Betreuung / Mobile Dienste Pflege im EU-Ausland

Pflege im EU-Ausland: Eine Alternative für viele Pflegebedürftige

Immer mehr Pflegebedürftige und ihre Angehörigen im deutschsprachigen Raum entscheiden sich für ein Pflegeheim im EU-Ausland. Dort locken vor allem der niedrige Preis und dass in vielen Fällen eine intensivere Betreuung geboten wird.

Pflege im EU-Ausland erscheint als attraktive Alternative für viele Pflegebedürftige ©Sandor Kacso | Fotolia.com


1. Warum entscheiden sich immer mehr Menschen für die Pflege im EU-Ausland?

1.1. Geringe Kosten

1.2. Intensive Betreuung

2. Welche Länder sind beliebt?

3. Was leisten Seniorenheime im EU-Ausland?

3.1. Sprachkenntnisse

3.2. Qualifikation der Pflegekräfte

3.3. Niedriger Pflegeschlüssel

3.4. Ausstattung

3.5. Medizinische Betreuung

3.6. Zusatzleistungen

3.7. Lage

4. Was sind die Nachteile einer Pflege im EU-Ausland?

4.1. Entfernung

4.2. Sprachbarriere

4.3. Qualitätsunterschiede

5. Bleibt die deutsche Krankenversicherung im Ausland gültig?

6. Was kostet die Pflege im EU-Ausland?

7. Wie kann die Betreuung im EU-Ausland finanziert werden?


Wenn ältere Menschen sich nicht mehr selbst versorgen können und auf Pflege angewiesen sind, ist guter Rat oft teuer. Angehörige fühlen sich der Aufgabe oft nicht gewachsen, die Pflege selbst zu bewältigen. Ein Platz in einem deutschen Heim ist jedoch für manche kaum oder gar nicht bezahlbar. Die Beobachtungen des Statistischen Bundesamts zeigen seit 15 Jahren einen Zuwachs an Pflegebedürftigen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Doch bis diese in Anspruch genommen werden kann, müssen die Kinder für die Pflege aufkommen – bis zu einem Schonvermögen von 70.000 Euro.

1. Warum entscheiden sich immer mehr Menschen für die Pflege im EU-Ausland?

1.1. Geringe Kosten

Aufgrund der hohen Kosten für die stationäre Pflege in Deutschland sind Pflegeeinrichtungen im EU-Ausland inzwischen eine wichtige Stütze für viele Pflegebedürftige und deren Angehörige im deutschsprachigen Raum. Der Preis für die Pflege im Heim steigt hierzulande stetig an. Trotz gesetzlicher Pflegeversicherung müssen die Pflegebedürftigen neben einem Teil der Pflegekosten auch Unterbringung und Verpflegen aus eigener Tasche stemmen. Je nach Bundesland müssen sie manchmal noch 1.000 oder sogar knapp 2.000 Euro selbst aufbringen. Für viele ist das eine große finanzielle Belastung, die zu Altersarmut führen kann. In einigen EU-Ländern ist die Pflege wesentlich günstiger als in Deutschland.

1.2. Intensive Betreuung

Für viele ist der geringere Preis für die Pflegeeinrichtungen im EU-Ausland nicht der ausschlaggebende Grund für den Umzug. Auch die Betreuung in den ausländischen Pflegeheimen spielt eine große Rolle – sie ist dort oftmals intensiver. Wegen des Fachkräftemangels, der in deutschen Pflegeheimen herrscht, bleibt manchmal nur wenig Zeit für individuelle Zuwendung und Betreuung der Pflegebedürftigen. In Einrichtungen für deutsche Pflegebedürftige im EU-Ausland kümmern sich oft deutlich mehr Pflegefachkräfte um die Patienten wie in Deutschland. So kann eine individuellere und intensivere Betreuung geboten werden.

2. Welche Länder sind beliebt?

Die Länder Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei sind als östliche Anrainerstaaten Deutschlands und Österreichs beliebt. Hier befinden sich mittlerweile Einrichtungen, die sich speziell auf die Bedürfnisse deutschsprachiger Bewohner eingestellt haben. Auch in Rumänien und Bulgarien sind inzwischen entsprechende Angebote entstanden. In Spanien und anderen südeuropäischen Ländern wie Portugal oder Griechenland gibt es mittlerweile ebenfalls Einrichtungen für deutsche Pflegebedürftige, die zum Teil auch von deutschen Trägern geführt werden. Das liegt daran, dass viele Senioren aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz im Alter in den Süden ziehen. Auch wenn die Gesundheit nachlässt, wollen viele dann weiterhin dort wohnen bleiben.

