbewiesene Behauptungen in Bezug auf 9/11 veröffentlicht haben.) Das Geflecht von Manipulation, unterlassener Berichterstattung bis zur Lüge, ausgehend vom Finanzkapital, über die Politik bis zur Justiz, zu den bürgerlichen Medien und der akademischen Elite jedoch nur anzuprangern, diese Institutionen mit Appellen an die Vernunft nur bitten will, sich zu korrigieren, dann kann man vergeblich auf Veränderungen hoffen. Dann klingt das wie ein Gebet, die da oben mögen eine Einsicht haben und ihr Marktgehabe um des Profits und um der imperialistischen Herrschaft willen einschränken und den Menschen endlich Frieden bescheren. Der bislang nahezu unpolitische Herr Biedermann ist mehr für´s Handfeste. Für Streiks und friedliche Demonstrationen wie jüngst die in München. Es kann sein, dass er dabei in Kauf nimmt, zum „Verdächtigen, wenn nicht gar zum Gefährder“ gestempelt zu werden. Sollen auf diese fiese Art und Weise Aktivitäten gegen Krieg und Kriegsgeschrei im Keime erstickt werden, so mag sich Herr Biedermann fragen. Zuzustimmen ist deshalb auch der Mahnung auf Seite 19, der Marsch in den Untergang müsse gestoppt werden. „Dazu müssen alle Friedenskräfte und alle vom Imperialismus bedrohten Staaten zusammenarbeiten – für Frieden und Völkerverständigung in einer multipolaren Weltordnung, einer Welt von Gleichen.“ Im Übrigen: Nach der Drucklegung dieses Buches nahm in Übersee ein neuer Präsident das Steuer in die Hand und stiftet Verwirrung oder auch Hoffnung, je nach der jeweiligen politischen Sicht. Gehört auch er zu den Verdächtigen? Nach dem Lesen schüttelt man entsetzt den Kopf. Was da der Publizist Elias Davidsson faktenreich zu Papier bringt, lässt für die Zukunft nichts Gutes erahnen. Anzuraten ist aus diesem Grunde diese gesellschaftskritische und für das aktuelle Geschehen hochwichtige Lektüre für alle, die den Zusammenhang zwischen 9/11 und dem sich verstärkenden Krieg der multinationalen Konzerne gegen das Menschenrecht nach einer friedlichen Welt besser verstehen und danach handeln wollen. Der Autor wird so seinem Anliegen gerecht, darüber aufzuklären: Terroristen können keinen Staat besiegen und der Staat den Terrorismus nicht durch Kriege. Leider spricht der Autor in seinem Buch die zur Veränderung bereiten Schichten der Arbeiterklasse und zunehmend auch der Mittelschichten nicht direkt an. Herr Biedermann tut deshalb das Seine. Alles in allem: Ein herzliches Dankeschön an Elias Davidsson. Elias Davidsson: Psychologische Kriegsführung und gesellschaftliche Leugnung. Die Legende des 9/11 und die Fiktion der Terrorbedrohung, Taschenbuch: 534 Seiten, Verlag: Zambon Verlag (18. Januar 2017), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3889752527, ISBN-13: 978-3889752529 Erstveröffentlichung in der Neuen Rheinischen Zeitung Zwei der neuesten Bücher des Rezensenten: Harry Popow: „Der Schütze von Sanssouci. Das Leben mit einer Göttin – Erkenntnisse und Bekenntnisse aus acht Jahrzehnten“, Taschenbuch: 356 Seiten, Verlag: epubli; Auflage: 1 (22. Dezember 2016), Sprache: Deutsch, ISBN10: 3737538301, ISBN-13: 978-3737538305, Preis: 19,99 Euro epubli GmbH - Print-on-Demand & Self-Publishing, Postadresse: Prinzessinnenstraße 20, 10969 Berlin, Telefon: 030 6178900 Direktbestellung: http://www.epubli.de/shop/buch/SchC3%BCtze-von-Sanssouci-Harry-Popow-9783737538305/59563 Harry Popow: „Das Schwedenhaus. Abgehauen in die Stille – Persönliche Lebensbilder“, Taschenbuch: 183 Seiten, Verlag: AAVAA Verlag (1. April 2017), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3845922443, ISBN-13: 978-3845922447, Preis: 11.95 Euro, Direktbestellung: http://www.aavaa.de/Das-Schwedenhaus Veröffentlichung am 1. April 2017
hat das Thema Die Abschaffung der Demokratie im Forum Literatur eröffnet
Wolfgang Bittners Satire-Buch „Die Abschaffung der Demokratie“ Scharf gewürzt Buchtipp von henriko46 Wenn unser noch amtierender oberster Staatshäuptling Deutschland vollmundig als die beste Demokratie in der Geschichte preist, kann man sich nur an den Kopf fassen. Nicht ohne Grund werden sich deshalb viele Leser gern darauf einlassen, wenn eine derart unreflektierte Schönfärberei entlarvt wird und der Kaiser plötzlich ohne Kleider dasteht. Das passiert in Wolfgang Bittners Buch „Die Abschaffung der Demokratie“, einer kräftig gewürzten satirisch-literarischen Attacke auf die alltäglichen Unwägbarkeiten in der Postdemokratie und auf die gefährlichen Machenschaften der Kapitaleliten. Damit steht Wolfgang Bittner in der Tradition von Kurt Tucholsky und Erich Kästner, die die Warnzeichen ihrer Zeit fest ins Visier genommen haben. Damals wie heute ein Anrennen gegen die Wand? Keineswegs, denn im Nichtstun erstickt Menschlichkeit. Wer will das bestreiten? In meist kurzen, zupackenden Polemiken, Glossen und satirischen Texten führt der Autor den Lesern die Schwächen und Widersprüche des menschlichen Daseins in Zeiten der Vorbereitung neuer Kriege vor Augen. Ebenso scharfkantig weist er auf die Menschlichkeit absorbierende Wirklichkeit hin, auf die weltweiten inhumanen Verhältnisse, in denen die Gattung Mensch zu ersticken droht, trotz Vernebelung, Beschwichtigungen und gelegentlicher Zückerli, die das Establishment stets parat hat, um das Volk bei Konsumfreude und – wenn es beliebt – bei Kriegslaune zu halten. Das Buch besteht aus vier größeren Abschnitten und aus insgesamt über zweihundert politisch scharfsinnigen, immer eine Überraschung bereithaltenden Beiträgen. Oft nur ironisch andeutend, dann wieder in überspitzter und damit wirkungsvoller Weise, kommt der Autor zum Wesentlichen. Das tut dem Leser und seiner intellektuellen Aufnahmebereitschaft gut und macht das Buch zu einem Lesevergnügen, wie es bei diesem politisch profilierten Schriftsteller und promovierten Juristen nicht anders zu erwarten war, der u.a. das sehr erfolgreiche Buch „Die Eroberung Europas durch die USA“ geschrieben hat. Gleich zu Anfang seines Satirebuches steht eine Eloge auf die US-Eliten als vermeintliche Friedensstifter, weil sie die Kapital- und Energiemärkte und den zwischenstaatlichen Warenaustausch regulieren und uns militärisch schützen. Zugespitzt heißt es: „Vielleicht gelingt es mithilfe unserer Freunde demnächst ja doch noch, die Schmach von Stalingrad zu tilgen“ (S. 17-18). (Ob sich mit Trump nun wirklich etwas zum Besseren wendet, bleibt abzuwarten.) Mitunter ist es schwer, bei ernsthaften politischen Themen das entlarvende Gegenargument anzubringen, denn Lächerlichkeit zu inszenieren will gekonnt sein. Aber das gelingt dem Autor auf vielfältige Weise. Wenn er die Formulierung „laut Aussagen von...“ benutzt, ist Aufmerksamkeit geboten. Manchmal heißt es auch: „Wie aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet …“ Dann geht es zur Sache. Treffend und originell ist auch die Satire über die Wiedergeburt habgieriger Manager oder korrupter Politiker, in der zum Beispiel die Betreiber riskanter Ölförderungsanlagen nach ihrem Ableben als „ölfressende Bakterien“ ihre Sünden abarbeiten müssen (S. 19). Mit sehr spitzer Feder nimmt der Autor die Schwächen und Unvorhersehbarkeiten menschlichen Daseins aufs Korn, die dem marktwirtschaftlichen und globalisierten Neoliberalismus geschuldet sind. Nachdem er auf die Verbrüderung der Schafe mit den Wölfen eingeht – man weiß sofort, was gemeint ist –, prangert er die Auswirkungen dieser untauglichen Vereinigung an (S. 24-25). Er parodiert die Welle der Privatisierungen auf immer mehr Gebieten, die zunehmende Überwachung und Kontrolle sowie die zahlreichen Bestrebungen, aus den Bürgern höhere Steuern herauszupressen. Der „Fürsorgestaat“, der keine Grenzen kennt, erlegt – dem Vernehmen nach – Autofahrern und sogar Fußgängern eine Schutzhelmpflicht auf. Und in der Satire „Unternehmensberatung für Jungunternehmer“ empfiehlt Wolfgang Bittner aufstrebenden Profiteuren in der Maskeradengesellschaft, sich mit den Honoratioren der Stadt zu verbrüdern, sich bei Einladungen und Partys nicht lumpen zu lassen und die eigene Kreditwürdigkeit durch Geldtransaktionen von einem Konto aufs andere zu steigern. Dazu gehört dann noch, Medien zu beeinflussen, Konkurrenten auszuschalten und schließlich den Mitarbeitern vorzutäuschen, allen gehöre alles zu gleichen Teilen. Wichtig dabei: „Schulabschlüsse, Ausbildung, eventuelle Studien sind sekundär, auf den Willen kommt es an“ (S. 79). Eine volle Breitseite bekommt die vom Markt gesteuerte „Persönlichkeitsentwicklung“ ab: der Wahn des Shoppens. Hin und wieder fällt das Wort „gehobene Verdienstklasse“, zu der jene gehören, die sich vor allem mit materiellem Besitz brüsten und so ihren „menschlichen Wert“ bezeugen wollen. Alles in Allem: Anspruch und Wirklichkeit klaffen im Zuge der Manipulationstechniken der „Qualitätsmedien“ immer mehr auseinander. Leidtragende sind die geistig verarmenden Menschen, die dem Konsum erliegen, vereinsamen oder sozial auf der Strecke bleiben, die von demokratischer Mitbestimmung ausgenommen sind oder davon gar nichts wissen wollen. Das wird in vielen dieser Geschichten deutlich. Für Leser, die sich vor allem von pfiffigen Ideen, listigen Übertreibungen, angriffslustiger Polemik und vom Lächerlichmachen der Zeitumstände angesprochen fühlen, ist dieses Satirebuch ein Gewinn, ein Erkenntnis-Erlebnis. Wenn manche Leser sich in ihrem Denken und Verhalten wiederfinden, so liegt das sicherlich in der Absicht des Autors, weist er doch vollen Ernstes und mit viel Fabulierungsspaß nach, dass Demokratie – wenn sie überhaupt vorhanden war – in die Binsen geht. Wie aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, soll dieses scharf gewürzte Buch der Seitenhiebe auf eine überlebte Gesellschaft nach der nächsten Bundestagswahl als Anregung und offizielle Vorlage für neue Regierungsvisionen zur Verfügung stehen. Bis dahin herrscht allerdings darüber ein Redeverbot. „Demokratie“ in Aktion! Wolfgang Bittner, „Die Abschaffung der Demokratie“, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-86489-167-0, 224 Seiten, 16,-- Euro. Erstveröffentlichung in der Neuen Rheinischen Zeitung: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23506 Rezensenten-Info: Harry Popow: „Der Schütze von Sanssouci. Das Leben mit einer Göttin – Erkenntnisse & Bekenntnisse aus acht Jahrzehnten“, Taschenbuch, 356 Seiten, Farbfotos, Druck und Verlag: dbusiness.de gmbh, Greifswalder Str. 152, 10409 Berlin, ISBN 978-3-94683-729-9, Copyright © 2016, Preis: 12,95 Euro, Email: info@dbusiness.de, www.dbusiness.de, Bestelladresse: http://www.shop.dbusiness.de/article/show/der-schuetze-von-sanssouci
hat das Thema Ein Schützendasein im Forum Literatur eröffnet
„Der Schütze von Sanssouci. Das Leben mit einer Göttin – Erkenntnisse und Bekenntnisse aus acht Jahrzehnten“ - Harry Popow Ein Schützendasein Buchtipp von Elke Bauer Ehrlicher geht es nicht. In diesem biographischen Bericht erfahren wir die Gedanken eines Zeitzeugen, eines Offiziers der NVA, der drei gesellschaftliche Etappen der deutschen Geschichte durchlebte: - Faschismus, dargestellt an den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges, - 40 Jahre DDR - vom Optimismus der Aufbaujahre bis zum Unvermögen, den Staat mit den hochgesteckten Zielen zu erhalten, - und der Wende/ Nachwende als Negation seines bisherigen Lebens- und Menschenbildes. Durch die kritische Sicht auf das neue Staatsgebilde BRD sowie durch persönliche Erlebnisse und Begegnungen lernte er die durchlebte und erkämpfte Zeit im Staat DDR noch mehr schätzen und steht zu ihr - trotz alledem. Das bedeutet aber nicht, dass er das Leben in der DDR und die staatliche Ordnung nicht kritisch hinterfragt hätte und Erscheinungen, die zum Ende der DDR führten, nicht benennt. So entwirft er anhand seiner Biografie, seiner Erlebnisse und persönlichen Auseinandersetzungen ein realistisches Bild vom kleinen Land mit den hohen Ansprüchen. Damit bekommt der Leser ein Erinnerungsbuch in die Hand, das ihn zum: "Ach ja, so war es - war das alles schlecht?" sowohl in Ost, als auch wegen seiner Aufrichtigkeit in West bringt. Man denke an: "Es höre jeder auf die Flüsterungen der Geschichte" (Antoine de Saint - Exupery). Mahnende Worte von Bertolt Brecht "Zum Volkskongress für den Frieden" (Wien 1952) sind der sinngebende Ausgangspunkt für des Autors Erkenntnisse und Bekenntnisse. Mit der Schilderung seines Lebens, der letzten Kriegsjahre, die er gebeutelt erleben musste, der Evakuierung und der Rückkehr nach Berlin 1945, die Bemühungen der Eltern, an der Gestaltung des neuen Deutschlands mitzuwirken, benennt er die Probleme der Zeit und seine heutige Sicht darauf. Er erlebte die Leistungen seiner Mutter als Dolmetscherin (sie lebte seit 1934 als gebürtige Russin in Deutschland) beim Bau des Treptower Ehrenmals (stolz, sie in der Krypta abgebildet zu sehen), als Personalleiterin und Dolmetscherin bei der SDAG Wismut in Aue und Schwarzenberg im Erzgebirge, ihre Stationen als Dolmetscherin in Berlin und Dresden, als Dozentin in Merseburg. Er malt sehr plastisch und wahrhaftig das Bild des Neubeginns, immer dargestellt an den Handlungen seiner Familie, Freunde und Kollegen ohne in Phrasen zu verfallen. Seine Erinnerung an diese Zeit führt er weiter in seinem biografischen Bericht von der Entwicklung als Bergwerklehrling – auch unter Tage - in Zwickau, seiner beginnenden Ausbildung zum Geologen in Schwerin. Diese bricht er ab, als man ihn "überzeugt", in die KVP, später NVA einzutreten. Viele Stationen des Armeelebens an den verschiedensten Standorten in der DDR, sein Fernstudium der Journalistik an der Leipziger Karl-Marx-Universität, der Tätigkeit als Diplomjournalist im Offiziersrang an Zeitungen der Armee, sie sind fest eingebettet in das Leben der DDR-Gemeinschaft. So entsteht ein Kaleidoskop des gesellschaftlichen Gefüges in der DDR. Bewusst reiht er sich als „Schütze“ in die große Schar der Verteidiger des Sozialismus in der DDR ein, indem er im Klappentext darauf verweist, dass bereits über 900 Ehemalige und aktive DDR-Bürger ihre Erinnerungen als wertvolle Spuren in die Vergangenheit zu Papier gebracht haben. Das macht das Buch so umfassend. Nach insgesamt 32 Dienstjahren in der KVP/NVA geht er zum Fernsehen der DDR als journalistischer Berater. Nicht vergessen sollte man den Untertitel "Das Leben mit einer Göttin". Seine Göttin im Focus, nimmt er die wichtigste Bezugsperson in seine Schilderung auf - Cleo, seine große Liebe. Sie steht in allen Lebenslagen schön und klug an seiner Seite, sie erlebte seine Kämpfe mit, erduldend und duldend, aber auch mit kritischen Hinweisen, treu und Freude bringend, die Familiengeschicke beeinflussend. Das bedeutete auch, drei Kinder, oft allein, groß zu ziehen, die in der Wendezeit bestanden und heute tüchtig ein selbstbestimmtes Leben führen. Dankbar stellt er diese Seite seines Lebens, die große Liebe und die Fürsorge für die Familie dar, ehrlich und offen. Dabei benennt er auch politisch haltlose Unterstellungen von verschiedenen „Genossen“, die ihm besonders gegen das Ende der DDR hin widerfuhren. Sehr lesenswert wird das Buch auch dadurch, dass er sich nicht als fehlerfreien Menschen, sondern sowohl als kritisch denkendes aber auch als kritisch handelndes Gesellschaftsmitglied darstellt. Sein Weg nach der sogenannten Wende war steinig, er musste sich mit Minijobs durchschlagen, wie tausende andere Bürger ebenfalls, verließ mit seiner Frau 1996 für neun Jahre Deutschland und ging nach Schweden. Seit 2005 lebt er wieder mit seiner Frau in der Nähe seiner Kinder in Deutschland, wurde Blogger und Hobbymaler, bespricht interessante politische Sachbücher und macht seine Leserschaft mit Abhandlungen aus linken Zeitungen bekannt. Seine Erlebnisse und Erfahrungen hält er in selbst verfassten Büchern und Essays fest. Er beendet, wie immer, seine Bücher mit Originalmeinungen und Abhandlungen seiner User zu Zeitereignissen. Besonders erinnerlich ist mir die Erzählung vom "Der Mensch vor dem Supermarkt", die Abhandlungen "Lügenpresse", "Staatsferne" und "Ehe alles zerbricht". Beigefügte private Fotos erhöhen die Authentizität des Buches. Es ist durch sein breites Spektrum des DDR - Lebens, ob seiner Ehrlichkeit und Vielfalt, interessanter Schauplätze und kritischer Sichten, eine sowohl unterhaltsame als auch nachdenklich machende Lektüre. Der Schütze steht hier für´s Ganze, poetisch erweitert durch das Bild des Bogenschützen von Sanssouci. Harry Popow: „Der Schütze von Sanssouci. Das Leben mit einer Göttin – Erkenntnisse & Bekenntnisse aus acht Jahrzehnten“, Taschenbuch, 356 Seiten, Farbfotos, Druck und Verlag: dbusiness.de gmbh, Greifswalder Str. 152, 10409 Berlin, ISBN 978-3-94683-729-9, Copyright © 2016, Email: info@dbusiness.de, www.dbusiness.de, Bestelladresse: http://www.shop.dbusiness.de/article/show/der-schuetze-von-sanssouci , Preis: 12,95 Euro Zur Rezensentin: Elke Bauer, geb. 1939, Bibliothekar an allgemeinbildenden Bibliotheken der DDR/ Fachschule für Bibliothekare Leipzig 1961, Diplomkulturwissenschaftler/Universität Leipzig 1970, Bibliothekar in ltd. Funktion bis 1991, Aufbau einer eigenen Buchhandlung, selbstständige Buchhändlerin 1991 bis 2001, Rentnerin, ab 2011 in München lebend. (Dieser Buchtipp wurde mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin veröffentlicht.)