3. Was leisten Seniorenheime im EU-Ausland?

Grundsätzlich leisten Pflegeheime im EU-Ausland alles, was auch deutsche Einrichtungen anbieten. Das bedeutet, dass es eine Rundumbetreuung für Pflegebedürftige gibt – von Pflegekräften, die ständig für sie verantwortlich sind. Die Einrichtungen im EU-Ausland, die sich gezielt an den Bedürfnissen deutscher Bewohner ausgerichtet haben, bieten darüber hinaus oft noch mehr.

3.1. Sprachkenntnisse

Dass zumindest ein Teil des Personals Deutsch spricht, spielt für die Qualität der Betreuung deutscher Pflegebedürftiger eine außerordentliche Rolle. Nur so kann das Wohlbefinden der Bewohner gewährleistet werden – denn ihre angemessene Betreuung und medizinische Versorgung ist sichergestellt. Da die anderen Pflegeheimbewohner meist zum Großteil aus deutschsprachigen Ländern kommen, können sie sich untereinander ohne Probleme verständigen und Kontakte aufbauen sowie Freundschaften knüpfen.

TIPP DER REDAKTION:

Informieren Sie sich vor dem Umzug unbedingt darüber, wie hoch der Anteil der Pflegekräfte ist, die Deutsch sprechen. Hierbei gibt es große Unterschiede: In einigen Einrichtungen verfügen nur einzelne Mitarbeiter über Sprachkenntnisse. In den meisten der auf Deutsche spezialisierten Pflegeheimen spricht ein großer Teil der Pflegekräfte Deutsch, vor allem in den Regionen nahe der Grenze zu Deutschland und Österreich.

3.2. Qualifikation der Pflegekräfte

Neben den Sprachkenntnissen stellt auch die Qualifikation der Pflegefachkräfte ein wichtiges Auswahlkriterium dar. In den meisten Fällen sind sie hochqualifiziert und staatlich anerkannt. Des Weiteren sind vor allem osteuropäische Pflegekräfte schon seit Längerem wegen ihrer guten Ausbildung und Fachkenntnisse im deutschsprachigen Raum beliebt. Nun kehren viele von ihnen zurück in ihre Heimatländer und versorgen dort deutsche Pflegebedürftige in speziellen Heimen.

3.3. Niedriger Pflegeschlüssel

In Zeiten des Fachkräftemangels in der deutschen Altenpflege zeigt sich für viele der größte Vorteil der Einrichtungen im EU-Ausland bei der Betrachtung des Personalschlüssels: in den auf Deutsche spezialisierten Heimen in Osteuropa sorgt eine Pflegekraft für durchschnittlich vier bis fünf Bewohner. So bleibt den Pflegekräften auch die Zeit, mit den Bewohnern zu plaudern oder Brettspiele zu spielen. In auf Demenzkranke spezialisierten Einrichtungen sind häufig noch mehr Pflegekräfte beschäftigt. Dort findet häufig eine 1:1 Betreuung statt. So haben Bewohner immer einen festen Bezugspunkt und eine engmaschige Betreuung kann gewährleistet werden. Darüber hinaus beschäftigen viele der Heime eigene Physiotherapeuten oder medizinisches Fachpersonal. Die Qualität der Pflege kann es somit oftmals nicht nur mit der in deutschen Heimen aufnehmen – sie übertrifft diese sogar. Die gute Betreuung wird ermöglicht durch die niedrigen Lebenshaltungskosten, den Währungsunterschied, vor allem aber durch den deutlich niedrigeren Bruttolohn der Pflegekräfte. Dieser liegt beispielsweise in Polen bei nur durchschnittlich 400 Euro im Monat.