hat das Thema Gysis Bekenntnisse im Forum Literatur eröffnet
Gregor Gysi „Ausstieg links? - Eine Bilanz“ – von Stephan Hebel Gysis Bekenntnisse Buchtipp von henriko46 „Deutschland im Tiefschlaf?“ Nach der Lektüre dieses interessanten Sachbuches von Stephan Hebel, in dem er dafür plädiert, „den Kapitalismus in seiner heutigen Form zu überwinden“ (S. 20), es sei Zeit für einen neue Wende, verfolgte mich ein Albtraum: Ein Riesenschiff auf hoher See. Passagiere, die sich aus einem anderen Schiff, das wegen eines Lecks in Seenot geraten war, hierher gerettet hatten. Bange Frage: Wohin geht die Fahrt? Alle Blicke richten sich auf die Kommandobrücke. Da steht sie, die sich die Elite nennt. Man redet, quasselt und jeder mischt mit. Aber ans Steuer darf niemand. Einer der Geretteten tut sich durch herzhafte Worte und viel Witz hervor. Er verspricht einen neuen Kurs, einen Westkurs, aber mit neuer Besatzung. Mit einem Riesenbesen fegt er alles ehemals wohl Errungene hinweg, unterbrochen vom Jubel... Indessen wird das Steuerrad von anderen fernbedient. Man sieht sie nicht. Wohin geht die Reise? Das Erwachen! Gott sei Dank. Ich lese das Buch: „Ausstieg links? Eine erste Bilanz“. Geschrieben von dem oben genannten Autor Stephan Hebel. Er muss es eilig gehabt haben, denn nun suchte er sich einen Mann, der nicht aus dem Tiefschlaf gerissen werden brauchte. Einen, der hellwach im Politischen seit 1989 das Zepter schwingt, ein Jurist, ein Linker, der mit Witz und Humor ebenfalls nach der Überwindung der Herrschaft des Kapitals strebt: Gregor Gysi. Es ist ein Interview, ohne eine „großangelegte Biografie“ bieten zu wollen. Zwei Gleichgesinnte im Disput. Spannend! Wie gut können sich DDR-Bürger an seinen ersten Fernsehauftritt erinnern, als er das von der DDR-Regierung beschlossene Reisegesetz als unzureichend kritisierte und davon sprach, zur Weltanschauung gehöre die Möglichkeit, sich die Welt auch anzuschauen. Welch ein frischer Atem wehte uns da entgegen. Wenig später schwang er allerdings einen Riesenbesen, um allen Resten einer zu großen Engherzigkeit im Umgang mit dem Volk den Rest zu geben. Dass er damit auch den Kompass einer wissenschaftlichen Kursorientierung mit über Bord warf, das wollte niemand sehen. Auch nicht zu bewegen „waren die anderen“, einen neuen deutschen Staat zu bilden, „der die Rechtsnachfolge sowohl der DDR als auch der BRD antritt“. (S. 122) Allein diese Aussagen im Interview mit Gregor Gysi herausgepickt zu haben, ist bemerkenswert für den Standpunkt des Autors. Überhaupt, das Interview mit dem schlagfertigen und geistvollen Gysi, einer der Hoffnungsträger zur Zeit des Umbruchs (sprich Konterrevolution, vom Resultat ausgehend. Der Rezensent) 1989, liest sich spannend. Geht der Autor mit seinen 107 Fragen (falls ich richtig gezählt habe) sowohl auf sehr persönliche Fragen des Interviewpartners ein, sondern auf jene, die wohl am meisten unter den Nägeln brennen? Was habe sich zum Beispiel seit dem Einzug der Linksfraktion in den Bundestag in der Politik geändert? Gysi antwortet offen und ehrlich, wie es seine Art ist, manchmal mit einem Schmunzeln, wie aus dem Text abzulesen ist, als auch mit gehöriger Selbstkritik. Unumwunden bekennt er, dass noch längst nicht Ziele der Linken erreicht sind, obwohl durch den Einzug in den Bundestag das Ansehen und die Akzeptanz der Partei Die Linke enorm zugenommen habe. Was nicht heißen soll, dass sie bereits genügend Durchschlagskraft besitze. Nur zu oft komme Kritik von ideologischen Mitstreitern wie von Sympathisanten und internationalen linken Kräften, es fehle eine klare politische Orientierung, die nicht so sehr auf Anbiederung beim Kapital und marktkonformen Politikern aus ist, sondern auf eine eigenständige Alternative zum gegenwärtigen Kapitalismus. Auf die Frage Stephan Hebels nach den Motiven des Interviewpartners, weshalb er wegen allgemeiner Skepsis gegenüber dem Staat DDR nicht in den Westen abgehauen sei, führt der Politiker und loyale DDR-Bürger lediglich drei Gründe an: Die antifaschistische Ausrichtung der DDR, die nötige Fürsorge für seinen Sohn sowie seine enge Einbindung in die Rechtsorgane der DDR. Weshalb Gregor Gysi dabei die besonders antikapitalistische Ausrichtung der Politik der DDR, das eigentliche „Verbrechen am Kapital“, wie bürgerliche Kreise wiederholt gejammert haben, als persönliche politische Grundhaltung außen vor gelassen hat, möge möglicherweise in seinen Memoiren, die er noch schreiben wolle, an den Tag treten. Wer will das bestreiten: Der Wunsch, auch den Mittelstand im Westen Deutschlands mit ins Boot zu holen und für linke Politik zu erwärmen, spielte der Spaltung der Linken und deren Abkehr von grundsätzlichen Positionen in die Hände. Man stelle sich vor, aufgrund vieler Unfälle auf den Straßen wolle man die zwingende Straßenverkehrsordnung abschaffen. Auch die wissenschaftliche Weltanschauung der Klassiker des Marxismus-Leninismus biete kein Szenario für gesellschaftliche Unfälle, es sei denn, man fährt blind und lediglich profitgierig durch die Lande. Schließlich hat die Lehre der Klassiker noch nie ein Dogma dargestellt. Und niemals hat jemand behauptet, jegliche Widersprüche im Sozialismus seien mit der Herrschaft des Volkes sozusagen vom Tisch. Im Gegenteil – es seien Zweifel am richtigen Weg, an der Methode des Vorgehens, also demokratische Mitbestimmung haushoch gefragt. Darin mögen auch die Gründe liegen, dass der anerkannte Politiker die Werte der DDR-Gesellschaft u.a. auf Kinderferienlager und soziale und kulturelle kluge Bedingungen reduziert. DDR-Bürger mit eigenen Erfahrungen würden zum Beispiel die Bemerkung „diktatorischer Sozialstaat“ nicht ohne Widerspruch hinnehmen. Übrigens schade, dass der Autor Stephan Hebel keinen Gedanken daran verschwendet, dass man aus dem Tiefschlaf in Deutschland nur herauskomme, wenn auch die Geschichte und die Existenz der DDR gebührend wissenschaftlich und seriös analysiert würden. Geschichtsaufarbeitung ohne Häme, sondern mit Hochachtung für das Volk der DDR – ohne das gibt es halt keine Zukunft, keinen demokratischen Sozialismus. Stephan Hebel ist zu danken, im Interview keine noch so widersprüchlichen Aussagen unter den Tisch gekehrt zu haben. Einerseits wird gemeinsam festgestellt, der Profit herrsche über allem, die Linke habe den Vorzug, komplex zu denken, ernster müsse man auch in Europa die soziale Frage nehmen, man solle mehr darüber nachdenken, was der demokratische Sozialismus sein könnte. Natürlich sei die Friedensfrage sehr wichtig. Er, Gregor Gysi, habe das System in der DDR als Ganzes nie in Frage gestellt. Der Kalte Krieg der CDU/CSU gegen die Linke sei nicht mehr zeitgemäß. Die Bundeskanzlerin habe kein Konzept für Europa und für die Weltpolitik. Gysi sei in die Politik gegangen, um gesellschaftliche Veränderungen zu erleben. Es brodelt in der Bevölkerung, man müsse „abwarten und vorbereitet“, gegenüber den USA nicht so hasenfüßig sein. Das sind Positionslichter. Sie drohen allerdings zu erlöschen, liest man folgende sehr subjektive Äußerungen des Interviewpartners, die nicht jeder nachvollziehen würde, auch ich nicht. Er meint, sich vornehmlich einer Fremdregulierung des Lebens in der DDR zu erinnern. Er sei allergisch gegen politische Ausgrenzung (nachvollziehbar!), gegen Parteiverfahren (die gibt es überall!), gegen bestimmte harte Formen. Das könne allerdings in einer „weniger autoritären Struktur“ auch ein Problem werden. (S.128) Was die Wirtschaft betreffe, so plädiere er für kleinere Konzerne. Es herrsche in der Politik Demokratie (?), in der Wirtschaft aber kaum. Und dann plötzlich dieser Satz von Gregor Gysi: „Wenn die Wirtschaft regiert, ist das auch undemokratisch“. (S. 163) Er wolle eine plurale Partei und wolle nie mehr eine „Einheit und Reinheit der Partei“. (S. 128) Schließlich sein sehr persönliches Bekenntnis auf Seite 12 im Vorwort: „Ein Revolutionär war Gregor Gysi nie, und er macht daraus keinen Hehl.“ Das Letztere war auf Grund der bisherigen Bekenntnisse des Gregor Gysi – ob in den Medien oder in Talk Shows – auch nicht zu erwarten. Insgesamt stellt das Buch „Ausstieg links?“ eine interessante Lektüre dar, wenn nicht sogar ein wichtiges Zeitdokument, die Geschichte der SED/PDS und der Linken und die Leitlinien ihrer ideologischen Ansichten und auch Versäumnisse zu verdeutlichen. Es ist ein Lernbuch über eine Zeit des Umbruchs zur Rückkehr des Kapitalismus auf gesamtdeutschem Boden. (Leider!) Wenn Autor und Interviewpartner auch sehr links nach vorne denken, sie bleiben beide in der Illusion eines friedlichen Wandels des Kapitalismus hin zu einer sozialistischen Gesellschaft (Transformation) stecken, was desto mehr eine Vereinigung aller linken Kräfte in der BRD geradezu herausfordert. So stellte Patrik Köbele auf dem 21. Parteitag der DKP fest: “Die Existenz einer Linksfraktion im Bundestag sei »gut«. Sie sei dort die einzige Gruppierung, die sich meist noch den Kriegseinsätzen des deutschen Imperialismus beziehungsweise der NATO entgegenstelle. Gleichzeitig gebe es Kräfte bis in den Bundesvorstand und die Fraktion hinein, »die nicht nur schwanken, sondern die sich öfter auf die Seite der Kriegskräfte drängeln wollen«. Die DKP habe keine Patentrezepte, wie der Marsch des Imperialismus in die Barbarei zu stoppen sei. Ohne die Analyse und Beiträge von Kommunistinnen und Kommunisten werde es aber keine erfolgreichen Konzepte geben. (junge Welt vom 16.11.2015) Der eingangs erwähnte Albtraum? Auch im vereinzelten Wachzustand bleibt alles beim Alten. Geht der Tiefschlaf trotz allem weiter? Die Wende lässt auf sich warten. Noch! (PK)   Stephan Hebel: „Gregor Gysi - Ausstieg links? Eine Bilanz“, Broschiert: 224 Seiten, Verlag: Westend (5. Oktober 2015), ISBN-10: 3864891167, ISBN-13: 978-3864891168, Preis: 16,99 Euro. Erstveröffentlichung dieser Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22286 Weitere Texte des Rezensenten: http://cleo-schreiber.blogspot.com Harry Popow: „Platons Erben in Aufruhr. Rezensionen, Essays, Tagebuch- und Blognotizen, Briefe“, Verlag: epubli GmbH, Berlin, 316 Seiten, www.epubli.de , ISBN 978-3-7375-3823-7, Preis: 16,28 Euro Harry Popow: „In die Stille gerettet. Persönliche Lebensbilder.“ Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3
NRhZ_Krank „Krank durch Früherkennung" - von Frank Wittig Vorsorge auf dem Prüfstand Buchtipp von henriko46 Du fühlst dich gesund, hast aber ein Zipperlein. Gehste zum Arzt oder... Soll ich oder soll ich nicht? Keine Frage, man sollte... Aber was dann, wenn der Arzt – aus persönlicher Verantwortung heraus – Symptome feststellt, die zu einer Vorsorgeuntersuchung Anlass geben. Es geht um einen oder um mehrere Tests, man kann schon sagen Fahndung, auf Grenzwerte, Screening genannt. Soweit so gut. Aber was ist, wenn die vorbeugende medikamentöse Behandlung – mitunter monatelang - gar nichts ans Licht befördert? Eine Früherkennungsmaßnahme ohne Resultat? Eine unnütze Untersuchung? Und wenn du dabei noch krank wirst, durch eine Überdosierung? Dann sitzt der Schock tief. Dann merkst du endlich, dass dein Vertrauen in die Medizin missbraucht wurde. Deine Gesundheit wurde in Krankheit umgewandelt und dabei ist Geld geflossen, viel Geld. Allerdings nicht in deine Taschen. Wer dabei die Gewinner sind, das erfährst du in dem Buch „Krank durch Früherkennung“ von Frank Wittig. Der Autor opponiert keineswegs gegen die Vorsorge, schon gar nicht gegen das Gesundheitswesen insgesamt. Im Gegenteil, er unterstreicht, wenn sich etwas verändert, wenn dauernde Störungen auftreten, dann sollte man zum Arzt gehen. Eigentlich eine banale Aufmunterung, denn niemand rennt ohne Grund zu seinem Weißkittel. Wovor der Autor allerdings warnt, ist die im deutschen Gesundheits- wesen überstrapazierte Überdiagnostizierung. Man hat etwas festgestellt, „das aber im Leben nicht gefährlich geworden wäre“. (Seite 33)   Dr. Frank Wittig studierte Literaturwissenschaft und Psychologie, arbeitete als Wissenschaftsjournalist und seit 1996 als Redakteur und Autor beim Südwestrundfunk in der Abteilung Wissenschaft mit dem Schwerpunkt Medizin. Auf 214 Seiten lässt der Autor kaum eine Krankheit aus, die für die Bürger von großem Interesse sind. Krebs nimmt dabei einen vorderen Platz ein sowie Cholesterin, Bluthochdruck, Blutzucker, Glaukom oder Thrombose. Alles Bereiche, bei denen jeder Laie sehr zahlreiche Hintergrundinformationen erhält.   Verweisend auf den „Eid des Hippokrates“ nimmt der Autor die aktuellsten und besten Studien zu den jeweiligen Themen – deutsche als auch in den USA getätigte - unter die Lupe. Wenn die Ärzteschaft nicht bereit ist, Früherkennung kritisch zu beleuchten, dann müssen die Patienten es tun. Dazu diene auch dieses Buch. (S. 12) Es gehe schlicht darum, die Chancen und Risiken von Vorsorgemaßnahmen abzuwägen. Um es noch genauer zu sagen: Beim allgemeinen Gesundheitstest, dem Check-up 35, werden kaum Krankheiten diagnostiziert, sondern Grenzwertverletzungen. Etwa mit den Worten: Sie haben zu hohen Blutdruck“. Frank Wittig warnt: Das Risiko, Opfer von unnötiger Medizin zu werden ist sehr viel größer als die Chance, aus der Früherkennung Nutzen zu ziehen. (S. 15) Die reale Gefahr einer ernsten Krankheit liege oft nur „im einstelligen Prozentbereich“. So auch in dem so wichtigen Bereich bei Herz-Kreislauf-Störungen. (S.17) Auf Seite 32 schreibt er von einer erschütternden Tatsache bei Brustkrebs, dass durch das Mamma-Screening „in zehn Jahren pro 2.000 Frauen zehn Frauen unnötig gegen Krebs therapiert wurden: Bestrahlung, Teilresektion oder Amputation, Chemotherapie.“ Von einer sinnlosen Kastrierung von Frauen schreibt er auf Seite 153. So wurde bei 1.292 Frauen „infolge der vaginalen Sonografie“ zumindest ein Eierstock herausoperiert. 212 aber hatten tatsächlich Krebs.   Oder ein Beispiel zum Darmkrebs: „Von 1.000 Studienteilnehmern, die sich der Früherkennung unterzogen, erkrankten sechs Personen am Krebs im unteren Darmabschnitt und eine Person verstarb daran.“ In der Kontrollgruppe ohne Spiegelung erkrankten neun Personen, zwei verstarben. Eine Reduktion von zwei auf eins also, so der Autor. Toll! (S. 163) Aus einer aktuellen Studie gehe hervor, dass 2.000 Frauen zehn Jahre lang zum Screening gehen müssten, „damit eine tatsächlich durch diese Maßnahme vor dem Brustkrebstod gerettet wird“. (S. 29) Es gehe lediglich um Gewebeveränderungen, die entdeckt und behandelt werden, „die in ihrem Leben nicht `klinisch´geworden wären. (S. 36) Ein Fall von Überdosierung – eine gigantische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Radiologen. Deshalb gehöre Mamma-Screening vor Gericht. (S. 38) So oder ähnlich sieht es bei allen Früherkennungsmaßnahmen aus, stellt der Autor ernüchtert fest: „Deutsche Gynäkologen verstümmeln vorsätzlich und sinnlos eine unnötige große Zahl der Frauen, die sich ihnen vertrauensvoll ausliefern.“ (S. 157)   Nun muss man kein Wissenschaftler sein, um die Ursachen der Treibjagd nach noch gesunden Menschen zu erkennen, die mittels kostspieliger Vorsorgeuntersuchungen in die Fangnetze der Weißkittel geraten und damit dem Gewinnstreben der Pharmaindustrie genüge tun. Auf den Seiten 159/160 zieht Frank Wittig gegen das Gewinnstreben zu Felde, das besonders in der Medizin so fatal ist. Es gehe um unglaublich viel Geld. „Denn es steht dadurch nicht mehr das im Zentrum, worum es in der Medizin eigentlich immer gehen sollte: das Wohl der Menschen.“ Der ökonomische Gewinn sei eine unheilvolle Triebkraft „in unserer heißgelaufenen Medizin“. (S. 47) Als Beispiel nennt er ZERO, eine Selbsthilfeorganisation in den USA, die angeblich die Interessen der Patienten vertritt, in Wirklichkeit aber die der Industrie. Zu den Sponsoren, so der Autor, gehören u. a. die Pharmafirmen Abbott, Astra, Zeneca, Pfizer und Sanofi, „die mit teuren Hormonpräparaten bei `Prostata-Patienten´ ordentlich Kasse machen“. Weiter: Beim Cholesterinsenken erziele man einen Jahresumsatz von 30 Milliarden Dollar. Das sei ein starker Grund, dieses Geschäftsmodell mit gekaperten Fachgesellschaften von oben her auf Kurs zu bringen. Pharmafirmen wenden im Schnitt drei Prozent ihres Marketingbudgets für Sonderzuwendungen an ausgewählte Professoren auf. „So wird die öffentliche Berichterstattung manipuliert.“ (S. 98) Früherkennung ist ein Wahnsinnsgeschäft, schreibt er! (S. 53)   Wer gewohnt ist, den Fachkräften auf medizinischem Gebiet alles bedenkenlos zu glauben, dem wird diese Lektüre wie ein Sturm im Wasserglas erscheinen. Offen, ehrlich, faktenreich und entlarvend, was die „Anstrengungen“ zur Profitmaximierung auch im medizinischen Bereich betrifft. So präsentiert sich ein außergewöhnliches Buch. Was Wunder, wenn es auf Widerstand in unserer Gesellschaft stoßen wird, entzieht es doch mit dieser Aufklärung gegenüber den Patienten den Pharmazeuten, der Industrie und den Ärzten zusätzliche Einnahmequellen. Möglicherweise!!   Methoden der Täuschung sind in der Medizin ähnlich wie die in der Politik, das lässt sich u.a. an folgenden phraseologischen Aussagen ablesen: Man will die Wahrheit kleinreden, Kritiker nennt man Querulanten, man begrüße zwar Kritiken, entschuldigt sich mit schlechtem Gewissen und mache trotzdem weiter. Eingesetzt werde eine gezielte Desinformation, auch bediene man sich der astrologischen Ratgeber und man missbrauche populäre Persönlichkeiten für die Lobhudelei von Medikamenten. Frank Wittig spricht unverblümt von einem medizinisch-industriellen Komplex, der staatliche Strukturen für die Medikalisierung der Gesellschaft instrumentalisiere. (S. 140) Die Manipulation von Studien oder das Verschweigen von negativen Studienergebnissen „gilt als Kavaliersdelikt“. (S. 101)   Er, der Autor, sei keinesfalls ein Robin-Hood, der gegen gesellschaftliche Missstände ins Feld ziehe, schreibt er auf Seite 159, halte aber die Kritik an der Medizin für wichtig, „da sie immer wieder auf das Intensivste in unser Alltagsleben“ hineinreiche. Man muss ihm bescheinigen, durch eine klare Sprache und direktes Ansprechen der Leser ein wohltuendes Klima der Vertrautheit zwischen Autor und Leser geschaffen zu haben.   Welchen Rat kann der Autor den Lesern geben? Die Politik müsse Fachgesellschaften entmachten und die „Deutungshoheit in medizinischen Fragen in unabhängige Hände legen“. (S. 198) Der einzelne Patient solle extrem skeptisch sein und stets fragen, welche schädlichen Nebenwirkungen zu befürchten seien. Auch im Internet, so bei „Cochrane-Netzwerk“, finde man gute Informationen. Grundsätzlich gehe es stets darum, sich gründlich zu informieren, zum Beispiel im vertrauensvollen Gespräch mit dem jeweiligen Arzt.   An dieser Stelle muss der Rezensent vermerken, dass der Autor zwar die Symptome der Ausbeutung vieler Patienten benannt und die totale Ökonomisierung des Gesundheitswesens in der freien Marktwirtschaft frontal angegriffen, dabei aber notwendige Veränderungen im Gesellschaftssystem nur punktuell angesteuert hat. Ein Wunsch, sicherlich im Namen zahlreicher interessierter Leser: In einer weiteren Auflage könnten Begriffsbestimmungen der wichtigsten medizinischen Vokabeln von großem Nutzen sein.   