3.4. Ausstattung

Viele der Pflegeheime, die auf die Bedürfnisse deutschsprachiger Pflegebedürftiger zugeschnitten sind, wurden erst in den letzten Jahren aufgebaut. Sie verfügen dementsprechend über eine sehr moderne Ausstattung mit hohem Standard. Die hohen Anforderungen deutschsprachiger Bewohner wurden bei der Planung und dem Bau der Einrichtungen berücksichtigt. Internet- und Telefonanschlüsse sind in den meisten Fällen feste Bestandteile in den Zimmern. Meist sind die Räume voll möbliert, aber auch die eigenen Möbel können in der Regel mitgebracht werden.

3.5. Medizinische Betreuung

Die medizinische Betreuung schließt oft regelmäßige Besuche eines deutschsprachigen Arztes mit ein. Die Bewohner haben in der Regel einen festen Ansprechpartner, an den sie sich bei Beschwerden wenden können. Das könnte zum Beispiel eine fest angestellte Krankenschwester sein. Im Notfall ist der Weg in ein deutsches Krankenhaus manchmal mit sehr langen Fahrzeiten verbunden und nicht realisierbar.

HINWEIS DER REDAKTION:

Informieren Sie sich vor dem Umzug über die Standards der Krankenhäuser in der Nähe des Pflegeheims. Achten Sie auch darauf, dass der Weg zum nächsten Krankenhaus nicht zu weit ist. Vor allem in Großstädten gibt es Krankenhäuser mit hohen medizinischen Standards, auf dem Land ist die medizinische Betreuung manchmal nicht mit deutschen Verhältnissen zu vergleichen.

3.6. Zusatzleistungen

Im Vergleich zu deutschen Einrichtungen sind in osteuropäischen Ländern oft mehr Leistungen im monatlichen Preis inbegriffen. Es ist in Polen beispielsweise unüblich, Therapien wie Freizeitangebote, gut ausgestattete Bibliotheken, Ergotherapie, Massage und Fußpflege extra abzurechnen. Außerdem beinhaltet der Preis die komplette 24-Stunden-Betreuung, die Intensivbetreuung beispielweise bei Demenz, Mahlzeiten und Zimmerreinigung. Mit Extrakosten muss hingegen gerechnet werden bei Medikamenten und Pflegeartikeln wie Windeln und Kompressen. Die Kosten für diese Artikel sind allerdings weitaus günstiger als in Deutschland. Einige Einrichtungen bieten sogar spezielle Therapien wie zum Beispiel Hundetherapie an.

3.7. Lage

Ungarn hat mit der Lage vieler Pflegeeinrichtungen etwas Besonderes zu bieten: Diese befinden sich sehr oft in der Nähe von Thermalädern oder beliebten Reisezielen wie dem Balaton. Hier locken der Badesee, traumhafte Wanderwege und Kulturangebote wie die Abtei Tihany. So können sich die Angehörigen bei langen Besuchen nicht nur auf ein Wiedersehen mit ihren Liebsten freuen. Auch im malerischen Franzensbad im westböhmischen Bäderdreieck in Tschechien gibt es auf deutschsprachige Bewohner zugeschnittene Angebote. Hier ist man in der Nähe vieler Wellness-, Kur- und Kulturangebote, die jederzeit erkundet werden können.

4. Was sind Nachteile vom Pflegeeinrichtungen im EU-Ausland?

4.1. Entfernung

Der größte Wermutstropfen ist für viele Pflegebedürftigen und ihre Angehörige die Entfernung: während eine Pflegeeinrichtung in der Nähe der deutschen Grenze in Polen oder Tschechien mit dem Auto oft sehr schnell zu erreichen ist, sieht es bei Ländern wie Ungarn, der Slowakei oder Rumänien schwieriger aus. Einrichtungen in Spanien sind meist nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Viele Angehörige entscheiden sich deshalb dafür, ihre Liebsten weniger oft zu besuchen - dann aber mehrere Wochen am Stück bei ihnen zu bleiben.

4.2. Sprachbarriere

Probleme können auch wegen der Sprachbarriere auftreten. Das Personal der auf deutschsprachige Bewohner spezialisierten Pflegeeinrichtungen verfügt zwar meist über gute Deutschkenntnisse; wenn die Bewohner ihre Zeit aber auch außerhalb der Einrichtung verbringen wollen, stoßen sie oft auf eine sprachliche Hürde. Viele Einrichtungen bieten deshalb Kurse der jeweiligen Landessprache und Begleitung bei Ausflügen an.