Es sei zum Schluss an ein Gesundheitswesen erinnert, das keinem Profitstreben unterlag und in dem das Wohl des Menschen oberste Priorität hatte. Dazu folgendes Zitat aus „Saschas Welt“, Blogger Norbert Gernhardt: „Das Gesundheitswesen in der DDR zählte zu den fortgeschrittensten in der Welt. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere die kostenlose medizinische Versorgung und Betreuung der DDR-Bürger, die generelle Arzneimittelfreiheit und die Vorsorge am Arbeitsplatz. Die DDR war ein sozialistischer Staat, in dem mit der Krankheit eines Menschen kein Geld zu verdienen war. (…)“ (PK)   Frank Wittig: „Krank durch Früherkennung. Warum Vorsorgeuntersuchungen unserer Gesundheit oft mehr schaden als nutzen“, gebundene Ausgabe: 214 Seiten, Verlag: Riva (7. September 2015), 1. Auflage, Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3868836306, ISBN-13: 978-3-86883-630-1, Größe und/oder Gewicht: 15,7 x 2,4 x 21,7 cm, 19.99 Euro   (1) http://sascha313.blog.de/2013/06/12/gesundheitswesen-ddr-16116463 /   Erstveröffentlichung dieser Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22102 Weitere Texte des Rezensenten: http://cleo-schreiber.blogspot.com Harry Popow: „Platons Erben in Aufruhr. Rezensionen, Essays, Tagebuch- und Blognotizen, Briefe“, Verlag: epubli GmbH, Berlin, 316 Seiten, www.epubli.de, ISBN 978-3-7375-3823-7, Preis: 16,28 Euro Harry Popow: „In die Stille gerettet. Persönliche Lebensbilder.“ Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3
hat das Thema Trilogie des Scheiterns - Buchtipp im Forum Literatur eröffnet
„Trilogie des Scheiterns. Drei Erzählungen, Kurzgeschichten, was auch immer“ Delikates von Egbert Scheunemann auf dem Teller Buchtipp von henriko46 Nein, das glaube ich jetzt nicht. Da wähne ich mich plötzlich im Portugiesen, einem Restaurant, in das ich öfter einkehre. Wegen des guten Geschmacks, essensmäßig, getränkemäßig und auch sonst. An meinem Tisch zwei unbekannte Herren. Vor Hunger kriege ich die Augen nicht so recht auf und glaube in meiner träumerischen Art, Tucholsky und Kästner vor mir zu sehen. Wie denn das? Waren das nicht...? Ja, natürlich, jene, die vor Krieg gewarnt hatten. In ihrer spöttischen Art. Geliebt und verehrt von hauptsächlich Intellektuellen. Aber was haben deren Wortmahnungen gebracht? Gescheitert waren sie, zerbrochen an mancher Dummheit, keiner wollte glauben, wovor sie warnten. Ich schüttele den Kopf. „Gescheitert“, flüstere ich vor mich hin. Ja, ja, das stimme schon, meint einer, der sich plötzlich aus dem Nebel meiner Wahnvorstellung gelöst hat und mir seinen Namen zuruft: Egbert Scheunemann. Was? Wer? Nie gehört. Unverblümt und nahezu marktschreierisch ergänzt er, er habe das Buch „Trilogie des Scheiterns“ geschrieben. Nicht ohne dabei an große Vorbilder wie eben – welch ein Zufall – an Tucholsky und Kästner gedacht und sie bewundert zu haben.   Mein Gegenüber schnippst mit dem Finger, der Kellner schnellt heran, und gibt – offenbar eine Delikatesse – die Bestellung auf. Jeder bezahle für sich, so sei es doch recht, fragt er mich. Ich nicke, ohne zu wissen, was da auf mich zukommen sollte. Ich befühle meine Gesäßtasche, aber die ist wie gewohnt sehr dünn anzufassen. Ich kann kaum noch einen klaren Gedanken fassen, da stellt der Kellner mit aller Behutsamkeit einen überdimensionalen Teller vor mich hin, darauf nichts weiter liegt als ein dünnes Bändchen mit dem zuvor von meinem Gegenüber angekündigten Titel. Auf dem Klappentext lese ich flüchtig folgende Zeilen: „Die Protagonisten der drei in diesem Band zusammengefassten Erzählungen beherrschen die Kunst des Scheiterns in ganz exaltierter Weise. Leiden Sie mit! Lachen Sie mit...“   Erstaunt und fragend schaue ich den Herrn Egbert an. Ich habe Hunger, schreie ich ihm wortlos entgegen. Er muss es an meinem dummen Gesichtsausdruck gemerkt haben. Ich verstehe, sagt er, aber das hier stillt einen anderen Hunger, wenn sie wissen, was ich meine. Unglaublich, ich bin entrüstet. Sollte ich tatsächlich Appetit auf geistige Kost haben, wo ich doch – genauso wie sicherlich Tausende andere Bundesbürger – dem nahezu entwöhnt bin? (Ich spreche nicht von gesellschaftskritischen Werken, die gekonnt Kritik dort ansetzen, wo nichts mehr zu retten ist, an angeblich unverrückbaren Zuständen!)   Und nun werde ich unhöflich und frage meinen Tischgegenüber nach seinem Tun und Lassen, worauf er sechs Bücher anführt, die er bereits veröffentlicht habe. Oh, denke ich, ein Autor? Ergänzend meint dieser, es seien kritische Bücher, die ihm sozusagen aus den Händen gerissen werden. Ein Titel frisst sich in mein Hirn: „Chronik des (nicht nur) neoliberalen Irrsinns“. Ich horche auf. Das ist nach meinem Geschmack. Also klemme ich mich an das vor mir liegende Heftchen und vergesse Hunger, Kneipe und Tischnachbarn.   Wenn auch das Scheitern, das Versagen, das Pleitemachen, das Abbrechen, eines Studiums z. B., keine großen Besonderheiten in der heutigen marktwirtschaftlich geprägten Szene darstellen, dachte ich, so ist es doch interessant, wie es anderen ergeht, wie sie sich durchschlagen, mit mehr oder weniger Erfolg im Ellenbogenkampf. Und lachen will ich auch. Also lese ich auf den 104 Seiten von drei Leuten, die sich mit Ach und Krach durch den Alltag schlängeln. Sie nennt der Autor David, Aaron und Edgar.   Nun, die ersten beiden, so kriege ich schnell mit, haben Angst vor Begegnungen, bei denen sie sich festnageln müssten oder sind zu feige, sich möglicherweise dem anderen Geschlecht zu nähern. Irgendwie kommen sie nicht zum Ziel. Man könnte sie vorschnell als Trottel abtun. Sollen sie doch so lahmarschig weitermachen, sind sie ja selber schuld. Bei Edgar sieht es schon gewaltig anders aus. Er hat eine Geschäftsidee. Muss man ja haben, will man auf sich aufmerksam und womöglich schnell Knete machen. Und sei die Idee noch so verrückt. Gut überlegt, klug und taktisch vorgehend, robbt er sich an vermeintliche und tatsächliche Gönner und Investoren heran.   Wie er dabei vorgeht, raffiniert, mit großem Gehabe und Getue, sich jeglichen marktbedingten Verhaltensweise anpassend, ist nicht nur köstlich zu lesen, es ist amüsant und man kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Er veralbert den Marktschwachsinn, den Modekonsumblödsinn, gibt vor einem Manager mit für ihn fremden Wörtern an wie „Sprachstrukturen“ und „Wirklichkeitsstrukturen“, denn, lügt er glatt, er sei als Autor in Sachen Politik, Ökonomie und Philosophie tätig, und nun habe er ein tolle Idee, denn er müsse ja irgendwie zu Geld kommen. Auch ein Sozialtrottel, der er war, habe natürlich seine Geistesblitze.   Kurz: Dieser ulkige und vom Lebenskampf gebeutelte Edgar tut alles, um sich an den Mann, sprich an den Manager und so an das erhoffte Kapital zu bringen. Mit Lügen, mit viel Tamtam und Aufgeschneide. Der Autor Egbert Scheunemann hat ein gutes Händchen für Metaphern, Vergleiche und Wortzusammensetzungen (Katerausschwitzgymnastik, Schädelbekämpfungsprogramm). Sein durchgehend in indirekter Rede gehaltener Text liest sich flüssig, wobei der Leser angehalten ist, die Pointen nahezu in jedem Absatz zu suchen und zu finden.   Atemlos und noch laut lachend lege ich das schwarze spannende kleine Büchlein endlich aus der Hand und wollte mich beim Autor, meinem Gegenüber, herzlich bedanken. Doch der war offensichtlich davongeeilt, sicherlich, um eine neue Episode über einen schwerfälligen Rezensenten, der wohl an seinem Text gescheitert sein dürfte, eine tiefgründig ausgefeilte, sachlich geschriebene Buchbesprechung zu Papier zu bringen – oder besser – in die PC-Tasten zu hauen. Des Autors offerierte Poesie-Satire auf dem großen Werbeteller hat dem Markt gemäß jedoch gut funktioniert. Der geistige Hunger ist geweckt. Bis zum nächsten Mal, Herr Egbert Scheunemann, rufe ich in Gedanken. Oder waren es Kästner und Tucholsky? Hier im Portugiesen natürlich. Herr Kellner, bitte Hefeweizen. Für alle drei...(PK)     Egbert Scheunemann: Trilogie des Scheiterns. Drei Erzählungen, Kurzgeschichten, was auch immer, Hamburg-Norderstedt 2015, ISBN 9783734746659, 104 Seiten, 9.80 Euro   Erstveröffentlichung dieser Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22013&css=print Weitere Texte des Rezensenten: http://cleo-schreiber.blogspot.com Harry Popow: „Platons Erben in Aufruhr. Rezensionen, Essays, Tagebuch- und Blognotizen, Briefe“, Verlag: epubli GmbH, Berlin, 316 Seiten, www.epubli.de, ISBN 978-3-7375-3823-7, Preis: 16,28 Euro Harry Popow: „In die Stille gerettet. Persönliche Lebensbilder.“ Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3