4.3. Qualitätsunterschiede 

Die Leistungen der auf deutsche Bewohner spezialisierten Einrichtungen im EU-Ausland sind zwar meist sehr gut. Dennoch gibt es je nach Einrichtung Qualitätsunterschiede. Ebenso wie in Deutschland sollte man sich im Vorfeld über das Pflegeheim und dessen Ausstattung gründlich informieren. Denn die Enttäuschung ist groß, wenn sich nach dem Umzug herausstellt, dass es nicht hält, was es versprochen hat.

5. Bleibt die deutsche Krankenversicherung im EU-Ausland gültig?

Grundsätzlich haben EU-Bürger in ihrem Wohnsitzland Anspruch auf Leistungen im Krankheitsfall, etwa medizinische Behandlung oder Medikamente. Den Pflegebedürftigen stehen genau die Leistungen zu, die auch den Bürgern des Landes zustehen, in dem sie ihren Wohnsitz haben. Wenn sie bessere oder zusätzliche Leistungen in Anspruch nehmen wollen, müssen sie dafür selbst aufkommen oder eine private Auslandskrankenversicherung abschließen.

6. Was kostet die Pflege im EU-Ausland?

Die Preise für die Pflege im EU-Ausland variieren stark, je nachdem, wie die Ausstattung und Betreuung der jeweiligen Heime gestaltetet sind. In Polen kostet ein Platz in einer Pflegeeinrichtung je nach Anbieter und Ausstattung durchschnittlich zwischen 700 und 1.500 Euro im Monat. In Ungarn ist ein Platz im Doppelzimmer schon ab 550 Euro zu haben. Auch in der Slowakei und in Tschechien befinden sich die Preise auf einem sehr niedrigen Niveau. Oft gilt: Je näher zur deutschen oder österreichischen Grenze, desto beliebter die Einrichtung. Dementsprechend steigt der Preis oft mit der Nähe zur deutsch-polnischen oder österreichisch-ungarischen, beziehungsweise österreichisch-slowakischen Grenze. Zwar sind die Preise auch in Spanien etwas günstiger als in Deutschland. Allerdings muss dennoch mit einem höheren Preisniveau als etwa in Osteuropa gerechnet werden.

HINWEIS DER REDAKTION:

Bedenken Sie bei der Kostenabwägung, dass bei der Pflege im Ausland eventuell versteckte Kosten auf Sie zukommen können, wie etwa Benzin- und Reisekosten für die langen Anreisen bei Besuchen. Auch Pflegemittel, wie zum Beispiel Windeln, Rollator oder Rollstuhl, müssen Sie in der Regel selbst bezahlen.

7. Wie kann die Betreuung im EU-Ausland finanziert werden?

Grundsätzlich ruht der Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung bei einem Auslandsaufenthalt. Wenn der Pflegebedürftige sich langfristig allerdings in einem EU-Land oder im Europäischen Wirtschaftsraum (Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein) aufhält, hat er weiterhin Anspruch auf das Pflegegeld. Es beträgt monatlich zwischen 319 und 901 Euro.

Zwischen Geld- und Sachleistungen wird streng getrennt, um eine Doppelversorgung zu vermeiden. Unter Geldleistungen versteht man das Pflegegeld, das Angehörige bekommen, wenn sie ihre Verwandten zu Hause pflegen: das Pflegegeld. Das bleibt erhalten, auch wenn der Pflegebedürftige sich für eine Einrichtung im EU-Ausland entscheidet. Sachleistungen sind tatsächliche Pflegeleistungen, zum Beispiel in einer staatlichen Pflegeeinrichtung in Deutschland. Diese werden von der Pflegeversicherung mit deutlich höheren Beträgen bezuschusst. Wer Sachleistungen im anderen EU-Land wahrnimmt, hat nur Anspruch auf jene Pflegeleistungen, die auch den Bürgern dieses Landes zustehen. Er kann dann keine Geldleistungen wie das Pflegegeld mehr beanspruchen.

TIPP DER REDAKTION:

Wenn Sie sich vorstellen können, im Alter ins Ausland zu ziehen, kann sich der Abschluss einer privaten Pflegeversicherung unter Umständen lohnen. Diese zahlt meist unabhängig vom Wohnort, sodass Sie finanziell auch im Fall einer Pflege im Ausland komplett abgesichert sind.


 

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