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„Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet“ - Michael Lüders DAS EIGENTOR der „GUTEN“  Buchtipp von henriko46 Wer wüsste das nicht – spätestens seit dem 9/11.2001 wird die Welt in zwei Lager geteilt. Die Guten und die Bösen. Wer die ersteren sind, das bestimmen die USA, Großbritannien und die Staaten der EU, allen voran Deutschland, wer die Bösen sind ebenfalls. Damit die Welt endlich zur Ruhe und zu Wohlstand komme. Und wenn es sein muss, dann mit Gewalt. Krieg gegen den Terror?   So simpel und vereinfacht fangen mitunter Märchen an, doch wir leben in einer realen Welt der sozialen Trümmer, die zunehmend irreal erscheint. Das Erscheinungsbild ist erschütternd, lässt traumatisierte Bürger ängstlich den Kopf schütteln ob der ungeheuren Flüchtlingsströme, ob des Blutvergießens im Konflikt Israel/Palästina oder durch die Gräueltaten des „Islamischen Staates“. Millionen ergreifen die Flucht. Warum? Die einstige Kolonialisierung und heutige Globalisierung, die imperialistische Kriegspolitik der USA und ihrer NATO-Verbündeten, die finanzielle und materielle Unterstützung von Terrormilizen wie al-Qaida und Islamischer Staat (IS), die verhängten Embargos sowie unser krankes Banken- und Finanzsystem (Stichworte: Troika, IWF, Austeritätspolitik, Rettungsschirme für Banken, Griechenland) verursachen und hinterlassen Blutspuren, Not und Leid. Ein weltweiter Konflikt zwischen Gut und Böse?   Wer sich von dieser verdummenden Formel nicht vereinnahmen lassen will, der lese das sehr tiefgründig recherchierte Buch mit dem Titel „Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet“ von Michael Lüders. Er war viele Jahre Nahost-Korrespondent der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT. Er kennt alle Länder der Region, hat sie persönlich bereist. Ein Kenner des Orient.   Die Region von Algerien bis Pakistan, in diesem Krisenbogen mit unzähligen Interessengruppen und Konfliktherden, mit Bildern der Religiosität und der Gewalt, setzt der mutige Autor ein hochkompliziertes Puzzlespiel zu einem einzigartigen Mosaik zusammen. Endlich, möchte man sagen. Er tut das als freischaffender Journalist und nimmt damit den großen und kleinen bürgerlichen Medien, diesem unendlichen Schweigekartell, wenn es um tiefe gesellschaftliche Ursachen geht, die Arbeit ab.   Lüders holt weit aus. Er bringt die Ingangsetzung der sogenannten Verteidigung westlicher Werte mit dem Sturz Mossadegh 1953 im Iran zur Sprache, der sich als demokratisch gewählter Premierminister mit der Nationalen Front gegen die britische Vorherrschaft stemmte und deshalb gestürzt und ins Gefängnis geworfen wurde. Der Autor analysiert im Einzelnen die vom Westen inszenierten Kriege gegen Irak, Libyen, Syrien sowie gegen die Gewaltpolitik im Konflikt Israel/Palästina.   Die mit einer Fülle von Fakten verdichtete Argumentation und die Aufhellung der Machenschaften der westlichen Elite geht mit klaren Aussagen zu den vorgegebenen und tatsächlichen Ursachen der Verwüstungen und terroristischen Bedrohungen einher. So gehe es darum, „geopolitische Widersacher auszuschalten, zu schwächen oder kleinzuhalten“. (S. 9) Auf Seite 47 zitiert der Autor Präsident Bush senior, der sagte - die Carter-Doktrin von 1980 bestätigend - der Zugang zum Öl des Persischen Golfs und die Sicherheit befreundeter Schlüsselstaaten seien entscheidend für die nationale Sicherheit der USA. Zu den Ursachen gehören vor allem die Gewinne der US-Rüstungskonzerne (S. 82). Man habe die Aussicht auf einen „neuen 30-jährigen Krieg“, so Leon Panetta, ehemaliger CIA-Chef und Verteidigungsminister von 2011 bis 2013. Die amerikanische Politik folge nicht einer hegemonialen Vernunft, die auf ein Gleichgewicht der Kräfte abziele, sondern darauf, „die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft der USA weltweit zu sichern“. (S. 100)   Gründlich analysiert der Autor die Ursachen der Entstehung des IS. Wie der Überfall auf Irak zeigt, hat sich in seinem Gefolge der Islamische Staat - sozusagen gefördert durch die Aggression der USA - erst gebildet. Den Angriffskrieg der USA gegen Irak im Jahre 2003 hatte u.a. Anarchie, Chaos, die Auflösung der irakischen Armee und das Verbot der Baath-Partei als „krimineller Vereinigung“ zur Folge. Das war sozusagen die Geburtsstunde des sunnitischen Widerstandes gegen die amerikanische Besatzung und die neuen militärischen Machthaber, das war der Grundstein für Terror und Gewalt. Während vor der Zerstörung des Irak, so lesen wir auf Seite 53, die religiöse Zugehörigkeit zu Sunniten oder Schiiten „nur eine untergeordnete Rolle“ spielte, erwuchsen später daraus Al-Qaida und 2006 die Vorläuferorganisation des Islamischen Staates. Die Brutalität der Dschhad-Miliz „Islamischer Staat“, so der Autor, habe ihre ideologischen Wurzeln in Saudi-Arabien, ebenso die heutige Konfrontation zwischen Sunniten und Schiiten. Die erzkonservative Strömung des Islam, der Wahhabismus, sei dort Staatsreligion. Demnach seien vor allem alle Muslime ungläubig. Der rechte Glaube bemesse sich im bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Herrscher, dem Kalifat oder König. (S. 28) Unzweideutig warnt Michael Lüders: Der Islamische Staat sei mittelfristig „weniger eine militärische als vielmehr eine ideologische Gefahr“. (S. 100)   Was hinter den Kulissen der Weltbühne passiert, wird von den Mächtigen durch vielerlei verschiedene Bühnenvorhänge massiv verdeckt, verschleiert. Michael Lüders stellt Zusammenhänge her, das, was unüblich geworden ist, um die imperiale Herrschaft nicht zu gefährden. So verweist er auf die ideologischen Hintergründe, mit denen die westlichen Eliten ihr Vorherrschaftsstreben in Nahost und überall in der Welt bemänteln. Wie soll man zum Beispiel „wertorientiertes“ Handeln, so die Behauptung der westlichen Politik, verstehen, wenn sie „im Nahen und Mittleren Osten“ vielfach „verbrannte Erde“ hinterlässt? (S. 7) Verpackt in der dreisten und heuchlerischen Lüge, sie betrieben „ein weltweit angelegtes Demokratisierungs- und Wohlfahrtsprogramm“. Auf Seite 114 heißt es dazu, wer eine feudale Ordnung zwangsweise demokratisieren will, schafft „naturgesetzlich ein Machtvakuum, das anschließend von gewalttätigen Gruppen gefüllt wird, ob mit oder ohne Islam im Wappen“. Zum Grundmuster westlicher Politik gehöre vor allem die „Dämonisierung des Gegners im Vorfeld“ der eigentlichen kriegerischen Enthauptung.   Nicht unbedingt förderlich zum tieferen Verständnis der Interventionen der westlichen Welt sind die bedauernden Worte des Autors von Fehlern und Dummheiten, davon, man könne nicht über seinen Schatten springen, von fehlendem Pragmatismus der USA. Kann man allerdings von einem Imperialismus, der selbst tief in der Krise steckt, anderes erwarten? Lüders fügt allerdings mutig hinzu: „Vermutlich wird dieser fehlende Pragmatismus am Ende den Niedergang der Weltmacht noch beschleunigen.“   Welche Lösungen bietet der Autor an? Das sei schwierig zu beantworten, meint ehrlich der Autor. Immerhin sei die Religion, der Islam, zum Sammelbecken für die Unzufriedenen geworden. Die Tragik der arabischen Welt liege in ihrer Zerrissenheit, „der Gleichzeitigkeit von Rückständigkeit und Moderne“. (S. 60) Es herrsche Mangel an demokratischen Erfahrungen, es fehle das Verständnis für soziale Fragen. (S. 61) Konfessionalismus und Stammesdenken würden häufig einhergehen mit Intoleranz und Gewaltbereitschaft. (S. 62) In der Regel seien die Mittelschichten zu schwach für Veränderungen. Wer Al-Qaida oder den IS, den fanatischen Wahhabismus erfolgreich bekämpfen will, so Lüders auf Seite 86, der müsse an die Wurzel gehen, an das saudische Regime, aber wer wolle sich schon mit dem weltweit größten Erdölproduzenten anlegen? Auch seien die Menschen im Orient grundsätzlich viel religiöser eingestellt und leben in der arabisch-islamischen Welt, in der feudalstaatliche Elemente dominieren. Säkulare Bewegungen könnten sich erst in einer Industriegesellschaft durchsetzen. (S. 127)   Auf den letzten beiden Seiten seines aufklärerischen und faktenreichen Buches plädiert Michael Lüders dafür, "die Welt nicht länger in ein „wir“ und „die“ zu unterscheiden. „Die großen Bruchlinien verlaufen nicht zwischen Staaten, Religionen oder Ideologien. Sondern dort, wo es um die Verteilung von Ressourcen geht. Einen ´Kampf der Kulturen´ gibt es nicht. Wohl aber einen Kampf um die Fleischtöpfe.“ (S. 173) Er schreibt von kleinen Schritten zur Veränderung, von Demut und auch davon, die Kriegsakteure, „Verderber und Schreibtischtäter“ - wenn sie vorläufig auch nur aus Kostengründen mit Drohnen drohen - vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu stellen. Wie wär´s auch damit: Stopp aller Waffenlieferungen in diese Region. Und: Die Souveränität aller Staaten achten – entsprechend dem Völkerrecht.   Wollten wir bei der eingangs genannten Märchenstunde bleiben, so müssten wir konstatieren: Sie schießen Eigentore, die angeblich GUTEN. Sie werden dies aber nicht akzeptieren wollen. Da hilft nur eins: Abpfiff des stets Trümmer hinterlassenden Spiels.   Wünschenswert wäre in einer neuen Auflage dieses Buches ein Anhang mit Begriffserklärungen wie u.a. Wahhabismus, Sunniten, Schiiten, Muslimbrüder, Kalifat, die im Text zwar erwähnt und teilweise erklärt werden, aber ein neuerliches Nachschlagen erschweren. Danke Michael Lüders für diese „aufmüpfige“ Lektüre. (PK)   Michael Lüders: „Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet“, Taschenbuch: 175 Seiten, Verlag: C.H.Beck; Auflage: 8 (31. Juli 2015), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3406677495, ISBN-13: 978-3406677496, Größe und/oder Gewicht: 12,3 x 1,7 x 20,5 cm, Preis: 14.95 Euro   Erstveröffentlichung dieser Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21954&css=print Weitere Texte des Rezensenten: http://cleo-schreiber.blogspot.com Harry Popow: „Platons Erben in Aufruhr. Rezensionen, Essays, Tagebuch- und Blognotizen, Briefe“, Verlag: epubli GmbH, Berlin, 316 Seiten, www.epubli.de, ISBN 978-3-7375-3823-7, Preis: 16,28 Euro Harry Popow: „In die Stille gerettet. Persönliche Lebensbilder.“ Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3) Online-Flyer Nr. 525  vom 26.08.2015
NRhZ_Ltn. „Mein Leutnant“ - Daniil Granin, Vorwort: Helmut Schmidt Zeit zu leben Buchtipp von henriko46 „...es gibt manchmal Momente im Leben, da man nur das Gute sieht. Und muss man sich dann zurückhalten?“ Das schrieb einer meiner Lieblingsschriftsteller in seinem Buch „Garten der Steine“, erschienen im Verlag Volk und Welt 1973 auf Seite 134. Daniil Granin. Ich las u.a. von ihm „Das Gemälde“. Und soeben sein neuestes: „Mein Leutnant“. Zum wiederholten Male ist man überrascht von seiner inneren Wahrhaftigkeit, seiner Liebe zum Leben, von seinem Bekenntnis zur Größe der menschlichen Seele, von seiner berechtigten Kritik an gesellschaftlichen Missständen in der Sowjetunion, an Dummheit und Missachtung des einzelnen Menschen, an der einseitigen Überhöhung einer Idee und der Unterdrückung des Privaten. Im Juli 1941 trat er – ebenso wie Tausende und aber Tausende Sowjetbürger - aus dem Kreis eines „normalen Lebens“ in den Teufelskreis der Menschen-Vernichtung durch faschistische deutsche Bestien. Als Jugendlicher, der noch nicht einmal die Liebe richtig kennengelernt hatte. Als Freiwilliger in der Volkswehr, nicht aus Ruhmsucht, Patriotismus, Abenteuerlust, er wollte nur den Faschisten eine Lektion erteilen. (S. 28) Was ihm und den Tausenden im Blockadering um Leningrad Kämpfenden widerfuhr, war eine erbarmungslose und bittere Offenbarung: Du musst töten, sonst bist du selber dran. Du musst hassen. Du musst ans Vaterland glauben. Du musst dich damit abfinden, dass es ein Glück wäre, bei einem feindlichen Schuss sofort tot zu sein. Du hast mit deinem Leib Leningrad zu verteidigen, mit einer Gasmaske und einem Molotow-Cocktail „gegen Maschinenpistolen und Panzer?“ (S. 23) Das Leben wurde brutal verkürzt, darauf war man gefasst. Als 20-jähriger lernt er gezwungenermaßen den Hunger kennen, Verletzungen, den Tod der Kameraden, Erfrierungen, ausgebrannte Häuser, tote Wälder, Leid und Elend. Und doch schimmern durch die 329-seitige Lektüre – neben den zahlreichen Episoden der blutigen Kämpfe um Leningrad – auch wunderbare Naturbeschreibungen, die im harten Kontrast zum erbitterten und todbringenden Geschehen stehen. So lesen wir auf den Seiten 88/89 folgende Zeilen des Schriftstellers Granin: „In der Luft lag das Gezwitscher von Kugeln und Granaten, inmitten des Geruchs nach Gräsern und warmer Erde flog der Tod umher. (…) Sobald der Beschuss aufhörte, kehrte die Schönheit des warmen Septembertages zurück.“ Ebensolche offenen Augen hat der Autor gegenüber seinen Mitkämpfern an der Front, die er sehr warmherzig charakterisiert und so seine tiefe Menschlichkeit selbst in schlimmsten Situationen bewahrt. Im Namen der Liebe zum Menschen sind auch die scharfen Attacken des heute 96-jährigen Autors gegen die Legende zu erklären, vom bevorstehenden Überfall nichts geahnt zu haben, gegen grobschlächtige Lügen „im Namen der Sache“ über anfängliche angebliche Fronterfolge der Roten Armee, gegen falsche Einschätzungen der Lage und hochgejubeltem Ruhm durch Politiker und Zeitungen. Vor allem gegen die ungenügende Ausrüstung der Kämpfenden mit Waffen und Material. Auf Seite 186 führt Granin Erkenntnisse von Historikern an, die belegen, „dass die Rote Armee zu Beginn des Krieges dreimal mehr Panzer und zweieinhalb mehr Flugzeuge hatte als die Deutschen. Die Rote Armee bestand aus 180 Divisionen. Damit hätte man den Deutschen eins auf die Fresse geben und sie bis nach Berlin zurückjagen können, ohne auf die zweite Front zu warten“.   Granin nimmt kein Blatt vor den Mund, um auch sich ins kritische Licht zu stellen. Wenn er zum Beispiel ganz offen gesteht, mitunter ein Weiberheld, Säufer und unzuverlässiger Mann und Vater gewesen zu sein.   Herzbewegend die Liebe des Autors zu seiner Frau Rimma, die er unmittelbar vor dem Überfall der Faschisten geheiratet hatte. Sie ist es, die ihm, der während des Krieges stilistisch sozusagen in eine zweite Haut geschlüpft war, in seinen „Leutnant“, der an den Erfolg glauben musste und das eigentliche Leben Zug um Zug abgestreift hatte, sie ist es, die ihn versucht, auf den Boden der Wirklichkeit zurückzuholen. Sie sagt ihm, sie beide hätten nach dem Krieg noch nicht wirklich angefangen zu leben. Das wirkliche Leben müsse man verschieben. Aber es lässt „sich nicht verschieben“. Alles gehe erst morgen in Erfüllung. „Nur Geduld, Geduld...“ (S. 265) „Mein Leutnant“ ist kein Kriegsroman im herkömmlichen Sinne, er schmückt sich nicht mit dramatisch errungenen Erfolgen. Im Gegenteil: Er spricht eine unverblümte Sprache, direkt und knallhart. Er stellt heraus, dass der ungerechte Krieg der Faschisten den Großen Vaterländischen Krieg herausgefordert hat. Ab Seite 316 berichtet der Autor von einer Begegnung mit Gustav, die nach Kriegsende stattfand. Der Wehrmachtsoffizier stand dem Rotarmisten an der Front um Leningrad gegenüber. Auf die Frage des Deutschen, warum es gelungen war, Europa zu erobern, Russland aber nicht, antwortete Granin zurückhaltend: „Wahrscheinlich, weil wir einen gerechten Krieg geführt haben.“ Gustav stimmte dem höflich zu, darüber hatte er nie nachgedacht. (S. 320) Granin nimmt es hin. Hass hegt er keinen mehr. Nicht ohne Grund hat er auch Abschied von seinem Leutnant genommen, von seinem zweiten Ich, von dessen Träumen und Vorwürfen.   Unausgesprochen bleibt die Frage in der Schwebe: Heute stehen härtere globale Auseinandersetzungen ins Haus, die die gesamte Menschheit gefährden könnten. Und die Herausforderung: Der Frieden darf nicht einem „Wunder“ überlassen werden! Die Verantwortung für den Erhalt des Planeten und des Menschengeschlechts hat einen neuen riesigen Radius erhalten. Wer dabei nur an Wunder glaubt, gerät in den Strudel von Unwägbarkeiten, von unkontrollierten imperialen Ansprüchen und Machenschaften. Im Vorwort schreibt Helmut Schmidt, der ebenfalls an der Leningrader Front auf Seiten der Faschisten gekämpft hatte, es sei ein Geschenk, sich heute als Freunde zu treffen.   Der lebenserfahrene 96-jährige Daniil Granin wird wohl innerlich seinen Zweifel haben, dass der Sieg der Sowjetunion und der Antihitlerkoalition über den Faschismus nur ein Geschenk gewesen sein soll. Er, der große Humanist und Verehrer des Schönen und des Guten, wird eher diesem Gedanken zustimmen: Die Zeit zu einem richtigen friedvollen Leben für alle Erdenbewohner ist längst überfällig. In einem Fernseh-Interview sagte Daniil Granin: „Die Lehrstunden, die uns Geschichte gibt, werden nicht so gut aufgenommen. Die lehrt uns eigentlich gar nichts. Alles wiederholt sich. Wir sehen es heute wieder - diese Schießereien, wieder sterben Menschen, wieder Soldaten, wieder dieser Schmutz des Krieges, denn der Krieg ist immer schmutzig.“ (…) Der Mensch bestehe nicht daraus, „was er macht, diese Wagen und Kanonen, er besteht aus höheren Werten. Wir sind wohl die Fortsetzung des Menschen, der in seiner Höhle Wände mit Tieren bemalt hat. Warum hat er das gemacht? Das kann niemand beantworten. Das sind diese Bedürfnisse nach Glück, um das Wunder des Lebens zu verstehen.“ (1) Zustimmen würde Granin wohl auch Fidel Castro, der einst sagte: „Ich muss Marx also Recht geben, wenn er schreibt, dass die Menschheit ihre prähistorische Phase erst verlassen haben wird, wenn ein wirklich gerechtes soziales Regime etabliert werden konnte.“ (siehe „junge welt“ vom 5./6./7. Januar 2004)   Das Wunderbare am Menschengeschlecht stets gesehen, das Gute und die Hoffnung niemals aus den Augen verloren zu haben, dafür gerade zu stehen, das macht die Größe dieses Menschen und Schriftstellers Daniil Granin aus. Herzlichen Dank für Ihr außergewöhnliches Buch, für Ihre eindeutige Botschaft. (PK) (1) http://www.mdr.de/artour/daniil-granin-interview-mein-leutnant100.html   Der Autor: Daniil Granin, geboren 1919 in Wolyn, studierte Elektrotechnik, arbeitete als Ingenieur, meldete sich 1941 als Kriegsfreiwilliger. Ab 1949 veröffentlichte er zahlreiche Romane. Am 27. Januar 2014 hielt er eine Rede vor dem Deutschen Bundestag zum Gedenken an die Opfer der Leningrader Blockade. Daniil Granin: „Mein Leutnant“, Vorwort von Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt, gebundene Ausgabe: 329 Seiten, Aufbau Verlag; Auflage: 2 (1. April 2015), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3351035918, ISBN-13: 978-3351035914, Größe und/oder Gewicht: 13,6 x 3,4 x 22,3 cm, Preis: 19,95 Euro   Aus dem Russischen: Jekatherina Lebedewa.   Erstveröffentlichung dieser Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21864&css=print Weitere Texte des Rezensenten: http://cleo-schreiber.blogspot.com   Harry Popow: „Platons Erben in Aufruhr. Rezensionen, Essays, Tagebuch- und Blognotizen, Briefe“, Verlag: epubli GmbH, Berlin, 316 Seiten, www.epubli.de, ISBN 978-3-7375-3823-7, Preis: 16,28 Euro   Harry Popow: „In die Stille gerettet. Persönliche Lebensbilder.“ Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3) Online-Flyer Nr. 521  vom 29.07.2015
hat das Thema Kriege im 21. Jahrhundert im Forum Literatur eröffnet
„Kriege im 21. Jahrhundert: Neue Herausforderungen der Friedensbewegung“ Monster-Geschwister Buchtipp von henriko46 Da schreckt ein Kaffeekränzchen plötzlich hoch als in Nachbars Garten ein Schuss fällt. Da reißt es aber keinen unbedingt vom Stuhl, wenn man am 1. Juli 2015 in der „Linken Zeitung“ vom 1. Juli 2015 folgende Sätze des US-Autors Stephen Lendman (1) online zu lesen bekommt: Gegenwärtig erlebe man „die gefährlichste Epoche der Weltgeschichte“. Die von den USA „beherrschte Tötungsmaschine NATO ist ein außer Kontrolle geratenes Monster, das eine wahnsinnige Strategie verfolgt. Der Weltfrieden ist bedroht, wie nie zuvor. Das Schicksal der Menschheit steht auf Messers Schneide. In imperialer Arroganz riskieren die USA und die NATO den atomaren Weltuntergang.“   Wer dabei unbelehrbar nach wie vor den Kopf schüttelt und mit den Schultern zuckt und dennoch einen wachen politischen Blick behalten will, dem sei das Aufsehen erregende politische Sachbuch mit dem Titel „Kriege im 21. Jahrhundert. Neue Herausforderungen der Friedensbewegung“ aus dem Sonnenberg Verlag, herausgegeben von Rudolph Bauer, wärmstens ans Herz gelegt.   Die Beiträge in diesem Band fußen auf Vorträgen während einer Tagung der Initiative Antikriegskonferenz (AKK) im Oktober 2014. Deren Ziel war es u.a., „das antimilitaristisch-kritische Bewusstsein zu schärfen und die außerparlamentarische Antikriegsbewegung zu stärken“. (S. 35)   Wenn der kriegsvorbereitende Zustand als normal empfunden wird, dann kann die Politik samt ihrer hörigen Medien bei unbedarften Lesern und Hörern einen Erfolg verbuchen. Anders diejenigen, die sich empört abwenden von Krieg und Kriegsgeschrei, die mit Wort und Tat dagegenhalten – und das sind „Millionen Menschen in der Bundesrepublik und in Europa, die keine Kriege befürworten, keine unterdrückerische Politik (wollen), keine ausbeuterische Ökonomie, kein die nationalen Grenzen überschreitendes Militär und keine Geheimdienste, welche sich öffentlicher demokratischer Kontrolle entziehen“. (S. 337)   Werden sie die Kraft und den Willen haben, das Säbelrasseln nicht nur in die Schranken zu weisen?   Der interessierte Leser wird aus diesem Buch die Erkenntnis gewinnen, dass es höchste Zeit ist zum Widerstand. Der dürfte nicht leicht fallen, denn die Bundesregierung vertuscht ihre Kriegsvorbereitungen, indem sie das Militärische zur Normalität erklärt. Das Verbrecherische hat also einen offiziellen Anstrich. Man soll sich an Krieg gewöhnen. Und die BRD an der Seite der Monster. Als deren Standbein, als deren Aufmarschgebiet gen Osten. Nicht mit Schüssen vorerst, nur mit Drohgebärden, nein, der Kampf gegen die Menschen kommt auf leisen Sohlen. Mit Phrasen und Floskeln, die die Wahrheit in den Dreck treten, mit Lügen und Geschichtsfälschungen, die die Köpfe der Menschen verwirren, die die Willigen und Angepassten möglicherweise wieder an die Waffen rufen könnten.   Schon in den Schulen wird vorgegaukelt, wir würden „in der besten aller heute möglichen Welten … leben.“ (S. 14) Auf diese Art flüstert man Kindern und Jugendlichen ein, unbesorgt in die Zukunft zu schauen und der Politik größtes Vertrauen entgegenzubringen. Keiner bezweifelt, dass es vielen Deutschen weder am Essen noch an Zufriedenheitspillen für das tägliche Gebrauchtwerden im kapitalistischen Profit- und Marktgetriebe mangelt – trotz der immer zahlreicher werdenden Streiks und Proteste gegen wachsende Armut und soziale Ungerechtigkeit. Wer aber vernimmt das zunehmende Kriegsgeschrei, die Verlagerung schwerer Waffen gen Osten? Das unter dem nebelhaft verschleiernden Wort von angeblicher Sicherheit erneute Säbelrasseln? Es gerät gar nicht erst ins Blickfeld der im Showtheater sitzenden und selbstgefällig nickenden gut situierten und oft politisch wenig nachdenklichen Mitbürger?   Diese 374-seitige Lektüre ist wahrlich nicht die einzige Quelle für die Antikriegsbewegung, was aber dieses Buch auszeichnet, sind die vielfältigen Themen von sechzehn Autoren, die sowohl die Hintergründe der sogenannten Neuvermessung der Welt als auch die auf leisen Sohlen daherkommenden Methoden der Volksverdummung aufs Korn nehmen. Das geschieht mit einer verblüffenden Vielzahl von Fakten und Zitaten, die manchen Leser überfordern könnten, mitunter auch zum Widerspruch reizen, die allerdings auch Hilfestellung geben, sich persönlich und im Verbunde mit Gleichgesinnten zur Wehr zu setzen. Wie hieß es doch? „Nie wieder Krieg“. Heute von den Mächtigen umgewandelt: „Nie wieder Krieg ohne uns.“ (S. 281)   Die Kriegsvorbereitungen durch die deutsche Politik am Gängelband der USA werden durch die Autoren von verschiedenen Seiten aus beleuchtet, gegliedert in drei Teile: Militarisierung, Mobilisierung und Einspruch, die sich wiederum u.a. untergliedern in ideologische Aufrüstung in Schulen, die Rolle von Videospielen, das Vermischen von ziviler und militärischer Sicherheit, die soziale Kriegsmobilmachung, die Rolle der Medien als Kriegspartei, die zunehmende Rolle der Geopolitik, den politischen Widerstand, Perspektiven der Friedensbewegung sowie den Zusammenhang zwischen Kriegen, Katastrophen und Kapital.   Wie in anderen politischen Sachbüchern, die sich kritisch mit dem kapitalistischen System auseinandersetzen, wird auch in diesem Buch auf ein Phänomen aufmerksam gemacht: Die Herrscherelite vermeidet aus „gutem Grund“ - das offenbart sich tagtäglich in fast allen bürgerlichen Medien - jegliche Ursachenforschung, die die Hintergründe des Profitstrebens und des Kampfes um Vormachtstellungen in der Welt und um Ressourcen aufhellen könnte, mit Recht befürchtend, sie würde dabei ihr eigenes Grab schaufeln.   Deren Abwehr gegenüber aller grundsätzlichen Gesellschaftskritik zeigt sich in einer verblümten Sprache, der Verbreitung einer wirklichkeitsfremden Dreifaltigkeit von Frieden, Freiheit und Wohlstand und im Namen von Menschenrechten. Welch ein Hohn! Wer das nicht glauben mag, der lese u.a. auf Seite 330: „Der Selbstbezug westlicher Politik ist geprägt von der Überzeugung, dass ´unsere` Zivilisation und Kultur Ausdruck der höchsten menschlichen Entwicklung ist; dass mithin ´unser`Wirken in der Welt für alle nur segensreich sein kann; dass es ´dem Westen` deshalb auch zustehe, sein Modell des Wirtschaftens und politischen Handelns sowie sein Menschen- und Weltbild der Menschheit überzustülpen, notfalls auch mit militärischer Gewalt.“   Diese Anmaßungs- und Arroganzpolitik stinkt zum Himmel. Das Eigene sei also rein, das Andere blutgetränkt. Wir haben mit dem Elend der Welt nichts zu tun, wir wollen aber lindern. Damit seien „Vorkriegsverhältnisse erreicht“. (S. 57) So ist der Ruf nach einem starken Staat zu verstehen, nach Aufrüstung, nach Umdeutung von „Verteidigung“ in „Sicherheit“, deshalb das heuchlerische „Mitgefühl“ mit Flüchtlingen, deshalb der Schulterschluss von Polizei, Geheimdiensten und Militär. In diesem ´Sicherheitskonzept´ spielen „die Bekämpfung der sozialen, ökonomischen und ideologischen Ursachen und Bedingungen von Terrorismus, Gewalt und Kriminalität demgegenüber allenfalls eine untergeordnete Rolle...“ Mit Massenüberwachung, Vorratsdatenspeicherung und militärischer Aufrüstung sei den Konflikten allerdings nicht beizukommen. (S. 147)   Auf Seite 342 heißt es zum Widerstand gegenüber dem gefährlich wütenden Großkapital: „Wer sich gegen Militarisierung und Kriege, für Demokratie und Gerechtigkeit engagiert, darf nicht verkennen, dass es das Kapital ist, dessen in wiederkehrenden Krisen einmündende Mechanismen den Frieden bedrohen und totalitäre Bewegungen wie auch Terror und Katastrophen erzeugen.“ Um einen atomaren Zerstörungswahn zu stoppen, beruft sich der Herausgeber Rudolph Bauer auf Marx, es müsse gelingen, die bestehenden Verhältnisse „zum Tanzen zu bringen“. (S. 341)   Der Rezensent sieht dieses Buch über die Kriege des 21. Jahrhundert nicht nur als Bildungswerk an, sondern als Anregung zum Umdenken, als Pflichtlektüre für´s demokratische Mitbestimmen. Die sechzehn Autoren wirbeln das politische Show-Gesülze tüchtig durcheinander und lassen aufgeweckte Leute hinter die Kulissen schauen. Nimmt man die Gefahren für den Bestand der Welt ernst, so ist es die menschlichste aller Pflichten, nicht nur dieses Buch, sondern alle geistigen Gegenströmungen in sich aufzunehmen und zu überlegen, was und wie man etwas tun kann, um die scheinbaren Grenzen des Machbaren zu überwinden, vorausgesetzt, man findet die Kraft und hat den Mut zum Verändern. Die eingangs erwähnten Monster-Geschwister, sprich das superreiche Kapital, hat seine Existenzberechtigung längst verloren, es möge durch vereintes – auch außerparlamentarisches – Handeln Schritt für Schritt entsorgt werden. Autoren: Prof. Dr. Rudolph Bauer (Bremen), Volker Eick (Berlin), Julian Firges (Kassel), Dr. Rolf Gössner (Bremen), Prof. Dr. Franz Hamburger (Mainz), Prof. Dr. Peter Herrmann (Rom), Claudia Holzner (Kassel), Prof. Dr. Sönke Hundt (Bremen), RA Otto Jäckel (Berlin), MdB Ulla Jelpke (Berlin), Dr. Matthias Jochheim (Frankfurt/Main), Prof. Dr. Hans-Jörg Kreowski (Bremen), Dr. Günter Rexilius (Mönch.gladbach), Helmuth Riewe (Ganderkesee), Michael Schulze von Glaßer (Kassel), Prof. Dr. Jörg Wollenberg (Bremen) (PK)   (1) „Linke Zeitung“ ergänzt: Stephen Lendman lebt in Chicago. Er ist über lendmanstephen@sbcglobal.net zu erreichen. (2) http://www.linkezeitung.de/index.php/ausland/welt/4008-putins-reaktion-auf-die-militaeraktionen-der-usa-und-der-nato-vor-der-tuerschwelle-russlands   Rudolph Bauer (Hrsg.): Kriege im 21. Jahrhundert. Neue Herausforderungen der Friedensbewegung. Friedenspolitische Reihe. Band 01, 2015 Sonnenberg Verlag, 374 Seiten, ISBN 978-3-933264-77-0, Preis: 19,80 Euro   Erstveröffentlichung dieser Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21787&css=print Weitere Texte des Rezensenten: http://cleo-schreiber.blogspot.com   Harry Popow: „Platons Erben in Aufruhr. Rezensionen, Essays, Tagebuch- und Blognotizen, Briefe“, Verlag: epubli GmbH, Berlin, 316 Seiten, www.epubli.de , ISBN 978-3-7375-3823-7, Preis: 16,28 Euro   Harry Popow: „In die Stille gerettet. Persönliche Lebensbilder.“ Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3)
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